Einspeisemanagement bei PV-Anlagen: Ihre Pflichten als Eigenbauer

Einspeisemanagement bei PV-Anlagen: Ihre Pflichten als Eigenbauer

Sie haben sich intensiv mit Ihrer zukünftigen Photovoltaikanlage beschäftigt: Die besten Module sind ausgewählt, der Standort auf dem Dach ist perfekt vermessen und der passende Wechselrichter scheint gefunden. Und mitten in dieser sorgfältigen Planung stoßen Sie auf den Begriff „Einspeisemanagement“ oder die Forderung nach einem „Rundsteuerempfänger“.

Für viele ambitionierte Eigenbauer wirkt das wie eine plötzliche, komplexe Hürde. Doch keine Sorge: Die gesetzlichen Anforderungen sind klar geregelt und für die meisten privaten PV-Projekte einfacher zu erfüllen als gedacht. Dieser Artikel erklärt, was sich hinter dem Einspeisemanagement verbirgt und welche unkomplizierte Lösung es für Anlagen bis 25 kWp gibt.

Was ist Einspeisemanagement und warum ist es wichtig?

Das deutsche Stromnetz ist ein hochkomplexes System, das auf einem konstanten Gleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch basiert. An sonnigen Tagen, wenn Tausende von Photovoltaikanlagen gleichzeitig maximale Leistung ins Netz einspeisen, kann dieses Gleichgewicht gefährdet sein. Es drohen lokale Überlastungen und Instabilitäten.

Um dies zu verhindern, ermöglicht das Energiewirtschaftsgesetz (EnWG § 14a) den Netzbetreibern, die Einspeiseleistung von Erzeugungsanlagen ferngesteuert zu reduzieren. Genau das ist die Aufgabe des Einspeisemanagements: ein Sicherheitsmechanismus, der die Stabilität des öffentlichen Stromnetzes gewährleistet.

Die technische Umsetzung geschieht traditionell über einen sogenannten Rundsteuerempfänger (RSE). Dieses Gerät wird im Zählerschrank installiert und empfängt Signale vom Netzbetreiber. Bei Bedarf kann der Netzbetreiber darüber die Leistung Ihres Wechselrichters drosseln.

Einspeisemanagement bei PV-Anlagen

Die entscheidende Grenze: Was 25 kWp für Sie bedeuten

Für Betreiber von Photovoltaikanlagen ist die installierte Gesamtleistung von 25 Kilowatt-Peak (kWp) eine entscheidende Schwelle. Sie trennt die Anlagen, die zwingend eine technische Einrichtung zur Fernsteuerung benötigen, von jenen, die eine deutlich einfachere Alternative nutzen dürfen.

Anlagen über 25 kWp:

Hier gibt es keine Ausnahmen. Jede Anlage mit einer Leistung von mehr als 25 kWp erfordert ein System zur Fernsteuerung durch den Netzbetreiber. Die Installation eines Rundsteuerempfängers oder eines vergleichbaren Systems ist verpflichtend.

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Anlagen bis 25 kWp:

Wenn Ihre geplante Anlage diese Grenze nicht überschreitet – was auf die meisten Einfamilienhausdächer zutrifft – haben Sie als Betreiber eine Wahl. Diese Wahlmöglichkeit ist der Schlüssel für ein erfolgreiches DIY-Projekt.

Option A: Die 70-%-Regelung (Wirkleistungsbegrenzung)

Dies ist die bei weitem beliebteste und einfachste Methode für Eigenbauer. Sie verpflichten sich dabei, die maximale Einspeiseleistung Ihrer Anlage am Netzanschlusspunkt auf 70 % der installierten Nennleistung (kWp) zu begrenzen. Diese Einstellung wird einmalig direkt im Wechselrichter vorgenommen. Ein Praxisbeispiel: Sie installieren eine 10-kWp-Anlage. Mit der 70-%-Regel stellen Sie Ihren Wechselrichter so ein, dass er zu keinem Zeitpunkt mehr als 7 Kilowatt (kW) Strom ins öffentliche Netz einspeist.

