Ertragsprognose für Photovoltaik: So prüfen Sie Angebote richtig

Ein Angebot für eine neue Photovoltaikanlage liegt vor Ihnen: Die versprochenen Erträge klingen verlockend, die prognostizierte Stromkostenersparnis ist beachtlich. Doch oft zeigt ein zweites Angebot deutlich konservativere Zahlen – was viele angehende Anlagenbetreiber verunsichert. Die Ertragsprognose ist das Herzstück jedes Angebots, doch ihre Qualität schwankt stark. Von ihr hängt ab, ob sich Ihre Investition wie erwartet rentiert oder ob Sie am Ende enttäuscht werden.
Dieser Artikel zeigt Ihnen, wie Sie die Spreu vom Weizen trennen. Sie erfahren, auf welchen Annahmen eine seriöse Ertragsprognose basiert und wie Sie unrealistisch hohe Versprechen erkennen, noch bevor Sie eine Entscheidung treffen.
Was ist eine Ertragsprognose und warum ist sie so wichtig?
Eine Ertragsprognose ist eine computergestützte Simulation, die den voraussichtlichen jährlichen Stromertrag Ihrer zukünftigen Photovoltaikanlage in Kilowattstunden (kWh) berechnet. Sie ist keine Garantie, aber die wichtigste Grundlage, um die Wirtschaftlichkeit und Amortisationszeit zu kalkulieren.
Ein zentraler Vergleichswert ist der spezifische Jahresertrag. Er wird in Kilowattstunden pro Kilowatt-Peak (kWh/kWp) angegeben und beschreibt, wie viel Strom ein Kilowatt-Peak installierter Leistung unter den Bedingungen an Ihrem Standort pro Jahr erzeugt.
Praxisnaher Richtwert: In Deutschland erzeugt eine gut geplante Anlage je nach Standort und Ausrichtung zwischen 850 und 1.200 kWh pro kWp. Eine 8-kWp-Anlage auf einem typischen Einfamilienhaus in Süddeutschland sollte also rund 8.000 bis 9.600 kWh Strom pro Jahr liefern. Angebote, die signifikant darüber liegen, sollten Sie daher kritisch prüfen.
Die drei Säulen einer seriösen Ertragskalkulation
Jede Simulation stützt sich auf drei wesentliche Faktoren. Ein seriöser Anbieter legt transparent dar, welche Werte er für seine Berechnung heranzieht. Prüfen Sie diese drei Punkte in Ihrem Angebot genau.
1. Globalstrahlung: Die Sonne als Datenbasis
Die wichtigste Grundlage ist die Menge an Sonnenenergie, die tatsächlich auf Ihre Dachfläche trifft. Seriöse Planer nutzen hierfür standortgenaue, langjährige Wetterdaten von anerkannten Quellen wie dem Deutschen Wetterdienst (DWD) oder dem europäischen PVGIS (Photovoltaic Geographical Information System).
Hüten Sie sich vor Anbietern, die ihre Prognosen auf den Daten eines einzelnen, besonders sonnigen Jahres aufbauen. Das führt zwangsläufig zu geschönten Ergebnissen.
Als Orientierung: In Deutschland liegt die durchschnittliche jährliche Globalstrahlung je nach Region zwischen 950 und 1.250 kWh/m². Ein Anbieter sollte seine Prognose auf diesen realistischen Korridor stützen. Fragen Sie aktiv nach, welche Datenquelle für die Berechnung der Einstrahlung an Ihrem Standort verwendet wurde.
2. Systemverluste: Die unvermeidbaren Abzüge
Eine Photovoltaikanlage wandelt niemals 100 % der Sonnenenergie in nutzbaren Strom um. Auf dem Weg vom Solarmodul zur Steckdose entstehen Verluste, die in einer realistischen Prognose berücksichtigt werden müssen. Und genau hier wird bei Angeboten am häufigsten „optimiert“.
Die wichtigsten Verlustfaktoren sind:
- Temperatur: Solarmodule verlieren bei hohen Temperaturen an Leistung. Pro 10 °C über der Normtemperatur von 25 °C sinkt die Leistung um etwa 4 % – ein Faktor, der gerade im Sommer eine große Rolle spielt.
- Wirkungsgrad des Wechselrichters: Der Wechselrichter wandelt Gleichstrom in Wechselstrom um. Moderne Geräte arbeiten sehr effizient, doch ein Verlust von 2 bis 5 % ist normal.
- Leitungsverluste: Auf dem Weg vom Dach zum Zählerschrank geht durch den Widerstand in den Kabeln Energie verloren (ca. 1 bis 3 %).
- Verschmutzung und Schnee: Staub, Pollen oder im Winter auch Schnee können die Moduloberfläche bedecken und den Ertrag mindern (ca. 2 bis 5 %).
- Verschattung: Dies ist einer der größten Risikofaktoren. Schon der Schatten eines Kamins, einer Gaube oder eines nahen Baumes kann die Leistung erheblich reduzieren.
Erfahrungswert: Seriöse Angebote kalkulieren mit Gesamtverlusten von 10 bis 18 %. Ein im Angebot ausgewiesener „Performance Ratio“ (PR) von über 90 % ist extrem optimistisch und sollte Sie skeptisch machen. Ein realistischer Wert liegt meist zwischen 82 und 90 %.
