Preisaufschläge für hohe oder steile Dächer: Wie Dachneigung und Gebäudehöhe die Montagekosten beeinflussen

Sie haben Angebote für Ihre neue Photovoltaikanlage eingeholt und wundern sich über einen Posten wie „Montagezuschlag“ oder „Erschwerniszulage“? Damit sind Sie nicht allein. Während die Kosten für Solarmodule und Wechselrichter gut vergleichbar sind, hängt der Preis für die Installation stark von den Gegebenheiten vor Ort ab. Insbesondere die Gebäudehöhe und Dachneigung sind entscheidende Faktoren, die den Aufwand und damit die Kosten maßgeblich bestimmen.

Dieser Artikel erklärt Ihnen, warum eine Montage auf einem steilen oder hohen Dach aufwendiger ist, welche Zusatzkosten dadurch entstehen und wie Sie Angebote richtig bewerten.

Warum die Beschaffenheit Ihres Daches den Preis bestimmt

Installationsbetriebe kalkulieren ihre Preise meist auf Basis eines Standardszenarios. Dieses geht von einem typischen Einfamilienhaus mit ein bis zwei Stockwerken und einer gut zugänglichen Dachfläche mit einer Neigung zwischen 30 und 45 Grad aus. Unter diesen Bedingungen können die Monteure sicher und effizient arbeiten.

Sobald Ihr Gebäude oder Dach von diesem Standard abweicht, kommen zwei wesentliche Aspekte zum Tragen:

  1. Arbeitssicherheit: Die gesetzlichen Vorschriften zum Schutz der Monteure werden strenger. Zusätzliche Sicherungsmaßnahmen werden nötig, um Abstürze zu verhindern.
  2. Logistik: Der Transport von Material und Werkzeug auf das Dach wird komplizierter. Schwere Solarmodule und Montagesysteme müssen sicher nach oben gelangen.

Beide Punkte führen unweigerlich zu einem höheren Zeitaufwand und dem Einsatz spezieller Ausrüstung, was sich in den Kosten einer Photovoltaikanlage niederschlägt.

Der Faktor Dachneigung: Wenn es steil wird

Die Neigung des Daches ist einer der ersten Punkte, die ein Fachbetrieb prüft. Was für das bloße Auge noch moderat aussieht, kann für die Installation bereits eine Herausforderung darstellen.

Die magische Grenze: Ab wann gilt ein Dach als steil?

In der Praxis gelten Dächer mit einer Neigung von über 45 Grad als steil und verursachen in der Regel Zusatzkosten. Einige Betriebe setzen die Grenze bereits bei 40 Grad an. Der Grund dafür liegt in den Vorschriften der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU). Schon ab 20 Grad Dachneigung sind Maßnahmen gegen das Abrutschen von Personen vorgeschrieben, doch ab 45 Grad werden die Anforderungen erheblich strenger und die Arbeit deutlich anspruchsvoller.

Praxisbeispiel: Auf einem 35-Grad-Dach können sich Monteure noch relativ frei bewegen und Werkzeug sicher ablegen. Auf einem 50-Grad-Dach hingegen besteht bei jedem Schritt Rutschgefahr, und jedes ungesicherte Bauteil wird schnell zur Gefahr.

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Welche Zusatzkosten entstehen durch ein steiles Dach?

Die erhöhte Neigung führt zu einem Bündel an Maßnahmen, die die Kosten steigern:

  • Persönliche Schutzausrüstung (PSA): Die Monteure müssen durchgehend mit Seilsicherungssystemen und speziellen Auffanggurten arbeiten. Dies schränkt die Bewegungsfreiheit ein und verlangsamt die Arbeit.
  • Zusätzliche Dachsicherungen: Oft müssen temporäre oder permanente Dachhaken und Seilsysteme installiert werden, an denen sich die Monteure sichern können.
  • Längere Montagezeit: Jeder Handgriff dauert länger. Die Handhabung der Solarmodule erfordert mehr Kraft und Koordination. Die Erfahrung zeigt, dass bei Dächern über 50 Grad die Installationszeit pro Modul um 15 bis 25 % steigen kann.
  • Pauschale Zuschläge: Viele Installationsbetriebe berechnen einen pauschalen Aufschlag, der die zusätzlichen Risiken und den Mehraufwand abdeckt. Dieser kann zwischen 200 und 500 Euro pro installiertem Kilowattpeak (kWp) liegen.

Auch die Auswahl der passenden Solarmodule kann hier eine Rolle spielen. Leichtere und handlichere Module können den Mehraufwand auf einem steilen Dach etwas reduzieren.

Der Faktor Gebäudehöhe: Der Weg nach oben

Neben der Dachneigung ist die Höhe des Gebäudes der zweite große Kostentreiber. Es macht einen erheblichen Unterschied, ob eine Anlage auf einem Bungalow oder auf dem Dach eines vierstöckigen Stadthauses installiert wird.

Standardhöhe versus mehrstöckige Gebäude

Die meisten Kalkulationen gehen von einer Traufhöhe (Höhe der Dachrinne) von bis zu 7 Metern aus, was einem typischen zweistöckigen Haus entspricht. Ab dem dritten Stockwerk ist der manuelle Transport von Material nicht nur ineffizient, sondern auch ein untragbares Sicherheitsrisiko.

Praxisbeispiel: Ein Team soll 25 Solarmodule mit einem Gewicht von je 22 kg auf das Dach eines dreistöckigen Gebäudes bringen. Ein Transport durch das Treppenhaus ist oft nicht möglich oder unerwünscht. Der manuelle Transport über Leitern ist gesetzlich verboten und hochgefährlich.

