Bodenmontage im Garten: Alles zu Abstandsflächen und Fundamenten

Nicht jedes Hausdach eignet sich für eine Photovoltaikanlage. Oft verhindern Verschattung, eine ungünstige Ausrichtung oder komplexe Dachformen eine effiziente Nutzung. Das muss jedoch nicht das Ende Ihres Solarprojekts bedeuten: Wenn Sie über einen Garten oder eine freie Grundstücksfläche verfügen, ist die Bodenmontage eine leistungsstarke und oft sogar vorteilhaftere Alternative.

Wir führen Sie durch die zwei wichtigsten Aspekte der Planung: die baurechtlichen Vorgaben für Abstandsflächen und die Wahl des passenden Fundaments, das Ihrer Anlage einen sicheren Halt gibt.

Warum eine PV-Anlage im Garten eine überlegenswerte Alternative ist

Eine auf dem Boden installierte Solaranlage ist mehr als nur eine Notlösung. Sie bietet handfeste Vorteile, die sich positiv auf Leistung und Handhabung auswirken.

  • Optimale Ausrichtung: Im Garten sind Sie, anders als auf dem Dach, völlig frei bei der Ausrichtung und dem Neigungswinkel der Solarmodule. Sie können die Anlage perfekt nach Süden ausrichten und im idealen Winkel von etwa 30 bis 35 Grad aufstellen. Das maximiert den Ertrag Ihrer Anlage über das ganze Jahr.
  • Einfache Wartung und Reinigung: Die Module sind leicht zugänglich. Schnee, Laub oder Schmutz lassen sich mühelos entfernen, was bei einer Dachanlage oft mit erheblichem Aufwand verbunden ist.
  • Keine Eingriffe in die Dachhaut: Da keine Befestigung am Dach notwendig ist, besteht auch kein Risiko von Undichtigkeiten. So bleibt die Bausubstanz Ihres Hauses unberührt.

Praxisbeispiel: Ein typischer Vierpersonenhaushalt mit einem Jahresstromverbrauch von 4.500 kWh benötigt eine PV-Anlage mit etwa 5 kWp Leistung. Auf dem Boden montiert, belegt diese eine Fläche von nur rund 25 bis 30 Quadratmetern. Diese Fläche ist in vielen Gärten verfügbar und reicht aus, um einen Großteil des eigenen Strombedarfs zu decken.

Das Baurecht: Genehmigung und Abstandsflächen verstehen

Die größte Unsicherheit bei der Planung einer bodenmontierten Anlage betrifft oft die rechtlichen Rahmenbedingungen. Die gute Nachricht vorweg: In den meisten Fällen ist der Prozess unkomplizierter als angenommen.

Die entscheidenden Grenzen: Wann wird es genehmigungspflichtig?

Photovoltaikanlagen gelten in den meisten Bundesländern als sogenannte „verfahrensfreie Bauvorhaben“. Das bedeutet, Sie benötigen in der Regel keine Baugenehmigung, solange Sie bestimmte Maße einhalten. Eine weit verbreitete Faustregel, die in vielen Landesbauordnungen verankert ist, lautet:

Eine Freiflächenanlage ist oft genehmigungsfrei, wenn sie eine Höhe von 3 Metern und eine Gesamtlänge von 9 Metern nicht überschreitet.

Allerdings ist Baurecht Ländersache, weshalb sich die genauen Vorschriften von Bundesland zu Bundesland unterscheiden können. Daher sollten Sie vor Beginn der Arbeiten unbedingt Kontakt mit Ihrem zuständigen Bauamt aufnehmen. Eine kurze Anfrage schafft Verbindlichkeit und schützt Sie vor späteren Problemen.

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Abstandsflächen zum Nachbarn: Die 1-H-Regel und ihre Ausnahmen

Ein zentraler Aspekt des Baurechts sind die Abstandsflächen. Sie sollen sicherstellen, dass Nachbargrundstücke nicht unzumutbar beeinträchtigt werden, etwa durch Verschattung.

Die grundlegende Regel zur Berechnung der Abstandsfläche lautet „1 H“. Das bedeutet, der Abstand zum Nachbargrundstück muss mindestens der Höhe (H) Ihrer Anlage entsprechen.

Beispiel: Ist Ihre aufgeständerte Anlage am höchsten Punkt 2,50 Meter hoch, müssen Sie einen Abstand von mindestens 2,50 Metern zur Grundstücksgrenze einhalten. Der Mindestabstand beträgt in den meisten Bundesländern jedoch 3 Meter, auch wenn die Anlage niedriger ist.

Wichtige Ausnahme (Privilegierung): Für kleinere Bauten gibt es oft eine Vereinfachung. Wenn Ihre Anlage die oben genannten Maße (unter 3 Meter hoch, unter 9 Meter lang) einhält und direkt an der Grenze errichtet wird, kann die Abstandsflächenpflicht entfallen. Auch hier gilt: Die genauen Details regelt die jeweilige Landesbauordnung.

Die Erfahrung zeigt, dass ein kurzes, freundliches Gespräch mit dem Nachbarn vorab viele Unklarheiten beseitigen kann – selbst wenn Sie rechtlich auf der sicheren Seite sind. Transparenz fördert eine gute Nachbarschaft.

