Kostenvergleich: PV-Anlage in Norddeutschland vs. Süddeutschland – eine Beispielrechnung

Die Annahme, dass sich Photovoltaikanlagen nur im sonnenverwöhnten Süden Deutschlands wirklich lohnen, ist weit verbreitet. Doch während die Sonneneinstrahlung im Norden tatsächlich geringer ausfällt, stellt sich die Frage: Wie groß ist der Unterschied in der Praxis, und ab wann rechnet sich eine Anlage auch in Küstennähe? Dieser Beitrag liefert eine klare Gegenüberstellung und zeigt anhand einer konkreten Beispielrechnung, wie sich die Amortisationszeit einer identischen Anlage in Hamburg und München unterscheidet.

Die Sonne als entscheidender Faktor: Globalstrahlung in Deutschland

Der wichtigste Indikator für den potenziellen Ertrag einer Photovoltaikanlage ist die sogenannte Globalstrahlung. Dieser Wert beschreibt die gesamte Sonnenenergie, die auf eine horizontale Fläche auf der Erdoberfläche trifft. In Deutschland zeigt sich hier ein klares Süd-Nord-Gefälle.

  • In Süddeutschland (z. B. Bayern, Baden-Württemberg) erreicht die jährliche Globalstrahlung Werte von bis zu 1.200 Kilowattstunden pro Quadratmeter (kWh/m²).
  • In Norddeutschland (z. B. Schleswig-Holstein, Niedersachsen) liegen die Werte bei etwa 1.000 kWh/m².

Dieser Unterschied von rund 20 % hat direkten Einfluss auf die Stromproduktion einer PV-Anlage. Eine Anlage im Süden wird unter gleichen Bedingungen also immer mehr Strom erzeugen als ein baugleiches Modell im Norden. Entscheidend ist jedoch, wie sich dies auf die Wirtschaftlichkeit und die Amortisationszeit auswirkt.

Die Beispielrechnung: Eine identische PV-Anlage an zwei Standorten

Um die regionalen Unterschiede greifbar zu machen, vergleichen wir eine typische PV-Anlage für ein Einfamilienhaus an zwei exemplarischen Standorten: München (Süden) und Hamburg (Norden).

Unsere Annahmen für die Berechnung:

  • Anlagengröße: 8 kWp (Kilowatt-Peak)
  • Ausrichtung/Neigung: Optimal nach Süden, 30 Grad Neigung, ohne Verschattung
  • Anschaffungskosten: 12.000 € (entspricht 1.500 € pro kWp). Die realen Kosten können variieren. Einen detaillierten Überblick zu den Kosten einer PV-Anlage finden Sie in unserem entsprechenden Beitrag.
  • Aktueller Strompreis: 32 Cent/kWh
  • Eigenverbrauchsquote: 30 % (ein typischer Wert ohne Stromspeicher)
  • Einspeisevergütung: 8,1 Cent/kWh (fester Satz für Anlagen dieser Größe, Stand Anfang 2024)

Auf dieser Grundlage berechnen wir nun den jährlichen Ertrag und die daraus resultierende Amortisationszeit für beide Standorte.

Ertrags- und Kostenvergleich im Detail

Die Grundlage für den Ertrag bildet der spezifische Jahresertrag. Dieser Wert gibt an, wie viele Kilowattstunden Strom ein Kilowatt-Peak installierter Leistung pro Jahr erzeugt. Genau hier schlägt sich der Unterschied in der Globalstrahlung nieder.

Standort 1: München (Süddeutschland)

In einer sonnenreichen Region wie München kann man von einem spezifischen Jahresertrag von etwa 1.150 kWh/kWp ausgehen.

  • Jährlicher Stromertrag: 8 kWp × 1.150 kWh/kWp = 9.200 kWh
  • Davon Eigenverbrauch (30 %): 2.760 kWh
  • Ersparnis durch Eigenverbrauch: 2.760 kWh × 0,32 €/kWh = 883,20 €
  • Davon Einspeisung (70 %): 6.440 kWh
  • Erlös durch Einspeisung: 6.440 kWh × 0,081 €/kWh = 521,64 €
  • Gesamtertrag pro Jahr: 883,20 € + 521,64 € = 1.404,84 €

Amortisationszeit in München: 12.000 € / 1.404,84 € pro Jahr ≈ 8,5 Jahre

Standort 2: Hamburg (Norddeutschland)

Für den Standort Hamburg setzen wir einen konservativeren spezifischen Jahresertrag von 950 kWh/kWp an.

