Eigenverbrauchsquote und Amortisation: Wie Sie die Rendite Ihrer PV-Anlage maximieren

Jede Kilowattstunde Solarstrom, die Sie selbst erzeugen und direkt verbrauchen, ist bares Geld wert – und sogar deutlich mehr wert als jede Kilowattstunde, die Sie ins öffentliche Netz einspeisen. Dieser Unterschied ist der entscheidende Hebel für die Wirtschaftlichkeit Ihrer Photovoltaikanlage. Dieser Artikel zeigt Ihnen anhand eines konkreten Rechenbeispiels, wie stark eine höhere Eigenverbrauchsquote die Amortisationszeit Ihrer Anlage verkürzt und welche Maßnahmen dafür am wirksamsten sind.
Der entscheidende Faktor: Eigenverbrauch statt Einspeisung
Der Betrieb einer Photovoltaikanlage beruht auf einem einfachen Prinzip: Sie nutzen den erzeugten Strom entweder selbst oder verkaufen den Überschuss an den Netzbetreiber. Der finanzielle Anreiz, den Eigenverbrauch zu maximieren, ergibt sich aus der Differenz zwischen dem Strompreis für Netzstrom und der Einspeisevergütung für Ihren Solarstrom.
- Strompreis aus dem Netz: ca. 35 Cent pro Kilowattstunde (kWh)
- Einspeisevergütung: ca. 8,1 Cent pro kWh (Stand Anfang 2024 für Anlagen bis 10 kWp)
Jede selbst verbrauchte kWh erspart Ihnen also den Kauf von teurem Netzstrom für 35 Cent, während jede eingespeiste kWh Ihnen lediglich 8,1 Cent einbringt. Die Ersparnis ist somit mehr als viermal so hoch wie der Ertrag. Genau deshalb ist eine hohe Eigenverbrauchsquote der Schlüssel zu einer schnellen Amortisation. Wer sich zunächst mit den Grundlagen vertraut machen möchte, findet hier die Basisprinzipien erklärt: [Was ist Photovoltaik?].
Die Erfahrung zeigt, dass ein durchschnittlicher Haushalt ohne besondere Maßnahmen oft nur eine Eigenverbrauchsquote von rund 30 % erreicht. Der Grund dafür ist einfach: Die meiste Sonnenenergie wird zur Mittagszeit erzeugt, wenn der Stromverbrauch in vielen Haushalten am geringsten ist.
Das Rechenbeispiel: Eine typische PV-Anlage im Vergleich
Um den Einfluss des Eigenverbrauchs zu verdeutlichen, vergleichen wir zwei Szenarien für eine typische Dachanlage auf einem Einfamilienhaus.
Annahmen für unser Rechenbeispiel:
- Anlagengröße: 10 Kilowatt-Peak (kWp)
- Jährliche Stromerzeugung: ca. 10.000 kWh
- Jährlicher Stromverbrauch des Haushalts: 4.000 kWh
- Anschaffungskosten der PV-Anlage (ohne Speicher): 16.000 €
- Aktueller Strompreis: 0,35 €/kWh
- Aktuelle Einspeisevergütung: 0,0811 €/kWh
Szenario 1: Geringer Eigenverbrauch (30 %)
In diesem Szenario nutzt die Familie den Strom so, wie er anfällt, ohne ihr Verbrauchsverhalten anzupassen oder einen Speicher zu nutzen.
- Direkt verbrauchter Strom: 30 % von 4.000 kWh = 1.200 kWh
- Ersparnis durch Eigenverbrauch: 1.200 kWh × 0,35 €/kWh = 420 €
- Ins Netz eingespeister Strom: 10.000 kWh (Erzeugung) – 1.200 kWh (Eigenverbrauch) = 8.800 kWh
- Einnahmen durch Einspeisung: 8.800 kWh × 0,0811 €/kWh = 713,68 €
- Gesamtertrag pro Jahr: 420 € + 713,68 € = 1.133,68 €
Amortisationszeit: 16.000 € / 1.133,68 € pro Jahr ≈ 14,1 Jahre
Die Herausforderung am Mittag: Stromüberschuss
Der Grund für diese niedrige Quote liegt im typischen Ungleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch. Die Solaranlage produziert zur Mittagszeit am meisten Strom, während der Bedarf im Haushalt oft erst am Abend ansteigt, wenn gekocht, gewaschen und ferngesehen wird.
Wie Sie Ihren Eigenverbrauch gezielt steigern
Um zu verhindern, dass wertvoller Solarstrom ungenutzt ins Netz fließt, gibt es vor allem zwei bewährte Strategien.
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Intelligente Verbrauchssteuerung: Die einfachste Methode ist, energieintensive Geräte wie Waschmaschine, Trockner oder Spülmaschine gezielt zur Mittagszeit laufen zu lassen. Auch das Laden eines E-Autos sollte idealerweise in die sonnenreichen Stunden verlegt werden.
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Installation eines Stromspeichers: Ein Batteriespeicher ist die effektivste Lösung. Er speichert den überschüssigen Solarstrom vom Tag und stellt ihn abends, nachts und am nächsten Morgen zur Verfügung, wenn die Sonne nicht scheint. So wird aus günstigem Solarstrom rund um die Uhr verfügbarer Haushaltsstrom. Detaillierte Informationen zu den Möglichkeiten finden Sie in unserem Beitrag über [Stromspeicher für Photovoltaik].
