Versteckte Kosten bei der PV-Montage: Schneefang & Absturzsicherung

Sie haben Ihr Angebot für die neue Photovoltaikanlage vor sich liegen und freuen sich auf die zukünftige Stromersparnis. Doch neben den bekannten Posten für Module und Wechselrichter tauchen Begriffe wie „Schneefangsystem“ oder „Anschlagpunkte“ auf. Diese oft übersehenen Posten beeinflussen zwar die Gesamtkosten, sind aber alles andere als überflüssige Extras. Vielmehr sind es entscheidende Investitionen in die Sicherheit und den vorschriftsmäßigen Betrieb Ihrer Anlage. Wir erklären, wann diese Systeme notwendig werden und worauf Sie bei Ihrem Angebot achten sollten.

Warum Sicherheit auf dem Dach mehr als eine Empfehlung ist

Die Installation einer Photovoltaikanlage ist ein Bauvorhaben, bei dem verschiedene Vorschriften zu beachten sind. Als Hauseigentümer tragen Sie eine grundsätzliche Verantwortung für die Sicherheit, die von Ihrem Gebäude ausgeht – die sogenannte Verkehrssicherungspflicht. Rutscht im Winter eine Dachlawine auf den Gehweg und verletzt jemanden, können Sie haftbar gemacht werden. Gleichzeitig gelten für die Monteure strenge Arbeitsschutzvorschriften.

Entscheidend sind hierbei mehrere Faktoren:

  • Regionale Bauordnungen: Die Landesbauordnungen der Bundesländer legen fest, unter welchen Umständen Schneefangsysteme vorgeschrieben sind. Dies hängt oft von der Dachneigung und der Lage des Gebäudes ab, beispielsweise an öffentlichen Wegen.
  • Schneelastzonen: Deutschland ist in verschiedene Schneelastzonen eingeteilt. In Regionen, in denen hohe Schneemengen zu erwarten sind, wie dem Alpenvorland oder den Mittelgebirgen, sind die Anforderungen naturgemäß strenger.
  • Versicherungsanforderungen: Viele Gebäudeversicherungen setzen voraus, dass baurechtliche Vorgaben eingehalten werden. Fehlt ein vorgeschriebenes Sicherheitssystem, kann der Versicherungsschutz im Schadensfall erlöschen.
  • Arbeitssicherheit: Für die sichere Durchführung der Montage und späterer Wartungsarbeiten sind oft permanente Absturzsicherungen gesetzlich vorgeschrieben.

Eine Studie des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) zeigt, dass rund 40 % der Arbeitsunfälle im Baugewerbe auf Stürze aus der Höhe zurückzuführen sind. Eine professionelle Absicherung ist daher unerlässlich – seriöse Installationsbetriebe planen sie von vornherein mit ein.

Schneefangsysteme: Der unsichtbare Schutz vor Dachlawinen

Ein Schneefangsystem verhindert, dass sich Schnee auf dem Dach unkontrolliert löst und als Lawine herabstürzt. Gerade die glatten Oberflächen von Solarmodulen können diesen Effekt bei Tauwetter noch begünstigen.

Wann ist ein Schneefangsystem notwendig?

Eine Pflicht zur Installation besteht häufig, wenn:

  • Ihre Dachneigung mehr als 45 Grad beträgt.
  • Ihr Haus in einer schneereichen Region (Schneelastzone 2 oder höher) liegt.
  • Die Traufe des Daches an einen öffentlichen Bereich wie einen Gehweg, eine Straße oder den Eingangsbereich des Nachbarn grenzt.

Die Erfahrung zeigt, dass selbst bei geringeren Dachneigungen in schneereichen Wintern erhebliche Schneemengen abrutschen können. Ein Schneefang ist daher oft eine sinnvolle Vorsichtsmaßnahme, auch wenn er nicht explizit vorgeschrieben ist.

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Welche Systeme gibt es und was kosten sie?

Die gängigsten Lösungen sind Schneefanggitter oder Rundholz- bzw. Rohrhalterungen, die oberhalb der Traufe montiert werden. Sie werden fest in der Dachkonstruktion verankert und halten die Schneedecke zurück, sodass diese kontrolliert abtauen kann.

Praxisbeispiel: Ein Einfamilienhaus in Südbayern mit einer Dachneigung von 40 Grad. Der Gehweg zum Haus führt direkt unter der Dachkante entlang. Hier wird der Installateur zwingend ein Schneefangsystem empfehlen und im Angebot aufführen.

  • Kostenrahmen: Rechnen Sie mit Zusatzkosten von etwa 35 bis 80 Euro pro laufendem Meter Dachkante, inklusive Montage. Bei einer typischen Hausbreite von 10 Metern entstehen so Mehrkosten von 350 bis 800 Euro. Diese Summe sollte als wichtiger Teil der gesamten Photovoltaik Kosten in die Budgetplanung einfließen.

Absturzsicherungen: Sicherheit für Monteure und zukünftige Arbeiten

Permanente Absturzsicherungen sind Vorrichtungen auf dem Dach, an denen sich Personen mit Sicherheitsgeschirr befestigen können. Sie dienen nicht nur der Sicherheit während der PV-Montage, sondern auch bei allen zukünftigen Arbeiten auf dem Dach.

Warum sind permanente Sicherungen oft ein Muss?

Die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) schreibt ab einer Absturzhöhe von 3 Metern Sicherungsmaßnahmen vor. Ein Gerüst allein sichert die Dachfläche oft nicht ausreichend, weshalb permanente Anschlagpunkte oder Seilsicherungssysteme installiert werden. Diese sind entscheidend für:

  • die sichere Montage der PV-Anlage.
  • zukünftige Wartungsarbeiten, wie die Reinigung der Module oder die Inspektion der Anlage.
  • andere Arbeiten auf dem Dach, zum Beispiel durch den Schornsteinfeger oder einen Dachdecker.

