Fränkische Schweiz: AgriPV-Anlage für Obstbau als Modellprojekt

Pilotprojekt in der Fränkischen Schweiz: Landwirtschaft und Solarstrom vereint

Am Obstinformationszentrum Fränkische Schweiz wurde die erste Agri-Photovoltaik-Anlage (Agri-PV) in Bayern offiziell in Betrieb genommen. Das innovative Projekt verbindet den Anbau von Süßkirschen mit der Erzeugung von Solarenergie und soll als Vorbild für eine zukunftsfähige, doppelte Landnutzung dienen, die sowohl der Landwirtschaft als auch den Klimazielen zugutekommt.

AgriPV in der Fränkischen Schweiz: Vorreiter nachhaltiger Landnutzung

Mit der Inbetriebnahme der Anlage setzt die Region einen wichtigen Meilenstein für die nachhaltige Landwirtschaft in Bayern. Die feierliche Eröffnung fand laut offiziellen Mitteilungen am 10. Oktober 2025 statt und war Teil der Eröffnungsveranstaltung der Bayerischen Klimawoche im Landkreis Forchheim. An der Zeremonie nahmen hochrangige Vertreter aus Politik, Landwirtschaft und Forschung teil, darunter Hubert Aiwanger, Bayerischer Staatsminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, sowie Silke Launert, Bundestagsabgeordnete und Direktorin des Obstinformationszentrums.

Agri-Photovoltaik bezeichnet die gleichzeitige Nutzung landwirtschaftlicher Flächen für die Nahrungsmittelproduktion am Boden und die Stromerzeugung durch Photovoltaikmodule darüber. Dieses Konzept gilt als entscheidender Baustein, um den steigenden Flächenbedarf für erneuerbare Energien zu decken, ohne wertvolles Ackerland zu verlieren.

AgriPV-Anlage: Innovatives Konzept für doppelten Nutzen im Obstbau

Das Herzstück des Projekts ist eine Photovoltaikanlage mit einer Spitzenleistung von 750 Kilowatt (kWp), die sich über eine Fläche von rund einem Hektar erstreckt. Die Solarmodule sind in einer Höhe von etwa fünf Metern montiert, sodass landwirtschaftliche Maschinen problemlos darunter arbeiten können. Unter diesem schützenden Dach werden Süßkirschen angebaut.

Die Anlage bietet einen mehrfachen Vorteil:
* Schutz für die Kulturen: Die Solarmodule schützen die empfindlichen Obstbäume und Früchte vor extremen Wetterereignissen wie Hagel, Starkregen und übermäßiger Sonneneinstrahlung, was Ernteausfälle reduzieren kann.
* Effiziente Flächennutzung: Eine Fläche wird für zwei Zwecke genutzt, was den Druck auf landwirtschaftliche Böden verringert.
* Beitrag zur Energiewende: Der erzeugte Solarstrom wird in das öffentliche Netz eingespeist und leistet einen direkten Beitrag zur Erreichung der regionalen und nationalen Klimaziele.

Klimaschutz und Forschung mit AgriPV im Fokus

Die Anlage dient nicht nur der praktischen Anwendung, sondern ist auch ein wichtiges Forschungsprojekt. Das Obstinformationszentrum Fränkische Schweiz wird die Anlage wissenschaftlich begleiten, um wertvolle Daten für zukünftige Projekte zu sammeln. Untersucht werden unter anderem:
* Die Auswirkungen der teilweisen Verschattung auf das Mikroklima, die Bodentemperatur und die Wasserverdunstung.
* Der Einfluss auf das Pflanzenwachstum, die Erntemenge der Kirschen und die Fruchtqualität.
* Die Optimierung von Modulanordnung und Lichtdurchlässigkeit für verschiedene Obstsorten.

Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, die Effizienz und Wirtschaftlichkeit von Agri-PV-Systemen weiter zu verbessern und Landwirten eine verlässliche Entscheidungsgrundlage für Investitionen in diese Technologie zu bieten.

AgriPV als Modell für die Zukunft der Landwirtschaft

Für Landwirte stellt die Agri-PV eine Chance dar, ihre Betriebe widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels zu machen und gleichzeitig neue Einnahmequellen durch die Stromproduktion zu erschließen. Die Kombination aus Landwirtschaft und Energieerzeugung kann die Wirtschaftlichkeit von Betrieben steigern und ihre Zukunftsfähigkeit sichern.

Dieses Projekt zeigt, wie Flächen doppelt genutzt werden können, um Einnahmen zu diversifizieren und zur Energiewende beizutragen. Ein ähnlicher Gedanke der dezentralen Energieerzeugung setzt sich auch im privaten Bereich durch. So ermöglichen beispielsweise Balkonkraftwerke ohne Speicher Mietern und Wohnungseigentümern, eigenen Strom zu produzieren und ihre Stromrechnung zu senken. Für mehr Unabhängigkeit vom Netz bieten sich zudem Balkonkraftwerke mit Speicher an. Hausbesitzer gehen oft noch einen Schritt weiter und setzen auf komplette PV-Anlagen mit Speicher und Montagesets, die eine hohe Energieautarkie ermöglichen.

Die Pilotanlage in der Fränkischen Schweiz ist somit mehr als nur ein Kraftwerk – sie ist ein Reallabor und ein starkes Signal für die erfolgreiche Integration von erneuerbaren Energien in die Landwirtschaft. Die hier gewonnenen Erkenntnisse werden entscheidend dafür sein, das Potenzial der Agri-Photovoltaik in Deutschland und darüber hinaus voll auszuschöpfen.

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