Elektroinstallation im Altbau für PV-Anlage: Was Zählerschrank & Co. kosten

Sie haben das perfekte Dach, die Sonne scheint und das Angebot für Ihre neue Photovoltaikanlage liegt vor. Doch beim Blick auf die Kostenaufstellung stoßen Sie auf einen unerwarteten Posten: die „Erneuerung des Zählerschranks“ für mehrere tausend Euro. Für viele Besitzer von Bestandsgebäuden ist das eine vertraute Situation, die Fragen aufwirft: Ist das eine notwendige Maßnahme oder nur ein Versuch, die Kosten in die Höhe zu treiben? Um es vorwegzunehmen: In den meisten Altbauten ist der Austausch des Zählerschranks keine Option, sondern eine zwingende Voraussetzung für den sicheren und vorschriftsgemäßen Betrieb einer PV-Anlage. Dieser Beitrag erklärt Ihnen die Hintergründe, die anfallenden Kosten und wie Sie den Zustand Ihrer Elektrik selbst einschätzen können.

Warum ein alter Zählerschrank für Photovoltaik oft nicht ausreicht

In Häusern, die vor 2000 gebaut wurden, entspricht die Elektroinstallation oft nicht mehr den heutigen technischen Anforderungen – insbesondere dann, wenn Strom nicht nur verbraucht, sondern auch ins Netz eingespeist werden soll. Meist sind es drei Hauptgründe, die einen Umbau unumgänglich machen.

Der Mythos des „Bestandsschutzes“

Viele Eigentümer gehen davon aus, dass ihre bestehende Elektroinstallation „Bestandsschutz“ genießt. Das ist zwar korrekt, gilt aber nur so lange, wie keine wesentliche Änderung an der Anlage vorgenommen wird. Die Installation einer Photovoltaikanlage gilt als eine solche wesentliche Änderung, denn sie macht Ihr Haus von einem reinen Stromverbraucher zu einem Erzeuger. Damit erlischt der Bestandsschutz für die betroffenen Teile der Elektrik und es müssen die aktuell gültigen Normen eingehalten werden.

Neue technische Anforderungen für die Einspeisung

Die zentrale Vorschrift für den Anschluss an das Niederspannungsnetz ist die VDE-Anwendungsregel VDE-AR-N 4100. Sie schreibt unter anderem vor, wie ein Zählerplatz aufgebaut sein muss, damit eine Erzeugungsanlage wie eine PV-Anlage sicher betrieben werden kann. Ältere Zählerschränke erfüllen diese Anforderungen nicht, da sie weder für die Rückspeisung von Strom ausgelegt sind noch Platz für notwendige Zusatzkomponenten bieten.

Anker SOLIX Solarbank 3 E2700 Pro Balkonkraftwerk Speicher Set 1000 Watt 800 Watt - 2,7 kWh

Aus unserem Shop, Kategorie: Balkonkraftwerke mit Speicher

Anker SOLIX Solarbank 3 E2700 Pro Balkonkraftwerk Speicher Set 1000 Watt 800 Watt - 2,7 kWh

Ab 1.299,00 

Sicherheit geht vor

Ein alter Zählerschrank ist den zusätzlichen Belastungen durch eine PV-Anlage oft nicht gewachsen und kann zur Gefahrenquelle werden. Moderne Schränke enthalten essenzielle Schutzeinrichtungen, die das Risiko von Kabelbränden durch Überlastung oder Schäden durch Überspannung (z. B. bei einem Blitzeinschlag in der Nähe) minimieren. Die Modernisierung ist also auch eine Investition in die Sicherheit Ihres Eigentums und Ihrer Familie.

Der moderne Zählerschrank: Was wird genau umgebaut?

Ein PV-tauglicher Zählerschrank ist mehr als nur ein neuer Kasten. Er ist die moderne Schaltzentrale Ihrer Hauselektrik und enthält mehrere Schlüsselkomponenten, die in alten Anlagen fehlen.

