Die wasserdichte Abdichtung von Dachdurchdringungen: Dachhaken und Kabelkanäle fachgerecht versiegeln

Die Entscheidung für eine eigene Photovoltaikanlage ist gefallen, die Module sind ausgewählt und der Montageplan steht. Für viele, die den Aufbau selbst in die Hand nehmen, rückt damit ein entscheidendes Detail in den Fokus: das Dach.
Die größte Sorge ist dabei nicht so sehr die Montage selbst, sondern die Gefahr, durch Bohrungen und Befestigungen Undichtigkeiten zu verursachen. Schon ein einziger fehlerhaft abgedichteter Dachhaken kann langfristig erhebliche Schäden nach sich ziehen. Dieser Beitrag erklärt, wie Sie die häufigsten Fehler vermeiden und Ihr Dach mit den richtigen Techniken und Materialien dauerhaft vor Wassereintritt schützen.
Inhaltsverzeichnis
Warum eine fachgerechte Abdichtung entscheidend ist
Eine Photovoltaikanlage ist eine Investition für Jahrzehnte – und ebenso lange muss die Dachhaut darunter absolut dicht bleiben. Die häufigsten Fehler bei der Installation sind eine unsachgemäße Abdichtung der Dachdurchdringungen und eine unzureichende Befestigung der Dachhaken.
Die Folgen sind oft erst nach Jahren sichtbar, dann aber umso gravierender: Wassereintritt, Schimmelbildung unter den Ziegeln und im schlimmsten Fall sogar strukturelle Schäden am Dachstuhl.
Die Erfahrung zeigt: Langzeitschäden durch Feuchtigkeit können die Reparaturkosten schnell in den vierstelligen Bereich treiben. Diese Summe übersteigt nicht selten den Betrag, den man bei der ursprünglichen Installation gespart hat. Eine sorgfältige Abdichtung ist daher kein optionaler Schritt, sondern das Fundament für eine langlebige und sorgenfreie Nutzung Ihrer Anlage – und ein zentraler Punkt, wenn Sie Ihre Photovoltaik selbst installieren.
Die richtige Abdichtung für Dachhaken – Schritt für Schritt erklärt
Dachhaken sind die Verbindungselemente zwischen Ihrem Dachstuhl und dem Montagesystem für Photovoltaik. Sie werden direkt auf den Dachsparren verschraubt und ragen zwischen den Dachziegeln hindurch. Genau an diesen Durchdringungspunkten entsteht die Gefahr von Undichtigkeiten.
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Das richtige Material: Mehr als nur Silikon
Viele Heimwerker greifen reflexartig zu Silikon. Für die Dachabdichtung ist das jedoch die falsche Wahl. Silikon versprödet unter UV-Einstrahlung und Temperaturschwankungen, wird rissig und verliert mit der Zeit seine Dichtwirkung.
Die professionelle Lösung sind moderne Dichtungsmassen auf Basis von MS-Polymer. Diese bieten entscheidende Vorteile:
- Dauerhafte Elastizität: Sie gleichen die natürlichen Bewegungen des Daches durch Wind und Temperaturunterschiede aus, ohne zu reißen.
- UV- und Witterungsbeständigkeit: Sie halten jahrelanger Sonneneinstrahlung und Witterung stand.
- Hervorragende Haftung: Sie verbinden sich zuverlässig mit Dachziegeln, Holz und Metall, selbst auf leicht feuchten Untergründen.
Die korrekte Vorgehensweise bei der Montage
Eine fachgerechte Abdichtung gelingt in mehreren Schritten und gewährleistet so doppelte Sicherheit.
- Vorbereitung: Der Dachziegel über dem Sparren wird angehoben. Je nach Ziegel- und Hakenart kann eine kleine Aussparung an der Unterseite des Ziegels notwendig sein, damit er spannungsfrei aufliegt.
- Dichtmasse auftragen: Tragen Sie eine großzügige, umlaufende Raupe der MS-Polymer-Dichtmasse auf die Unterseite des Dachhakens auf – also auf die Fläche, die später auf dem Dachziegel bzw. der Dachlattung aufliegt.
- Dachhaken verschrauben: Platzieren Sie den Dachhaken und verschrauben Sie ihn fest mit dem Dachsparren. Durch den Druck presst sich die Dichtmasse in alle Unebenheiten und bildet eine erste, flächige Dichtung.
- Schraubenköpfe versiegeln: Geben Sie zusätzlich einen Klecks Dichtmasse auf jeden Schraubenkopf. Das verhindert, dass Wasser entlang des Gewindes eindringen kann.
