Leistung bei Schwachlicht und Teilverschattung: Longi vs. REC Module im Realtest

Die Sonne scheint nicht immer aus einem wolkenlosen Himmel. Gerade in Deutschland sind bewölkte Tage und wandernde Schatten von Bäumen, Nachbargebäuden oder Gauben an der Tagesordnung. Viele Interessenten an einer Photovoltaikanlage fragen sich daher zu Recht: Wie viel Strom produziert meine Anlage eigentlich, wenn die Bedingungen nicht perfekt sind? Die Antwort ist entscheidend für die Wirtschaftlichkeit und den Autarkiegrad, den Sie mit Ihrer Anlage erreichen.

In diesem Beitrag beleuchten wir, wie zwei der führenden Modulhersteller, Longi und REC, mit dieser Herausforderung umgehen. Wir vergleichen ihre Technologien und zeigen, welches Modul bei Schwachlicht und Teilverschattung die bessere Leistung erbringt.

Das grundlegende Problem: Warum Schatten die Leistung so stark beeinträchtigt

Um die Unterschiede zwischen den Modulen zu verstehen, hilft ein kurzer Blick auf die Funktionsweise einer Solaranlage. In einem herkömmlichen Solarmodul sind die Solarzellen wie bei einer Lichterkette in Reihe geschaltet, in sogenannten „Strings“. Fällt nun ein Schatten auf nur eine einzige Zelle, wirkt diese wie ein Widerstand im Stromkreis.

Der Stromfluss des gesamten Strings sinkt dann auf das Niveau dieser schwächsten, verschatteten Zelle. Das ist der sogenannte „Gartenschlauch-Effekt“: Wenn Sie auf einen Gartenschlauch treten, kommt am Ende nur noch wenig Wasser an, egal wie stark der Wasserhahn aufgedreht ist.

Moderne Solarmodule haben jedoch intelligente Lösungen entwickelt, um diesen Leistungsabfall zu minimieren. Die wichtigsten Technologien sind Bypass-Dioden und die Halbzellentechnologie (Half-Cut). Bypass-Dioden leiten den Strom um den verschatteten Bereich herum, sodass der Rest des Moduls mit voller Leistung weiterarbeiten kann. Die Halbzellentechnologie teilt das Modul in zwei praktisch unabhängige Hälften, was die Auswirkungen von Verschattung ebenfalls deutlich reduziert.

Erfahrungswerte zeigen: Ohne diese modernen Technologien ist ein Leistungsverlust von bis zu 30 % bei nur geringer Teilverschattung keine Seltenheit.

Was bedeutet Schwachlicht für eine PV-Anlage?

Schwachlicht bezeichnet alle Lichtverhältnisse, die nicht der vollen, direkten Sonneneinstrahlung entsprechen. Dazu gehören:

  • Bewölkte oder neblige Tage
  • Die frühen Morgen- und späten Abendstunden
  • Diffuses Licht, das von Wolken gestreut wird

Gerade in den Übergangsmonaten und im Winter ist das Schwachlichtverhalten eines Moduls entscheidend für den Jahresertrag. Ein Modul mit gutem Schwachlichtverhalten beginnt morgens früher mit der Stromproduktion und setzt sie abends länger fort.

Die Kontrahenten im Detail: Longi und REC

Sowohl Longi als auch REC sind Tier-1-Hersteller, was für höchste Qualität, finanzielle Stabilität und verlässliche Garantien steht. Sie setzen jedoch auf unterschiedliche Zelltechnologien, um die Leistung unter realen Bedingungen zu maximieren.

Longi: Fokus auf HPBC-Zelltechnologie

Longi, einer der größten Modulhersteller der Welt, setzt bei seiner Hi-MO 6 Serie auf die HPBC-Zelltechnologie (High-Performance Back Contact). Ihr entscheidender Vorteil: Die elektrischen Kontakte (Busbars) werden auf die Rückseite der Zelle verlegt.

