Dichtstoffe bei der PV-Montage: Wie Sie sich vor chemischen Risiken schützen

Dichtstoffe bei der PV-Montage: Wie Sie sich vor chemischen Risiken schützen
Bei der Planung einer Photovoltaikanlage konzentrieren sich die meisten zukünftigen Betreiber auf die sichtbaren Komponenten: die Solarmodule, den Wechselrichter und vielleicht noch den Stromspeicher.
Ein entscheidender, aber oft übersehener Aspekt für die Langlebigkeit und Sicherheit der Anlage liegt jedoch im Detail – bei den Dichtstoffen und Klebern, die bei der Dachmontage zum Einsatz kommen. Sie verhindern nicht nur Wassereinbrüche und sichern Bauteile, sondern bergen auch chemische Risiken für Haut und Atemwege, denen Sie sich bewusst sein sollten.
Dieser Beitrag beleuchtet die unsichtbaren Gefahren und zeigt, wie Sie durch die richtige Produktauswahl und einfache Schutzmaßnahmen eine sichere und gesundheitlich unbedenkliche Installation sicherstellen.
Warum Dichtstoffe und Kleber bei der PV-Montage unverzichtbar sind
Jede Montage auf dem Dach erfordert Eingriffe in die Dachhaut. So werden Dachhaken für die Montagesysteme für Photovoltaik unter den Ziegeln verankert und Kabel ins Hausinnere geführt. An all diesen Stellen entstehen potenzielle Schwachstellen, durch die Feuchtigkeit eindringen könnte.
Hochwertige Dichtstoffe und Kleber erfüllen hier drei zentrale Aufgaben:
- Abdichtung: Sie versiegeln Durchdringungen und Anschlussstellen absolut wasserdicht und schützen die Bausubstanz vor Schäden.
- Befestigung: Spezialkleber können zusätzlich zur mechanischen Befestigung von Anlagenteilen dienen und Vibrationen abfedern.
- Flexibilität: Sie gleichen temperaturbedingte Bewegungen der verschiedenen Materialien aus, ohne zu reißen.
Die Erfahrung zeigt, dass die sorgfältige Abdichtung einer der wichtigsten Schritte für eine dauerhaft problemfreie Anlage ist. Ein kleiner Fehler kann hier Jahre später zu teuren Reparaturen führen.
Die unsichtbare Gefahr: Chemische Risiken in Dichtstoffen
Moderne Dicht- und Klebstoffe sind Hochleistungsprodukte, deren Wirkung auf komplexen chemischen Formeln basiert. Bei der Verarbeitung können jedoch Stoffe freigesetzt werden, die gesundheitsschädlich sind.
Flüchtige organische Verbindungen (VOCs)
Viele Produkte, insbesondere lösemittelhaltige Kleber, dünsten während der Aushärtung flüchtige organische Verbindungen (VOCs) aus. Diese Gase gelangen unbemerkt in die Atemluft. Laut Studien des Umweltbundesamtes können VOCs in Innenräumen kurzfristig Kopfschmerzen, Schwindel sowie Reizungen von Augen und Atemwegen verursachen. Bei Arbeiten in schlecht belüfteten Bereichen wie einem Dachboden ist das Risiko besonders hoch.
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Isocyanate in PU-Produkten
Polyurethan (PU)-Schäume und -Kleber sind wegen ihrer starken Haftung und Flexibilität beliebt, enthalten jedoch oft Isocyanate. Diese Stoffe gelten als eine der häufigsten Ursachen für berufsbedingtes Asthma. Bereits der einmalige, ungeschützte Kontakt kann eine Sensibilisierung auslösen, die bei erneutem Kontakt starke allergische Reaktionen der Atemwege oder der Haut hervorruft.
Hautreizende Inhaltsstoffe
Der direkte Hautkontakt mit frischem Dichtstoff sollte unbedingt vermieden werden. Viele Produkte enthalten Bestandteile, die die Haut entfetten, reizen oder eine allergische Kontaktdermatitis auslösen können. Einmal auf der Haut, sind sie oft nur schwer mit aggressiven Mitteln zu entfernen, was die Haut zusätzlich schädigt.
