Ihr erster Monat mit der PV-Anlage: Eine Checkliste für Leistung und Ertrag

Die neue Photovoltaikanlage ist auf dem Dach, der Wechselrichter summt leise im Keller, und die ersten Sonnenstrahlen produzieren bereits Ihren eigenen, sauberen Strom. Herzlichen Glückwunsch! Für viele Hausbesitzer markiert dieser Moment den Beginn eines neuen Energiezeitalters. Doch nach der anfänglichen Euphorie stellt sich oft die Frage: Läuft alles so, wie es soll? Gerade der erste Monat ist entscheidend, um ein Gefühl für die Leistung Ihrer Anlage zu bekommen und mögliche Kinderkrankheiten frühzeitig zu erkennen.

Dieser Leitfaden ist Ihre Checkliste für die ersten 30 Tage. Er hilft Ihnen, die Daten korrekt zu deuten, die Erträge realistisch einzuschätzen und langfristig das Beste aus Ihrer Investition herauszuholen.

Die ersten Tage: Was Sie erwarten können und was nicht

Sobald Ihre Anlage am Netz ist, beginnt sie bei Tageslicht, Strom zu produzieren. In den ersten Tagen beobachten die meisten Betreiber fasziniert die Anzeigen in ihrer Monitoring-App oder direkt am Wechselrichter. Dabei ist es wichtig, realistische Erwartungen zu haben.

Der Ertrag einer PV-Anlage schwankt naturgemäß stark. Eine typische 10-kWp-Anlage in Süddeutschland erzeugt an einem sonnigen Junitag zwischen 50 und 60 kWh Strom. An einem nebligen Novembertag können es hingegen nur 5 bis 10 kWh sein. Vergleiche von Tag zu Tag sind daher wenig aussagekräftig. Betrachten Sie die Leistung immer im Kontext des aktuellen Wetters und der Jahreszeit. Ihr Ziel im ersten Monat ist es nicht, Rekorde zu brechen, sondern eine verlässliche Datenbasis für die Zukunft zu schaffen.

Ihre Checkliste für den ersten Monat: In 4 Schritten zum PV-Profi

Die folgenden Schritte helfen Ihnen dabei, Ihre Anlage systematisch kennenzulernen und zu überprüfen.

1. Woche: Die Grundlagen verstehen – Daten auslesen und interpretieren

Ihr wichtigstes Werkzeug ist das Monitoring-System, das meist über eine App auf dem Smartphone oder ein Web-Portal zugänglich ist. Machen Sie sich mit den grundlegenden Kennzahlen vertraut:

Aktuelle Leistung (in Watt oder Kilowatt, W/kW): Zeigt, wie viel Strom die Anlage in diesem Moment produziert. Dieser Wert ändert sich ständig mit der Sonneneinstrahlung.

Tagesertrag (in Kilowattstunden, kWh): Gibt die Gesamtmenge an Strom an, die an einem Tag bis zum aktuellen Zeitpunkt erzeugt wurde.

Gesamtertrag (in kWh): Die Summe des erzeugten Stroms seit der Inbetriebnahme.

Screenshot einer typischen Monitoring-App, die Tagesertrag und aktuelle Leistung anzeigt

Viele Einsteiger verwechseln die Einheiten kW und kWh. Eine einfache Eselsbrücke hilft: Die Leistung in kW lässt sich mit der Geschwindigkeit Ihres Autos (km/h) vergleichen, während der Ertrag in kWh der zurückgelegten Strecke (km) entspricht. Wichtig ist auch, die aktuelle Leistung in Kilowatt (kW) nicht mit der Nennleistung Ihrer Anlage in Kilowatt-Peak (kWp) zu verwechseln. Der Unterschied zwischen kW und kWp ist entscheidend für das Verständnis Ihrer Anlagendaten.

Praxisbeispiel: Ihre 8-kWp-Anlage zeigt an einem sonnigen Mittag eine aktuelle Leistung von 7,2 kW. Das ist ein hervorragender Wert. Am Ende des Tages meldet die App einen Tagesertrag von 45 kWh. Das ist die relevante Größe für Ihre Energiebilanz.