3. Degradation: Die natürliche Alterung der Module
Solarmodule verlieren über die Jahre geringfügig an Leistung. Dieser als Degradation bezeichnete Prozess ist normal und wird von Herstellern in ihren Leistungsgarantien berücksichtigt.
Typische Werte: Hersteller rechnen mit einer linearen Degradation von 0,25 bis 0,5 % pro Jahr. Eine gute Ertragsprognose zeigt den erwarteten Ertrag nicht nur für das erste Jahr, sondern auch für einen längeren Zeitraum, beispielsweise nach 20 Jahren. Nach 25 Jahren garantieren die meisten Hersteller noch eine Leistung von 80 bis 87 % der ursprünglichen Nennleistung. Prüfen Sie, ob diese Alterung in der Langzeitprognose Ihres Angebots einkalkuliert ist.
Rote Flaggen: So erkennen Sie unrealistische Versprechen
Mit dem Wissen über die drei Säulen können Sie Ihr Angebot nun gezielt prüfen. Achten Sie auf folgende Warnsignale, die auf eine geschönte Kalkulation hindeuten:
- Spezifischer Ertrag zu hoch: Liegt der prognostizierte Wert (kWh/kWp) deutlich über dem regionalen Durchschnitt (z. B. über 1.250 kWh/kWp im Süden Deutschlands), fragen Sie nach der Begründung.
- Systemverluste unter 10 %: Ein solcher Wert ist in der Praxis kaum erreichbar und ignoriert wichtige Realbedingungen wie Sommertemperaturen oder leichte Verschmutzung.
- Fehlende Verschattungsanalyse: Wird das Thema Verschattung gar nicht erwähnt, obwohl es an Ihrem Standort potenzielle Schattenquellen wie Bäume, Nachbargebäude oder Schornsteine gibt? Eine seriöse Anlagenplanung erfordert immer eine Verschattungsanalyse.
- Unklare Datenquellen: Der Anbieter kann oder will nicht angeben, welche Wetterdaten (z. B. PVGIS, DWD) er für die Simulation verwendet hat.
- Keine Berücksichtigung der Degradation: Die Prognose zeigt für die nächsten 20 Jahre einen gleichbleibenden Ertrag. Das ist physikalisch unmöglich.
Die entscheidende Rolle der Verschattungsanalyse
Die Erfahrung zeigt: Eine unzureichend berücksichtigte Verschattung ist der häufigste Grund für enttäuschte Ertragserwartungen. Ein einfacher Blick auf Google Maps reicht nicht aus. Schon kleine, wandernde Schatten können die Leistung ganzer Modulstränge drosseln.
Eine professionelle Planung umfasst daher immer eine 3D-Simulation des Gebäudes und seiner Umgebung. Damit lässt sich der Schattenwurf zu jeder Tages- und Jahreszeit exakt berechnen und in die Ertragsprognose einbeziehen. Bestehen Sie bei einem komplexen Dach oder potenziellen Schattenquellen auf einer solchen detaillierten Analyse.
Fazit: Vertrauen Sie auf realistische Zahlen
Eine hohe Ertragsprognose sieht auf dem Papier gut aus, führt aber zu falschen Erwartungen und einer unrealistischen Amortisationsrechnung. Ein seriöser Anbieter wird Ihnen eine transparente, nachvollziehbare und eher konservative Kalkulation vorlegen. Er erklärt Ihnen die angenommenen Verluste und nennt seine Datenquellen.
Lassen Sie sich nicht von beeindruckenden Zahlen blenden. Nutzen Sie die hier genannten Richtwerte als Prüfstein und fragen Sie gezielt nach, denn eine fundierte und ehrliche Planung ist die beste Garantie für eine Photovoltaikanlage, die Ihnen über Jahrzehnte Freude und echte Ersparnisse bringt.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Warum erhalte ich von zwei Anbietern unterschiedliche Prognosen für dasselbe Dach?
Das liegt meist an unterschiedlichen Annahmen bei den Systemverlusten, der verwendeten Wetterdatenbank oder einer abweichenden Bewertung der Verschattungssituation. Ein Anbieter könnte beispielsweise optimistischere Werte für die Modultemperatur im Sommer ansetzen als ein anderer.
Ist eine höhere Ertragsprognose immer das bessere Angebot?
Nein. Das realistischere Angebot ist das bessere. Eine übertrieben optimistische Prognose führt zu einer zu kurz berechneten Amortisationszeit. Die Enttäuschung ist vorprogrammiert, wenn die realen Erträge dauerhaft unter den versprochenen Werten liegen.
Was kann ich tun, wenn meine Anlage die Prognose nicht erreicht?
Prüfen Sie zunächst die Daten in Ihrem Monitoring-Portal. Vergleichen Sie die Erträge mit den Einstrahlungswerten Ihrer Region (viele Wetterdienste bieten diese Daten an). Manchmal liegt es einfach an einem unterdurchschnittlich sonnigen Jahr. Prüfen Sie auch, ob neue Schattenquellen (z. B. ein gewachsener Baum) hinzugekommen sind. Bei dauerhaften, unerklärlichen Abweichungen sollten Sie sich an Ihren Installateur wenden.
Wie genau ist eine gute Ertragsprognose?
Eine professionell erstellte Prognose sollte im langjährigen Mittel eine Genauigkeit von +/- 5 bis 10 % erreichen. Einzelne Jahre können wetterbedingt stärker abweichen. Die Prognose ist ein Erwartungswert, keine exakte Vorhersage.