Praxisbeispiel: Ein Eigenheimbesitzer möchte die Kabeldurchführung seiner neuen Anlage auf dem Dachboden selbst abdichten. Er verwendet einen PU-Schaum im unbelüfteten Spitzboden. Nach wenigen Minuten bemerkt er einen stechenden Geruch und leichten Schwindel – ein klares Warnsignal für eine hohe VOC-Konzentration in der Luft.
So wählen Sie sichere Produkte aus
Glücklicherweise müssen Sie kein Chemiker sein, um sich zu schützen. Eine bewusste Produktauswahl ist der erste und wichtigste Schritt.
Auf emissionsarme Gütesiegel achten
Für den Innen- und Dachbereich sollten Sie Produkte bevorzugen, die als „sehr emissionsarm“ zertifiziert sind. Anerkannte Gütesiegel bieten hier Orientierung:
- EMICODE EC1PLUS: Kennzeichnet die emissionsärmsten Produkte und ist ein verlässlicher Standard.
- Blauer Engel: Dieses Umweltzeichen garantiert ebenfalls strenge Grenzwerte für schädliche Inhaltsstoffe.
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Jeder Hersteller ist verpflichtet, ein technisches Datenblatt sowie ein Sicherheitsdatenblatt für sein Produkt bereitzustellen. Werfen Sie einen kurzen Blick hinein. Achten Sie auf Hinweise wie „lösemittelfrei“, „isocyanatfrei“ oder „geruchsarm“. In den Sicherheitshinweisen finden Sie zudem klare Angaben zur notwendigen Schutzausrüstung.
Materialverträglichkeit prüfen
Nicht jeder Dichtstoff ist für jeden Untergrund geeignet. Ein Produkt für Ziegeldächer kann beispielsweise Bitumenbahnen auf einem Flachdach angreifen. Prüfen Sie daher immer, ob der gewählte Dichtstoff für Ihr Dachmaterial freigegeben ist.
Persönliche Schutzausrüstung (PSA): Ihr wichtigster Verbündeter
Selbst bei der Verwendung emissionsarmer Produkte ist eine grundlegende persönliche Schutzausrüstung (PSA) unerlässlich. Sie ist Ihre direkte Verteidigungslinie gegen chemische Einwirkungen.

Atemschutz: Nicht nur bei Staub
Eine einfache Staubmaske (FFP1) reicht nicht aus, um chemische Gase zu filtern. Bei Arbeiten in geschlossenen oder schlecht belüfteten Räumen und bei der Verwendung lösemittelhaltiger Produkte ist eine Atemschutzmaske mit einem Kombinationsfilter (z. B. A2/P2) erforderlich. Der Buchstabe „A“ steht für den Schutz vor Gasen und Dämpfen organischer Verbindungen, „P“ für den Schutz vor Partikeln.
Schutzhandschuhe: Das richtige Material
Verwenden Sie bei der Verarbeitung von Dichtstoffen und Klebern immer chemikalienbeständige Schutzhandschuhe.
- Nitril-Handschuhe sind eine sehr gute Wahl, da sie gegen die meisten Chemikalien in Dichtstoffen beständig sind.
- Latex-Handschuhe sind oft ungeeignet, da bestimmte Inhaltsstoffe sie zersetzen können und das Material selbst Allergien auslösen kann.
Schutzbrille: Ein kleiner Handgriff mit großer Wirkung
Eine dicht sitzende Schutzbrille verhindert, dass Spritzer von Dichtmasse ins Auge gelangen. Dies ist eine einfache, aber hochwirksame Maßnahme, um ernsthafte Verletzungen zu vermeiden.
