Das Marktprämienmodell erklärt: Wie die freiwillige Direktvermarktung für Anlagen unter 100 kWp funktioniert

Für Betreiber von Photovoltaikanlagen bis 100 kWp war die Sache lange klar: Der Strom, den sie nicht selbst verbrauchen, wird ins Netz eingespeist und sie erhalten dafür 20 Jahre lang eine feste Einspeisevergütung. Dieses Modell ist einfach und sicher. Doch in Zeiten stark schwankender Strompreise fragen sich immer mehr Anlagenbetreiber, ob sie mit dem Verkauf ihres Solarstroms an der Börse nicht mehr verdienen könnten. Genau hier kommt die freiwillige Direktvermarktung über das Marktprämienmodell ins Spiel – eine Option, die längst nicht mehr nur für große Solarparks interessant ist.

Wir erklären, wie die Direktvermarktung für kleinere Anlagen funktioniert, welche Chancen sie birgt und wann sich ein Wechsel aus der festen Einspeisevergütung für Sie lohnen kann.

Was ist die Direktvermarktung und wie funktioniert sie?

Stellen Sie sich vor, Sie verkaufen Ihren Solarstrom nicht mehr an den lokalen Netzbetreiber, sondern direkt an der Strombörse, wo sich die Preise stündlich ändern. Das ist im Kern die Direktvermarktung. Da es für einzelne Anlagenbetreiber viel zu aufwendig wäre, dort selbst aktiv zu werden, übernimmt diese Aufgabe ein sogenannter Direktvermarkter.

Ein Direktvermarkter ist ein spezialisiertes Unternehmen, das den Strom von vielen tausend kleinen PV-Anlagen bündelt und als großes Paket an der Strombörse verkauft. Er agiert quasi als Ihr Händler für Solarstrom und kümmert sich um die gesamte Abwicklung.

Ihre Einnahmen setzen sich im Marktprämienmodell aus zwei Komponenten zusammen:

  1. Erlös aus dem Börsenverkauf (Marktwert): Der Direktvermarkter verkauft Ihren Strom und zahlt Ihnen den durchschnittlich erzielten Preis aus. Dieser Wert ist als „Monatsmarktwert Solar“ bekannt und schwankt je nach Angebot und Nachfrage.
  2. Die staatliche Marktprämie: Um das Risiko fallender Börsenpreise abzufedern, erhalten Sie vom Netzbetreiber eine flexible Prämie. Sie gleicht die Differenz zwischen dem erzielten Marktwert und einem staatlich garantierten Referenzwert aus, dem sogenannten „anzulegenden Wert“.

Die einfache Formel lautet: Gesamterlös = Marktwert + Marktprämie.

Feste Einspeisevergütung vs. Marktprämienmodell: Ein direkter Vergleich

Um die richtige Entscheidung für Ihre Anlage zu treffen, lohnt sich ein klarer Vergleich der beiden Systeme. Jedes Modell hat seine Berechtigung und richtet sich an unterschiedliche Bedürfnisse.

Die feste Einspeisevergütung: Sicherheit und Einfachheit

Dieses klassische Modell ist das Rundum-sorglos-Paket. Für jede eingespeiste Kilowattstunde (kWh) erhalten Sie einen bei der Inbetriebnahme staatlich festgelegten Betrag – garantiert für 20 Jahre.

  • Vorteile: Absolute Planungssicherheit, keine Preisschwankungen und kein administrativer Aufwand. Sie müssen sich um nichts kümmern.
  • Nachteile: Sie profitieren nicht von hohen Strompreisen an der Börse, denn Ihre Einnahmen sind nach oben hin gedeckelt.

Praxisbeispiel: Ihre Anlage aus dem Jahr 2020 hat eine feste Einspeisevergütung von 8,9 Cent/kWh. Egal, ob der Strom an der Börse 5 Cent oder 15 Cent wert ist, Sie erhalten immer exakt diesen Betrag.

