Einspeisevergütung vs. Eigenverbrauch: Warum sich das Einspeisen für kleine Anlagen nicht mehr lohnt

Der Gedanke, mit der eigenen Photovoltaikanlage auf dem Dach oder Balkon Geld zu verdienen, ist tief in den Köpfen vieler Menschen verankert. Jahrelang war dies dank hoher staatlicher Förderungen ein attraktives Modell, doch die Zeiten haben sich grundlegend geändert. Wer heute über die Anschaffung einer kleinen PV-Anlage nachdenkt, sollte sich von dieser veralteten Denkweise verabschieden: Das Ziel ist nicht mehr, Strom zu verkaufen, sondern möglichst wenig Strom zuzukaufen. Der finanzielle Hebel liegt heute eindeutig im maximalen Eigenverbrauch.
Der Wandel: Vom Geldverdienen zum Geldsparen
Um die heutige Situation zu verstehen, hilft ein kurzer Blick zurück. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wurde eingeführt, um Solarstrom marktfähig zu machen. Frühe Anlagenbetreiber erhielten über 20 Jahre eine hohe, garantierte Vergütung für jede ins Netz eingespeiste Kilowattstunde (kWh). Dieses Modell war so erfolgreich, dass Solartechnologie heute günstig und etabliert ist und keine hohen Anreize mehr benötigt.
Die Konsequenz: Die Einspeisevergütung für neue, kleine Anlagen (bis 10 kWp) liegt aktuell nur noch bei rund 8 Cent pro kWh (Stand: Februar 2024). Vergleichen Sie das mit dem Preis, den Sie für Strom aus dem Netz bezahlen: durchschnittlich etwa 40 Cent pro kWh.
Dieser Unterschied ist der Kern der neuen Realität:
- Für jede kWh, die Sie ins Netz einspeisen, erhalten Sie ~8 Cent.
- Für jede kWh, die Sie aus dem Netz beziehen, bezahlen Sie ~40 Cent.
Jede Kilowattstunde Solarstrom, die Sie selbst verbrauchen, spart Ihnen somit das Fünffache dessen, was Sie bei einem Verkauf erzielen würden.
Was bedeutet Eigenverbrauch ganz praktisch?
Eigenverbrauch klingt technisch, ist aber ein einfaches Prinzip: Sie nutzen den Strom, den Ihre Solaranlage erzeugt, direkt in Ihrem eigenen Haushalt – und zwar genau in dem Moment, in dem er entsteht. Ihre Anlage wird damit zur direkten Stromquelle für Ihre Geräte.
Dieser selbst erzeugte Strom versorgt Ihre Grundlast, also die Geräte, die permanent oder regelmäßig laufen:
- Kühlschrank und Gefriertruhe
- WLAN-Router und andere Netzwerkgeräte
- Standby-Verbrauch von Fernseher und Computern
- Heizungspumpen
- Geräte, die Sie gezielt tagsüber einschalten (Waschmaschine, Spülmaschine)
Jedes Mal, wenn eines dieser Geräte Ihren Solarstrom nutzt, muss Ihr Stromzähler keinen Strom aus dem öffentlichen Netz ziehen. Ihre Stromrechnung sinkt unmittelbar.

Die Herausforderung: Stromerzeugung und Verbrauch passen oft nicht zusammen
Die größte Hürde für einen hohen Eigenverbrauch ist eine simple Tatsache: Eine Solaranlage produziert den meisten Strom zur Mittagszeit, wenn die Sonne am höchsten steht. Der Stromverbrauch der meisten Haushalte erreicht seine Spitzen jedoch morgens und abends.
In der Mittagszeit, wenn die Produktion auf dem Höhepunkt ist, sind viele Menschen nicht zu Hause und der Strombedarf ist oft gering. Was passiert mit dem überschüssigen, wertvollen Solarstrom? Er wird für magere 8 Cent pro kWh ins Netz eingespeist.
Studien und Praxiswerte zeigen, dass ein durchschnittlicher Haushalt ohne spezielle Maßnahmen nur eine Eigenverbrauchsquote von 20 bis 30 % erreicht. Im Klartext: 70 bis 80 % des selbst erzeugten Stroms werden quasi verschenkt, während Sie morgens und abends teuren Strom für 40 Cent pro kWh einkaufen müssen.
Warum der Fokus auf Eigenverbrauch die richtige Strategie ist
Die finanzielle Logik ist unumstößlich: Ihre PV-Anlage amortisiert sich umso schneller, je mehr teuren Netzstrom Sie durch günstigen, selbst erzeugten Solarstrom ersetzen. Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde hat einen Wert von rund 40 Cent (vermiedene Kosten), während jede eingespeiste Kilowattstunde nur rund 8 Cent einbringt (Einnahme).
Diese Erkenntnis ist entscheidend für die Auswahl der richtigen Anlage. Insbesondere für Balkonkraftwerke und kleinere DIY-PV-Anlagen ist die Maximierung des Eigenverbrauchs das alleinige Ziel. Diese Systeme sind nicht dafür gedacht, nennenswerte Überschüsse zu produzieren, sondern um die Grundlast im Haushalt zu decken und so die Stromrechnung spürbar zu senken.

Häufige Fragen zum Thema Eigenverbrauch und Einspeisung
Lohnt sich eine PV-Anlage überhaupt noch, wenn die Einspeisung so gering ist?
Ja, absolut. Der finanzielle Vorteil entsteht heute aber nicht mehr durch Einnahmen, sondern durch Einsparungen. Je höher Ihr Eigenverbrauch, desto schneller rechnet sich die Anlage. Es ist ein einfacher Perspektivwechsel: vom Stromverkäufer zum cleveren Stromsparer.
Was passiert mit dem Strom, den ich nicht sofort verbrauche?
Ohne einen Speicher wird dieser Strom automatisch ins öffentliche Netz eingespeist. Dafür erhalten Sie die gesetzlich festgelegte, geringe Einspeisevergütung. Finanziell ist dieser Strom für Sie also deutlich weniger wertvoll als der, den Sie direkt verbrauchen.
Wie kann ich meinen Eigenverbrauch erhöhen?
Eine einfache Methode ist die Anpassung Ihres Verhaltens: Lassen Sie energieintensive Geräte wie Waschmaschine, Trockner oder Spülmaschine bewusst tagsüber laufen, wenn die Sonne scheint. Die effizienteste technische Lösung, um den Eigenverbrauch deutlich zu steigern und Solarstrom für die Abendstunden zu speichern, sind Balkonkraftwerke mit Speicher.
Ist die Anmeldung für die Einspeisung kompliziert?
Für Balkonkraftwerke wurde der Prozess stark vereinfacht. Sie müssen lediglich im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur eingetragen werden. Der bürokratische Aufwand ist also gering. Das ändert jedoch nichts daran, dass die finanziellen Erträge aus der Einspeisung bei Kleinstanlagen vernachlässigbar bleiben.

Fazit: Sparen statt verkaufen ist die Devise
Die Entscheidung für eine Solaranlage ist heute eine Entscheidung für mehr Unabhängigkeit und niedrigere Stromkosten. Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, eine Anlage zu wählen, die konsequent auf das Ziel des maximalen Eigenverbrauchs ausgerichtet ist. Statt Strom für wenige Cent zu verkaufen, sparen Sie ein Vielfaches, indem Sie teuren Netzbezug vermeiden.
Ob ein Balkonkraftwerk zur Deckung Ihrer Grundlast oder eine größere DIY-PV-Anlage für mehr Unabhängigkeit – der Fokus auf Eigenverbrauch macht Photovoltaik rentabler denn je.