  • Vorteil für Sie: Die Vorderseite der Zelle ist komplett frei von störenden Leiterbahnen. Dadurch kann die Zelle mehr Sonnenlicht aufnehmen und in Strom umwandeln. Besonders bei diffusem Licht, wenn Sonnenstrahlen aus vielen verschiedenen Winkeln auftreffen, fängt diese „saubere“ Oberfläche mehr Photonen ein.
  • Typische Werte: Die Longi Hi-MO 6 Module erreichen Wirkungsgrade von bis zu 22,8 % und zeigen in unabhängigen Tests eine exzellente Performance bei niedriger Einstrahlung.

Anwendungsszenario: Stellen Sie sich ein Haus in einer Region mit vielen bewölkten Tagen vor. Hier kann die HPBC-Technologie von Longi ihre Stärken ausspielen, da sie auch das diffuse Licht effizienter nutzt und so über das Jahr gesehen einen höheren Gesamtertrag erzielt.

REC: Pionier der Heterojunction (HJT) und Halbzellentechnologie

Die norwegische Firma REC ist für ihre Innovationskraft und Premium-Qualität bekannt. Ihre Alpha Pure-R Serie setzt auf die Heterojunction (HJT)-Technologie in Kombination mit einer fortschrittlichen Zellverbindungstechnik.

  • Vorteil für Sie: HJT-Zellen kombinieren verschiedene Siliziumschichten, was den internen Widerstand reduziert und Elektronenverluste minimiert. Das Ergebnis sind nicht nur hohe Wirkungsgrade (bis zu 22,3 %), sondern auch ein hervorragender Temperaturkoeffizient – die Leistung bleibt also auch an heißen Tagen stabil. Bei Teilverschattung sorgt die spezielle Zellverschaltung zudem dafür, dass die Bypass-Dioden noch effektiver arbeiten. Nicht zuletzt war REC einer der Pioniere der Halbzellentechnologie, die den Einfluss von Schatten grundsätzlich reduziert.
  • Typische Werte: REC Alpha Pure-R Module mit 430 Wp weisen einen der besten Temperaturkoeffizienten am Markt auf (-0,24 %/°C).

Anwendungsszenario: Ein typisches Einfamilienhaus hat eine Gaube oder einen Schornstein, der im Tagesverlauf einen klar definierten Schatten über die Module wirft. Hier ist die Kombination aus Halbzellen-Architektur und der robusten HJT-Technologie von REC besonders vorteilhaft, da die nicht verschatteten Modulteile nahezu unbeeinflusst weiterproduzieren.

Direkter Vergleich: Wer gewinnt bei Schatten und Wolken?

Ein direkter Vergleich der beiden Technologien anhand der wichtigsten Kriterien schafft eine klare Entscheidungsgrundlage.

Eigenschaft Longi (HPBC-Technologie) REC (HJT-Technologie) Fazit
Schwachlichtverhalten Sehr gut. Die busbar-freie Frontseite maximiert die Lichtaufnahme bei diffuser Strahlung. Sehr gut. Geringe interne Verluste sorgen für einen frühen Start und ein spätes Ende der Stromproduktion. Beide Hersteller sind hier auf Top-Niveau. Longi hat durch die maximierte Absorptionsfläche potenziell einen leichten Vorteil an durchgehend trüben Tagen.
Teilverschattung Gut. Die standardmäßige Halbzellentechnologie und Bypass-Dioden mindern Verluste effektiv. Hervorragend. Die Kombination aus HJT-Zellen und fortschrittlicher Verschaltung ermöglicht ein exzellentes Management von Teilverschattung. Der Leistungsabfall ist hier oft minimal. Bei klar abgrenzbaren, wandernden Schatten (z. B. von einem Baum) zeigt die REC-Technologie oft die robustere Leistung.
Temperaturverhalten Gut. Die Module weisen solide Temperaturkoeffizienten auf. Hervorragend. Der sehr niedrige Temperaturkoeffizient sorgt dafür, dass die Module auch an heißen Sommertagen ihre hohe Leistung beibehalten. Ein klarer Vorteil für REC, der sich vor allem auf Dächern ohne optimale Hinterlüftung und in heißen Sommern auszahlt.
Preis-Leistung Hervorragend. Longi ist für seine attraktive Preisgestaltung bekannt und bietet Spitzentechnologie zu einem sehr wettbewerbsfähigen Preis. Gut. REC positioniert sich im Premium-Segment. Die höhere Anfangsinvestition kann sich durch den Mehrertrag über die Jahre amortisieren. Für preisbewusste Käufer, die dennoch hohe Qualität suchen, ist Longi oft die erste Wahl.