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2. Woche: Der erste Soll-Ist-Vergleich

Nach einer Woche haben Sie erste Daten gesammelt. Nun können Sie einen groben Abgleich mit den erwarteten Werten vornehmen. Ihr Installateur hat Ihnen in der Regel eine Ertragsprognose übergeben. Falls nicht, können Sie auch Online-Rechner nutzen, um einen Näherungswert für Ihren Standort und Ihre Anlagenausrichtung zu erhalten.

Ein wichtiger Indikator für die Qualität Ihrer Anlage ist die sogenannte Performance Ratio (PR). Sie beschreibt das Verhältnis zwischen dem tatsächlichen und dem theoretisch möglichen Ertrag. Einfach gesagt: Wie viel Prozent der Sonnenenergie, die auf die Module trifft, wird tatsächlich in nutzbaren Strom umgewandelt? Gute Anlagen erreichen hier Werte zwischen 80 und 90 %. Weicht Ihr Ertrag dauerhaft um mehr als 20 % von der Prognose ab (ohne dass schlechtes Wetter die Ursache ist), sollten Sie genauer hinsehen.

3. Woche: Typische „Kinderkrankheiten“ erkennen

Nutzen Sie die dritte Woche für eine gezielte Fehlersuche. Viele kleinere Probleme zeigen sich oft erst nach einiger Zeit im Betrieb.

Verschattung: Beobachten Sie den Verlauf der Ertragskurve in Ihrer App. Gibt es jeden Tag zur gleichen Zeit einen plötzlichen, unerklärlichen Leistungseinbruch? Möglicherweise wirft ein Schornstein, ein Baum oder eine Satellitenschüssel zu einer bestimmten Tageszeit einen Schatten auf einen Teil der Module. Moderne Anlagen können dies teilweise kompensieren, aber eine unerwartete, dauerhafte Verschattung sollten Sie prüfen lassen.

Verschmutzung: Starke, punktuelle Verschmutzungen durch Vogelkot oder festklebendes Laub können die Leistung einzelner Module reduzieren. Meist genügt dafür ein kurzer visueller Check vom Boden aus. Eine vollständige Reinigung ist im ersten Monat normalerweise nicht nötig. Eine regelmäßige Kontrolle hilft jedoch, den optimalen Zeitpunkt für eine professionelle Reinigung der Photovoltaikanlage zu bestimmen.

Fehler am Wechselrichter: Moderne Wechselrichter sind sehr zuverlässig, aber nicht unfehlbar. Prüfen Sie, ob das Gerät im Display oder in der App einen Fehlercode anzeigt. Notieren Sie sich diesen und beobachten Sie, ob er wiederholt auftritt.

Foto einer teilverschatteten PV-Anlage auf einem Dach

Die Erfahrung zeigt, dass die meisten Anlagen nach der Installation einwandfrei laufen. Eine aufmerksame Beobachtung in der Anfangsphase gibt Ihnen jedoch Sicherheit.

4. Woche: Den Eigenverbrauch optimieren

Nachdem Sie die Ertragsseite verstanden haben, geht es nun darum, den erzeugten Strom möglichst effizient selbst zu nutzen. Analysieren Sie dazu in Ihrer App das Zusammenspiel von Erzeugung und Verbrauch.

Das Ziel: Betreiben Sie große Stromverbraucher wie Waschmaschine, Trockner oder Spülmaschine möglichst dann, wenn die Sonne am stärksten scheint – also typischerweise zur Mittagszeit. So beziehen Sie weniger teuren Strom aus dem Netz. Wenn Sie Ihr Verbrauchsverhalten an die Stromproduktion anpassen, können Sie Ihren Eigenverbrauch erhöhen und die Stromrechnung signifikant senken.

