PV-Anlage Abnahme bei schlechtem Wetter: So prüfen Sie die Leistung richtig

Der große Tag ist da: Ihre neue Photovoltaikanlage ist fertig montiert, die Solarmodule glänzen auf dem Dach und der Installateur steht für die finale Abnahme bereit. Doch ein Blick zum Himmel trübt die Freude – dichte Wolken, kein direkter Sonnenschein.

Wie können Sie unter diesen Umständen sicher sein, dass Ihre Anlage auch wirklich die versprochene Leistung erbringt? Diese Sorge ist weit verbreitet und berechtigt. Die gute Nachricht: Eine professionelle Leistungsprüfung ist auch ohne strahlenden Sonnenschein möglich. Wir erklären Ihnen, welche Messwerte wirklich aussagekräftig sind und worauf Sie bei der Abnahme achten müssen.

Warum die Leistungsmessung bei der Abnahme entscheidend ist

Die auf dem Datenblatt Ihrer Solarmodule angegebene Nennleistung, gemessen in Kilowatt-Peak (kWp), ist ein reiner Laborwert. Er wird unter sogenannten Standard-Testbedingungen (STC) ermittelt: eine Einstrahlung von 1.000 Watt pro Quadratmeter (W/m²) bei einer Zelltemperatur von 25 °C. Diese perfekten Bedingungen sind in der Praxis jedoch selten gegeben.

Die Abnahme ist Ihre wichtigste Qualitätskontrolle. Sie stellt sicher, dass alle Komponenten einwandfrei funktionieren und die Installation fachgerecht ausgeführt wurde. Sich allein darauf zu verlassen, dass der Wechselrichter Strom ins Netz einspeist, reicht nicht aus. Erst eine fundierte Messung gibt Ihnen die Gewissheit, dass Ihre Investition von Anfang an den erwarteten Ertrag liefert.

Die Herausforderung: Sonnenschein gibt es nicht auf Knopfdruck

Die zentrale Schwierigkeit bei der Leistungsmessung liegt in der Abhängigkeit von der Sonneneinstrahlung. Fachleute sind sich einig: Für eine simple Leistungsmessung, also das Ablesen der aktuellen Kilowatt-Leistung am Wechselrichter, ist eine Einstrahlung von mindestens 800 W/m² erforderlich, um verlässliche Rückschlüsse ziehen zu können. An einem stark bewölkten Tag kann dieser Wert auf unter 200 W/m² fallen.

Praxisbeispiel: Eine 10-kWp-Anlage, die an einem sonnigen Mittag fast 10 kW erzeugt, liefert bei starker Bewölkung vielleicht nur 1,5 bis 2 kW. Dieser Wert ist kein Zeichen für einen Defekt, sondern eine direkte Folge des fehlenden Lichts. Aus einer solch niedrigen Momentaufnahme auf die Maximalleistung zu schließen, wäre reine Spekulation und fachlich unseriös.

Aussagekräftige Messungen auch bei Bewölkung: Worauf Sie achten sollten

Ein qualifizierter Fachbetrieb ist auf schlechtes Wetter vorbereitet und verfügt über die richtige Messtechnik, um die Qualität Ihrer Anlage unabhängig von der Sonneneinstrahlung zu überprüfen. Die professionellste Methode hierfür ist die Kennlinienmessung.

Stellen Sie sich diese Messung wie ein EKG für Ihre Solaranlage vor. Ein spezielles Messgerät zeichnet die Strom-Spannungs-Kennlinie (I-U-Kennlinie) für jeden Modulstrang auf. Diese Kurve ist ein einzigartiger „Fingerabdruck“ der Leistungsfähigkeit des Strangs unter den aktuell herrschenden Bedingungen – also bei der gemessenen Temperatur und der vorhandenen Sonneneinstrahlung. Eine professionelle Software rechnet diese Messkurve anschließend präzise auf die Standard-Testbedingungen (STC) hoch. Das Ergebnis ist ein verlässlicher Nachweis, ob die Module die versprochene Nennleistung erreichen, selbst wenn die Sonne gerade nicht scheint.

Ein Solarteur misst mit einem Kennliniengerät die Leistung eines Solarmoduls an einem bewölkten Tag.

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Welche Werte kann der Fachmann trotzdem prüfen?

Auch ohne eine aufwendige Kennlinienmessung gibt es fundamentale elektrische Prüfungen, die bei jedem Wetter durchgeführt werden können und müssen. Diese sind in der Norm DIN EN 62446 (VDE 0126-23) für die Inbetriebnahme von PV-Anlagen festgelegt:

  • Leerlaufspannung (Uoc): Mit einem einfachen Multimeter misst der Installateur die Spannung an den Modulsträngen, wenn kein Strom fließt. Dieser Wert wird mit den Angaben aus dem Modul-Datenblatt verglichen und auf die aktuelle Temperatur korrigiert. Starke Abweichungen können auf fehlerhafte Module oder Verkabelungsfehler hindeuten.

  • Kurzschlussstrom (Isc): Dieser Wert ist direkt von der Lichtintensität abhängig. Misst der Fachmann gleichzeitig den Kurzschlussstrom und die aktuelle Sonneneinstrahlung mit einem Einstrahlungsmesser, kann er überprüfen, ob die Module dem Lichtangebot entsprechend Strom produzieren.

  • Isolationswiderstand: Dies ist eine der wichtigsten Sicherheitsprüfungen. Sie stellt sicher, dass keine gefährlichen Kriechströme zwischen den stromführenden Teilen und dem Modulrahmen oder der Montagekonstruktion fließen. Diese Messung ist vollständig wetterunabhängig.

