Ein innovatives Solardach auf der Alten Münze in München vereint seit Kurzem Denkmalschutz und nachhaltige Energieerzeugung. Das Projekt setzt auf eine spezielle Form von Solarmodulen, sogenannte Solarbiberschwänze aus Ton, um die historische Ästhetik des Gebäudes zu wahren und gleichzeitig umweltfreundlichen Strom zu produzieren.
Solarbiberschwänze auf der Alten Münze München: Solartechnik trifft Tradition
Die Alte Münze in München, ein bedeutendes kulturhistorisches Denkmal aus dem 16. Jahrhundert, wurde mit einem innovativen Solardach ausgestattet. Anstelle herkömmlicher Module kommt eine spezielle Photovoltaik-Lösung zum Einsatz: 13.860 Solarbiberschwänze, die optisch kaum von klassischen Ziegeln zu unterscheiden sind, decken nun eine Fläche von rund 1.000 Quadratmetern. Diese speziell für den Einsatz auf denkmalgeschützten Gebäuden entwickelten Module kombinieren die traditionelle Ästhetik mit moderner Solartechnologie.
Das Projekt wurde in enger Zusammenarbeit zwischen der Technischen Universität München (TUM), der Stadt München und dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege realisiert. Die Anlage soll jährlich rund 70.000 Kilowattstunden Strom erzeugen. Wie sich der Tagesverlauf des Solarertrags gestaltet, hängt von der Sonneneinstrahlung ab, doch die Jahresproduktion leistet einen wichtigen Beitrag zur Energieversorgung des Gebäudes. Die Finanzierung des Vorhabens wurde maßgeblich vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst getragen und durch EU-Fördermittel im Rahmen des Programms „Horizon 2020“ unterstützt.
Herausforderungen bei der Integration von Solarbiberschwänzen in Bayern
Die Integration von Solartechnik in denkmalgeschützte Bauten ist eine komplexe Aufgabe, da das historische Erscheinungsbild nicht beeinträchtigt werden darf. Die Solarbiberschwänze stellen hier eine wegweisende Lösung dar. Sie sind als Indach-Anlage konzipiert, fügen sich also nahtlos in die Dachfläche ein und sind optisch nur durch ihre etwas dunklere Färbung von den originalen Terrakottaziegeln zu unterscheiden, die weiterhin die unteren Dachbereiche decken.
Um eine sichere und denkmalgerechte Installation zu gewährleisten, wurden in Zusammenarbeit mit den Herstellern spezielle Montagesysteme entwickelt. Prof. Dr. Thomas Auer, Leiter des Lehrstuhls für Gebäudeenergie an der TUM, bezeichnet das Projekt als wichtigen Schritt für eine nachhaltige Architektur: „Wir zeigen, dass es möglich ist, historische Gebäude zu erhalten und gleichzeitig umweltfreundliche Energie zu erzeugen“, so Auer. „Dieses Projekt könnte ein Modell für andere denkmalgeschützte Gebäude in Deutschland und darüber hinaus sein.“ Ein weiterer Aspekt der Nachhaltigkeit: Die für die Solaranlage entfernten historischen Ziegel werden aufbereitet und bei der Sanierung anderer Denkmäler wiederverwendet.
Solarbiberschwänze als Vorbild: Das Projekt Alte Münze München
Die Installation auf der Alten Münze ist die erste Anlage dieser Art und Größenordnung auf einem Denkmal in Bayern und gilt als Leuchtturmprojekt. Ein herausragendes Merkmal ist die hohe Eigenverbrauchsquote: Rund 98 % des erzeugten Stroms werden direkt im Gebäude genutzt, das heute als Veranstaltungsort und kulturelles Zentrum dient. Um einen solch hohen Wert zu erreichen, ist in der Regel ein leistungsfähiger Photovoltaik Speicher erforderlich, der die tagsüber erzeugte Energie für die Nutzung am Abend oder an sonnenarmen Tagen zwischenspeichert. Solche PV-Anlagen mit Speicher und Montagesets werden auch für private Hausbesitzer immer attraktiver.
Das Projekt zeigt, wie die Energiewende auch im historisch sensiblen urbanen Raum gelingen kann. Während die Kosten bei Photovoltaik für solche Spezialanfertigungen höher liegen, treiben staatliche Initiativen den Ausbau erneuerbarer Energien voran. So gibt es beispielsweise in anderen Bundesländern wie NRW gezielte Förderprogramme, um den Ausbau zu beschleunigen.
Auch im privaten Bereich gibt es immer mehr Möglichkeiten für Hausbesitzer und Mieter, zur Energiewende beizutragen. Neben Dachanlagen gewinnen kompakte Lösungen an Bedeutung. So ermöglichen beispielsweise Balkonkraftwerke ohne Speicher einen einfachen Einstieg in die Solarstromerzeugung, während moderne Balkonkraftwerke mit Speicher den Eigenverbrauch auch auf kleinem Raum maximieren. Das Projekt an der Alten Münze wird so nicht nur zum Symbol für die Verbindung von Tradition und Innovation, sondern auch zum Ansporn für den Ausbau der Solarenergie auf allen Ebenen.







