Photovoltaik-Finanzierung: Wie Zinsen die Gesamtkosten und Rentabilität beeinflussen

Die Anschaffungskosten einer Photovoltaikanlage stehen für viele Interessenten im Vordergrund. Die wahre Wirtschaftlichkeit einer solchen Investition zeigt sich jedoch erst, wenn alle Kosten über die gesamte Laufzeit betrachtet werden. Oft unterschätzt werden dabei die Finanzierungskosten. Sie können aus einer rentablen Anlage ein Nullsummenspiel machen – oder bei kluger Planung den Weg zur eigenen Stromerzeugung überhaupt erst ebnen.

Wir zeigen Ihnen, wie Zinsen, Tilgung und Laufzeit die Gesamtkosten Ihrer PV-Anlage beeinflussen und wie Sie die Finanzierung so gestalten, dass Ihre Anlage vom ersten Tag an für Sie arbeitet.

Die zwei Hauptkostenblöcke: Anschaffung und Finanzierung

Um die Rentabilität fair bewerten zu können, sollten die Kosten transparent aufgeschlüsselt werden. Die Gesamtinvestition gliedert sich im Wesentlichen in zwei Bereiche.

1. Anschaffungskosten

Dies sind die einmaligen Ausgaben für die Hardware und die Installation. Hierzu gehören:

  • Solarmodule: Das Herzstück der Anlage.
  • Wechselrichter: Wandelt den erzeugten Gleichstrom in nutzbaren Wechselstrom um.
  • Montagesystem: Die Unterkonstruktion für die Module auf dem Dach.
  • Verkabelung und Kleinteile: Alle notwendigen Verbindungselemente.
  • Installation und Inbetriebnahme: Die Arbeitsleistung des Fachbetriebs.

Die durchschnittlichen Kosten einer Photovoltaikanlage für ein Einfamilienhaus liegen je nach Größe und Komponentenqualität zwischen 1.300 und 1.800 Euro pro Kilowattpeak (kWp). Für eine typische 8-kWp-Anlage sollten Sie also mit Anschaffungskosten von rund 10.400 bis 14.400 Euro rechnen.

2. Finanzierungskosten

Wenn Sie die Anlage nicht vollständig aus Eigenkapital bezahlen, kommen die Kosten für den Kredit hinzu. Diese setzen sich vor allem zusammen aus:

  • Zinsen: Der Preis, den Sie für das geliehene Geld an die Bank zahlen.
  • Gebühren: Eventuelle Bearbeitungs- oder Kontoführungsgebühren.

Da diese Kosten über die gesamte Kreditlaufzeit anfallen, müssen sie in die Gesamtkalkulation einfließen – schließlich schmälern sie Ihre monatlichen Ersparnisse durch die PV-Anlage.

Wie Zinsen die Amortisationszeit verlängern: Ein Rechenbeispiel

Die Amortisationszeit ist der Zeitraum, nach dem die PV-Anlage ihre Anschaffungskosten durch Einsparungen und Einnahmen wieder erwirtschaftet hat. Eine Finanzierung verlängert diesen Zeitraum unweigerlich. Ein konkretes Beispiel macht dies deutlich.

Szenario:

  • Anlage: 8-kWp-Photovoltaikanlage
  • Anschaffungskosten: 13.000 €
  • Jährliche Stromerzeugung: 7.600 kWh
  • Strompreis: 0,35 €/kWh
  • Eigenverbrauchsquote: 30 % (2.280 kWh)
  • Einspeisevergütung: 8,1 Cent/kWh für die restlichen 5.320 kWh

Berechnung der jährlichen Ersparnis/Einnahmen:

  • Gesparte Stromkosten: 2.280 kWh * 0,35 €/kWh = 798 €
  • Einnahmen durch Einspeisung: 5.320 kWh * 0,081 €/kWh = 431 €
  • Gesamtertrag pro Jahr: 798 € + 431 € = 1.229 €

Fall 1: Kauf mit Eigenkapital (Barzahlung)

Die Rechnung ist hier einfach:

  • Amortisationszeit = Anschaffungskosten / Jährlicher Ertrag
  • 13.000 € / 1.229 €/Jahr ≈ 10,6 Jahre

Nach etwa zehneinhalb Jahren hat die Anlage ihre Kosten eingespielt und produziert reine Gewinne.