Alltagsszenario: Ein Vierpersonenhaushalt verbraucht jährlich rund 4.500 kWh Strom. Ohne gezielte Steuerung liegt der Eigenverbrauchsanteil einer PV-Anlage oft nur bei 30 %. Durch die Verlagerung von Verbräuchen in die Mittagsstunden lässt sich dieser Wert oft auf 40–50 % steigern – mit einem Stromspeicher sogar auf über 70 %.

Wann sollten Sie den Installateur kontaktieren?

Niemand möchte wegen Kleinigkeiten den Fachbetrieb anrufen. In den folgenden Fällen ist eine Kontaktaufnahme jedoch ratsam:

  • Die Anlage liefert trotz Sonnenschein über mehrere Stunden gar keinen Strom.
  • Der tatsächliche Ertrag liegt auch bei gutem Wetter dauerhaft mehr als 20 % unter der Prognose.
  • Der Wechselrichter zeigt wiederholt einen Fehlercode an und startet nicht neu.
  • Sie bemerken sichtbare Schäden, z. B. an den Modulen, Steckern oder Kabeln.
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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Muss ich meine Anlage täglich kontrollieren?
Nein. In den ersten Wochen ist ein täglicher Blick in die App hilfreich, um ein Gefühl für die Funktion zu bekommen. Später reicht eine wöchentliche oder gar monatliche Kontrolle vollkommen aus.

Warum erzeugt meine Anlage an zwei sonnigen Tagen unterschiedlich viel Strom?
Die Temperatur spielt eine große Rolle. Photovoltaikmodule arbeiten bei kühleren Temperaturen effizienter. Ein sonniger, aber kühler Apriltag kann daher mehr Ertrag bringen als ein sehr heißer Tag im Juli. Module verlieren bei hohen Temperaturen typischerweise etwa 0,3 % bis 0,4 % an Leistung pro Grad Celsius über 25 °C.

Mein Nachbar hat eine gleich große Anlage, erzeugt aber mehr Strom. Woran liegt das?
Die Gründe können vielfältig sein: eine andere Dachausrichtung oder -neigung, weniger Verschattung, effizientere Komponenten (Module, Wechselrichter) oder einfach nur andere Wetterbedingungen im Detail. Ein direkter Vergleich ist nur selten aussagekräftig.

Was passiert bei einem Stromausfall?
Standardmäßig schalten sich netzgekoppelte PV-Anlagen bei einem Stromausfall aus Sicherheitsgründen sofort ab. Dies ist gesetzlich vorgeschrieben, um die Sicherheit von Personen zu gewährleisten, die am Stromnetz arbeiten. Für eine Stromversorgung bei Netzausfall benötigen Sie spezielle Komponenten wie unser Beitrag über Notstrom aus der PV-Anlage erklärt.

Fazit: Der erste Monat legt den Grundstein

Der erste Monat mit Ihrer neuen PV-Anlage ist eine Lernphase. Nehmen Sie sich die Zeit, die Technik und ihre Zusammenhänge zu verstehen. Wenn Sie eine Basis an Vergleichswerten schaffen und Ihre Anlage aufmerksam beobachten, sorgen Sie dafür, dass sie über viele Jahre hinweg optimale Erträge liefert. Diese Checkliste hat sich bereits für viele Anlagenbetreiber als wertvolle Stütze erwiesen.

Sie schaffen damit nicht nur die Grundlage für maximale Stromkostenersparnis, sondern auch das gute Gefühl, Ihre Energieversorgung selbst in der Hand zu haben.

Im Shop von Photovoltaik.info finden Sie Komplettsets, die auf typische Anlagengrößen und Bedürfnisse von Eigenheimbesitzern abgestimmt sind.

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Patrick Thoma
Patrick Thoma

Patrick Thoma ist Gründer von Mehrklicks.de und JVGLABS.com.
Er entwickelt Systeme für KI-Sichtbarkeit und semantische Architektur – mit Fokus auf Marken, die in ChatGPT, Perplexity und Google SGE sichtbar bleiben wollen.

Mehr über ihn und die Arbeit:
Über Patrick Thoma | Mehrklicks – KI-Sichtbarkeit | Unsere Leistungen