PV-Anlage reinigen: Wann lohnt es sich wirklich? Eine Kosten-Nutzen-Analyse

Solaranlagen gelten als äußerst wartungsarm – ein Argument, das viele Eigenheimbesitzer überzeugt. Doch während Regen und Schnee einen Großteil der alltäglichen Verschmutzungen abspülen, können hartnäckige Ablagerungen die Leistung Ihrer Anlage über die Jahre spürbar mindern. Da stellt sich die Frage: Reicht der vielzitierte „Selbstreinigungseffekt“ aus oder verlieren Sie bares Geld durch einen unbemerkten Leistungsabfall?

Dieser Beitrag liefert Ihnen eine klare Berechnungsgrundlage. Sie erfahren, wie Sie den finanziellen Verlust durch Verschmutzung ermitteln und ihn den Kosten einer professionellen Reinigung gegenüberstellen, um fundiert zu entscheiden, ob und wann sich eine Reinigung für Ihre Photovoltaikanlage rechnet.

Der Mythos der selbstreinigenden Solarmodule

Moderne Solarmodule verfügen oft über eine spezielle Beschichtung, die einen Lotuseffekt erzeugt: Wasser perlt ab und nimmt dabei lose Schmutzpartikel wie Staub und Pollen mit. Dieser Effekt funktioniert bei einer ausreichenden Dachneigung und regelmäßigem Niederschlag zwar gut, hat aber seine Grenzen.

Denn nicht jede Verschmutzung lässt sich einfach abspülen. Zu den typischen ertragsmindernden Ablagerungen gehören:

  • Staub, Pollen und Saharastaub: Bilden einen feinen, aber dichten Film.
  • Vogelkot: Ist äußerst aggressiv und kann sich ins Glas einbrennen, was zu lokalen Hotspots und dauerhaften Schäden führen kann.
  • Flechten und Moose: Siedeln sich besonders an den Modulrändern an und können Dichtungen beschädigen.
  • Emissionen aus Landwirtschaft und Industrie: Führen zu fettigen, hartnäckigen Belägen.

Studien des Fraunhofer-Instituts zeigen, dass Ertragsverluste durch solche Verschmutzungen je nach Standort und Neigung zwischen 2 % und 7 % pro Jahr liegen können. Bei hartnäckigen Verschmutzungen wie Vogelkot oder Flechten kann der Verlust an der betroffenen Stelle sogar auf bis zu 30 % ansteigen.

Was kostet Sie der Schmutz? Die Berechnung des Ertragsverlusts

Um den finanziellen Verlust zu beziffern, benötigen Sie nur wenige Kennzahlen Ihrer Anlage. Ein Praxisbeispiel macht die Rechnung greifbar.

Szenario: Ein Vierpersonenhaushalt mit einer 10-kWp-Anlage auf dem Dach.

  1. Jährlicher Stromertrag: Eine durchschnittliche 10-kWp-Anlage in Deutschland erzeugt etwa 10.000 kWh Strom pro Jahr (Faustregel: 1 kWp = 1.000 kWh/Jahr).
  2. Finanzieller Wert des Stroms: Bei einem angenommenen Strompreis von 30 Cent/kWh hat der erzeugte Strom einen Wert von 3.000 € (10.000 kWh * 0,30 €).
  3. Berechnung des Verlusts:
    • Ein moderater Ertragsverlust von 3 % durch einen leichten Schmutzfilm bedeutet einen jährlichen Verlust von 90 €.
    • Ein deutlicher Ertragsverlust von 7 % durch stärkere Verschmutzung (z. B. in der Nähe eines landwirtschaftlichen Betriebs) führt bereits zu einem Verlust von 210 € pro Jahr.

Die Erfahrung zeigt, dass viele Anlagenbetreiber diese schleichenden Verluste über Jahre nicht bemerken, da sie sich langsam aufsummieren.

![Nahaufnahme eines stark verschmutzten Solarmoduls, das den Unterschied zwischen sauber und schmutzig deutlich macht.]

Die Kosten einer professionellen Reinigung im Überblick

Die Kosten für eine professionelle Reinigung sind überschaubar und werden meist pro Quadratmeter abgerechnet. Eine typische 10-kWp-Anlage belegt eine Fläche von etwa 50 bis 55 m².

  • Preisrahmen: Rechnen Sie mit Kosten zwischen 1,50 € und 3,50 € pro Quadratmeter. Der Preis hängt von der Zugänglichkeit des Daches und dem Verschmutzungsgrad ab.
  • Gesamtkosten im Beispiel: Für unsere 55 m² große Anlage ergeben sich Gesamtkosten von etwa 82,50 € bis 192,50 €.
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Der Break-Even-Point: Ab wann die Reinigung Gewinn bringt

Stellen wir nun Kosten und Nutzen gegenüber. In unserem Beispiel kostet die Reinigung im Mittel rund 140 €.