  • Jährlicher Stromertrag: 8 kWp × 950 kWh/kWp = 7.600 kWh
  • Davon Eigenverbrauch (30 %): 2.280 kWh
  • Ersparnis durch Eigenverbrauch: 2.280 kWh × 0,32 €/kWh = 729,60 €
  • Davon Einspeisung (70 %): 5.320 kWh
  • Erlös durch Einspeisung: 5.320 kWh × 0,081 €/kWh = 430,92 €
  • Gesamtertrag pro Jahr: 729,60 € + 430,92 € = 1.160,52 €

Amortisationszeit in Hamburg: 12.000 € / 1.160,52 € pro Jahr ≈ 10,3 Jahre

Das Ergebnis: Lohnt sich Photovoltaik auch im Norden?

Ja, uneingeschränkt. Die Beispielrechnung zeigt deutlich: Obwohl sich die Anlage in München rund 1,8 Jahre schneller amortisiert, ist sie auch in Hamburg eine äußerst rentable Investition. Eine typische Amortisation einer Photovoltaikanlage liegt zwischen 9 und 12 Jahren – beide Standorte bewegen sich also im grünen Bereich.

Nach der Amortisationszeit liefert die Anlage an beiden Standorten für weitere 10 bis 15 Jahre nahezu kostenlosen Strom und generiert erhebliche Gewinne. Die Erfahrung zeigt, dass die Frage nicht lautet, ob sich eine Anlage lohnt, sondern lediglich, wie schnell sie sich bezahlt macht.

Zudem gibt es wirksame Hebel, um die Rentabilität weiter zu steigern. Der entscheidende Faktor ist dabei die Eigenverbrauchsquote. Wer mehr vom selbst erzeugten Strom nutzt, spart mehr Geld, da der Bezug von teurem Netzstrom vermieden wird. Eine einfache Möglichkeit ist es, Großverbraucher wie Wasch- oder Spülmaschine gezielt mittags laufen zu lassen. Es gibt viele Wege, wie Sie Ihren Eigenverbrauch optimieren können.

Eine noch effektivere Methode ist die Kombination einer PV-Anlage mit Speicher. Ein Stromspeicher ermöglicht es, den tagsüber erzeugten Solarstrom zwischenzuspeichern und abends oder nachts zu verbrauchen. Dadurch kann die Eigenverbrauchsquote auf 60 % und mehr verdoppelt werden, was die Amortisationszeit an beiden Standorten weiter verkürzt.

FAQ – Häufige Fragen zum regionalen PV-Vergleich

Sind die Installationskosten im Süden höher als im Norden?
Nein, die Anschaffungskosten für die Komponenten (Module, Wechselrichter etc.) sind bundesweit nahezu identisch. Kleinere regionale Unterschiede können durch die Auslastung und Preisgestaltung lokaler Handwerksbetriebe entstehen, es gibt jedoch kein systematisches Preisgefälle zwischen Nord und Süd.

Was ist wichtiger: die Region oder die Ausrichtung des Daches?
Die Gegebenheiten vor Ort sind weitaus wichtiger als der grobe Standort in Deutschland. Ein optimal nach Süden ausgerichtetes, unverschattetes Dach in Hamburg wird immer einen höheren Ertrag liefern als ein Dach mit Ost-West-Ausrichtung oder teilweiser Verschattung in München. Dachausrichtung, Neigung und mögliche Schattenwürfe sind letztlich die entscheidenden Ertragsfaktoren.

Wie kann ich meinen voraussichtlichen Ertrag genau berechnen?
Unsere Beispielrechnung ist als Veranschaulichung gedacht. Für eine genaue Prognose, die Ihre individuellen Dachdaten und Ihren Wohnort berücksichtigt, sollten Sie spezialisierte Tools nutzen. Mit einem detaillierten Photovoltaik Rechner können Sie Ertrag und Wirtschaftlichkeit für Ihr konkretes Vorhaben präzise ermitteln.

Verkürzt sich die Amortisationszeit, wenn der Strompreis steigt?
Ja, und zwar erheblich. Jeder Cent, um den der Netzstrompreis steigt, erhöht Ihre Ersparnis durch den selbst verbrauchten Solarstrom. Steigende Strompreise machen Photovoltaikanlagen daher immer attraktiver und beschleunigen die Amortisation deutlich.

Fazit: Eine lohnende Investition für ganz Deutschland

Der Süden hat bei der Sonneneinstrahlung die Nase vorn, doch eine Photovoltaikanlage ist in ganz Deutschland eine sichere und rentable Investition. Der Unterschied in der Amortisationszeit ist überschaubar und wird durch die lange Lebensdauer der Anlagen von über 20 Jahren mehr als ausgeglichen.

Anstatt sich nur auf die Himmelsrichtung auf der Deutschlandkarte zu konzentrieren, sollten potenzielle Anlagenbetreiber den Fokus auf die optimalen Bedingungen ihres eigenen Daches legen. Eine sorgfältige Planung und Auslegung ist der Schlüssel zu maximalen Erträgen – egal ob in den Alpen oder an der Nordsee.

Weitere praxisnahe Informationen zur Auswahl der richtigen Komponenten finden Sie direkt auf Photovoltaik.info.
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OLEKSANDR PUSHKAR
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