Mieterstrommodell finanzieren: Kosten und Modelle für Mehrfamilienhäuser

Viele Dächer von Mehrfamilienhäusern in Deutschland sind ungenutzte Flächen, die enormes Potenzial bergen.

Als Eigentümer oder Verwalter können Sie damit nicht nur einen Beitrag zur Energewende leisten, sondern auch eine stabile Einnahmequelle erschließen und den Wert Ihrer Immobilie steigern. Das Mieterstrommodell macht dies möglich, doch der erste Schritt ist oft die größte Hürde: die Finanzierung. Dieser Artikel beleuchtet die Kosten, die auf Sie zukommen, und stellt Finanzierungsmodelle vor, die sich in der Praxis bewährt haben.

Was ist ein Mieterstrommodell und warum ist es attraktiv?

Beim Mieterstrom wird der Strom aus einer Photovoltaikanlage auf dem Dach eines Wohngebäudes direkt an die Mieter im selben Haus verkauft – ohne den Umweg über das öffentliche Netz. Dieses Konzept bietet handfeste Vorteile für beide Seiten: Ihre Mieter profitieren von günstigerem, ökologischem Strom, während Sie als Vermieter Einnahmen aus dem Stromverkauf generieren. Zudem steigert eine moderne Energieversorgung die Attraktivität Ihrer Immobilie und verbindet so ökologische Verantwortung mit wirtschaftlicher Vernunft. Für ein tieferes Verständnis der Grundlagen empfehlen wir Ihnen unseren weiterführenden Beitrag zu den Grundlagen des Mieterstroms.

Die Kosten im Detail: Womit müssen Sie rechnen?

Eine transparente Kostenaufstellung ist die Grundlage jeder soliden Finanzierungsentscheidung. Die Ausgaben für ein Mieterstromprojekt lassen sich in zwei Bereiche unterteilen: die einmaligen Investitionskosten und die laufenden Betriebskosten.

Investitionskosten für die Photovoltaikanlage

Der größte Kostenblock ist die Anschaffung der PV-Anlage selbst. Bei Anlagen für Mehrfamilienhäuser (typischerweise über 10 kWp) können Sie mit Kosten von etwa 1.200 bis 1.600 Euro pro Kilowattpeak (kWp) installierter Leistung rechnen.

Praxisbeispiel: Für ein Mehrfamilienhaus mit 12 Parteien und einem Jahresstromverbrauch von ca. 30.000 kWh empfiehlt sich eine Anlage mit 30 kWp. Die Investitionskosten lägen somit in einem Rahmen von 36.000 bis 48.000 Euro.

Diese Kosten verteilen sich typischerweise wie folgt:

  • Solarmodule: 25–30 %
  • Wechselrichter: 10–15 %
  • Montagesystem & Verkabelung: 10–15 %
  • Installation & Montage: 20–25 %
  • Planung, Netzanschluss & Sonstiges: 15–20 %
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Laufende Kosten und administrative Aufwände

Neben der Anfangsinvestition fallen jährliche Betriebskosten an. Der entscheidende Unterschied zu einer Anlage für ein Einfamilienhaus sind die administrativen Kosten für die Stromabrechnung mit den Mietern. Planen Sie hierfür jährlich etwa 25 bis 50 Euro pro teilnehmender Mietpartei ein. Diese Kosten decken die Zählerablesung, die Erstellung der Stromrechnungen und den Kundenservice ab. Diese Aufgaben werden oft von spezialisierten Dienstleistern übernommen. Hinzu kommen Ausgaben für Versicherung, Wartung und eventuelle Reparaturen.

Finanzierungsmodelle für Ihr Mieterstromprojekt

Nicht jeder Eigentümer kann oder möchte eine Investition im fünfstelligen Bereich aus Eigenmitteln stemmen. Glücklicherweise gibt es flexible Modelle, die auf unterschiedliche finanzielle Situationen und Risikobereitschaften zugeschnitten sind.

1. Der klassische Weg: Eigenkapital und Bankkredit

Die direkteste Form der Finanzierung ist der Einsatz von Eigenkapital, oft ergänzt durch einen Bankkredit. Neben klassischen Geschäftskrediten bieten Förderbanken wie die KfW spezielle Programme für erneuerbare Energien an, die oft zinsgünstiger sind.

  • Vorteile: Sie sind alleiniger Eigentümer der Anlage, erzielen die maximale Rendite und haben die volle Kontrolle.
  • Nachteile: Sie tragen das volle Investitionsrisiko und binden Kapital.
  • Typisches Szenario: Eine Eigentümergemeinschaft (WEG) beschließt die Investition und finanziert sie anteilig über eine Sonderumlage oder aus der Instandhaltungsrücklage.

2. Liquidität schonen: Leasing der Anlage

Beim Leasing mieten Sie die PV-Anlage über einen festgelegten Zeitraum zu einer monatlichen Rate. Sie werden zum Betreiber, ohne die Anlage kaufen zu müssen.

