Balkonkraftwerk Ost-West: Der Schlüssel zu höherem Eigenverbrauch

Dass Solarmodule für maximalen Ertrag nach Süden zeigen müssen, ist eine weit verbreitete und physikalisch korrekte Annahme – schließlich scheint die Sonne mittags am stärksten.

Doch für Betreiber eines Balkonkraftwerks ist maximaler Ertrag nicht immer gleichbedeutend mit maximaler Ersparnis. Tatsächlich kann eine geschickte Ost-West-Ausrichtung Ihre Stromrechnung oft effektiver senken als die klassische Südausrichtung – und wir zeigen Ihnen, warum.

Die klassische Weisheit: Warum die Südausrichtung als ideal gilt

Geht es um die reine Energieerzeugung, ist eine Ausrichtung nach Süden unschlagbar. Zur Mittagszeit erreicht die Sonne ihren höchsten Stand und setzt die Solarmodule über mehrere Stunden hinweg intensiver, direkter Strahlung aus. Das Ergebnis ist eine ausgeprägte Produktionsspitze um die Mittagszeit.

Diese Konfiguration zielt darauf ab, die absolute Menge an erzeugten Kilowattstunden (kWh) über das Jahr zu maximieren. Für Betreiber großer Dachanlagen, die Strom ins Netz einspeisen und dafür eine Vergütung erhalten, ist das die wirtschaftlich sinnvollste Strategie. Die Logik eines Balkonkraftwerks folgt jedoch anderen Regeln.

Die Realität des Stromverbrauchs: Morgen- und Abendspitzen

Betrachten Sie einmal einen typischen Wochentag in Ihrem Haushalt. Der Stromverbrauch ist selten konstant und weist meist zwei klare Spitzen auf:

Morgens: Der Wecker klingelt, das Licht geht an, die Kaffeemaschine läuft, der Toaster glüht und das Radio spielt.

Abends: Sie kommen von der Arbeit nach Hause, schalten den Herd zum Kochen ein, der Fernseher läuft und die Spülmaschine erledigt den Abwasch.

Genau zur Mittagszeit, wenn eine Südanlage ihre maximale Leistung erbringt, sind jedoch viele Haushalte leer. Der Stromverbrauch beschränkt sich dann oft auf die Grundlast durch Geräte im Standby-Modus wie den Kühlschrank oder den WLAN-Router. Der erzeugte Solarstrom findet dann kaum Abnehmer und verpufft ungenutzt im öffentlichen Netz, da er bei Balkonkraftwerken in der Regel nicht vergütet wird.

Die Ost-West-Ausrichtung: Strom, wenn Sie ihn brauchen

Hier kommt die strategische Überlegenheit der Ost-West-Ausrichtung ins Spiel. Anstatt beide Solarmodule nach Süden zu richten, wird ein Modul nach Osten und das andere nach Westen ausgerichtet.

Das Ost-Modul fängt die ersten Sonnenstrahlen des Tages ein und produziert Strom für Ihren Morgenkaffee und das Homeoffice.

Das West-Modul übernimmt am Nachmittag und liefert Energie genau dann, wenn Sie sie zum Kochen und für den Feierabend benötigen.

Statt einer hohen, kurzen Produktionsspitze am Mittag erzeugt die Ost-West-Anlage eine breitere, zweigeteilte Produktionskurve. Diese Kurve passt wesentlich besser zum typischen Verbrauchsprofil eines Haushalts.

Ost-West-Ausrichtung

Diese Anpassung an den Verbrauchszyklus ist der entscheidende Vorteil. Denn die Erfahrung zeigt: Die meisten Nutzer von Balkonkraftwerken wollen ihren Eigenverbrauch optimieren, nicht die maximale Einspeisung.

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Ertrag vs. Eigenverbrauch: Was wirklich auf der Stromrechnung zählt

Um die Wirtschaftlichkeit zu verstehen, muss man zwei Begriffe unterscheiden: den Gesamtertrag und die Eigenverbrauchsquote.

Gesamtertrag: Die gesamte Menge an Strom, die Ihre Anlage über das Jahr produziert (in kWh).

Eigenverbrauchsquote: Der prozentuale Anteil des erzeugten Stroms, den Sie direkt im eigenen Haushalt verbrauchen.

Eine Studie der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin hat dies eindrucksvoll simuliert. Zwar ist der Gesamtertrag einer Ost-West-Anlage um etwa 10–15 % geringer als bei einer optimal nach Süden ausgerichteten Anlage. Entscheidend ist jedoch, dass die Eigenverbrauchsquote bei der Ost-West-Ausrichtung um 5–10 % höher liegen kann.

Ein konkretes Rechenbeispiel (basierend auf der HTW-Studie):

Angenommen, Sie betreiben ein Balkonkraftwerk 800 Watt in Deutschland.

