Förderprogramme für Mieterstrom: Wie Vermieter von lokalen Zuschüssen profitieren

Die Installation einer Photovoltaikanlage auf einem Mehrfamilienhaus ist mehr als nur ein Beitrag zum Klimaschutz. Für Vermieter eröffnet sie die Chance, eine neue Einnahmequelle zu erschließen, den Wert ihrer Immobilie zu steigern und Mietern attraktiven, günstigen Strom direkt vom Dach anzubieten. Während staatliche Anreize eine gute Grundlage bilden, liegt der Schlüssel zur maximalen Rentabilität oft in wenig bekannten lokalen Förderprogrammen. Diese kommunalen Zuschüsse können eine Investition von „interessant“ zu „hochprofitabel“ machen.
Das Mieterstrommodell: Eine kurze Einführung
Im Kern ermöglicht das Mieterstrommodell Vermietern, den Solarstrom vom Gebäudedach direkt an die Mieter im selben Haus zu verkaufen. Dieser Strom muss nicht erst in das öffentliche Netz eingespeist werden, wodurch Netzentgelte, Umlagen und Steuern entfallen. So entsteht ein Strompreis, der in der Regel deutlich unter dem des lokalen Grundversorgers liegt – ein handfester Vorteil für Ihre Mieter.
Für Sie als Vermieter entsteht ein Geschäftsmodell, das zwei wesentliche Vorteile vereint: Sie leisten einen aktiven Beitrag zur Energiewende und generieren gleichzeitig stabile, langfristige Einnahmen aus dem Stromverkauf. Immobilien mit nachhaltigen Energiekonzepten und niedrigeren Nebenkosten sind am Markt zudem zunehmend gefragter.
Warum der Bundeszuschuss oft nicht ausreicht
Der Bund fördert Mieterstromprojekte über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG 2023). Dieser sogenannte Mieterstromzuschlag ist eine zusätzliche Vergütung für jede an die Mieter gelieferte Kilowattstunde Solarstrom. Für Anlagen, die seit dem 1. Januar 2023 in Betrieb genommen wurden, liegt dieser Zuschlag je nach Anlagengröße zwischen 1,66 und 2,64 Cent pro Kilowattstunde.
Obwohl der Wegfall der EEG-Umlage im Juli 2022 die Wirtschaftlichkeit bereits spürbar verbessert hat, reicht der bundesweite Zuschlag allein oft nicht aus, um den administrativen Aufwand für kleinere und mittlere Projekte zu kompensieren. Abrechnung und Verwaltung sind aufwendig, weshalb die reine Bundesförderung die Investitionshürde für viele Vermieter noch zu hoch legt. Genau hier kommen die Kommunen ins Spiel.
Die wahre Chance liegt in der Kommune: Lokale Förderprogramme
Um ihre Klimaziele zu erreichen und die Energiewende vor Ort zu beschleunigen, haben zahlreiche Städte und Gemeinden eigene, oft sehr attraktive Förderprogramme aufgelegt. Diese Programme sind gezielt darauf ausgelegt, die Lücke zu schließen, die die Bundesförderung offenlässt. Sie bieten in der Regel direkte Investitionszuschüsse, die die anfänglichen Kosten erheblich senken und die Amortisationszeit verkürzen.
Praxisbeispiele: Wo Vermieter besonders profitieren
Die Förderlandschaft ist lokal sehr unterschiedlich, doch einige Städte gehen mit gutem Beispiel voran und bieten besonders großzügige Unterstützung.
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München: Im Rahmen des „Förderprogramms Klimaneutrale Gebäude (FKG)“ erhalten Vermieter einen Investitionszuschuss von 300 € pro Kilowattpeak (kWp) installierter Leistung. Bei einer Kombination mit einer Dachbegrünung erhöht sich der Betrag sogar auf 400 €/kWp. Für eine typische 30-kWp-Anlage auf einem Mehrfamilienhaus bedeutet das einen direkten Zuschuss von 9.000 €.
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Berlin: Das Programm „SolarPLUS“ ist besonders ambitioniert. Es fördert nicht nur die PV-Anlage selbst, sondern auch die notwendige Messtechnik für Mieterstrommodelle. Hier können Zuschüsse von bis zu 600 € pro kWp erreicht werden, was die Anfangsinvestition drastisch reduziert.
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Stuttgart: Die Landeshauptstadt unterstützt die Installation von PV-Anlagen auf Mehrfamilienhäusern (ab der dritten Wohneinheit) im Rahmen ihrer „Solaroffensive“ mit einem Zuschuss von 350 €/kWp. Eine 25-kWp-Anlage wird hier also mit 8.750 € gefördert.