Die richtige Anwendung: Worauf Sie achten sollten
Wenn Sie sich entscheiden, bestimmte Arbeiten selbst durchzuführen, sollten Sie neben der PSA auch einige grundlegende Verhaltensregeln beachten:
- Für Belüftung sorgen: Arbeiten Sie bei offenen Fenstern oder sorgen Sie für Durchzug. Führen Sie Arbeiten auf dem Dach möglichst an Tagen mit einer leichten Brise durch.
- Sauber arbeiten: Bereiten Sie die zu dichtende Stelle gut vor (reinigen, trocknen). Eine saubere Verarbeitung gewährleistet nicht nur ein besseres Ergebnis, sondern minimiert auch den Hautkontakt.
- Reste fachgerecht entsorgen: Ausgehärtete Dichtstoffreste können in der Regel über den Hausmüll entsorgt werden. Nicht ausgehärtete Reste und leere Kartuschen gelten oft als Sondermüll und müssen beim örtlichen Wertstoffhof abgegeben werden.
Eine sorgfältige Vorgehensweise ist für die Planung ebenso entscheidend wie die Auswahl der richtigen Module. Berücksichtigen Sie diese Sicherheitsaspekte daher von Anfang an.

Häufige Fragen (FAQ) zum Umgang mit Dichtstoffen
Was passiert, wenn Dichtstoff auf die Haut kommt?
Entfernen Sie den frischen Dichtstoff sofort mit einem trockenen Tuch oder einem speziellen Reinigungstuch. Vermeiden Sie Wasser, da es bei vielen Produkten die Aushärtung beschleunigt. Verwenden Sie keine aggressiven Lösemittel. Waschen Sie anschließend die Hände gründlich mit Seife und tragen Sie eine Hautschutzcreme auf.
Sind alle Silikone für die Dachmontage geeignet?
Nein, es gibt große Unterschiede. Verwenden Sie ausschließlich sogenanntes Bausilikon oder Dachsilikon, das UV-beständig, witterungsfest und für den jeweiligen Untergrund geeignet ist. Sanitärsilikon ist für den Außeneinsatz ungeeignet.
Muss ich auch bei der Montage eines Balkonkraftwerks auf Dichtstoffe achten?
Das hängt von der Montageart ab. Wenn Sie ein Balkonkraftwerk installieren und dafür eine Kabeldurchführung durch eine Außenwand oder einen Fensterrahmen bohren, müssen Sie diese ebenfalls sorgfältig abdichten. Hier gelten die gleichen Sicherheitsprinzipien, auch wenn der Materialeinsatz geringer ist.
Wie lange dauert es, bis Dichtstoffe vollständig ausgehärtet sind?
Die Aushärtungszeit hängt vom Produkt, der Schichtdicke, der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit ab. Eine Faustregel besagt, dass viele Silikone und Acryle etwa 1–2 mm pro 24 Stunden durchhärten. Genaue Angaben dazu finden Sie immer im technischen Datenblatt des Herstellers.
Fazit: Sicherheit als Fundament für eine langlebige PV-Anlage
Eine Photovoltaikanlage ist eine Investition in die Zukunft, die auf Langlebigkeit und Zuverlässigkeit ausgelegt sein sollte. Dieses Versprechen wird nicht nur durch hochwertige Module und Wechselrichter erfüllt, sondern auch durch eine handwerklich einwandfreie und sichere Montage.
Der bewusste Umgang mit Dichtstoffen und Klebern ist ein Zeichen von Professionalität und Weitsicht. Indem Sie auf emissionsarme Produkte setzen und konsequent die notwendige Schutzausrüstung tragen, schützen Sie nicht nur Ihre eigene Gesundheit, sondern stellen auch sicher, dass Ihre Anlage von Grund auf solide und sicher gebaut ist.
Für weitere praxisnahe Informationen zur Auswahl der richtigen Komponenten und zur sicheren Installation steht Ihnen die Informationsplattform Photovoltaik.info zur Seite. Im Shop von Photovoltaik.info finden Sie zudem Komplettsets für typische Anlagengrößen, bei denen die Kompatibilität aller Montageteile bereits sichergestellt ist.