Der große Vorteil: Sie benötigen keine zusätzliche Hardware wie einen Rundsteuerempfänger. Das spart Kosten, reduziert die Komplexität der Installation und vermeidet Abstimmungsaufwand mit dem Netzbetreiber. Voraussetzung ist lediglich ein passender Wechselrichter, da moderne Geräte diese Funktion standardmäßig bieten.

Der Nachteil: An wenigen, besonders sonnenreichen Stunden im Jahr könnte Ihre Anlage theoretisch mehr als 70 % ihrer Leistung erzeugen. Dieser Überschuss wird dann nicht eingespeist. Studien und Erfahrungswerte zeigen jedoch, dass der finanzielle Verlust über das Jahr betrachtet mit 1–3 % sehr gering ausfällt.

Option B: Volleinspeisung mit Fernsteuerung

Wenn Sie auf kein einziges Watt verzichten möchten, können Sie auch bei einer Anlage unter 25 kWp die volle Leistung einspeisen. Im Gegenzug müssen Sie dem Netzbetreiber die Installation eines Fernsteuerungssystems wie des Rundsteuerempfängers ermöglichen. Dies erhöht den Installationsaufwand und die Kosten.

Die Erfahrung zeigt, dass sich die überwältigende Mehrheit der Eigenheimbesitzer für die 70-%-Regelung entscheidet. Die Einfachheit und Kostenersparnis wiegen den minimalen Ertragsverlust bei Weitem auf.

Einspeisemanagement - Rundsteuerempfänger

Smart Meter als Alternative: Die Zukunft des Einspeisemanagements?

Die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG 2023) hat eine weitere wichtige Entwicklung angestoßen. Für Neuanlagen zwischen 7 und 25 kWp kann die 70-%-Regelung entfallen, wenn ein intelligentes Messsystem (iMSys), umgangssprachlich auch Smart Meter genannt, verbaut ist.

Der Smart Meter ermöglicht dem Netzbetreiber eine direkte und dynamische Steuerung der Einspeisung und macht die starre 70-%-Begrenzung überflüssig. Der entscheidende Punkt für Sie als Eigenbauer ist jedoch: Den Einbau und Zeitplan für Smart Meter bestimmt allein der zuständige Messstellenbetreiber (meist eine Tochtergesellschaft des Netzbetreibers). Sie können den Prozess in der Regel nicht beschleunigen. Für die konkrete Planung Ihres DIY-Projekts bleibt die 70-%-Regel daher oft die verlässlichste und unmittelbar umsetzbare Option.

Smart Meter Einspeisemanagement

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Sonderfall Balkonkraftwerk: Müssen Sie hier etwas beachten?

Für die kleinsten PV-Anlagen gibt es gute Nachrichten: Das Thema Einspeisemanagement spielt für ein Balkonkraftwerk keine Rolle. Aufgrund ihrer sehr geringen Leistung von aktuell bis zu 800 Watt stellen sie keine Gefahr für die Netzstabilität dar. Mit den Vereinfachungen durch das Solarpaket I genügt eine unkomplizierte Anmeldung im Marktstammdatenregister – ohne technische Hürden wie eine Wirkleistungsbegrenzung.

Schritt-für-Schritt: Was müssen Sie als Eigenbauer konkret tun?