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Das Marktprämienmodell: Chancen und Aufwand

Hier nehmen Sie direkt am Marktgeschehen teil. Der „anzulegende Wert“ bildet dabei Ihr Sicherheitsnetz: Er liegt in der Regel nur minimal unter der festen Einspeisevergütung (ca. 0,2-0,4 Cent/kWh weniger), sichert Ihnen aber ein stabiles Mindesteinkommen.

  • Die Chance: Liegt der durchschnittliche Börsenstrompreis („Monatsmarktwert Solar“) über Ihrem anzulegenden Wert, erhalten Sie den vollen, höheren Marktpreis. Die Marktprämie entfällt in diesem Fall.

  • Die Absicherung: Fällt der Marktwert unter den anzulegenden Wert, gleicht die Marktprämie die Differenz aus. Sie erhalten in Summe also immer mindestens den anzulegenden Wert.

  • Vorteile: Potenzial für deutlich höhere Einnahmen in Phasen hoher Börsenstrompreise.

  • Nachteile: Ein geringer administrativer Aufwand für den Vertrag mit dem Direktvermarkter, eine monatliche Servicegebühr und eine einmalige technische Anpassung an der Anlage sind dafür aber erforderlich.

Wann lohnt sich der Wechsel für Anlagen unter 100 kWp?

Der freiwillige Wechsel in die Direktvermarktung ist eine strategische Entscheidung, die sich vor allem in bestimmten Szenarien anbietet.

  1. Bei anhaltend hohen Börsenstrompreisen
    Wenn der durchschnittliche Marktwert für Solarstrom dauerhaft über Ihrem anzulegenden Wert liegt, erzielen Sie einen direkten Mehrerlös. Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass solche Phasen häufiger auftreten. Um eine fundierte Entscheidung zu treffen, sollten Sie die Entwicklung des „Monatsmarktwerts Solar“ beobachten, den die Netzbetreiber online veröffentlichen.

  2. Für Betreiber neuerer Anlagen
    Anlagen, die in den letzten Jahren ans Netz gingen, erhalten eine vergleichsweise niedrige feste Einspeisevergütung. Entsprechend niedrig ist auch ihr anzulegender Wert. Dadurch wird die Schwelle, ab der der Börsenpreis einen Mehrerlös generiert, schneller erreicht. Die Wirtschaftlichkeit hängt dabei stark von der erzeugten Strommenge ab, die maßgeblich durch den Wirkungsgrad der Solarmodule beeinflusst wird.

  3. Wenn Sie Flexibilität schätzen
    Das Marktprämienmodell ist keine Einbahnstraße. Sollten die Börsenpreise dauerhaft fallen, können Sie in der Regel wieder in die feste Einspeisevergütung zurückkehren. Das gibt Ihnen die Flexibilität, auf Marktveränderungen zu reagieren.

Wichtiger Faktor: Die Kosten

Für seine Dienstleistung erhebt der Direktvermarkter eine sogenannte Managementprämie. Diese liegt je nach Anbieter meist zwischen 2 und 5 Euro pro Monat und muss von Ihren potenziellen Mehrerlösen abgezogen werden.

Die technischen und administrativen Voraussetzungen

Ein Wechsel in die Direktvermarktung erfordert zwei wesentliche Schritte, die in der Praxis aber unkomplizierter sind, als sie klingen.

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Technische Voraussetzung: Die Fernsteuerbarkeit

Ihre PV-Anlage muss vom Direktvermarkter aus der Ferne steuerbar sein. Das ist notwendig, damit er bei negativen Strompreisen die Einspeisung drosseln und so Verluste vermeiden kann. Dafür wird eine kleine technische Einheit installiert, oft als „Fernwirktechnikbox“ bekannt. Die Kosten hierfür sind einmalig und liegen meist im unteren dreistelligen Bereich. Viele Direktvermarkter bieten die Installation als Teil ihres Servicepakets an.

Administrativer Aufwand: Der Vertrag

Sie schließen einen Vertrag mit einem Direktvermarkter Ihrer Wahl ab. Dieser übernimmt anschließend die gesamte Kommunikation mit dem Netzbetreiber, meldet Ihre Anlage für die Direktvermarktung an und kümmert sich um die monatliche Abrechnung. Ihr Aufwand beschränkt sich auf die Auswahl des passenden Anbieters und den Vertragsabschluss.

