Checkliste zur Abnahme der PV-Anlage: Ihr Leitfaden mit Inbetriebnahmeprotokoll

Der große Tag ist da: Die Solarmodule glänzen auf dem Dach, der Wechselrichter ist montiert, und der Installateur bittet Sie zur finalen Übergabe. Die Freude über die fast fertige Photovoltaikanlage ist groß, doch oft mischt sich eine leise Unsicherheit dazu.

Worauf genau müssen Sie achten? Was, wenn etwas übersehen wird? Die Abnahme ist der letzte entscheidende Schritt, um sicherzustellen, dass Ihre Investition für die nächsten 20 bis 30 Jahre sicher und ertragreich arbeitet. Dieser Leitfaden gibt Ihnen eine verlässliche Checkliste und eine praktische Vorlage für das Inbetriebnahmeprotokoll an die Hand.

Warum eine sorgfältige Abnahme entscheidend ist

Die formelle Abnahme ist mehr als nur ein Händedruck. Mit Ihrer Unterschrift bestätigen Sie, dass die Anlage vertragsgemäß und ohne Mängel errichtet wurde. Ab diesem Moment beginnt nicht nur die Gewährleistungsfrist, auch die Verantwortung für den Betrieb geht auf Sie über.

Eine gründliche Prüfung schützt Sie vor drei wesentlichen Risiken:

  1. Versteckte Mängel: Ein nicht fachgerecht abgedichteter Dachhaken kann erst Jahre später einen Wasserschaden verursachen. Ein schlecht belüfteter Wechselrichter verliert an heißen Tagen an Leistung und altert vorzeitig.

  2. Leistungseinbußen: Falsch installierte oder beschädigte Komponenten können den Ertrag Ihrer Anlage von Anfang an schmälern. Solche Fehler bleiben oft unbemerkt, kosten Sie über die Jahre aber bares Geld.

  3. Rechtliche Nachteile: Mängel, die bei der Abnahme nicht schriftlich festgehalten werden, sind im Nachhinein schwerer zu reklamieren. Das Protokoll ist Ihr wichtigstes Beweisdokument.

Nehmen Sie sich für diesen Termin also ausreichend Zeit. Ein professioneller Installateur wird das verstehen und Sie geduldig durch alle Punkte führen.

Vor der Abnahme: Diese Unterlagen sollte der Installateur übergeben

Eine vollständige Dokumentation ist die Grundlage für den reibungslosen Betrieb und eventuelle spätere Gewährleistungsansprüche. Bitten Sie Ihren Installateur, Ihnen folgende Unterlagen vor oder während des Abnahmetermins auszuhändigen:

  • Auftragsbestätigung und Angebot: Zum Abgleich, ob alle vereinbarten Komponenten und Leistungen umgesetzt wurden.
  • Datenblätter aller Komponenten: Detaillierte technische Informationen zu Solarmodulen, Wechselrichter, Stromspeicher und Montagesystem.
  • Installations- und Bedienungsanleitungen: Wichtig für den späteren Betrieb und die Fehlersuche.
  • Schaltplan der PV-Anlage: Ein detaillierter Plan der elektrischen Verschaltung.
  • Konformitätserklärungen: Nachweis, dass die verbauten Teile den geltenden Normen entsprechen.
  • Nachweis der Anmeldung beim Netzbetreiber: Die Bestätigung, dass Ihre Anlage offiziell für den Netzanschluss angemeldet ist.

Eine saubere Dokumentation ist oft schon das erste Anzeichen für einen qualitativ hochwertigen Fachbetrieb.

Die Abnahme vor Ort: Ihre Checkliste in 5 Schritten

Gehen Sie die folgenden Punkte gemeinsam mit Ihrem Installateur durch. Nutzen Sie Ihr Smartphone, um Fotos von Details oder eventuellen Mängeln zu machen.