  • Vorteile: Keine hohe Anfangsinvestition, Ihre Liquidität wird geschont und die Raten sind als Betriebsausgaben steuerlich absetzbar.
  • Nachteile: Die Gesamtkosten über die Laufzeit sind höher als beim Kauf. Am Vertragsende geht die Anlage nicht automatisch in Ihr Eigentum über. In der Praxis wird dieses Modell seltener gewählt, da die langfristige Rendite geringer ausfällt.
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3. Ohne Investition und Risiko: Das Contracting-Modell (PPA)

Beim Contracting, oft in Form eines Power Purchase Agreements (PPA), überlassen Sie die komplette Investition und den Betrieb einem externen Dienstleister (dem Contractor). Sie stellen lediglich Ihre Dachfläche zur Verfügung. Der Contractor plant, finanziert, installiert und betreibt die Anlage auf eigenes Risiko.

  • Vorteile: Keinerlei Investitionskosten oder Betreiberpflichten für Sie. Sie erhalten eine feste Pacht für Ihr Dach oder werden am Gewinn beteiligt.
  • Nachteile: Ihre finanzielle Rendite ist deutlich geringer als bei einem Eigeninvestment.
  • Typisches Szenario: Eine große Wohnungsbaugesellschaft möchte ihre Immobilien nachhaltig aufwerten, ohne selbst in die Energieerzeugung zu investieren. Sie verpachtet ihre Dachflächen an einen regionalen Energieversorger, der die Mieterstromprojekte umsetzt.

Staatliche Förderungen und Einnahmequellen

Die Wirtschaftlichkeit eines Mieterstromprojekts hängt maßgeblich von den Einnahmen ab. Diese setzen sich aus drei Quellen zusammen:

  1. Stromverkauf an die Mieter: Das ist die Haupteinnahmequelle. Der Strompreis muss gesetzlich mindestens 10 % unter dem Tarif des örtlichen Grundversorgers liegen, was den Anreiz für Ihre Mieter schafft.
  2. Mieterstromzuschlag: Für den an die Mieter verkauften Strom erhalten Sie eine zusätzliche staatliche Förderung. Die Regelungen hierzu wurden zuletzt vereinfacht und die Sätze erhöht, um das Modell attraktiver zu machen.
  3. Netzeinspeisung: Strom, der nicht von den Mietern verbraucht wird, fließt automatisch ins öffentliche Netz. Dafür erhalten Sie die jeweils aktuelle EEG-Vergütung.

Entscheidend ist eine sorgfältige Kalkulation, die all diese Faktoren berücksichtigt. Mehr Informationen zur Berechnung finden Sie in unserem Ratgeber zur Wirtschaftlichkeit von PV-Anlagen.

FAQ – Häufige Fragen zur Finanzierung von Mieterstrom

Wie hoch ist die typische Rendite eines Mieterstromprojekts?
Die Erfahrung zeigt, dass sich eine gut geplante Mieterstromanlage nach etwa 8 bis 12 Jahren amortisiert. Die genaue Dauer hängt von den Investitionskosten, der Sonneneinstrahlung und der Teilnahmequote der Mieter ab.

Lohnt sich das auch für kleinere Mehrfamilienhäuser?
Ja, durch die jüngsten Vereinfachungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sind Mieterstromprojekte auch für Gebäude mit weniger als zehn Wohneinheiten attraktiver geworden. Allerdings ist der administrative Aufwand im Verhältnis zur Anlagengröße höher als bei großen Objekten.

Was passiert, wenn ein Mieter den Strom nicht beziehen möchte?
Die Teilnahme am Mieterstrom ist für Mieter stets freiwillig. Wer nicht teilnehmen möchte, behält einfach seinen bisherigen Stromversorger. Der von diesem Mieter nicht abgenommene Solarstrom wird dann ins öffentliche Netz eingespeist und vergütet.

Wer übernimmt die komplexe Abrechnung mit den Mietern?
Das müssen Sie nicht selbst erledigen. Spezialisierte Dienstleister bieten die komplette Abwicklung als Service an – von der Messung bis zur verbrauchsgenauen Abrechnung. Die Kosten hierfür (ca. 25–50 € pro Jahr und Mieter) sollten Sie in Ihrer Kalkulation berücksichtigen.

Muss ich für den Stromverkauf ein Gewerbe anmelden?
In der Regel ja. Der Verkauf von Strom an Mieter gilt als unternehmerische Tätigkeit. Dies hat steuerliche Konsequenzen und erfordert eine Gewerbeanmeldung. Eine Beratung durch einen Steuerberater ist hier dringend zu empfehlen.

Fazit: Eine Investition, die sich mehrfach auszahlt

Die Finanzierung eines Mieterstromprojekts ist zwar anspruchsvoll, aber mit der richtigen Planung und dem passenden Modell eine äußerst lohnende Investition. Ob Sie den klassischen Weg über einen Kredit wählen, Ihre Liquidität durch Leasing schonen oder mit einem Contracting-Partner risikofrei agieren – für jede Ausgangslage gibt es eine Lösung. Sie schaffen damit nicht nur eine langfristige Einnahmequelle, sondern werten Ihre Immobilie nachhaltig auf und positionieren sich als moderner, verantwortungsbewusster Eigentümer.

Weitere praxisnahe Informationen zur Planung einer Photovoltaikanlage für Mehrfamilienhäuser finden Sie ebenfalls bei uns auf Photovoltaik.info.

Im Shop von Photovoltaik.info finden Sie Komplettsets, die auf typische Anlagengrößen abgestimmt sind und als Orientierung für Ihre Kalkulation dienen können.

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OLEKSANDR PUSHKAR
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