  • Zweirichtungszähler: Dieser Zähler wird von Ihrem Netzbetreiber vorgeschrieben. Er misst sowohl den Strom, den Sie aus dem Netz beziehen, als auch den Solarstrom, den Sie ins Netz einspeisen. Nur so kann Ihre Einspeisevergütung korrekt abgerechnet werden.
  • Selektiver Hauptleitungsschutzschalter (SLS-Schalter): Er ersetzt die alten Hauptsicherungen (Panzersicherungen), gehört heute zum Standard und ermöglicht es dem Elektriker oder Netzbetreiber, die Anlage sicher vom Netz zu trennen.
  • Überspannungsschutz (SPD): Für PV-Anlagen ist ein Überspannungsschutz verpflichtend. Er schützt Ihren Wechselrichter, Ihre Solarmodule und auch empfindliche Geräte im Haushalt vor Schäden durch Spannungsspitzen im Stromnetz.
  • Anlagenseitiger Anschlussraum (AAR): Dies ist ein separater Bereich nach dem Zähler, in dem die Leitungen der PV-Anlage angeschlossen werden. Dieser Bereich ist nach VDE-Norm zwingend vorgeschrieben und in alten Schränken nicht vorhanden.

Kosten im Überblick: Was kostet der Umbau der Elektroinstallation?

Entscheidend sind natürlich die Kosten. Sie hängen stark vom Zustand Ihrer bestehenden Installation ab. Erfahrungsgemäß lassen sich die Ausgaben in drei typische Szenarien einteilen.

Kosten für den neuen Zählerschrank

Wenn lediglich der Zählerschrank ausgetauscht werden muss und die restliche Verkabelung intakt ist, können Sie mit Kosten zwischen 1.500 € und 3.000 € rechnen. Dieser Preisrahmen umfasst in der Regel den neuen Schrank, alle notwendigen Komponenten wie SLS-Schalter und Überspannungsschutz sowie die Arbeitszeit des Elektrikers für den fachgerechten Einbau und die Anmeldung beim Netzbetreiber.

15000 Watt Photovoltaikanlagen inkl. 15,00 kWh Batterie & Ziegeldach Montageset - Trina Bifazial

Aus unserem Shop, Kategorie: PV Anlagen mit Speicher und Montagesets

15000 Watt Photovoltaikanlagen inkl. 15,00 kWh Batterie & Ziegeldach Montageset - Trina Bifazial

9.999,00 

Kosten für eine erweiterte Verkabelung

Häufig muss nicht nur der Schrank, sondern auch die Verkabelung angepasst werden. Ein typisches Beispiel ist das Hauptkabel, das vom Dach zum Zählerschrank im Keller führt. Ist dessen Querschnitt zu gering für die Leistung der PV-Anlage, muss es erneuert werden. Je nach Länge und Aufwand (z. B. notwendige Wanddurchbrüche) können hierfür zusätzliche Kosten von 500 € bis 2.000 € anfallen.

Wann eine komplette Sanierung der Hauselektrik nötig wird

Im ungünstigsten Fall, vor allem bei Gebäuden, die vor 1973 gebaut wurden, stellt der Elektriker fest, dass die gesamte Hauselektrik saniert werden muss. Anzeichen dafür sind eine fehlende Erdung, eine veraltete „klassische Nullung“ (Zwei-Leiter-System) oder das Fehlen von FI-Schutzschaltern. Eine solche Kernsanierung ist ein separates Projekt und kann die Kosten für eine Photovoltaikanlage erheblich steigern. Hier liegen die Kosten schnell bei 3.000 € bis über 8.000 €. Dies ist jedoch eher die Ausnahme als die Regel.

So prüfen Sie Ihren Zählerschrank vorab selbst

Auch als Laie können Sie eine erste Einschätzung vornehmen, um besser auf das Gespräch mit einem Installateur vorbereitet zu sein. Dies ersetzt keine Fachmeinung, gibt Ihnen aber schon mal ein gutes Gefühl für die Lage.

