PV-Anlage mit 2 E-Autos: Eine Beispielrechnung mit Lastmanagement

Der Umstieg auf Elektromobilität ist für viele Haushalte ein logischer Schritt in eine nachhaltigere Zukunft. Doch oft bleibt es nicht bei einem E-Auto. Wird dann auch der Zweitwagen elektrisch, stellt sich eine entscheidende Frage: Wie lassen sich beide Fahrzeuge effizient und kostengünstig mit dem eigenen Solarstrom laden, ohne die heimische Stromversorgung an ihre Grenzen zu bringen? Die Lösung liegt in vorausschauender Planung und einem intelligenten Lastmanagement.
Der Sprung zum zweiten E-Auto: Warum eine einfache Erweiterung oft nicht reicht
Ein einzelnes Elektroauto lässt sich meist noch problemlos in das bestehende Energiesystem eines Hauses integrieren. Kommt jedoch ein zweites Fahrzeug hinzu, verdoppelt sich nicht nur der Ladebedarf – es entsteht auch die Gefahr von Lastspitzen. Wenn beide Autos gleichzeitig, vielleicht noch während der Haushalts-Spitzenlast am Abend, mit jeweils 11 kW laden, benötigt der Haushalt schnell 22 kW Leistung. Ein typischer Hausanschluss ist für solche Dauerlasten nicht ausgelegt.
Die Folge: Im besten Fall springt nur die Sicherung heraus, im schlechtesten Fall wird eine teure und aufwendige Verstärkung des Netzanschlusses nötig. Viel wichtiger ist jedoch: Ohne eine intelligente Steuerung wird der kostbare, selbst erzeugte Solarstrom nicht optimal genutzt. Die Autos würden unkoordiniert Strom aus dem Netz ziehen, anstatt vorrangig dann zu laden, wenn die Sonne scheint.
Praxisbeispiel: Ein Haushalt startet den Ladevorgang für beide E-Autos um 18 Uhr, genau dann, wenn auch gekocht wird und die Waschmaschine läuft. Der Hausanschluss ist überlastet, die Hauptsicherung löst aus. Eine intelligente Steuerung verhindert dieses Szenario zuverlässig.
Das Geheimnis des intelligenten Ladens: Lastmanagement erklärt
Hier kommt das sogenannte Lastmanagement ins Spiel. Man kann es sich als intelligenten Verkehrsregler für den Strom in Ihrem Haus vorstellen. Es sorgt dafür, dass die verfügbare Leistung des Hausanschlusses niemals überschritten wird. Vor allem aber koordiniert es die Verbraucher – insbesondere die Wallboxen – so, dass der Eigenverbrauch Ihres Solarstroms maximiert wird.
Grundsätzlich unterscheidet man zwei Arten:
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Statisches Lastmanagement: Hier wird den Wallboxen eine feste, maximale Ladeleistung zugewiesen, die sie sich teilen müssen (z. B. insgesamt 11 kW). Das ist eine sichere, aber unflexible Lösung, die das Potenzial der PV-Anlage nicht voll ausschöpft.
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Dynamisches Lastmanagement: Dies ist die intelligenteste Lösung. Ein zentraler Energiemanager misst kontinuierlich den Gesamtstromverbrauch des Hauses sowie die aktuelle Erzeugung der PV-Anlage. Das System passt die Ladeleistung der E-Autos in Echtzeit an. Scheint die Sonne stark, laden die Autos mit voller Leistung. Benötigt der Haushalt mehr Strom (z. B. für den Herd), wird die Ladeleistung der Autos automatisch reduziert.
Ein solches System, oft als Teil eines umfassenden Energy Management Systems (EMS), ist das Gehirn Ihrer heimischen Energiewende. Es stellt sicher, dass Ihr selbst erzeugter Strom immer dorthin fließt, wo er den größten Nutzen stiftet.
Beispielrechnung: Eine PV-Anlage für einen 4-Personen-Haushalt mit zwei E-Autos
Um die Vorteile greifbar zu machen, betrachten wir eine typische Familie und berechnen die notwendige Anlagengröße sowie die Wirtschaftlichkeit.
Schritt 1: Ermittlung des Gesamtstrombedarfs
Am Anfang steht die Ermittlung des jährlichen Gesamtbedarfs an elektrischer Energie.
- Haushaltsstrom (4 Personen): ca. 4.500 kWh
- E-Auto 1 (Fahrleistung 15.000 km/Jahr): Bei einem Verbrauch von 20 kWh/100 km sind das 3.000 kWh.
- E-Auto 2 (Fahrleistung 12.000 km/Jahr): Bei gleichem Verbrauch sind das 2.400 kWh.
Jährlicher Gesamtstrombedarf: 4.500 + 3.000 + 2.400 = 9.900 kWh
Schritt 2: Dimensionierung der PV-Anlage und des Speichers
Um diesen hohen Bedarf zu decken und einen hohen Autarkiegrad zu erreichen, muss die PV-Anlage entsprechend groß dimensioniert sein.
- PV-Anlage: Um den Jahresbedarf zu erzeugen und auch an sonnenärmeren Tagen ausreichend Leistung zu haben, empfiehlt sich eine Anlagengröße von etwa 15 kWp. Eine solche Anlage kann in Deutschland je nach Standort und Ausrichtung jährlich rund 15.000 kWh Strom erzeugen.