Typische Mehrkosten durch große Höhen

Um Material und Monteure sicher auf das Dach zu bringen, sind ab einer gewissen Höhe technische Hilfsmittel unumgänglich.

  • Gerüst: Ein Gerüst ist ab einer Absturzhöhe von 3 Metern in vielen Fällen ohnehin Pflicht. Die Kosten dafür steigen jedoch mit jedem Stockwerk. Während ein Gerüst für ein Standard-Einfamilienhaus etwa 8 bis 12 Euro pro Quadratmeter Gerüstfläche kostet, können es bei einem vierstöckigen Gebäude bereits 15 bis 20 Euro sein. Grund sind höhere Anforderungen an Statik und Verankerung des Gerüsts.
  • Kran oder Schrägaufzug: Für mehrstöckige Wohnhäuser oder bei schlechter Zugänglichkeit ist oft ein Kran die einzig wirtschaftliche Lösung. Die Miete für einen Autokran kostet für einen halben Tag je nach Standort und Größe zwischen 400 und 800 Euro. Ein Schrägaufzug ist eine Alternative, benötigt aber ebenfalls Platz und verursacht zusätzliche Kosten.

Diese logistischen Aspekte sind ein entscheidender Punkt, wenn Sie Ihre Photovoltaik-Anlage planen.

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Kombinierte Herausforderungen: Wenn Höhe auf Steilheit trifft

Die höchsten Zusatzkosten entstehen, wenn beide Faktoren zusammenkommen. Ein steiles Dach auf einem hohen Gebäude ist das anspruchsvollste Szenario für jeden Installationsbetrieb.

Typisches Szenario: Ein vierstöckiges Stadthaus aus der Gründerzeit mit einem 55 Grad steilen Mansarddach. Hier muss eine Kombination verschiedener Maßnahmen greifen: ein hohes und komplexes Gerüst, der Einsatz eines Krans für den Materialtransport und Monteure, die zusätzlich mit Seilzugangstechnik arbeiten. In solchen Fällen können die reinen Montagekosten schnell das Doppelte einer Standardinstallation ausmachen. Viele Kunden entscheiden sich in einer solchen Situation, die Dachfläche optimal auszunutzen, um die Fixkosten für die aufwendige Einrichtung der Baustelle bestmöglich zu verteilen.

FAQ – Häufige Fragen zu Montagekosten bei anspruchsvollen Dächern

Bis zu welcher Dachneigung ist eine Montage ohne Aufpreis möglich?
Die meisten Betriebe kalkulieren bis zu einer Neigung von 45 Grad ohne signifikante Aufschläge. Dies ist jedoch nicht standardisiert und sollte immer im individuellen Angebot geklärt werden.

Mein Haus hat drei Stockwerke. Brauche ich immer einen Kran?
Nicht zwingend, aber häufig ist es die sicherste und effizienteste Lösung. Bei guter Zugänglichkeit und einer geringen Anzahl von Modulen kann auch ein Schrägaufzug ausreichen. Ein seriöser Betrieb wird Ihnen die wirtschaftlichste Option vorschlagen.

Kann ich durch Eigenleistung beim Gerüstaufbau Kosten sparen?
Davon ist dringend abzuraten. Der Aufbau, die Abnahme und die Versicherung eines Gerüsts sind ausschließlich zertifizierten Fachbetrieben vorbehalten. Aus Haftungs- und Sicherheitsgründen ist eine Eigenleistung hier ausgeschlossen.

Wie finde ich heraus, ob mein Dach als „schwierig“ gilt?
Ein guter Anhaltspunkt ist, ob für andere Arbeiten am Dach (z. B. durch den Schornsteinfeger) bereits spezielle Sicherungen oder Leitern erforderlich sind. Eine verbindliche Einschätzung kann jedoch nur ein Fachbetrieb nach einer Besichtigung vor Ort geben.

Beeinflussen diese Faktoren die Gesamtkosten der Photovoltaikanlage stark?
Ja, die Zuschläge für Höhe und Neigung können die Gesamtkosten um mehrere tausend Euro erhöhen. Sie sind ein wesentlicher Kostenblock, der aber die Rentabilität der Anlage über ihre Lebensdauer von 20 bis 30 Jahren in der Regel nicht zunichtemacht.

Fazit: Sicherheit und Professionalität haben ihren Preis

Zusatzkosten für hohe oder steile Dächer sind also keine willkürlichen Aufschläge. Sie sind die direkte Folge des erhöhten Aufwands für die Logistik und der gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen. Sie gewährleisten, dass Ihre Anlage nicht nur effizient, sondern vor allem sicher und fachgerecht installiert wird.

Die Erfahrung zeigt, dass ein transparentes Angebot, das diese Posten klar und verständlich ausweist, ein Zeichen für einen seriösen Anbieter ist. Fragen Sie im Zweifel gezielt nach, wie sich die Montagekosten zusammensetzen. Ein gutes Verständnis dieser Faktoren hilft Ihnen, Angebote fair zu vergleichen und eine fundierte Entscheidung für Ihre Investition in saubere Energie zu treffen.

Sie möchten Ihre individuelle Situation besser einschätzen? Weitere Informationen zu den Sicherheitsvorschriften für PV-Anlagen finden Sie ebenfalls in unserem Ratgeber. Im Shop von Photovoltaik.info finden Sie zudem Komplettsets, die auf typische Anlagengrößen abgestimmt sind.

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OLEKSANDR PUSHKAR
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