SCHOTT Spezialglas für Weltraumzellen der Galileo-Satelliten
Der Technologiekonzern SCHOTT wird ab 2025 von seinem Standort in Mitterteich (Oberpfalz) aus eine Schlüsselkomponente für die europäische Raumfahrt liefern. Das Unternehmen hat einen Vertrag mit Airbus Defence and Space über die Lieferung von Spezialgläsern für die Solarzellen der nächsten Generation von Galileo-Satelliten abgeschlossen. Diese Komponenten sind für die Energieversorgung und damit für die Funktionsfähigkeit des europäischen Navigationssystems von entscheidender Bedeutung.
SCHOTT Solar-Gläser: Schutzschild für Energie im All
Die von SCHOTT in Mitterteich gefertigten Gläser dienen als Schutzabdeckung für die hocheffizienten Solarzellen, die die Satelliten mit elektrischer Energie versorgen. Im Weltraum sind diese Zellen die einzige Energiequelle und müssen über die gesamte Lebensdauer eines Satelliten, die oft 15 Jahre oder mehr beträgt, zuverlässig funktionieren. Sie wandeln Sonnenlicht direkt in Strom um, der alle Systeme an Bord antreibt – von der Signalübertragung bis zur Lageregelung.
Die Satelliten des Galileo-Programms, Europas unabhängige Antwort auf das amerikanische GPS, werden vom europäischen Weltraumbahnhof in Kourou (Französisch-Guayana) gestartet. Sie sind für eine Vielzahl von zivilen und militärischen Anwendungen unverzichtbar, darunter Navigation für Verkehr und Logistik, präzise Zeitmessung für Banktransaktionen und die Synchronisation von Energienetzen.
Die Technologie zur Energiegewinnung aus Sonnenlicht ist zwar im Prinzip die gleiche, die auch bei Photovoltaikanlagen für Eigenheime zum Einsatz kommt, die Anforderungen im Weltraum sind jedoch ungleich höher. Während auf der Erde robuste PV-Anlagen mit Speicher und Montagesets vor allem Witterungseinflüssen standhalten müssen, kämpft die Technik im All mit extremen Herausforderungen.
Extreme Anforderungen an SCHOTT Materialien im Weltraum
Das von SCHOTT entwickelte Borosilikatglas muss Bedingungen widerstehen, die auf der Erde nicht vorkommen. Die Galileo-Satelliten operieren in einer mittleren Erdumlaufbahn in etwa 23.000 Kilometern Höhe. Dort schwanken die Temperaturen je nach Sonneneinstrahlung zwischen extremen Werten von minus 170 bis plus 120 Grad Celsius.
Das Spezialglas schützt die empfindlichen Solarzellen nicht nur vor diesen Temperaturschocks, sondern auch vor permanenter ultravioletter Strahlung und dem Beschuss durch hochenergetische Teilchen und Mikrometeoriten. Um das Startgewicht der Satelliten so gering wie möglich zu halten – jedes Kilogramm Nutzlast kostet Tausende von Euro –, werden die Gläser in einer Dicke von nur 0,1 Millimetern hergestellt. Trotz dieser geringen Materialstärke gewährleistet das Glas eine hohe Lichtdurchlässigkeit, damit möglichst viel Sonnenenergie die Solarzelle erreicht, und bietet gleichzeitig maximalen Schutz.
SCHOTT stärkt Technologiestandort – auch für Schleswig-Holstein relevant?
Der Auftrag von Airbus ist für die Region Oberpfalz und den SCHOTT-Standort Mitterteich ein bedeutender wirtschaftlicher Erfolg und sichert hochqualifizierte Arbeitsplätze. Er bestätigt zudem die technologische Spitzenposition des Unternehmens in der Luft- und Raumfahrtindustrie. SCHOTT blickt auf eine lange Tradition als Zulieferer für Weltraummissionen zurück; Spezialgläser des Konzerns finden sich unter anderem in der Internationalen Raumstation ISS und im James-Webb-Weltraumteleskop.
Mit der Beteiligung am Galileo-Programm leistet das Unternehmen einen wichtigen Beitrag zur strategischen Autonomie Europas. Ein unabhängiges und zuverlässiges Navigationssystem ist für die digitale Infrastruktur und Sicherheit des Kontinents von grundlegender Bedeutung.
Zukunftsperspektiven: Von SCHOTT Weltraumzellen zum Eigenheim
Das Engagement in der Raumfahrt treibt die Materialforschung und Produktentwicklung kontinuierlich voran. Die für den Weltraumeinsatz entwickelten Technologien und Qualitätsstandards fließen oft auch in terrestrische Anwendungen ein und verbessern deren Effizienz und Langlebigkeit.
Während die extrem robusten Gläser für den Weltraum eine Spezialanfertigung bleiben, wird das Prinzip der dezentralen und autarken Energieerzeugung auch für private Haushalte in Deutschland immer wichtiger. Kompakte Lösungen wie ein Balkonkraftwerk ohne Speicher ermöglichen es Mietern und Eigentümern, einen Teil ihres Strombedarfs selbst zu decken und die Energiekosten zu senken. Für eine weitergehende Unabhängigkeit bieten sich Balkonkraftwerke mit Speicher an, die den tagsüber erzeugten Solarstrom für die Nutzung am Abend oder in der Nacht zwischenspeichern.
Mit der Lieferung für die neuen Galileo-Satelliten beweist SCHOTT erneut, dass deutsche Ingenieurskunst eine zentrale Rolle in den anspruchsvollsten Technologieprojekten der Welt spielt.