- Stromspeicher: Ein Batteriespeicher ist entscheidend, um den tagsüber erzeugten Solarstrom für das Laden in den Abend- und Nachtstunden zu speichern. Ein praxisnaher Wert ist hier eine Kapazität von 10 bis 15 kWh. Er ermöglicht es, ein Auto auch über Nacht fast vollständig mit Sonnenstrom zu laden.
Schritt 3: Die richtige Ladeinfrastruktur wählen
Für zwei E-Autos ist eine Ladelösung mit dynamischem Lastmanagement die sinnvollste Wahl. Das System besteht in der Regel aus zwei intelligenten Wallboxen, die mit einem zentralen Energiemanager kommunizieren. Dieser ist wiederum mit der PV-Anlage und dem Stromspeicher verbunden. Ein solches System ist die Voraussetzung für effizientes PV-Überschussladen.
Kostenaspekt: Während zwei einfache Wallboxen vielleicht günstiger in der Anschaffung sind, amortisieren sich die Mehrkosten für ein intelligentes System durch den deutlich höheren Eigenverbrauch des Solarstroms schnell. Die Erfahrung zeigt, dass Haushalte mit dieser Technologie ihren Eigenverbrauchsanteil von 30 % auf über 70 % steigern können.
Schritt 4: Investitionskosten und Amortisation im Überblick
Eine solche Gesamtlösung ist eine Investition, die sich über die Jahre rechnet.
Beispielhafte Investitionskosten:
- PV-Anlage (15 kWp, schlüsselfertig): ca. 22.500 €
- Stromspeicher (12 kWh): ca. 9.000 €
- Ladeinfrastruktur (2 Wallboxen, Energiemanager, Installation): ca. 3.000 €
- Gesamtinvestition: ca. 34.500 €
Jährliche Ersparnis und Einnahmen:
- Angenommener Autarkiegrad: 70 %. Das bedeutet, 70 % des Gesamtbedarfs von 9.900 kWh werden durch eigenen Solarstrom gedeckt.
- Gedeckter Eigenbedarf: 6.930 kWh
- Ersparnis durch vermiedenen Netzbezug: 6.930 kWh x 0,30 €/kWh (angenommener Strompreis) = 2.079 €
- Überschuss-Einspeisung ins Netz: 15.000 kWh (Erzeugung) – 6.930 kWh (Eigenverbrauch) = 8.070 kWh
- Einnahmen durch Einspeisevergütung: 8.070 kWh x 0,08 €/kWh (angenommener Satz) = 645 €
- Gesamtertrag pro Jahr: 2.079 € + 645 € = 2.724 €
Amortisationszeit: 34.500 € / 2.724 €/Jahr ≈ 12,7 Jahre
Nach dieser Zeit liefert die Anlage praktisch kostenlosen Strom für Haus und Mobilität. Angesichts steigender Strompreise kann sich dieser Zeitraum sogar noch verkürzen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Muss ich meinen Hausanschluss verstärken lassen?
In den meisten Fällen ist dies dank eines dynamischen Lastmanagements nicht notwendig. Das System sorgt dafür, dass die maximale Anschlussleistung nie überschritten wird, indem es die Ladeleistung der Fahrzeuge intelligent regelt.
Was ist der Unterschied zwischen statischem und dynamischem Lastmanagement?
Statisches Lastmanagement verteilt eine fest definierte Leistung auf die Fahrzeuge (z.B. immer maximal 11 kW für beide zusammen). Dynamisches Lastmanagement passt die Ladeleistung flexibel und in Echtzeit an die aktuelle PV-Erzeugung und den Hausverbrauch an, um den Eigenverbrauch zu maximieren.
Ist ein Stromspeicher zwingend notwendig?
Zwingend nicht, aber für Haushalte mit zwei E-Autos sehr empfehlenswert. Ohne Speicher kann der Solarstrom nur genutzt werden, wenn die Autos tagsüber zu Hause sind und die Sonne scheint. Ein Speicher ermöglicht das Laden mit Sonnenstrom auch abends und nachts und steigert die Wirtschaftlichkeit der Gesamtanlage erheblich.
Können beide Autos gleichzeitig mit voller Leistung laden?
Das hängt von der verfügbaren Leistung ab. An einem sonnigen Mittag, wenn die PV-Anlage ihre volle Leistung erbringt und im Haus wenig Strom verbraucht wird, ist das durchaus möglich. Das dynamische Lastmanagement sorgt aber jederzeit für eine optimale und sichere Verteilung der verfügbaren Energie.
Fazit: Vorausschauende Planung ist der Schlüssel zum Erfolg
Die Kombination aus einer Photovoltaikanlage und zwei Elektroautos ist ein unschlagbares Team für niedrige Betriebskosten und eine hohe Unabhängigkeit vom öffentlichen Stromnetz. Der Schlüssel zum Erfolg liegt jedoch in der intelligenten Steuerung. Ein dynamisches Lastmanagement ist dabei keine optionale Spielerei, sondern eine essenzielle Komponente, die den sicheren Betrieb gewährleistet und die Wirtschaftlichkeit der gesamten Investition maximiert.
Die Erfahrung aus der Praxis zeigt, dass eine ganzheitliche Planung, die PV-Anlage, Speicher und Ladeinfrastruktur von Anfang an als ein System begreift, die besten Ergebnisse liefert.
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