Fixpreis vs. dynamischer Tarif: Rechnet sich der Wechsel für Besitzer von PV-Anlagen?

Die meisten Stromkunden in Deutschland kennen nur ein Preismodell: den festen Arbeitspreis pro Kilowattstunde. Egal ob Tag oder Nacht, der Betrag für den bezogenen Strom bleibt immer gleich. Diese Einfachheit hat zwar ihren Reiz, bringt für Besitzer von Balkonkraftwerken oder PV-Anlagen jedoch eine oft übersehene finanzielle Schieflage mit sich. Denn der Wert von Strom ist alles andere als konstant. Wer dieses Prinzip verstanden hat, kann seine Solarenergie deutlich rentabler nutzen.

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Das bekannte Modell: Der feste Strompreis

Bei einem klassischen Stromvertrag vereinbaren Sie mit Ihrem Anbieter einen festen Arbeitspreis, zum Beispiel 30 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Dieser Preis gilt rund um die Uhr – ganz gleich, wann Sie Ihren Strom verbrauchen.

Vorteile:

  • Planbarkeit: Ihre Kosten sind einfach zu kalkulieren.
  • Einfachheit: Sie müssen sich keine Gedanken über den Zeitpunkt Ihres Verbrauchs machen.

Nachteile für PV-Besitzer:

  • Spiegelt den Marktwert nicht wider: Das Modell bildet die tatsächlichen Kosten an der Strombörse nicht ab.
  • Keine Sparanreize: Es gibt keinen finanziellen Anreiz, den Stromverbrauch in günstigere Zeiten zu verlagern.

Die Alternative: Der dynamische Stromtarif

Ein dynamischer Stromtarif gibt die Preise der Strombörse direkt an Sie weiter – meist mit einem geringen Aufschlag des Anbieters. Der Preis für eine Kilowattstunde ändert sich dadurch ständig, oft im Stunden- oder sogar Viertelstundentakt.

Grafik, die den typischen Verlauf eines fixen Stromtarifs (horizontale Linie) und eines dynamischen Stromtarifs (wellenförmige Linie) über 24 Stunden vergleicht

Das Prinzip ist einfach:

  • Hohes Angebot, geringe Nachfrage: Ist viel Wind- und Sonnenstrom im Netz, sinken die Preise – teilweise sogar unter null.
  • Geringes Angebot, hohe Nachfrage: Bei wenig erneuerbarer Energie und hohem Verbrauch (z. B. abends) steigen die Preise.

Die Preisunterschiede sind erheblich. Eine Analyse des Vergleichsportals Verivox vom April 2024 zeigt: An einem durchschnittlichen Tag lag die Differenz zwischen dem teuersten und dem günstigsten Börsenstrompreis bei über 15 Cent pro Kilowattstunde.

Warum die Strompreise so stark schwanken

Der Hauptgrund für diese zunehmende Volatilität ist der Ausbau der erneuerbaren Energien. An einem sonnigen und windigen Tag wird das deutsche Stromnetz regelrecht mit günstigem Ökostrom geflutet. Die Erzeugung übersteigt oft den Verbrauch, was die Preise an der Börse in den Keller drückt.

Infografik, die die Börsenstrompreise an einem sonnigen Tag zeigt – mittags sehr niedrig, morgens und abends hoch

Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) belegt diesen Trend eindrucksvoll: Im Jahr 2023 gab es in Deutschland über 300 Stunden mit negativen Strompreisen. In diesen Zeiten erhielten Verbraucher Geld dafür, dass sie Strom verbrauchten. Umgekehrt steigen die Preise stark an, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht, da dann teurere Gaskraftwerke die Versorgung sichern müssen.

Was das für Sie als Besitzer einer PV-Anlage bedeutet

Dieses Wissen eröffnet eine neue Perspektive auf Ihre eigene Stromerzeugung. Ihre Solaranlage produziert den meisten Strom zur Mittagszeit – genau dann, wenn der Strom an der Börse am günstigsten ist. Sie ersetzen mit Ihrem Solarstrom also den billigsten Netzstrom des Tages.

Am Abend, wenn Ihr Strombedarf typischerweise am höchsten ist (Kochen, Licht, Unterhaltungselektronik), Ihre Anlage aber keinen Strom mehr produziert, müssen Sie Strom aus dem Netz beziehen. Und das genau dann, wenn er am teuersten ist.

Sie erzeugen also „günstigen“ Strom und kaufen „teuren“ Strom – genau hier liegt das Optimierungspotenzial. Energieexperten wie Mirko Schlossarczyk von Energy Brainpool prognostizieren, dass diese Preisschwankungen weiter zunehmen werden. Modelle, die diese Volatilität nutzen, werden für Verbraucher deshalb immer interessanter. Die Lösung liegt auf der Hand: den am Mittag günstig erzeugten Solarstrom für die teuren Abendstunden speichern. Ein Balkonkraftwerk mit Speicher oder eine größere DIY PV-Anlage mit Batteriespeicher wird so vom reinen Stromerzeuger zum intelligenten Energiemanager.

Entscheidungshilfe: Ist das Thema für Sie relevant?

Die Auseinandersetzung mit Stromtarifen ist der erste Schritt. Sie müssen nicht sofort wechseln, aber das Bewusstsein für den schwankenden Wert von Strom ist entscheidend für zukünftige Kaufentscheidungen.

  • Für Mieter mit Balkon: Schon kleine Balkonkraftwerke helfen, die teuren Verbrauchsspitzen am Tag zu reduzieren. Ein Speichersystem hebt dieses Prinzip auf die nächste Stufe und verlagert Ihren günstigen Sonnenstrom in den teuren Abend.
  • Für Eigenheimbesitzer: Bei der Planung einer PV-Anlage sind Speicher und intelligentes Management heute wichtiger denn je. Sie entscheiden darüber, ob Ihre Anlage nur Kosten senkt oder aktiv Geld verdient, indem sie Preisdifferenzen für Sie ausnutzt.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was genau ist ein dynamischer Stromtarif?
Bei einem dynamischen Stromtarif orientiert sich der Preis pro Kilowattstunde an den aktuellen Preisen der Strombörse. Er kann sich dadurch stündlich ändern.

Woher weiß ich, welchen Stromtarif ich aktuell habe?
Die allermeisten Haushaltskunden in Deutschland haben einen festen Arbeitspreis. Diesen finden Sie auf Ihrer Jahresstromabrechnung. Dynamische Tarife müssen explizit abgeschlossen werden.

Warum gibt es negative Strompreise?
Negative Strompreise entstehen, wenn das Angebot an Strom – insbesondere aus Wind und Sonne – die Nachfrage deutlich übersteigt. Konventionelle Kraftwerke können nicht immer schnell genug abgeschaltet werden. Um das Netz stabil zu halten, erhalten Verbraucher dann Geld dafür, dass sie Strom abnehmen.

Benötige ich eine große PV-Anlage, um Preisschwankungen zu nutzen?
Nein, das Prinzip funktioniert auch bei kleinen Anlagen. Entscheidend ist nicht die Größe der Anlage, sondern die Möglichkeit, den erzeugten Strom oder den günstigen Netzstrom zu speichern und dann zu verbrauchen, wenn der Strom aus dem Netz teuer wäre.


Das Verständnis für den wahren, zeitabhängigen Wert von Strom ist der Schlüssel, um das Maximum aus Ihrer Photovoltaikanlage herauszuholen. Anstatt nur die Stromrechnung zu senken, können Sie Ihr System so auslegen, dass es aktiv die günstigsten Strompreise nutzt und die teuersten vermeidet.

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OLEKSANDR PUSHKAR
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