Installateur insolvent: So schützen Sie sich beim Bau Ihrer Photovoltaikanlage

Die Entscheidung für eine Photovoltaikanlage ist gefallen, der passende Installateur gefunden und die Anzahlung geleistet. Doch plötzlich herrscht Funkstille. Die Handwerker erscheinen nicht mehr, Anrufe laufen ins Leere: Der Betrieb ist insolvent. Dieses Szenario ist für jeden Bauherren ein Albtraum, der im schlimmsten Fall Tausende von Euro Verlust bedeutet. Gerade im boomenden Solarmarkt, geprägt von Materialengpässen und Fachkräftemangel, steigt das Risiko für solche unvorhergesehenen Ereignisse.
Dieser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie sich vor, während und nach der Beauftragung wirksam absichern, auf welche vertraglichen Regelungen es ankommt und wie eine Anzahlungsbürgschaft Ihr Geld im Ernstfall schützt.
Warum das Insolvenzrisiko im Handwerk aktuell steigt
Der Wunsch nach Unabhängigkeit von steigenden Strompreisen hat eine enorme Nachfrage nach Photovoltaikanlagen ausgelöst. Doch dieser Boom hat auch eine Kehrseite. Viele, oft neu gegründete Handwerksbetriebe arbeiten am Limit. Die Kombination aus mehreren Faktoren erhöht das wirtschaftliche Risiko erheblich:
- Gestörte Lieferketten: Verzögerungen bei Solarmodulen, Wechselrichtern oder Montagesystemen führen zu Baustopps. Der Betrieb muss seine Mitarbeiter weiter bezahlen, obwohl keine Einnahmen fließen.
- Preisschwankungen: Die Einkaufspreise für Komponenten können sich zwischen Angebotslegung und Installation stark verändern. Hat ein Betrieb nicht mit ausreichenden Puffern kalkuliert, kann ein Projekt schnell unrentabel werden.
- Hohe Vorleistungen: Installateure müssen Material oft Monate im Voraus bestellen und bezahlen. Geleistete Anzahlungen von Kunden reichen dafür oft nicht aus. Die Folge: Liquiditätsengpässe.
- Fachkräftemangel: Qualifiziertes Personal ist rar. Der Versuch, mit unzureichend geschultem Personal schnell zu wachsen, kann zu teuren Fehlern und Nachbesserungen führen, die das Unternehmen finanziell belasten.
Aktuelle Daten aus der Baubranche zeigen, dass die Zahl der Unternehmensinsolvenzen seit 2023 spürbar ansteigt. Für Sie als Kunde bedeutet das: Eine sorgfältige Prüfung und Absicherung sind heute wichtiger denn je.
Die fatalen Folgen einer Installateur-Insolvenz für Sie
Meldet Ihr beauftragter Fachbetrieb Insolvenz an, stehen Sie vor gravierenden Problemen. Die konkreten Auswirkungen hängen vom Zeitpunkt der Insolvenz und den von Ihnen bereits geleisteten Zahlungen ab.
- Verlust der Anzahlung: Ihre Vorauszahlung fließt in die Insolvenzmasse. Sie werden zu einem von vielen Gläubigern und erhalten im besten Fall nur einen Bruchteil Ihres Geldes zurück – oft erst nach Jahren. Bei einer typischen Anzahlung von 20 % für eine 15.000-Euro-Anlage bedeutet das einen sofortigen Verlust von 3.000 Euro.
- Baustopp und unfertige Anlage: Die Arbeiten werden mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens sofort eingestellt. Sie haben eine halbfertige Installation auf dem Dach, die Witterungseinflüssen ausgesetzt ist. Die Fertigstellung verursacht zusätzliche Kosten.
- Kein Anspruch auf bezahltes Material: Selbst wenn Ihre Anzahlung für den Kauf von Solarmodulen und Wechselrichter gedacht war, gehören diese Ihnen nicht automatisch. Liegt das Material noch beim Lieferanten oder im Lager des Installateurs, fällt es in die Insolvenzmasse.
- Verlust von Gewährleistungsansprüchen: Der insolvente Betrieb kann für Mängel an der Installation nicht mehr haften. Sie verlieren den Anspruch auf die fünfjährige Gewährleistung für die Montage. Zwar bleibt die Produktgarantie der Hersteller (z. B. für Module) bestehen, doch für Installationsfehler ist niemand mehr zuständig.
Vorsorge ist der beste Schutz: Maßnahmen vor Vertragsabschluss
Der wirksamste Schutz vor den Folgen einer Insolvenz sind Vorkehrungen, die Sie bereits vor dem Vertragsabschluss treffen. Nehmen Sie sich Zeit für eine gründliche Prüfung des Anbieters und der Vertragsdetails.
1. Sorgfältige Auswahl des Fachbetriebs
Prüfen Sie nicht nur den Preis, sondern auch die Seriosität und wirtschaftliche Stabilität des Unternehmens.
- Unternehmenshistorie: Wie lange gibt es den Betrieb schon? Ein Unternehmen, das seit vielen Jahren am Markt ist, bietet in der Regel mehr Stabilität.
- Referenzen und Bewertungen: Fragen Sie nach Referenzprojekten in Ihrer Nähe und lesen Sie unabhängige Kundenbewertungen.
- Wirtschaftsauskunft: Bei sehr hohen Auftragssummen kann sich eine Anfrage bei Auskunfteien wie Creditreform lohnen, um die Bonität des Betriebs zu prüfen.
