FLEXSolar BW: Intelligente Solarförderung in Baden-Württemberg
Die Sonne scheint, die Photovoltaikanlage auf dem Dach läuft auf Hochtouren – doch plötzlich wird die Einspeisung ins Stromnetz gedrosselt. Dieses Szenario kennen viele Betreiber von Solaranlagen in Deutschland. Um Netzüberlastungen an sonnigen Tagen zu vermeiden, mussten Anlagen oft pauschal in ihrer Leistung begrenzt werden. Wertvolle, saubere Energie ging so ungenutzt verloren. Ein zukunftsweisendes Forschungsprojekt aus Baden-Württemberg will das nun ändern: FLEXSolar-BW.
Das Problem: Ineffiziente Energie durch starre Grenzen
Wenn an einem sonnigen Mittag unzählige Solaranlagen gleichzeitig Strom produzieren und ins Netz einspeisen, kann die lokale Netzinfrastruktur an ihre Grenzen stoßen. Die bisherige Lösung war oft eine starre Begrenzung der Einspeiseleistung, beispielsweise auf 60 oder 70 Prozent der Anlagenleistung, oder sogar eine komplette Abschaltung. Das ist zwar sicher, aber ineffizient. Es ist, als würde man eine Autobahn vorsorglich für alle sperren, nur weil auf einer einzigen Spur Stau droht.
FLEXSolar-BW Projekt: Intelligente Drosselung als Alternative
Hier setzt das Projekt FLEXSolar-BW (Flexible Export Limits für Solarspitzen in Baden-Württemberg) an. Angeführt von der Technischen Hochschule Ulm (THU), wird hier ein Ansatz erprobt, der in Südaustralien bereits erfolgreich im Einsatz ist. Statt starrer Regeln kommt eine dynamische, intelligente Steuerung zum Einsatz.
Die Idee ist einfach und genial zugleich: Die Einspeisung von Solarstrom wird nicht pauschal gekappt, sondern flexibel an die tatsächliche Auslastung des Stromnetzes angepasst. In Echtzeit wird geprüft, wie viel Kapazität im lokalen Netzabschnitt gerade frei ist. Die Solaranlage darf dann genau so viel Strom einspeisen, wie das Netz sicher aufnehmen kann.
Flexible Steuerung in der Praxis: So funktioniert es
Das Herzstück des Systems ist eine technische Plattform, die auf internationalen Standards basiert. In Deutschland soll die Kommunikation über die bereits etablierte Infrastruktur der Smart-Meter-Gateways und zugehörige CLS-Steuerboxen laufen.
Man kann es sich so vorstellen:
1. Der lokale Verteilnetzbetreiber überwacht kontinuierlich die Auslastung seiner Netze.
2. Stellt er fest, dass in einem bestimmten Bereich eine Überlastung droht, sendet sein Leitsystem ein Signal an die angeschlossenen Solaranlagen in diesem Gebiet.
3. Das Smart-Meter-Gateway im Haus empfängt dieses Signal und gibt die Anweisung an den Wechselrichter der Solaranlage weiter, die Einspeiseleistung temporär auf einen bestimmten Wert zu reduzieren.
4. Sobald die Netzkapazität wieder ausreicht – zum Beispiel, weil Wolken aufziehen oder in der Nachbarschaft der Stromverbrauch steigt – wird die Begrenzung sofort wieder aufgehoben.
So wird sichergestellt, dass immer die maximal mögliche Menge an Solarstrom genutzt wird, ohne das Netz zu gefährden.
Vorteile der FLEXSolar BW Lösung: Effizienz für alle
Dieser intelligente Ansatz bietet enorme Vorteile für alle Beteiligten:
- Für Betreiber von Solaranlagen: Es wird deutlich seltener zu Abregelungen kommen. Das bedeutet, dass mehr von Ihrem selbst erzeugten Strom ins Netz fließen kann, was die Wirtschaftlichkeit Ihrer Anlage verbessert.
- Für das Stromnetz und die Verbraucher: Eine intelligente Steuerung reduziert die Notwendigkeit für teuren und langwierigen Netzausbau. Wenn wir die bestehende Infrastruktur effizienter nutzen, können Kosten gespart werden, die sich sonst in den Netzentgelten und damit im Strompreis für alle niederschlagen würden.
- Für die Energiewende: Jede Kilowattstunde Solarstrom, die nicht ungenutzt verloren geht, ist ein Gewinn für den Klimaschutz und die Versorgungssicherheit.
Projektleiter Gerd Heilscher von der THU bringt es auf den Punkt: Intelligente Lösungen sind starren Begrenzungen überlegen und kommen sowohl den Bürgern mit Solaranlagen als auch dem gesamten Stromnetz zugute.
FLEXSolar BW Projekt: Partner, Förderung und Ausblick
Das Projekt FLEXSolar-BW wird vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg gefördert und läuft bis Juli 2027. Wichtige Partner sind verschiedene Verteilnetzbetreiber, die ihre Expertise und Infrastruktur einbringen.
Auch wenn es sich noch um ein Forschungsprojekt handelt, zeigt FLEXSolar-BW eindrucksvoll den Weg in die Zukunft der Energieversorgung auf: weg von starren Regeln, hin zu einem flexiblen, digitalisierten und intelligenten Energiesystem, das das volle Potenzial der erneuerbaren Energien ausschöpft. Für Hausbesitzer und Mieter bedeutet das langfristig eine effizientere, kostengünstigere und nachhaltigere Nutzung von Sonnenenergie.