Das richtige Fundament: Stabilität für Ihre Solaranlage

Das Fundament ist das unsichtbare, aber entscheidende Bindeglied zwischen Ihrer Photovoltaikanlage und dem Erdreich. Es sorgt dafür, dass die Anlage auch bei starkem Wind oder Schneelast sicher steht. Die Wahl der richtigen Methode hängt von der Bodenbeschaffenheit, der Anlagengröße und Ihren persönlichen Präferenzen ab.

Die klassische Lösung: Betonfundamente

Betonfundamente, oft als Punkt- oder Streifenfundamente ausgeführt, sind die traditionelle Methode zur Verankerung von Bauten.

  • Vorteile: Sie bieten maximale Stabilität und sind für nahezu jede Bodenart geeignet, von lockerem Sand bis zu lehmigem Untergrund. Das Material ist vergleichsweise günstig.
  • Nachteile: Der Aufwand ist erheblich. Dazu sind Erdarbeiten, das Mischen und Einbringen von Beton sowie eine mehrwöchige Aushärtezeit nötig. Ein späterer Rückbau ist sehr aufwendig.

Anwendungsszenario: Ein Betonfundament ist die erste Wahl, wenn Sie eine große Anlage auf sehr lockerem Boden planen und eine dauerhafte Lösung für die nächsten Jahrzehnte suchen.

Die flexible Alternative: Schraubfundamente

Schraubfundamente sind im Prinzip überdimensionale, feuerverzinkte Stahlschrauben, die maschinell in den Boden gedreht werden.

  • Vorteile: Die Montage ist extrem schnell und sauber – oft ist alles an einem Tag erledigt. Es sind keine Erdarbeiten und kein Beton notwendig, die Anlage ist sofort nach der Installation belastbar. Zudem lassen sich Schraubfundamente rückstandslos entfernen, was ideal für Pachtgrundstücke oder zukünftige Änderungen ist.
  • Nachteile: Sie eignen sich nicht für stark felsigen oder sehr steinigen Boden. Die Materialkosten sind in der Regel höher als bei Beton.

Anwendungsszenario: Für die meisten Eigenheimbesitzer, die eine mittelgroße Anlage in ihrem Garten auf normal gewachsenem Boden errichten möchten, sind Schraubfundamente die ideale, zeitsparende Lösung. Viele Kunden schätzen die Flexibilität und den geringen Eingriff in die Gartenstruktur.

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Kosten und Aufwand im Vergleich

Betonfundament
Materialkosten: Gering
Installationsaufwand: Hoch (Aushub, Mischen, Aushärtezeit)
Flexibilität: Gering (permanent)

Schraubfundament
Materialkosten: Mittel bis Hoch
Installationsaufwand: Sehr gering (schnelle Eindrehmontage)
Flexibilität: Hoch (rückbaubar)

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Bodenmontage

Muss ich meinen Nachbarn um Erlaubnis fragen?

Eine rechtliche Pflicht zur Zustimmung besteht meist nicht, wenn Sie alle baurechtlichen Vorgaben (insbesondere Abstandsflächen) einhalten. Eine offene Kommunikation im Vorfeld wird jedoch dringend empfohlen, um Missverständnisse zu vermeiden.

Wie viel Fläche benötige ich für eine Anlage im Garten?

Als Faustregel können Sie mit etwa 5 bis 6 Quadratmetern Fläche pro Kilowatt-Peak (kWp) installierter Leistung rechnen. Für eine typische 8-kWp-Anlage für ein Einfamilienhaus benötigen Sie also rund 40 bis 50 Quadratmeter.

Beeinflusst die Anlage im Garten meinen Rasen?

Ja, der Bereich unter den Modulen wird verschattet, weshalb ein Rasen dort nicht mehr gedeihen wird. Sie können die Fläche jedoch mit Schotter, Rindenmulch oder schattenliebenden Bodendeckern gestalten. Manche Nutzer schaffen so auch einen geschützten Lebensraum für Kleintiere.

Ist die Bodenmontage teurer als die Dachmontage?

Die Kosten sind oft vergleichbar. Während das Montagesystem für den Boden (die Aufständerung) teurer sein kann als ein Dachsystem, sind die Installationsarbeiten durch die leichtere Zugänglichkeit oft schneller und somit günstiger.

Gibt es Unterschiede bei der Anmeldung im Vergleich zu Dachanlagen?

Nein, der Prozess der Anmeldung beim Netzbetreiber und die Registrierung im Marktstammdatenregister sind für Boden- und Dachanlagen identisch. Sie unterscheiden sich jedoch von der stark vereinfachten Anmeldung für kleine Balkonkraftwerke.

Fazit: Ihr Weg zur eigenen Solaranlage im Garten

Die Montage einer Photovoltaikanlage im Garten ist eine exzellente Möglichkeit, unabhängiger von steigenden Strompreisen zu werden – gerade dann, wenn Ihr Dach nicht optimal geeignet ist. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in einer sorgfältigen Planung. Klären Sie die baurechtlichen Rahmenbedingungen mit Ihrer Gemeinde und wählen Sie die Fundamentart, die am besten zu Ihrem Boden und Ihrem Projekt passt. Mit diesen Informationen sind Sie bestens gerüstet, um Ihr eigenes kleines Sonnenkraftwerk auf dem Grundstück zu realisieren.

Weitere praxisnahe Informationen zur Auswahl der richtigen Montagesysteme und Komponenten finden Sie direkt auf Photovoltaik.info.

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OLEKSANDR PUSHKAR
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