2. Ein fairer und transparenter Zahlungsplan
Der Zahlungsplan ist Ihr wichtigstes Steuerungsinstrument und sollte an klar definierte Baufortschritte gekoppelt sein. Ein typischer, fairer Zahlungsplan könnte so aussehen:
- 10–20 % Anzahlung nach Vertragsabschluss (idealerweise abgesichert).
- 50–60 % nach Lieferung aller wesentlichen Komponenten auf Ihre Baustelle. So stellen Sie sicher, dass Ihr Geld in Material investiert wurde, das nun Ihnen gehört.
- 20 % nach Abschluss der Montagearbeiten auf dem Dach und im Keller.
- 10 % nach erfolgreicher Inbetriebnahme und Übergabe aller Dokumente.
Seien Sie misstrauisch bei Forderungen nach Vorauszahlungen von 50 % oder mehr ohne entsprechende Gegenleistung oder Sicherheit.
3. Die Anzahlungsbürgschaft: Ihre finanzielle Versicherung
Die beste Absicherung für Ihre Vorauszahlung ist eine Anzahlungsbürgschaft (auch Vorauszahlungsbürgschaft genannt). Dabei bürgt eine Bank oder eine Versicherung für den Installateur. Im Falle einer Insolvenz erhalten Sie Ihre Anzahlung direkt vom Bürgen zurück.
So funktioniert es:
- Sie vereinbaren die Bürgschaft vertraglich mit dem Installateur.
- Der Installateur schließt die Bürgschaft bei seiner Bank oder Versicherung ab und übergibt Ihnen die Bürgschaftsurkunde.
- Erst dann leisten Sie die vereinbarte Anzahlung.
Die Kosten für eine solche Bürgschaft liegen meist bei 1–2 % der Bürgschaftssumme und werden in der Regel vom Installateur getragen oder in das Angebot eingepreist. Seriöse Betriebe bieten diese Absicherung oft von sich aus an. Fragen Sie aktiv danach!
Was tun, wenn der Ernstfall eintritt?
Wenn Sie die Nachricht von der Insolvenz Ihres Installateurs erhalten, ist schnelles und strukturiertes Handeln gefragt.
- Stellen Sie alle weiteren Zahlungen sofort ein.
- Kontaktieren Sie den Insolvenzverwalter. Dessen Kontaktdaten werden in der Regel öffentlich bekannt gegeben. Melden Sie Ihre Forderungen (z. B. die geleistete Anzahlung oder die Kosten für die Fertigstellung) schriftlich beim Verwalter an.
- Aktivieren Sie Ihre Bürgschaft. Falls Sie eine Anzahlungsbürgschaft abgeschlossen haben, informieren Sie den Bürgen (Bank oder Versicherung) umgehend und reichen Sie die erforderlichen Unterlagen ein.
- Dokumentieren Sie den Bautenstand. Machen Sie detaillierte Fotos von der unfertigen Anlage, um den Zustand zum Zeitpunkt des Baustopps festzuhalten.
- Suchen Sie einen neuen Fachbetrieb und holen Sie Angebote für die Fertigstellung der Anlage ein. Suchen Sie idealerweise einen Betrieb, der sich auf die Übernahme solcher Projekte spezialisiert hat.
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6.999,00 €Häufige Fragen zur Installateur-Insolvenz
Was passiert mit der Herstellergarantie meiner Komponenten?
Die Produktgarantien für Solarmodule, Wechselrichter und Batteriespeicher bleiben von der Insolvenz des Installateurs unberührt. Ihr Ansprechpartner ist in diesem Fall der jeweilige Hersteller. Wichtig ist, dass Ihnen alle notwendigen Unterlagen wie Rechnungen und Seriennummern vorliegen.
Verliere ich meine Anzahlung bei einer Insolvenz immer?
Ohne eine Absicherung wie eine Anzahlungsbürgschaft ist das Risiko, die Anzahlung zu verlieren, sehr hoch. Als ungesicherter Gläubiger erhalten Sie aus der Insolvenzmasse meist nur eine geringe Quote von wenigen Prozent zurück.
Wie erkenne ich einen unseriösen oder gefährdeten Betrieb?
Warnsignale können sein: extrem niedrige Preise, die deutlich unter dem Marktdurchschnitt liegen, eine hohe Vorauszahlung ohne Sicherheiten, schlechte Erreichbarkeit oder vage Aussagen zu Lieferterminen und Unternehmensdetails.
Kann ich vom Vertrag zurücktreten, wenn die Arbeiten ins Stocken geraten?
Ein Rücktritt ist rechtlich komplex. Sie müssen dem Unternehmen in der Regel erst eine angemessene Frist zur Nacherfüllung setzen. Gerät der Betrieb bereits vor der Insolvenz in Verzug, sollten Sie frühzeitig anwaltlichen Rat einholen, um Ihre Rechte zu wahren.
Fazit: Mit Weitsicht zur sicheren Solaranlage
Die Investition in eine Photovoltaikanlage ist eine langfristige Entscheidung für mehr Unabhängigkeit und Nachhaltigkeit. Damit Ihr Projekt nicht durch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten eines Handwerksbetriebs gefährdet wird, ist eine sorgfältige Vorbereitung entscheidend.
Verlassen Sie sich nicht allein auf ein gutes Angebot, sondern prüfen Sie auch die Stabilität des Unternehmens. Bestehen Sie auf einem fairen, an den Baufortschritt gekoppelten Zahlungsplan und sichern Sie hohe Anzahlungen durch eine Bürgschaft ab. Dieser kleine Mehraufwand an Sorgfalt schützt Ihre Investition wirksam und sichert Ihnen lange Freude an Ihrem eigenen Solarstrom.
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