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Schritt 1: Die Sichtprüfung auf dem Dach

Auch wenn Sie nicht selbst aufs Dach steigen, können Sie viele Aspekte vom Boden, einem Fenster oder mit einem Fernglas aus begutachten. Bitten Sie den Installateur, Fotos von wichtigen Details zu machen.

  • Solarmodule: Stimmen Anzahl und Typ mit dem Angebot überein? Sind alle Module frei von Kratzern, Rissen oder Verfärbungen? Sind sie sauber montiert und bilden eine einheitliche Fläche?
  • Montagesystem: Sind die Module gerade und sicher auf der Unterkonstruktion befestigt? Achten Sie beispielsweise besonders auf die Dachhaken bei Ziegeldächern: Wurden die Ziegel professionell ausgespart und sitzen wieder fest, um Wassereintritt zu verhindern?
  • Verkabelung: Sind alle Kabel auf dem Dach ordentlich in Kabelkanälen oder an der Unterkonstruktion befestigt? Lose herabhängende Kabel sind ein Sicherheitsrisiko und können durch UV-Strahlung oder Tierbisse beschädigt werden.

Sichtprüfung auf dem Dach

Schritt 2: Prüfung der Komponenten im Haus

Der Technikraum oder Keller ist der nächste wichtige Prüfpunkt. Hier laufen die Fäden Ihrer Anlage zusammen.

  • Wechselrichter: Ist das korrekte Modell laut Angebot verbaut? Ist er fest an der Wand montiert und gut zugänglich? Entscheidend ist die Belüftung: Achten Sie darauf, dass die vom Hersteller vorgegebenen Abstände zu allen Seiten eingehalten werden, um eine Überhitzung zu vermeiden.
  • Stromspeicher (falls vorhanden): Für einen eventuell vorhandenen Stromspeicher gelten dieselben Prüfpunkte. Der Standort muss den Herstellervorgaben entsprechen (z. B. bezüglich Temperatur und Brandschutz).
  • Zählerschrank und Verkabelung: Wirkt die Verkabelung im Zählerschrank aufgeräumt und professionell? Sind alle neuen Sicherungen und Bauteile klar und verständlich beschriftet? Ist der neue Zweirichtungszähler vom Netzbetreiber installiert?

Prüfung der Komponenten im Haus

Schritt 3: Die Funktionsprüfung und Inbetriebnahme

Nach der Sichtprüfung folgt der entscheidende Moment: Die Anlage wird zum ersten Mal eingeschaltet.

  • Systemstart: Der Installateur wird die Anlage hochfahren. Beobachten Sie das Display des Wechselrichters: Startet er ohne Fehlermeldungen?
  • Leistungsmessung: Zeigt der Wechselrichter an, dass er Strom produziert? Auch bei bewölktem Himmel sollte die Anlage eine geringe Leistung (z. B. einige hundert Watt) erzeugen. Bitten Sie den Installateur, Ihnen die angezeigten Werte zu erklären.
  • Not-Aus-Funktion: Lassen Sie sich zeigen, wie die Anlage im Notfall sicher abgeschaltet werden kann.

Schritt 4: Einweisung in Technik und Monitoring

Je besser Sie Ihre PV-Anlage verstehen, desto optimaler können Sie sie nutzen. Eine umfassende Einweisung ist daher unerlässlich.

  • Monitoring-System: Lassen Sie sich die zugehörige App oder das Webportal ausführlich erklären. Was bedeuten die wichtigsten Kennzahlen wie „Aktuelle Leistung“, „Tagesertrag“ oder „Eigenverbrauchsquote“?
  • Fehlermeldungen: Fragen Sie, was typische Fehlermeldungen bedeuten und was Sie in einem solchen Fall tun sollten. Wann genügt ein einfacher Neustart und wann müssen Sie den Fachbetrieb kontaktieren? Eine nächtliche Fehlermeldung ist zum Beispiel oft nur eine harmlose Kommunikationsstörung.
  • Wartung und Reinigung: Klären Sie, welche Wartungsarbeiten empfohlen werden und worauf Sie bei der Reinigung der Module achten müssen.
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Schritt 5: Das Inbetriebnahmeprotokoll ausfüllen

Alle Prüfungen, Messwerte und Vereinbarungen werden im Inbetriebnahmeprotokoll schriftlich festgehalten – dem wichtigsten Dokument der Abnahme. Bestehen Sie darauf, dass ein solches Protokoll geführt wird. Es muss von Ihnen und dem Vertreter des Installationsbetriebs unterschrieben werden.