  • Bei einem Ertragsverlust von 90 € (3 %) im Jahr ist die Reinigung noch nicht wirtschaftlich, könnte aber zur Werterhaltung der Anlage sinnvoll sein.
  • Bei einem Ertragsverlust von 210 € (7 %) übersteigen die Einbußen die Reinigungskosten deutlich. Hier erzielen Sie durch die Reinigung einen Nettogewinn von etwa 70 € – und das jedes Jahr bis zur nächsten notwendigen Reinigung.

Faustregel: Eine professionelle Reinigung rechnet sich, sobald der jährliche finanzielle Ertragsverlust die einmaligen Kosten der Reinigung übersteigt. Besonders anfällig sind Dächer mit einer geringen Neigung unter 12 Grad, da hier Regenwasser schlechter abfließt und Schmutz leichter haften bleibt.

![Grafik oder Tabelle, die den Ertragsverlust in Euro den Reinigungskosten gegenüberstellt, um den Break-Even-Punkt zu visualisieren.]

Eigenregie vs. Profi: Eine Frage der Sicherheit und Effektivität

Der Gedanke, die Module selbst zu reinigen und so Kosten zu sparen, ist naheliegend. Davon ist jedoch aus guten Gründen abzuraten:

  • Sicherheit: Das Arbeiten auf einem nassen, schrägen Dach birgt erhebliche Absturzgefahren.
  • Beschädigungsrisiko: Das Betreten der Module kann zu Mikrorissen in den Solarzellen führen, die mit bloßem Auge nicht sichtbar sind, aber die Leistung dauerhaft senken. Falsche Reinigungsmittel wie Hochdruckreiniger oder scharfe Chemikalien können die empfindliche Oberfläche und die Dichtungen beschädigen.
  • Garantieverlust: Eine unsachgemäße Behandlung kann zum Erlöschen der Herstellergarantie führen.
  • Effektivität: Leitungswasser hinterlässt Kalkflecken, die den Ertrag erneut mindern. Profis arbeiten mit entmineralisiertem Wasser (Osmosewasser) und speziellen, weichen Bürsten, die ein streifen- und rückstandsfreies Ergebnis garantieren.

Eine regelmäßige Wartung der PV-Anlage durch einen Fachmann kann nicht nur die Reinigung umfassen, sondern auch die frühzeitige Erkennung anderer technischer Probleme sicherstellen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie oft sollte eine PV-Anlage gereinigt werden?

Die Reinigungsintervalle hängen stark vom Standort ab. In der Regel empfiehlt sich eine professionelle Reinigung alle 2 bis 5 Jahre. Bei Anlagen in staubiger Umgebung oder in der Nähe von Landwirtschaft kann auch ein jährlicher Rhythmus sinnvoll sein.

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Kann ich für die Reinigung normales Leitungswasser verwenden?

Davon ist abzuraten. Leitungswasser enthält Kalk und Mineralien, die beim Trocknen Flecken und Schlieren auf der Moduloberfläche hinterlassen. Diese Kalkablagerungen können den Ertrag ähnlich wie Schmutz mindern.

Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Reinigung?

Optimal ist das Frühjahr, nach der Hauptpollensaison. So stellen Sie sicher, dass Ihre Anlage über die ertragsstärksten Sommermonate mit maximaler Leistung arbeitet.

Woran erkenne ich, dass meine Anlage gereinigt werden muss?

Der erste Schritt ist eine einfache Sichtprüfung: Sehen Sie deutliche Ablagerungen, Vogelkot oder einen grünen Belag an den Rändern? Der zweite Schritt ist ein Blick auf Ihre Ertragsdaten: Die Leistung Ihrer Anlage können Sie oft direkt über den Wechselrichter oder eine zugehörige App überwachen. Liegen die aktuellen Werte bei vergleichbaren Wetterbedingungen spürbar unter denen der Vorjahre, ist das ein starkes Indiz für eine ertragsmindernde Verschmutzung.

Fazit: Eine bewusste Entscheidung für maximalen Ertrag

Eine professionelle Reinigung Ihrer Photovoltaikanlage ist kein reiner Kostenfaktor, sondern eine Investition in deren Effizienz und Langlebigkeit. Sie ist nicht immer und in jedem Fall notwendig, doch eine bewusste Kosten-Nutzen-Abwägung schützt Sie vor schleichenden finanziellen Verlusten. Indem Sie den Wert des entgangenen Stromertrags den Reinigungskosten gegenüberstellen, treffen Sie eine wirtschaftlich fundierte Entscheidung und sorgen dafür, dass Ihre Solaranlage ihr volles Potenzial entfalten kann.

Weitere praxisnahe Informationen zur Optimierung Ihrer Anlage finden Sie direkt auf Photovoltaik.info. Im Shop von Photovoltaik.info entdecken Sie zudem Komplettsets, die auf typische Anlagengrößen und Bedürfnisse von Eigenheimbesitzern abgestimmt sind.

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OLEKSANDR PUSHKAR
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