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Weitere Städte: Auch Städte wie Freiburg („Klimafreundlich Wohnen“), Köln („klimafreundliches Wohnen“) oder Düsseldorf bieten vergleichbare Programme an. Die Tendenz ist steigend, da immer mehr Kommunen die Bedeutung von dezentraler Energieerzeugung erkennen.
So finden Sie das passende Programm für Ihren Standort
Die Suche nach lokalen Fördermitteln ist einfacher als oft angenommen. Die besten Anlaufstellen sind:
- Die offizielle Webseite Ihrer Stadt oder Gemeinde: Suchen Sie nach Begriffen wie „Förderung Photovoltaik“, „Solarförderung“ oder „Klimaschutzprogramm“.
- Die lokalen Stadtwerke: Viele Energieversorger bieten eigene Förderprogramme oder beraten zu den kommunalen Angeboten.
- Klimaschutz- oder Energieagenturen: Regionale Agenturen sind oft bestens über die aktuelle Förderlandschaft informiert.
Eine gezielte Onlinesuche mit „[Name Ihrer Stadt] + Förderung Photovoltaik“ führt meist schnell zum Ziel.
Die Vorteile für Vermieter im Überblick
Die Kombination aus Mieterstromverkauf und lokalen Zuschüssen schafft ein überzeugendes Gesamtpaket, das die Wirtschaftlichkeit einer PV-Anlage maßgeblich steigert.
- Zusätzliche Einnahmequelle: Sie erzielen regelmäßige Erträge aus dem Verkauf von Solarstrom an Ihre Mieter.
- Gesteigerter Immobilienwert: Eine moderne Energieversorgung macht Ihr Gebäude zukunftsfähig und wertvoller.
- Höhere Mieterattraktivität: Günstiger und ökologischer Strom ist ein starkes Argument bei der Neuvermietung und stärkt die Mieterbindung.
- Beitrag zum Klimaschutz: Sie positionieren sich als verantwortungsbewusster Eigentümer und leisten einen messbaren Beitrag zur Reduzierung von CO₂-Emissionen.
Häufige Fragen (FAQ) zu Mieterstrom und Förderungen
Muss ich ein Energieversorgungsunternehmen werden?
Als Vermieter übernehmen Sie im Mieterstrommodell rechtlich die Rolle eines Stromlieferanten. Das umfasst Pflichten wie die Strommessung und -abrechnung. Viele Vermieter nutzen daher spezialisierte Dienstleister, die diese administrativen Aufgaben vollständig übernehmen und den Prozess erheblich vereinfachen.
Was passiert, wenn die Sonne nicht scheint?
Ihre Mieter sind zu jeder Zeit voll versorgt. Der Solarstrom vom Dach deckt einen Teil des Bedarfs. Für den restlichen Strombedarf, etwa nachts oder an bewölkten Tagen, bleibt jeder Mieter weiterhin an das öffentliche Netz angeschlossen und bezieht den restlichen Strom von einem Energieversorger seiner Wahl.
Sind die Förderprogramme kombinierbar?
In den meisten Fällen ja. Der bundesweite Mieterstromzuschlag nach EEG kann in der Regel mit den kommunalen Investitionszuschüssen kombiniert werden. Es ist jedoch unerlässlich, die Förderbedingungen des jeweiligen lokalen Programms genau zu prüfen, um die Kombinierbarkeit zu gewährleisten.
Wie groß sollte die Anlage sein?
Als Faustregel gilt: Die Anlage sollte so dimensioniert sein, dass sie einen wesentlichen Teil des Stromverbrauchs im Haus deckt, ohne dass zu viel überschüssiger Strom ins Netz eingespeist werden muss. Eine genaue Analyse des Lastprofils im Gebäude ist für eine optimale Auslegung empfehlenswert.
Fazit: Lokale Förderung als entscheidender Hebel
Mieterstrom ist eine der intelligentesten Möglichkeiten, Photovoltaik auf Mehrfamilienhäusern wirtschaftlich zu betreiben. Während die gesetzlichen Rahmenbedingungen eine solide Basis schaffen, sind es die oft übersehenen lokalen Förderprogramme, die aus einem guten Projekt eine exzellente Investition machen. Vermieter, die sich die Zeit nehmen, die Angebote ihrer Kommune zu prüfen, können die Rentabilität ihres Vorhabens entscheidend steigern und sich einen klaren Wettbewerbsvorteil sichern.
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