Fall 2: Finanzierung über einen Kredit

Nehmen wir an, Sie finanzieren die vollen 13.000 € über einen Solarkredit mit folgenden Konditionen:

  • Zinssatz: 4,5 % p.a.
  • Laufzeit: 10 Jahre
  • Monatliche Rate: ca. 135 €
  • Jährliche Kreditkosten: 135 € * 12 = 1.620 €
  • Gezahlte Zinsen insgesamt: ca. 3.200 € (über die gesamte Laufzeit)

Ihr jährlicher Ertrag von 1.229 € reicht nicht aus, um die jährlichen Kreditkosten von 1.620 € zu decken. Sie zahlen in den ersten 10 Jahren also drauf. Die eigentliche Amortisation beginnt erst nach Ablauf des Kredits.

  • Gesamtkosten der Anlage (inkl. Zinsen): 13.000 € + 3.200 € = 16.200 €
  • Amortisationszeit = Gesamtkosten / Jährlicher Ertrag
  • 16.200 € / 1.229 €/Jahr ≈ 13,2 Jahre

Ergebnis: Die Finanzierung verlängert die Amortisationszeit in diesem Beispiel um fast drei Jahre. In dieser Zeit erwirtschaftet die Anlage zwar Strom, die Ersparnis wird jedoch vollständig von den Kreditraten aufgefressen.

Gesamtkosten über 20 Jahre: Was am Ende übrig bleibt

Eine PV-Anlage ist auf eine Lebensdauer von 20 bis 30 Jahren ausgelegt. Entscheidend für die Rentabilität Ihrer PV-Anlage ist daher der Überschuss, den Sie nach Abzug aller Kosten über diesen Zeitraum erwirtschaften.

Bleiben wir bei unserem Beispiel und betrachten die Bilanz nach 20 Jahren:

Fall 1: Barzahlung

Gesamtertrag (20 Jahre): 20 * 1.229 € = 24.580 €
Anschaffungskosten: – 13.000 €
Finanzierungskosten (Zinsen): – 0 €
Gewinn nach 20 Jahren: 11.580 €

Fall 2: Finanzierung

Gesamtertrag (20 Jahre): 20 * 1.229 € = 24.580 €
Anschaffungskosten: – 13.000 €
Finanzierungskosten (Zinsen): – 3.200 €
Gewinn nach 20 Jahren: 8.380 €

Die Finanzierung hat den Gesamtgewinn um 3.200 € reduziert – genau um die Summe der gezahlten Zinsen. Jeder Prozentpunkt beim Zinssatz hat also einen direkten und erheblichen Einfluss auf Ihren finanziellen Erfolg.

Worauf Sie bei einem Solarkredit achten sollten

Um die Finanzierungskosten so gering wie möglich zu halten, sollten Sie bei der Auswahl eines Kredits auf einige wichtige Details achten. Die folgenden Punkte haben erfahrungsgemäß den größten Hebel:

  1. Zinssatz vergleichen: Holen Sie mehrere Angebote von verschiedenen Banken ein. Spezialisierte Solarkredite oder zweckgebundene Modernisierungskredite bieten oft bessere Konditionen als ein normaler Ratenkredit.
  2. Sondertilgungen nutzen: Achten Sie darauf, dass der Kredit kostenlose Sondertilgungen zulässt. So können Sie unerwartete Einnahmen wie eine Steuerrückerstattung nutzen, um den Kredit schneller abzubezahlen und Zinskosten zu sparen.
  3. Eigenkapital einsetzen: Schon ein Eigenkapitalanteil von 10–20 % kann den Zinssatz deutlich verbessern und die Kreditsumme senken. Je weniger Sie leihen müssen, desto geringer sind die absoluten Zinskosten.
  4. Staatliche Förderungen prüfen: Informieren Sie sich über zinsgünstige Kredite der KfW-Bank (z. B. das Programm 270 „Erneuerbare Energien – Standard“). Diese staatliche Förderungen für Photovoltaik sind oft unschlagbar günstig und speziell für solche Vorhaben gedacht.