Vorlage: Inbetriebnahmeprotokoll für Ihre PV-Anlage

Sie können diese Vorlage als Leitfaden für Ihr eigenes Protokoll verwenden. Ein seriöser Fachbetrieb wird in der Regel ein eigenes, oft detaillierteres Formular nutzen.


A. Allgemeine Daten

  • Anlagenstandort: (Straße, Hausnummer, PLZ, Ort)
  • Anlagenbetreiber: (Name, Vorname)
  • Installationsbetrieb: (Firmenname, Adresse)
  • Datum der Inbetriebnahme/Abnahme:
  • Anwesende Personen:

B. Installierte Komponenten (mit Seriennummern)

  • Solarmodule: Hersteller, Typ, Anzahl, Gesamtleistung (kWp)
  • Seriennummern: (ggf. auf separatem Blatt)
  • Wechselrichter: Hersteller, Typ, Seriennummer
  • Stromspeicher: Hersteller, Typ, Kapazität (kWh), Seriennummer
  • Montagesystem: Hersteller, Typ

C. Elektrische Messwerte (vom Installateur auszufüllen)

  • String 1: Leerlaufspannung (Uoc), Kurzschlussstrom (Isc), Isolationswiderstand
  • String 2: Leerlaufspannung (Uoc), Kurzschlussstrom (Isc), Isolationswiderstand
  • (Weitere Strings nach Bedarf)

D. Durchgeführte Prüfungen (Zutreffendes ankreuzen)

  • Sichtprüfung der Module und Unterkonstruktion (ohne Mängel)
  • Sichtprüfung der Verkabelung auf dem Dach und im Haus (ohne Mängel)
  • Sichtprüfung Wechselrichter und Speicher (ohne Mängel)
  • Funktionsprüfung der Anlage erfolgreich
  • Einweisung in Betrieb und Monitoring erfolgt
  • Übergabe der vollständigen Dokumentation erfolgt

E. Festgestellte Mängel oder offene Restarbeiten

  • (Hier werden alle Abweichungen, Beschädigungen oder fehlenden Leistungen detailliert mit Foto-Verweis und einer Frist zur Behebung notiert. Z. B.: „Kratzer auf Modul Nr. 7, siehe Foto. Behebung bis [Datum].“)
  • Mangel 1:
  • Mangel 2:

F. Übergebene Unterlagen

  • Datenblätter
  • Anleitungen
  • Schaltplan
  • Nachweis Netzanmeldung
  • Sonstiges:

G. Bestätigung und Unterschriften

Die Photovoltaikanlage wurde gemäß den oben genannten Punkten geprüft und wird (ggf. unter dem Vorbehalt der Beseitigung der genannten Mängel) abgenommen.

  • (Ort, Datum)
  • Unterschrift Anlagenbetreiber:
  • Unterschrift Installationsbetrieb:

Was tun, wenn Mängel festgestellt werden?

Bleiben Sie ruhig und sachlich. Kleinere optische Mängel sind oft kein Grund, die Abnahme komplett zu verweigern. Wichtig ist nur, dass jeder einzelne Punkt detailliert im Protokoll unter „Festgestellte Mängel“ erfasst wird – am besten mit einem Foto als Beleg.