Ohne solche Sicherungen dürfen Handwerker das Dach unter Umständen gar nicht erst betreten. Das erschwert und verteuert zukünftige Reparaturen oder die notwendige Wartung von PV-Anlagen.

Arten von Absturzsicherungen und ihre Kosten

Man unterscheidet hauptsächlich zwischen einzelnen Anschlagpunkten und durchgehenden Seilsystemen.

  • Einzelne Anschlagpunkte: Dies sind feste Ösen aus Edelstahl, die an tragenden Teilen des Dachstuhls befestigt werden. Monteure können sich von Punkt zu Punkt umhängen.
  • Seilsicherungssysteme: Hier werden mehrere Anschlagpunkte durch ein permanent gespanntes Edelstahlseil verbunden. Daran kann sich eine Person mit einem mitlaufenden Sicherungsgerät frei entlang der gesamten Dachkante bewegen.

Praxisbeispiel: Ein zweistöckiges Wohnhaus mit Satteldach. Für die jährliche Überprüfung durch den Schornsteinfeger und eine eventuelle Modulreinigung alle paar Jahre ist ein sicherer Zugang unerlässlich. Die Installation von vier Anschlagpunkten in der Nähe des Schornsteins und entlang des Firsts gewährleistet dies für die gesamte Lebensdauer des Gebäudes.

  • Kostenrahmen: Für einzelne Anschlagpunkte sollten Sie mit ca. 150 bis 300 Euro pro Stück inklusive Einbau rechnen. Ein komplettes Seilsystem für eine Dachseite kostet je nach Länge und Komplexität zwischen 800 und 2.000 Euro.
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So erkennen Sie ein professionelles Angebot

Ein seriöser Fachbetrieb wird die Notwendigkeit von Sicherheitsvorkehrungen bei der ersten Begehung vor Ort prüfen und Sie darauf hinweisen. Im Angebot sollten diese Positionen transparent und verständlich aufgeführt sein.

Achten Sie auf folgende Punkte:

  1. Proaktive Beratung: Der Anbieter fragt nach der Lage Ihres Hauses und beurteilt die Dachneigung im Hinblick auf Schneelasten.
  2. Transparente Auflistung: Posten wie „Schneefangsystem“ oder „Permanente Anschlagpunkte“ werden separat ausgewiesen und nicht in einem allgemeinen „Montagematerial“-Posten versteckt.
  3. Nachvollziehbare Begründung: Der Installateur kann Ihnen erklären, warum diese Maßnahmen in Ihrem speziellen Fall erforderlich sind, zum Beispiel aufgrund der lokalen Bauordnung oder der Arbeitsschutzrichtlinien.

Fehlen diese Punkte in Ihrem Angebot, obwohl Sie in einer schneereichen Gegend wohnen oder ein steiles Dach haben, sollten Sie aktiv nachfragen. Denn eine sorgfältige Planung Ihrer Photovoltaikanlage berücksichtigt von Anfang an alle relevanten Sicherheitsaspekte.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Muss ich diese Sicherheitssysteme wirklich installieren lassen?
Wenn sie von der Landesbauordnung oder den Arbeitsschutzvorschriften gefordert sind, besteht eine rechtliche Verpflichtung. Aber auch ohne explizite Pflicht sind sie eine sinnvolle Investition in die Sicherheit und den Werterhalt Ihrer Immobilie.

Wer ist für die Einhaltung der Vorschriften verantwortlich?
Letztendlich sind Sie als Bauherr und Eigentümer in der Verantwortung. Ein qualifizierter Fachbetrieb hat jedoch eine Beratungs- und Hinweispflicht und muss Sie auf alle notwendigen Maßnahmen aufmerksam machen.

Verringern Schneefanggitter den Ertrag meiner Solaranlage?
Nein. Schneefangsysteme werden unterhalb der untersten Modulreihe an der Traufe des Daches montiert. Sie werfen daher keinen Schatten auf Ihre Photovoltaikanlage und haben keinen Einfluss auf den Stromertrag.

Kann ich eine Absturzsicherung auch später nachrüsten?
Eine Nachrüstung ist grundsätzlich möglich, aber oft teurer und aufwendiger als die Installation im Zuge der PV-Montage. Da bei der PV-Montage die Dacheindeckung ohnehin geöffnet wird, ist die direkte Integration von Anschlagpunkten der wirtschaftlichste Weg.

Fazit: Sicherheit als Teil einer nachhaltigen Investition

Kosten für Schneefangsysteme und Absturzsicherungen mögen im Angebot zunächst überraschen. Sie sind jedoch keine überflüssigen Extras, sondern ein fundamentaler Baustein für eine professionelle, sichere und vorschriftskonforme Photovoltaikanlage. Sie schützen nicht nur Menschenleben und Sachwerte, sondern sichern auch den reibungslosen Betrieb und die Wartungsfähigkeit Ihrer Anlage für die nächsten Jahrzehnte. Eine transparente Auflistung dieser Posten im Angebot ist ein klares Qualitätsmerkmal für einen verantwortungsbewussten Installationsbetrieb.

Weitere praxisnahe Informationen zur Auswahl der richtigen Komponenten und zur Planung Ihrer Anlage finden Sie direkt auf Photovoltaik.info. Im Shop von Photovoltaik.info finden Sie zudem Komplettsets, die auf typische Anlagengrößen und Anforderungen abgestimmt sind.

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OLEKSANDR PUSHKAR
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