Risiken und Nachteile der Direktvermarktung

Keine Chance ohne Risiko. Obwohl das Marktprämienmodell ein Sicherheitsnetz bietet, sollten Sie auch die Nachteile kennen.

  • Preisvolatilität: Auch wenn Ihr Einkommen nach unten abgesichert ist, schwanken die monatlichen Erlöse stärker als bei der festen Vergütung.
  • Kosten: Die Managementprämie und die einmaligen Installationskosten reduzieren Ihren Gewinn. Bei sehr kleinen Anlagen kann dies den potenziellen Mehrerlös aufzehren.
  • Negative Strompreise: Bei negativen Börsenpreisen über mehrere Stunden kann der Anspruch auf die Marktprämie für diesen Monat entfallen. Die Fernsteuerung verhindert jedoch in der Regel, dass Sie für die Einspeisung draufzahlen müssen. Eine solide Kenntnis der Funktionsweise einer Photovoltaikanlage hilft, diese Zusammenhänge besser zu verstehen.

Die Erfahrung zeigt, dass diese Risiken für Anlagen im Eigenheimbereich überschaubar sind, solange die Börsenstrompreise tendenziell hoch bleiben.

FAQ – Häufige Fragen zur Direktvermarktung kleiner PV-Anlagen

Was ist der Unterschied zwischen dem „anzulegenden Wert“ und der festen Einspeisevergütung?

Der anzulegende Wert dient als Berechnungsgrundlage für die Marktprämie. Er ist gesetzlich festgelegt und liegt um einen kleinen Betrag (aktuell 0,2 Cent/kWh) unter der festen Einspeisevergütung, die für Ihre Anlage gelten würde. Dieser Abschlag gleicht pauschal den Vermarktungsaufwand der Netzbetreiber aus.

Kann ich jederzeit wieder in die feste Einspeisevergütung zurückwechseln?

Ja, ein Wechsel zurück ist in der Regel zum nächsten Kalendermonat möglich. Sie sind also nicht langfristig an die Direktvermarktung gebunden und können flexibel auf die Marktentwicklung reagieren.

Wie hoch sind die genauen Kosten für die Direktvermarktung?

Die Kosten setzen sich aus zwei Teilen zusammen: den einmaligen Installationskosten für die Fernsteuereinheit (ca. 200–400 €) und der monatlichen Managementprämie des Direktvermarkters (ca. 2–5 €). Es empfiehlt sich, die Angebote verschiedener Anbieter zu vergleichen.

Für wen lohnt sich die Direktvermarktung definitiv nicht?

Für sehr kleine Anlagen mit geringer Einspeisung, wie Balkonkraftwerke mit Speicher, ist der administrative und finanzielle Aufwand in der Regel zu hoch. Auch für Anlagenbetreiber, die maximale Planungssicherheit ohne jeglichen Aufwand wünschen, bleibt die feste Einspeisevergütung die bessere Wahl.

Fazit: Ist das Marktprämienmodell die richtige Wahl für Sie?

Die freiwillige Direktvermarktung ist für Besitzer von PV-Anlagen unter 100 kWp eine interessante Alternative zur klassischen Einspeisevergütung. Sie bietet die Chance auf höhere Erträge, insbesondere in Zeiten steigender Strompreise, ohne dabei die grundlegende finanzielle Sicherheit aufzugeben.

Die Entscheidung für oder gegen das Modell hängt letztlich von Ihrer persönlichen Situation und Risikobereitschaft ab. Wenn Sie bereit sind, einen geringen Mehraufwand in Kauf zu nehmen und am Marktgeschehen teilhaben möchten, kann sich der Wechsel auszahlen. Es ist eine kalkulierte Chance, die Rendite der eigenen Solaranlage zu optimieren.

Sie möchten Ihre individuelle Situation besser einschätzen oder haben weitere Fragen zur Direktvermarktung? Nehmen Sie gern Kontakt mit den Experten von Photovoltaik.info auf, die Sie neutral und kompetent beraten.

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OLEKSANDR PUSHKAR
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