  • Dokumentieren: Notieren Sie den Mangel so präzise wie möglich.
  • Frist setzen: Vereinbaren Sie eine realistische, schriftliche Frist, bis wann der Mangel behoben werden soll.
  • Abnahme unter Vorbehalt: Bei kleineren Mängeln können Sie die Anlage „unter Vorbehalt“ abnehmen. Das bedeutet, Sie akzeptieren die Anlage im Wesentlichen, halten aber einen Teil der Zahlung zurück, bis die Mängel beseitigt sind.
  • Abnahme verweigern: Nur bei schwerwiegenden Mängeln, die die Sicherheit oder die grundlegende Funktion der Anlage beeinträchtigen (z. B. der Wechselrichter startet nicht), sollten Sie die Abnahme verweigern.

Professionelle Fachbetriebe sind in der Regel sehr daran interessiert, Mängel schnell und unkompliziert zu beheben, um das Projekt erfolgreich abzuschließen.

Abnahme vor Ort

FAQ – Häufige Fragen zur Abnahme einer PV-Anlage

Wer meldet die Anlage beim Netzbetreiber an?
In der Regel übernimmt der Installationsbetrieb die technische Anmeldung beim Netzbetreiber. Als Anlagenbetreiber sind Sie jedoch selbst dafür verantwortlich, dass die Anlage im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur registriert wird. Viele Installateure bieten dies als Serviceleistung an.

Muss ich bei der Abnahme persönlich anwesend sein?
Ja, das ist dringend zu empfehlen. Nur so können Sie sicherstellen, dass alle Punkte geprüft werden und Sie eine umfassende Einweisung erhalten. Falls Sie verhindert sind, beauftragen Sie eine technisch versierte Person Ihres Vertrauens.

Was ist der Unterschied zwischen Inbetriebnahme und Abnahme?
Die Inbetriebnahme ist der technische Akt des erstmaligen Einschaltens der Anlage. Die Abnahme ist der rechtliche Akt, bei dem Sie als Kunde die erbrachte Leistung des Installateurs als vertragsgemäß anerkennen. Meist finden beide am selben Tag statt.

Was kostet eine PV-Anlage eigentlich?
Die Kosten einer Photovoltaikanlage hängen stark von der Größe, den verwendeten Komponenten (mit oder ohne Speicher) und den Gegebenheiten vor Ort ab. Eine typische Anlage für ein Einfamilienhaus kostet meist zwischen 12.000 und 20.000 Euro.

Kann ich die Anlage selbst abnehmen, ohne Fachwissen?
Die Sichtprüfung und die Kontrolle der Dokumente können Sie mit unserer Checkliste sehr gut selbst durchführen. Die elektrischen Messungen und die technische Inbetriebnahme müssen zwingend von einer Elektrofachkraft vorgenommen werden. Wenn Sie sich unsicher sind, können Sie zur Abnahme auch einen unabhängigen Sachverständigen hinzuziehen. Weitere Informationen dazu, was man beim Installieren einer Photovoltaikanlage beachten muss, finden Sie in unserem Ratgeber.

Fazit: Der letzte Schritt zur eigenen Sonnenenergie

Die Abnahme Ihrer Photovoltaikanlage ist der krönende Abschluss eines spannenden Projekts. Eine sorgfältige Prüfung ist dabei kein Zeichen von Misstrauen, sondern von Professionalität und Weitsicht. Sie sichert die Qualität, Leistung und Sicherheit Ihrer Anlage für Jahrzehnte.

Mit guter Vorbereitung und unserer Checkliste können Sie dem Termin entspannt entgegensehen und sich anschließend uneingeschränkt über Ihren eigenen, sauberen Solarstrom freuen.

Weitere praxisnahe Informationen zur Auswahl der richtigen Komponenten finden Sie direkt auf Photovoltaik.info. Im Shop von Photovoltaik.info finden Sie zudem Komplettsets, die auf typische Anlagengrößen für Eigenheime abgestimmt sind.

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Patrick Thoma
Patrick Thoma

Patrick Thoma ist Gründer von Mehrklicks.de und JVGLABS.com.
Er entwickelt Systeme für KI-Sichtbarkeit und semantische Architektur – mit Fokus auf Marken, die in ChatGPT, Perplexity und Google SGE sichtbar bleiben wollen.

Mehr über ihn und die Arbeit:
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