Lohnt sich eine PV-Anlage mit Finanzierung trotzdem?

Die klare Antwort lautet: In den meisten Fällen ja. Auch wenn die Zinsen den Gewinn schmälern, überwiegen die Vorteile in der Regel deutlich.

Entscheidend ist der Vergleich zur Alternative. Die Alternative zur finanzierten PV-Anlage ist nicht der Barkauf (wenn das Kapital fehlt), sondern der Weiterbezug von teurem Netzstrom. Die Kosten für den Kredit sind oft niedriger als die Stromkosten, die Sie ohne Anlage hätten.

Ein einfaches Szenario: Angenommen, Ihre monatliche Stromrechnung beträgt 150 €. Mit einer PV-Anlage und einer Kreditrate von 135 € zahlen Sie zwar für den Kredit, aber Ihre Stromrechnung sinkt vielleicht auf 10 €. Ihre monatliche Gesamtbelastung sinkt also sofort von 150 € auf 145 € (135 € Kredit + 10 € Reststrom). Nach 10 Jahren fällt die Kreditrate weg und die Ersparnis wird noch größer. Sie tauschen variable, steigende Stromkosten gegen eine feste, planbare Kreditrate und schaffen gleichzeitig einen Wert für Ihre Immobilie.

Unsere Erfahrung bei Photovoltaik.info zeigt, dass eine sorgfältig geplante Finanzierung ein sinnvolles Werkzeug ist, um die Energiewende im eigenen Zuhause schneller umzusetzen.

Häufige Fragen (FAQ) zur PV-Finanzierung

Kann ich eine PV-Anlage ohne Eigenkapital finanzieren?
Ja, viele Banken bieten eine 100-%-Finanzierung an. Allerdings sind die Zinssätze hierbei oft etwas höher als bei einer Finanzierung mit Eigenkapitalanteil.

Welche Banken bieten spezielle Solarkredite an?
Neben der staatlichen KfW-Bank haben viele Umweltbanken (z. B. GLS Bank, UmweltBank), aber auch klassische Geschäftsbanken, Sparkassen und Volksbanken spezielle Kredite für energetische Sanierungen im Angebot. Ein Vergleich lohnt sich immer.

Sind die Zinsen für einen Solarkredit steuerlich absetzbar?
Für rein privat genutzte PV-Anlagen sind die Schuldzinsen in der Regel nicht steuerlich absetzbar. Seit 2023 sind die Einnahmen aus kleinen PV-Anlagen (bis 30 kWp) ohnehin einkommensteuerfrei, was die steuerliche Komplexität deutlich reduziert hat.

Sollte ich lieber warten und sparen, statt zu finanzieren?
Das ist eine persönliche Entscheidung. Bedenken Sie jedoch, dass die Strompreise in der Zeit, in der Sie sparen, wahrscheinlich weiter steigen. Mit einer Finanzierung sichern Sie sich die heutigen Anlagenpreise und profitieren sofort von niedrigeren Stromkosten.


Die Entscheidung für eine Finanzierung sollte gut überlegt sein. Eine transparente Kalkulation, die Zinsen als festen Kostenblock einplant, ist entscheidend für eine langfristig rentable Photovoltaikanlage.

Sie möchten Ihre individuelle Situation besser einschätzen oder suchen nach passenden Komponenten? Im Shop von Photovoltaik.info finden Sie Komplettsets, die auf typische Anlagengrößen und Bedürfnisse von Eigenheimbesitzern abgestimmt sind.

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OLEKSANDR PUSHKAR
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