Süd-Ausrichtung:
Jährlicher Ertrag: ca. 750 kWh
Typischer Eigenverbrauch: ca. 260 kWh

Ost-West-Ausrichtung:
Jährlicher Ertrag: ca. 650 kWh
Typischer Eigenverbrauch: ca. 300 kWh

Obwohl die Südanlage 100 kWh mehr Strom erzeugt, verbrauchen Sie bei der Ost-West-Anlage 40 kWh mehr selbst. Bei einem Strompreis von 35 Cent/kWh bedeutet das:

Ersparnis Süd: 260 kWh * 0,35 €/kWh = 91 € pro Jahr

Ersparnis Ost-West: 300 kWh * 0,35 €/kWh = 105 € pro Jahr

Mit der Ost-West-Ausrichtung ist Ihre tatsächliche Ersparnis also höher, obwohl die Anlage auf dem Papier weniger leistet. Sie sparen mehr Geld, weil der Strom genau dann verfügbar ist, wenn Sie ihn am dringendsten benötigen.

Für wen eignet sich eine Ost-West-Ausrichtung besonders?

Die Ost-West-Montage ist nicht für jeden die beste Lösung, aber für bestimmte Nutzergruppen ist sie ideal:

  • Berufstätige und Pendler: Wenn Ihr Haushalt tagsüber meist unbesetzt ist, passt die Stromerzeugung am Morgen und Abend perfekt zu Ihrem Lebensrhythmus.

  • Familien: Der hohe Energiebedarf vor der Schule und Arbeit sowie am späten Nachmittag und Abend wird optimal abgedeckt.

  • Mieter ohne Südbalkon: Wenn Ihr Balkon nach Osten oder Westen ausgerichtet ist, können Sie mit einer einseitigen Montage bereits gute Ergebnisse erzielen. Haben Sie einen Eckbalkon oder die Möglichkeit, Module an zwei verschiedenen Fassadenseiten anzubringen, ist die Ost-West-Lösung eine hervorragende Option.

Balkonkraftwerk Ost-West

FAQ: Häufige Fragen zur Ost-West-Ausrichtung

Ist der Ertragsverlust bei Ost-West-Ausrichtung nicht ein Nachteil?

Auf den ersten Blick ja. Aber da Sie bei einem Balkonkraftwerk keine Vergütung für eingespeisten Strom erhalten, zählt nur die Kilowattstunde, die Sie nicht vom Netzbetreiber kaufen müssen. Ein höherer Eigenverbrauch ist daher wirtschaftlich wertvoller als ein hoher Gesamtertrag.

Brauche ich für zwei Ausrichtungen auch zwei Wechselrichter?

Nein, das ist nicht nötig. Moderne Mikrowechselrichter für Balkonkraftwerke verfügen über zwei unabhängige Eingänge mit MPP-Trackern. Das bedeutet, der Wechselrichter kann jedes Solarmodul einzeln ansteuern und dessen Leistungspunkt optimal regeln, auch wenn sie unterschiedlich ausgerichtet sind und zu verschiedenen Zeiten Strom produzieren.

Was mache ich, wenn mein Balkon nur in eine Richtung zeigt?

Auch wenn Ihr Balkon nur nach Osten oder nur nach Westen zeigt, können Sie ein Balkonkraftwerk sinnvoll betreiben. Sie profitieren dann eben nur von der Morgen- oder der Nachmittagssonne. Die Wirtschaftlichkeit ist immer noch gegeben, da Sie einen Teil Ihrer Verbrauchsspitzen abdecken.

Lässt sich der Eigenverbrauch noch weiter steigern?

Ja. Um auch den Mittagsstrom einer Südanlage oder überschüssigen Strom einer Ost-West-Anlage zu nutzen, kann ein Balkonkraftwerk Speicher eine sinnvolle Ergänzung sein. Er speichert die Energie, die Sie gerade nicht verbrauchen, und stellt sie Ihnen am Abend zur Verfügung.

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Fazit: Eine smarte Alternative für den optimierten Eigenverbrauch

Die Ost-West-Ausrichtung eines Balkonkraftwerks ist mehr als nur ein Kompromiss für Standorte ohne Südausrichtung. Sie ist vielmehr eine intelligente Strategie, um die Stromerzeugung an den realen Verbrauchsalltag anzupassen und die eigene Stromrechnung wirksam zu senken.

Statt auf den höchstmöglichen Gesamtertrag zu zielen, optimieren Sie den für Sie wertvollsten Faktor: den Eigenverbrauch. Die Entscheidung für die richtige Ausrichtung hängt letztlich von Ihrem individuellen Lebensstil ab. Doch die Zahlen zeigen klar: Es lohnt sich, die klassische Weisheit zu hinterfragen und den Fokus auf die tatsächliche Ersparnis zu legen.

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Patrick Thoma
Patrick Thoma

Patrick Thoma ist Gründer von Mehrklicks.de und JVGLABS.com.
Er entwickelt Systeme für KI-Sichtbarkeit und semantische Architektur – mit Fokus auf Marken, die in ChatGPT, Perplexity und Google SGE sichtbar bleiben wollen.

Mehr über ihn und die Arbeit:
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