Das Rechenbeispiel mit hohem Eigenverbrauch
Sehen wir uns nun an, wie sich die Zahlen verändern, wenn die Familie in einen Stromspeicher investiert und ihre Eigenverbrauchsquote auf 60 % verdoppelt.
Zusätzliche Annahmen:
- Kosten für einen 10-kWh-Stromspeicher: 9.000 €
- Gesamtinvestition (Anlage + Speicher): 16.000 € + 9.000 € = 25.000 €
Szenario 2: Hoher Eigenverbrauch (60 %)
- Direkt verbrauchter Strom: 60 % von 4.000 kWh = 2.400 kWh
- Ersparnis durch Eigenverbrauch: 2.400 kWh × 0,35 €/kWh = 840 €
- Ins Netz eingespeister Strom: 10.000 kWh (Erzeugung) – 2.400 kWh (Eigenverbrauch) = 7.600 kWh
- Einnahmen durch Einspeisung: 7.600 kWh × 0,0811 €/kWh = 616,36 €
- Gesamtertrag pro Jahr: 840 € + 616,36 € = 1.456,36 €
Amortisationszeit (Gesamtsystem): 25.000 € / 1.456,36 € pro Jahr ≈ 17,2 Jahre
Aus unserem Shop, Kategorie: PV Anlagen mit Speicher und Montagesets
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6.299,00 €Die Analyse: Lohnt sich der Speicher?
Auf den ersten Blick scheint die Amortisationszeit mit Speicher länger zu sein. Diese Betrachtung greift jedoch zu kurz. Der jährliche Ertrag steigt zwar um fast 30 % (von 1.134 € auf 1.456 €), doch viel wichtiger sind die strategischen Vorteile:
- Höhere Unabhängigkeit: Mit einem Speicher sinkt die Abhängigkeit von steigenden Strompreisen erheblich. Die Familie sichert sich ihren günstigen Solarstrom für die Zukunft.
- Maximale Ersparnis: Der Anteil des teuren Netzstroms wird minimiert.
- Notstromfähigkeit: Viele moderne Speichersysteme bieten eine Notstromfunktion bei Stromausfällen.
Die Praxis zeigt, dass sich die meisten Menschen heute für eine Anlage mit Speicher entscheiden. Der Wert der Unabhängigkeit und der Schutz vor Preisschwankungen wiegen für viele oft schwerer als die rein rechnerische Amortisationszeit.
Fazit: Eigenverbrauch als wichtigster Hebel Ihrer Investition
Die Berechnungen zeigen deutlich: Eine hohe Eigenverbrauchsquote ist der entscheidende Faktor für die Rentabilität Ihrer Photovoltaikanlage. Jedes Prozent, um das Sie Ihren Eigenverbrauch steigern, erhöht direkt Ihre jährliche Ersparnis und macht Sie unabhängiger vom öffentlichen Stromnetz. Während eine intelligente Verbrauchssteuerung ein guter erster Schritt ist, entfaltet ein Stromspeicher das volle Potenzial Ihrer Anlage.
Auf Photovoltaik.info finden Sie Werkzeuge wie den [Photovoltaik Rechner], mit dem Sie Ihr individuelles Szenario durchspielen und die für Sie passende Anlagengröße ermitteln können.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie hoch ist der durchschnittliche Eigenverbrauch?
Ohne Stromspeicher und aktive Verbrauchssteuerung liegt der Eigenverbrauch bei typischen Einfamilienhäusern meist bei etwa 25–35 %. Mit einem passend dimensionierten Stromspeicher lässt sich dieser Wert problemlos auf 60–80 % erhöhen.
Was passiert mit dem Strom, den ich nicht verbrauche?
Überschüssiger Solarstrom, der weder direkt verbraucht noch im Speicher zwischengelagert wird, fließt automatisch ins öffentliche Stromnetz. Dafür erhalten Sie vom Netzbetreiber eine gesetzlich festgelegte Vergütung. Die aktuellen Sätze finden Sie in unserer Übersicht zur [Einspeisevergütung aktuell].
Kann ich 100 % Eigenverbrauch erreichen?
Ein vollständiger Eigenverbrauch (Autarkie) ist technisch möglich, erfordert jedoch eine sehr große Anlage und einen überdimensionierten Speicher, um auch sonnenarme Wintertage zu überbrücken. Wirtschaftlich ist dies für die meisten Haushalte nicht sinnvoll. Ein Ziel von 60–80 % ist ein realistischer und ökonomisch vernünftiger Wert.
Beeinflusst die Jahreszeit meinen Eigenverbrauch?
Ja, erheblich. Im Sommer erzeugt die Anlage oft mehr Strom, als Sie verbrauchen können, selbst mit Speicher. Im Winter kehrt sich das Verhältnis um, und Sie werden mehr Strom aus dem Netz beziehen müssen. Ein Speicher hilft, die täglichen Schwankungen auszugleichen, nicht aber die saisonalen.
Im Shop von Photovoltaik.info finden Sie Komplettsets, die auf typische Anlagengrößen und Eigenverbrauchsziele abgestimmt sind.
Sie möchten Ihre individuelle Situation besser einschätzen? Nehmen Sie gern Kontakt mit uns auf.