Abdichtung eines Dachhakens mit Dichtmasse
Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Ein starker Sturm rüttelt an der Anlage. Die gesamte Konstruktion bewegt sich minimal. Eine elastische MS-Polymer-Dichtung macht diese Bewegung mit. Eine spröde Silikonnaht würde an dieser Stelle reißen und wäre fortan undicht.

Die Kabeldurchführung – Die Achillesferse vieler Eigeninstallationen
Neben den Dachhaken ist die Durchführung der DC-Kabel vom Dach ins Hausinnere der zweite kritische Punkt. Eine simple Bohrung durch einen Ziegel, notdürftig mit Bauschaum abgedichtet, ist keine dauerhafte Lösung und führt fast zwangsläufig zu Problemen.
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Für eine sichere und witterungsbeständige Kabelführung haben sich spezielle Bauteile in der Praxis bewährt.
- Dachdurchführungsziegel: Das sind Ziegel aus Metall oder Kunststoff mit der exakten Form eines normalen Dachziegels, die aber über eine integrierte, wasserdichte Durchführung für Kabel verfügen. Sie ersetzen einfach einen vorhandenen Ziegel und bieten eine formschlüssige, absolut dichte Lösung.
- Dichtmanschetten: Für Blech- oder Foliendächer gibt es flexible Manschetten, die auf den Untergrund geklebt oder geschweißt werden und den Kabelstrang sicher umschließen.
Professionelle Kabeldurchführung durch einen Dachziegel
Solche professionellen Lösungen sind improvisierten Abdichtungen mit Bauschaum oder Bitumen weit überlegen. Sie verhindern zuverlässig, dass Wasser unter die Dachhaut gelangt, und gewährleisten die Langlebigkeit Ihrer Dacheindeckung.
Ein wichtiger Unterschied: Dachmontage vs. Balkonkraftwerk
Die hier beschriebenen Herausforderungen bei der Dachdurchdringung betreffen ausschließlich fest installierte Dachanlagen. Für Mieter oder Wohnungseigentümer, die eine einfachere Lösung suchen, ist dieser Unterschied besonders relevant. Balkonkraftwerke erfordern beispielsweise in der Regel keine Bohrungen in der Bausubstanz des Daches oder der Fassade. Die Kabel werden hier meist durch eine vorhandene Fenster- oder Türdichtung nach innen geführt.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Kann ich für die Abdichtung auch Bauschaum oder Bitumen verwenden?
Davon ist dringend abzuraten. Bauschaum ist nicht UV-stabil und wird mit der Zeit porös und saugt Wasser auf. Bitumen kann bei hohen Temperaturen weich werden und bei Kälte verspröden. Beide Materialien bieten keine dauerhaft elastische und zuverlässige Abdichtung wie MS-Polymere.
Wie viel Dichtmasse sollte ich pro Dachhaken verwenden?
Tragen Sie eine Raupe auf, die so dick ist, dass sie beim Anpressen leicht an den Seiten hervorquillt und alle Unebenheiten ausgleicht. Eine zu dicke Schicht sollten Sie jedoch vermeiden, damit der Haken weiterhin plan aufliegt.
Muss ich den Ziegel unter dem Dachhaken immer bearbeiten?
Nicht immer, das hängt vom Typ des Dachhakens und der Form des Dachziegels ab. Ziel ist, dass der obere Ziegel ohne Spannung auf dem unteren aufliegt. Ist das nicht der Fall, ist an der Unterseite des oberen Ziegels eine kleine Aussparung nötig, um einen Ziegelbruch durch Druck zu vermeiden.
Was mache ich, wenn mein Dach bereits Vorschäden hat?
Sollten Sie bei der Vorbereitung marode Dachlatten oder feuchte Stellen am Gebälk entdecken, unterbrechen Sie die Montage sofort und konsultieren Sie zunächst einen Dachdecker. Eine PV-Anlage sollte nur auf einem intakten und tragfähigen Dachstuhl installiert werden.
Fazit: Sicherheit und Langlebigkeit durch Sorgfalt
Die wasserdichte Abdichtung ist der entscheidende Faktor für den langfristigen Erfolg Ihrer selbst installierten Photovoltaikanlage. Setzen Sie auf die richtigen Materialien wie MS-Polymer-Dichtstoffe und bewährte Techniken wie die doppelte Versiegelung der Dachhaken – so schützen Sie Ihr Zuhause zuverlässig vor Feuchtigkeitsschäden.
Die Investition in hochwertige Dichtungsmaterialien und spezielle Dachdurchführungsziegel ist im Vergleich zu den potenziellen Reparaturkosten gering, sichert aber den Wert Ihrer Immobilie und die Freude an Ihrer Solaranlage für viele Jahre.
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