Nahaufnahme eines Messgeräts, das die I-U-Kennlinie auf seinem Display anzeigt.

Was, wenn die Werte abweichen?

Leichte Abweichungen sind normal und liegen meist innerhalb der Herstellertoleranzen. Sollten sich jedoch signifikante Differenzen zeigen – etwa eine deutlich zu niedrige Leerlaufspannung oder ein abweichendes Ergebnis bei der Kennlinienmessung –, muss die Ursache gefunden werden. Mögliche Gründe sind:

  • Ein defektes Solarmodul
  • Fehlerhafte Verkabelung oder ein loser Stecker
  • Unvorhergesehene Teilverschattung
  • Ein Defekt am Wechselrichter

Die Erfahrung zeigt, dass die meisten Abweichungen auf einfache Verkabelungsfehler zurückzuführen sind, die ein qualifizierter Installateur schnell beheben kann. Entscheidend ist, dass diese Fehler bei der Abnahme entdeckt werden und nicht erst Monate später durch einen geringeren Ertrag auffallen.

Die Rolle des Übergabeprotokolls

Das wichtigste Dokument für Sie als Anlagenbetreiber ist das Übergabe- oder Abnahmeprotokoll. Bestehen Sie auf einer detaillierten und schriftlichen Dokumentation aller durchgeführten Prüfungen. Ein vollständiges Protokoll sollte mindestens enthalten:

  • Eine Checkliste der Sichtprüfung (z. B. feste Montage, korrekte Kabelführung).
  • Die dokumentierten Ergebnisse der elektrischen Messungen (Isolationswiderstand, Leerlaufspannung, ggf. Kurzschlussstrom).
  • Im Idealfall die ausgedruckten I-U-Kennlinien mit der hochgerechneten STC-Leistung.
  • Die Seriennummern der verbauten Hauptkomponenten (Module, Wechselrichter).

Dieses Protokoll ist Ihr rechtlicher Nachweis über den Zustand der Anlage bei der Übergabe. Unterschreiben Sie niemals ein unvollständiges oder leeres Dokument.

FAQ – Häufige Fragen zur Leistungsprüfung bei der Abnahme

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Muss ich bei der Abnahme anwesend sein?

Ja, unbedingt. Es ist die beste Gelegenheit, Fragen zu stellen, sich die Funktion der Anlage erklären zu lassen und die Messwerte direkt einzusehen. Ein seriöser Fachbetrieb wird Ihre Anwesenheit begrüßen.

Mein Installateur hat nur den Wechselrichter eingeschaltet. Reicht das?

Nein. Das bloße Einschalten zeigt nur, dass die Anlage grundsätzlich funktioniert. Eine fachgerechte Inbetriebnahme nach DIN EN 62446 umfasst immer auch die oben beschriebenen elektrischen Sicherheits- und Funktionsprüfungen.

Wie hoch darf die Abweichung von der Nennleistung sein?

Moderne Solarmodule haben meist eine positive Leistungstoleranz (z. B. 0 bis +5 %). Das bedeutet, sie liefern mindestens die Nennleistung, oft sogar etwas mehr. Der Gesamtertrag der Anlage sollte den Prognosen entsprechen, die Sie beispielsweise mit einem Photovoltaik Rechner erstellen können. Bei der Abnahme geht es primär darum, grobe Ausreißer nach unten zu identifizieren.

Was ist mit dem Wirkungsgrad von Solarmodulen? Wird der auch gemessen?

Der Wirkungsgrad ist eine im Labor ermittelte Eigenschaft des Moduls und beschreibt, wie effizient es Sonnenlicht in Strom umwandelt. Vor Ort wird nicht der Wirkungsgrad selbst gemessen, sondern die daraus resultierende elektrische Leistung, um sicherzustellen, dass die Module ihre Spezifikationen in der Praxis erfüllen.

Gilt das auch für ein Balkonkraftwerk?

Im Prinzip ja. Auch wenn bei einem Balkonkraftwerk selten eine aufwendige Kennlinienmessung durchgeführt wird, sollte der Installateur oder Sie selbst die grundlegende Funktion prüfen. Ein einfacher Test an einem sonnigen Tag, bei dem Sie die am Wechselrichter angezeigte Leistung mit der Nennleistung der Module vergleichen, gibt bereits einen guten Anhaltspunkt.

Fazit: Vertrauen ist gut, ein Messprotokoll ist besser

Lassen Sie sich von einem bewölkten Himmel am Tag der Abnahme nicht verunsichern. Moderne Messtechnik wie die Kennlinienanalyse ermöglicht eine zuverlässige Überprüfung der Anlagenleistung unter nahezu allen Wetterbedingungen. Bestehen Sie auf den grundlegenden elektrischen Prüfungen und einem lückenlosen Übergabeprotokoll. Damit stellen Sie sicher, dass Ihre Photovoltaikanlage von Anfang an die Qualität und Leistung liefert, für die Sie bezahlt haben – die Grundlage für viele Jahre Freude an Ihrem eigenen Solarstrom.

Sie möchten mehr über die technischen Grundlagen erfahren oder suchen passende Komponenten für Ihr Projekt? Detaillierte Fachinformationen und abgestimmte Komplettsets finden Sie direkt auf Photovoltaik.info.

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Patrick Thoma
Patrick Thoma

Patrick Thoma ist Gründer von Mehrklicks.de und JVGLABS.com.
Er entwickelt Systeme für KI-Sichtbarkeit und semantische Architektur – mit Fokus auf Marken, die in ChatGPT, Perplexity und Google SGE sichtbar bleiben wollen.

Mehr über ihn und die Arbeit:
Über Patrick Thoma | Mehrklicks – KI-Sichtbarkeit | Unsere Leistungen