Der Klima-Sachverständigenrat Baden-Württemberg hat in seiner ersten Stellungnahme zum Klimaschutz 2025 scharfe Kritik an der Landesregierung geübt. Die Experten stellen fest, dass die bisherigen Anstrengungen bei Weitem nicht ausreichen, um die selbst gesteckten Klimaziele zu erreichen. Insbesondere in den Sektoren Verkehr und Wärme bestehe dringender Handlungsbedarf. Als zentrales Steuerungsinstrument fordern die Sachverständigen die rasche Einführung eines verbindlichen CO₂-Budgets.
Klima-Sachverständigenrat BW: Dringender Handlungsbedarf für Klimaschutz 2025
Der Klima-Sachverständigenrat warnt in seiner Analyse unmissverständlich: Ohne eine erhebliche Beschleunigung der Klimaschutzmaßnahmen wird Baden-Württemberg seine Ziele für die Jahre 2027 und 2030 verfehlen. In der Stellungnahme zum Umsetzungskonzept Klimaschutz 2025 (UKS) wird deutlich, dass das aktuelle Tempo nicht genügt, um die gesetzlich verankerte Reduktion der Treibhausgasemissionen um mindestens 90 Prozent bis 2040 zu gewährleisten.
Das unabhängige Gremium, das von der Landesregierung zur kritischen Begleitung ihrer Klimapolitik eingesetzt wurde, sieht die bisherige Umsetzung als unzureichend an. Die Vorsitzende des Rates, Professor Dr. Claudia Kemfert, formulierte es deutlich: „Die Landesregierung muss die Geschwindigkeit ihrer Klimaschutzmaßnahmen erheblich erhöhen, wenn sie ihre Ziele erreichen will. Die bisherige Umsetzung des UKS reicht nicht aus.“
Ein wesentlicher Kritikpunkt ist das weiterhin fehlende CO₂-Budget. Dieses im Klimaschutzgesetz von 2021 verankerte Instrument soll verbindliche Obergrenzen für Emissionen in den einzelnen Sektoren festlegen und so die Einhaltung der Klimaziele sicherstellen. Der Rat fordert die Landesregierung auf, dieses entscheidende Steuerungselement schnellstmöglich zu implementieren.
Verkehrs- und Wärmesektor: Schlüsselbereiche laut Klima-Sachverständigenrat BW
Besonders kritisch bewertet der Rat die Entwicklungen im Verkehrs- und Wärmesektor, die zusammen für rund die Hälfte der Emissionen in Baden-Württemberg verantwortlich sind. Die bisher ergriffenen Maßnahmen seien nicht wirksam genug, um die erforderlichen Reduktionen zu erzielen.
Im Verkehrssektor mahnt der Rat eine konsequentere Verkehrswende an. Dies umfasse nicht nur die stärkere Förderung des öffentlichen Nahverkehrs, sondern auch einen beschleunigten Ausbau der Ladeinfrastruktur für die Elektromobilität. „Der Verkehrssektor ist einer der größten Emittenten von Treibhausgasen. Ohne eine deutliche Reduzierung der Emissionen in diesem Bereich werden die Klimaziele nicht erreichbar sein“, so Professor Dr. Kemfert.
Im Wärmesektor liegt der Fokus auf der Dekarbonisierung des Gebäudebestands. Der Rat fordert eine schnellere Umstellung der Wärmeversorgung auf erneuerbare Energien und eine Intensivierung der energetischen Sanierung. Hier können auch Privatpersonen einen wichtigen Beitrag leisten. Während der Ausbau der Solarenergie in Baden-Württemberg bereits Fortschritte zeigt, müssen Förderprogramme für Sanierungen und den Umstieg auf Wärmepumpen laut Rat weiter ausgebaut und vereinfacht werden. Für Hausbesitzer ist eine vorausschauende Planung entscheidend, um den eigenen Lebensstil nachhaltig zu gestalten. Die Installation von kompletten PV-Anlagen mit Speicher und Montagesets wird dabei zu einer zentralen Maßnahme. Aber auch Mieter haben durch Balkonkraftwerke ohne Speicher oder Modelle mit Speicher die Möglichkeit, sich an der Energiewende zu beteiligen.
Reaktion der Landesregierung auf die Stellungnahme zum Klimaschutz 2025
Die Landesregierung nahm die Kritik des Sachverständigenrats zur Kenntnis. Umweltministerin Thekla Walker (Grüne) versicherte, man nehme die Empfehlungen ernst und werde die Umsetzung des Klimaschutzgesetzes intensivieren. „Wir wissen, dass wir mehr tun müssen, um unsere Klimaziele zu erreichen. Der Bericht des Klima-Sachverständigenrats zeigt uns klar, wo wir ansetzen müssen“, erklärte Walker.
In den kommenden Monaten sollen die vorgeschlagenen Maßnahmen geprüft und das Umsetzungskonzept entsprechend nachgeschärft werden. Die Einführung des CO₂-Budgets wird dabei als eine der Prioritäten behandelt. Die Landesregierung bekräftigte ihr Bekenntnis zu den Klimazielen und zur Ergreifung der notwendigen Schritte.
Klimaschutz 2025: Bedeutung der Stellungnahme des Klima-Sachverständigenrats BW für die Zukunft
Die Stellungnahme des Klima-Sachverständigenrats fungiert als wichtiger Weckruf. Die Klimaziele des Landes sind ambitioniert, ihre Erreichung erfordert jedoch entschlossenes Handeln und eine deutlich höhere Umsetzungsgeschwindigkeit. Die kommenden Jahre sind laut Rat entscheidend, um die Weichen richtig zu stellen und den Rückstand aufzuholen.
Um die Klimaziele für 2027 und 2030 noch zu erreichen, sind die Implementierung eines wirksamen CO₂-Budgets sowie massive Fortschritte im Verkehrs- und Wärmesektor unabdingbar. Die Landesregierung steht vor der großen Herausforderung, die notwendigen politischen Rahmenbedingungen zu schaffen und die Transformation schnell und sozialverträglich zu gestalten.