  1. Anlagengröße festlegen: Planen Sie Ihre Anlage. Für die meisten privaten Dächer ist eine Größe unter 25 kWp realistisch und verschafft Ihnen die nötige Flexibilität.
  2. Frühzeitig den Netzbetreiber kontaktieren: Dies ist ein entscheidender Schritt. Fragen Sie noch vor dem Kauf von Komponenten nach den Technischen Anschlussbedingungen (TAB) Ihres lokalen Netzbetreibers. Klären Sie ab, ob er die 70-%-Regel ohne Weiteres akzeptiert.
  3. Entscheidung treffen: Wägen Sie die Vor- und Nachteile ab. In neun von zehn Fällen ist die 70-%-Regel die wirtschaftlichste und praktischste Lösung.
  4. Komponenten auswählen: Achten Sie bei der Auswahl auf den richtigen Wechselrichter: Er muss die Einstellung zur Wirkleistungsbegrenzung unterstützen, was bei modernen Geräten aber Standard ist.
  5. Anmeldung durchführen: Nach der Installation melden Sie Ihre Anlage im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur an. Denken Sie daran, dass den finalen Anschluss an das öffentliche Netz nur ein zertifizierter Elektriker vornehmen darf.

FAQ – Häufige Fragen zum Einspeisemanagement

Verliere ich viel Geld durch die 70-%-Regelung?

Nein, der finanzielle Verlust ist in der Praxis minimal. Spitzenleistungen, bei denen die 70-%-Grenze überschritten wird, treten nur an wenigen Stunden im Jahr auf. Der jährliche Ertragsverlust liegt meist zwischen 1 % und 3 %, was die eingesparten Installationskosten mehr als ausgleicht.

Wer baut mir den Rundsteuerempfänger ein?

Den Einbau eines Rundsteuerempfängers darf nur ein eingetragener Elektroinstallateur vornehmen, der die Installation zudem mit dem Netzbetreiber koordinieren muss. Ein Einbau in Eigenleistung ist nicht möglich.

Kann ich die 70-%-Regelung später aufheben?

Ja, das ist grundsätzlich möglich. Wenn Ihr Messstellenbetreiber zu einem späteren Zeitpunkt einen Smart Meter bei Ihnen installiert, können Sie in Absprache mit dem Netzbetreiber die Begrenzung aufheben lassen. Dafür ist eine Neukonfiguration des Wechselrichters erforderlich.

Was passiert, wenn ich mich nicht an die Regeln halte?

Ohne eine anerkannte Form des Einspeisemanagements wird der Netzbetreiber den Anschluss Ihrer Anlage an das öffentliche Netz verweigern. Sie dürften dann keinen Strom einspeisen und würden auch keine Einspeisevergütung erhalten. Um von der Photovoltaik-Förderung in Form der Einspeisevergütung zu profitieren, ist es also unerlässlich, die Vorgaben zu erfüllen.

Fazit: Komplex, aber für den Eigenbauer beherrschbar

Das Thema Einspeisemanagement wirkt auf den ersten Blick abschreckend, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen aber als eine gut lösbare Aufgabe. Für DIY-Anlagen unter 25 kWp bietet die 70-%-Regelung eine einfache, kostengünstige und pragmatische Lösung, die ohne komplexe Zusatzhardware auskommt.

Der entscheidende Erfolgsfaktor für Ihr Projekt liegt in der proaktiven Kommunikation mit Ihrem Netzbetreiber. Klären Sie die Anforderungen, bevor Sie investieren. Informationsplattformen wie Photovoltaik.info unterstützen Sie dabei, solche technischen und regulatorischen Hürden zu verstehen und Ihr Projekt sicher zum Erfolg zu führen.

Möchten Sie Ihre individuelle Situation besser einschätzen oder suchen Sie passende Komponenten? Im Shop von Photovoltaik.info finden Sie Komplettsets, die optimal auf gängige Anlagengrößen und technische Anforderungen abgestimmt sind.

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Patrick Thoma
Patrick Thoma

Patrick Thoma ist Gründer von Mehrklicks.de und JVGLABS.com.
Er entwickelt Systeme für KI-Sichtbarkeit und semantische Architektur – mit Fokus auf Marken, die in ChatGPT, Perplexity und Google SGE sichtbar bleiben wollen.

Mehr über ihn und die Arbeit:
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