EEG für die Landwirtschaft: So profitieren Sie von PV auf Scheune und Acker

Große, ungenutzte Dachflächen auf Scheunen und Maschinenhallen sind ein gewohnter Anblick in der deutschen Landwirtschaft. Doch in diesen Flächen schlummert ein enormes Potenzial, das weit über den reinen Wetterschutz hinausgeht – nämlich die Erzeugung von sauberem Strom. Für landwirtschaftliche Betriebe bietet das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) besondere Rahmenbedingungen, die eine Photovoltaikanlage nicht nur zu einem wichtigen Beitrag für die Umwelt, sondern auch zu einer stabilen Einnahmequelle machen. Dieser Artikel beleuchtet die wichtigsten Sonderregelungen und zeigt, wie Sie als Landwirt von der Kraft der Sonne profitieren können.
Warum die Landwirtschaft für Photovoltaik prädestiniert ist
Landwirtschaftliche Betriebe sind aus einfachen Gründen ideale Standorte für Photovoltaikanlagen: Sie verfügen oft über große, unverschattete Dachflächen auf Ställen, Scheunen oder Lagerhallen. Gleichzeitig haben viele Höfe einen hohen, konstanten Strombedarf, etwa für Kühlungen, Lüftungsanlagen, Melkmaschinen oder die Futterproduktion. Diese Kombination ist ideal, um den erzeugten Solarstrom direkt vor Ort zu verbrauchen und so die Betriebskosten deutlich zu senken.
Praxisbeispiel: Ein durchschnittlicher Milchviehbetrieb mit 100 Kühen hat einen jährlichen Strombedarf von rund 70.000 kWh. Auf einer Scheunendachfläche von 800 m² lässt sich problemlos eine PV-Anlage mit einer Leistung von etwa 130 kWp installieren. Diese Anlage erzeugt pro Jahr circa 120.000 kWh Strom – genug, um den gesamten Eigenbedarf des Hofes zu decken und den Überschuss gewinnbringend ins Netz einzuspeisen.
Die Sonderregelungen des EEG: Ihre Chancen als Landwirt
Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) schafft Planungssicherheit, denn es garantiert Betreibern von PV-Anlagen eine feste Vergütung für den ins öffentliche Netz eingespeisten Strom über einen Zeitraum von 20 Jahren und macht die Investition damit kalkulierbar. Für die Landwirtschaft gibt es verschiedene attraktive Modelle.
PV-Anlagen auf Dächern: Der Klassiker mit hoher Vergütung
Die Installation von Solarmodulen auf den Dächern von Wirtschaftsgebäuden ist der häufigste Anwendungsfall. Hierfür gelten besonders vorteilhafte Bedingungen. So erhalten Anlagen auf Gebäuden, die nicht dem Wohnen dienen – wie Scheunen oder Ställe –, attraktive Vergütungssätze, die oft über denen für Freiflächenanlagen liegen.
Die Erfahrung zeigt, dass sich viele Landwirte für Anlagen im Leistungsbereich zwischen 100 und 750 kWp entscheiden. In diesem Segment profitieren sie von einer zuverlässigen, gesetzlich garantierten Einspeisevergütung, die eine Amortisation der Anlage oft schon nach 10 bis 14 Jahren ermöglicht.
Typischer Wert: Eine 150-kWp-Anlage auf einem Scheunendach kann je nach Standort und Ausrichtung jährlich etwa 135.000 kWh Strom produzieren. Bei einer Volleinspeisung zu einem angenommenen Vergütungssatz von 6,5 Cent/kWh lässt sich ein jährlicher Ertrag von rund 8.775 Euro erzielen.
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Ab 1.299,00 €Freiflächenanlagen: Stromerzeugung im großen Stil
Neben den Dächern können auch ungenutzte oder ertragsschwache Acker- und Grünlandflächen für die Solarstromerzeugung genutzt werden. Das EEG fördert insbesondere Anlagen auf sogenannten benachteiligten Gebieten – also Flächen mit geringer Bodenqualität – und entlang von Autobahnen und Schienenwegen.
Anlagen mit einer Leistung von über 1 Megawatt (MWp) erfordern die Teilnahme an einer Ausschreibung der Bundesnetzagentur. Hier bewerben sich Projektierer um einen Zuschlag und geben ein Gebot für die gewünschte Vergütungshöhe ab. Kleinere Anlagen können auch ohne Ausschreibung eine gesetzlich festgelegte Vergütung erhalten.
Agri-Photovoltaik (Agri-PV): Die doppelte Ernte
Ein besonders innovativer Ansatz ist die sogenannte Agri-PV. Dabei werden Solarmodule so über landwirtschaftlichen Flächen installiert, dass die Bewirtschaftung darunter möglich bleibt. Die Module werden oft höher aufgeständert, um Platz für Traktoren und Erntemaschinen zu lassen.
Dieses Modell bietet einen doppelten Nutzen:
- Stromerzeugung: Die Fläche generiert zusätzliche Einnahmen durch den Verkauf von Solarstrom.
- Schutz der Kulturen: Die Module können empfindliche Kulturen wie Obst oder Beeren vor Hagel, Starkregen oder übermäßiger Sonneneinstrahlung schützen und den Wasserbedarf senken.
Praxisbeispiel: Ein Obstbauer im Alten Land installiert halbtransparente Solarmodule über seinen Apfelbäumen. Die Anlage schützt die Früchte vor Hagelschäden, reduziert die Verdunstung und erzeugt gleichzeitig genug Strom, um die Kühlhäuser für die Lagerung der Ernte zu betreiben.