Zusammenfassende Empfehlung

Die Praxiserfahrung aus zahlreichen Projekten zeigt eine klare Tendenz:

  • Wählen Sie Longi Module, wenn: Ihr Dach selten von klaren, harten Schatten betroffen ist und Sie in einer Region mit vielen bewölkten Tagen leben. Sie erhalten eine Top-Leistung bei diffusem Licht und ein exzellentes Preis-Leistungs-Verhältnis.
  • Wählen Sie REC Module, wenn: Ihr Dach unvermeidbare, klar definierte Schatten hat (z. B. durch Gauben, Schornsteine, Antennen) oder sehr hohen Temperaturen ausgesetzt ist. Die höhere Anfangsinvestition zahlt sich hier durch einen stabileren und über die gesamte Lebensdauer höheren Ertrag aus.

Die Wahl des richtigen Moduls ist letztlich immer eine Frage der individuellen Gegebenheiten vor Ort. Eine gute Planung Ihrer PV-Anlage ist daher der Schlüssel zum Erfolg.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

  1. Kann ich das Problem der Verschattung nicht einfach mit Leistungsoptimierern lösen?

Leistungsoptimierer oder Modulwechselrichter sind eine sehr gute Lösung, um die Auswirkungen von Verschattung zu minimieren. Sie regeln jedes Modul einzeln, sodass ein schwaches Modul die anderen nicht beeinträchtigt. Allerdings bedeuten sie eine zusätzliche Investition und eine weitere technische Komponente, die ausfallen kann. Die Wahl eines von Grund auf schattentoleranten Moduls ist daher die beste Basis.

  1. Wie viel Ertrag verliere ich wirklich durch einen kleinen Schatten?

Das ist schwer pauschal zu sagen. Eine Faustregel besagt, dass die Verschattung einer einzigen Zelle (ca. 10×10 cm) bei einem alten Modul ohne moderne Technik die Leistung des gesamten Moduls um bis zu 80 % einbrechen lassen konnte. Bei modernen Halbzellenmodulen von Longi oder REC sind die Verluste auf die betroffene Modulhälfte begrenzt und liegen dank aktiver Bypass-Dioden oft nur bei 10–20 %.

  1. Ist der Modul-Wirkungsgrad nicht das wichtigste Kriterium?

Ein hoher Wirkungsgrad ist wichtig, da er angibt, wie viel Strom pro Fläche erzeugt wird. Auf einem begrenzten Dach können Sie mit hocheffizienten Modulen mehr Gesamtleistung (kWp) installieren. Das Verhalten bei Schwachlicht und Teilverschattung entscheidet jedoch darüber, wie viel von dieser Nennleistung im Alltag tatsächlich als Stromertrag (kWh) bei Ihnen ankommt.


Moderne Modultechnologie bietet also beeindruckende Lösungen für die täglichen Herausforderungen. Sowohl Longi als auch REC liefern dafür Produkte auf höchstem Niveau, die selbst unter nicht idealen Bedingungen für verlässliche Erträge sorgen.

Sie möchten Ihre individuelle Situation besser einschätzen? Im Shop von Photovoltaik.info finden Sie Komplettsets von führenden Herstellern, die auf typische Anlagengrößen und Anforderungen abgestimmt sind.

Ratgeber teilen
OLEKSANDR PUSHKAR
OLEKSANDR PUSHKAR