Checkliste zur Selbsteinschätzung:

  1. Alter und Material: Ist Ihr Zählerschrank schwarz und aus Bakelit? Sehen Sie noch alte, runde Schraubsicherungen? Dies sind klare Indizien für einen veralteten Schrank, der mit größter Wahrscheinlichkeit getauscht werden muss.
  2. Aufbau: Werfen Sie einen Blick hinein (ohne etwas zu berühren!). Sehen Sie einen klar abgetrennten und vom Netzbetreiber versiegelten Bereich, in dem nur der Zähler sitzt? Oder befinden sich Sicherungen und andere Klemmen direkt daneben im unversiegelten Raum? Letzteres deutet auf einen veralteten Aufbau hin.
  3. Platz: Moderne Zählerschränke sind größer als ihre Vorgänger. Prüfen Sie, ob neben oder über Ihrem alten Schrank genügend Platz für ein neues Modell vorhanden ist.
  4. Fotodokumentation: Machen Sie bei guter Beleuchtung ein Foto vom offenen und geschlossenen Zählerschrank. Dieses können Sie bereits bei der ersten Anfrage an einen Solarteur mitschicken und erhalten so oft schon eine genauere erste Kostenschätzung.

FAQ – Häufige Fragen zur Elektroinstallation für PV-Anlagen

Wer ist für den Umbau verantwortlich?

Der Umbau des Zählerschranks darf nur von einem zertifizierten Elektrofachbetrieb durchgeführt werden. Die meisten Solaranbieter arbeiten mit festen Partner-Elektrikern zusammen oder haben eigene Elektromeister im Team, die diese Aufgabe im Rahmen der Gesamtinstallation übernehmen.

Gibt es eine Förderung für Photovoltaik für den Zählerschrankumbau?

Der Zählerschrankumbau wird in der Regel nicht separat gefördert. Er gilt jedoch als Teil der gesamten Installationskosten. Wenn Sie für Ihre PV-Anlage einen zinsgünstigen Kredit, zum Beispiel von der KfW-Bank, in Anspruch nehmen, können die Kosten für die Elektrik mitfinanziert werden.

Wie lange dauert der Umbau des Zählerschranks?

Ein reiner Austausch des Zählerschranks dauert in der Regel einen Arbeitstag. In dieser Zeit, meist für mehrere Stunden, muss der Strom im gesamten Haus abgeschaltet werden. Planen Sie dies entsprechend ein.

Muss ich den Netzbetreiber vor dem Umbau informieren?

Nein, darum kümmert sich Ihr Elektriker. Er meldet den Umbau und die neue PV-Anlage beim zuständigen Netzbetreiber an und koordiniert alle notwendigen Schritte, einschließlich des Zählerwechsels.

Fazit: Eine notwendige Investition in Sicherheit und Zukunft

Die Modernisierung des Zählerschranks mag auf den ersten Blick wie ein ärgerlicher Zusatzkostenpunkt wirken. Vielmehr ist sie eine entscheidende Investition in die Sicherheit und Zukunftsfähigkeit Ihrer Immobilie. Sie gewährleistet nicht nur die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften, sondern schützt auch Ihre teure PV-Anlage und Ihr gesamtes Zuhause vor elektrischen Gefahren. Bei der Planung einer Photovoltaikanlage ist es daher wichtig, diesen Posten von Anfang an zu berücksichtigen. Auf Photovoltaik.info finden Sie transparente Informationen, die Ihnen helfen, alle Aspekte Ihres Projekts zu verstehen.

Im Shop von Photovoltaik.info finden Sie Komplettsets für Photovoltaik, die bereits auf moderne elektrische Anforderungen ausgelegt sind. Für eine detaillierte Planung und Klärung Ihrer individuellen Situation empfiehlt sich stets das Gespräch mit einem Fachexperten.

Ratgeber teilen
OLEKSANDR PUSHKAR
OLEKSANDR PUSHKAR