Eigenverbrauch oder Volleinspeisung: Was lohnt sich für Ihren Betrieb?
Als Betreiber einer landwirtschaftlichen PV-Anlage stehen Sie vor der Entscheidung: Speisen Sie den gesamten erzeugten Strom ins Netz ein (Volleinspeisung) oder nutzen Sie einen Teil davon selbst (Eigenverbrauch)?
- Volleinspeisung: Dieses Modell ist unkompliziert. Sie verkaufen 100 % Ihres Solarstroms an den Netzbetreiber und erhalten dafür 20 Jahre lang die feste EEG-Vergütung. Es ist ideal für Flächen ohne direkten Strombedarf in der Nähe, z. B. eine abgelegene Feldscheune.
- Eigenverbrauch mit Überschusseinspeisung: Dieses Modell ist in der Regel wirtschaftlicher, wenn Ihr Betrieb einen hohen Strombedarf hat. Jede Kilowattstunde, die Sie selbst verbrauchen, müssen Sie nicht teuer aus dem Netz zukaufen. Nur der überschüssige Strom wird eingespeist und vergütet. In der Praxis können Betriebe durch die Optimierung des Eigenverbrauchs ihre Stromkosten um bis zu 70 % senken.
Wichtige Schritte zur Planung Ihrer landwirtschaftlichen PV-Anlage
Eine sorgfältige Planung ist entscheidend für den Erfolg Ihrer Anlage. Bevor Sie investieren, sollten Sie folgende Punkte klären:
- Standort- und Bedarfsanalyse: Prüfen Sie den Zustand und die Statik der Dächer. Analysieren Sie Ihr Lastprofil, um festzustellen, wann Sie wie viel Strom verbrauchen.
- Wirtschaftlichkeitsberechnung: Vergleichen Sie die zu erwartenden Erträge aus Einspeisung und Eigenverbrauch mit den Kosten der PV-Anlage. Kalkulieren Sie auch Betriebskosten und Steuern mit ein.
- Genehmigungen und Netzanschluss: Klären Sie mit der Gemeinde und dem Netzbetreiber die rechtlichen und technischen Voraussetzungen. Insbesondere der Netzanschluss kann bei großen Anlagen auf dem Land eine Herausforderung sein.
- Auswahl der Komponenten: Wählen Sie langlebige und robuste Module, Wechselrichter und Montagesysteme, die den besonderen Bedingungen in der Landwirtschaft (z. B. Ammoniakbelastung in Ställen) standhalten. Photovoltaik.info bietet dazu umfassende und neutrale Fachinformationen.
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12.999,00 €Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Brauche ich für eine PV-Anlage auf dem Scheunendach eine Baugenehmigung?
In den meisten Bundesländern sind PV-Anlagen auf Dächern genehmigungsfrei. Bei Freiflächenanlagen oder Anlagen an denkmalgeschützten Gebäuden ist jedoch in der Regel eine Baugenehmigung erforderlich. Eine Nachfrage beim örtlichen Bauamt schafft Klarheit.
Was passiert bei Verschattung durch Bäume oder Silos?
Verschattung reduziert den Ertrag einer Anlage erheblich. Eine gute Planung berücksichtigt den Schattenwurf zu allen Tages- und Jahreszeiten. Moderne Wechselrichter mit Schattenmanagement können die Verluste minimieren, aber eine unverschattete Fläche ist immer die beste Wahl.
Wie hoch sind die Kosten einer PV-Anlage dieser Größenordnung?
Als Faustregel können Sie für Dachanlagen im landwirtschaftlichen Bereich mit Kosten zwischen 900 und 1.200 Euro pro Kilowattpeak (kWp) installierter Leistung rechnen. Bei einer 100-kWp-Anlage entspricht dies einer Investition von 90.000 bis 120.000 Euro.
Lohnt sich ein Stromspeicher für meinen Hof?
Ein Stromspeicher kann den Eigenverbrauchsanteil deutlich erhöhen, indem er tagsüber erzeugten Strom für die Nacht oder für Verbrauchsspitzen am Morgen speichert. Ob sich die Investition rechnet, hängt stark von Ihrem individuellen Verbrauchsprofil und den aktuellen Strom- und Speicherpreisen ab.
Welche Flächen gelten als „benachteiligte Gebiete“?
Dies sind landwirtschaftliche Flächen, die aufgrund natürlicher Gegebenheiten wie geringer Bodenqualität, Hanglage oder eines ungünstigen Klimas nur unter erschwerten Bedingungen bewirtschaftet werden können. Die genaue Einstufung wird von den jeweiligen Bundesländern vorgenommen.
Fazit: Eine Investition in die Zukunft Ihres Betriebs
Die Nutzung von Solarenergie bietet Landwirten eine einzigartige Chance, sich ein zweites Standbein aufzubauen, die Betriebskosten zu senken und die eigene Energieversorgung krisensicherer zu machen. Das EEG schafft dafür einen verlässlichen und langfristig kalkulierbaren Rahmen. Ob klassisch auf dem Scheunendach, im großen Stil auf der Freifläche oder innovativ als Agri-PV – die Sonne wird zu einem wertvollen Mitarbeiter auf Ihrem Hof.
Weitere praxisnahe Informationen zur Auswahl der richtigen Komponenten und zur detaillierten Planung finden Sie direkt auf Photovoltaik.info. Im Shop von Photovoltaik.info finden Sie zudem Komplettsets, die auf typische Anlagengrößen für landwirtschaftliche Betriebe abgestimmt sind.



