Arbeitssicherheit bei der PV-Montage: Gerüst und Absturzsicherung erklärt

Die Entscheidung für eine eigene Photovoltaikanlage ist gefallen, die Module sind ausgewählt und die Vorfreude auf den ersten selbst erzeugten Strom wächst. Doch bevor die Anlage saubere Energie liefert, steht noch ein entscheidender Schritt an: die Montage. Während sich viele zukünftige Anlagenbetreiber auf Technik und Wirtschaftlichkeit konzentrieren, gerät ein Aspekt oft aus dem Blickfeld, der für einen reibungslosen Ablauf unerlässlich ist: die Arbeitssicherheit. Eine professionelle Installation erkennt man nicht nur am sauberen Ergebnis, sondern vor allem am sicheren Weg dorthin.
In diesem Beitrag erfahren Sie, warum ein Gerüst bei den meisten Dachinstallationen unverzichtbar ist, welche Vorschriften gelten und wie Sie als Bauherr dafür sorgen, dass Ihr Projekt von Anfang an auf einem sicheren Fundament steht.
Warum Arbeitssicherheit bei der Photovoltaik-Montage entscheidend ist
Die Installation einer PV-Anlage auf dem Dach wird gesetzlich als „Bauarbeit“ eingestuft. Damit unterliegt sie strengen Vorschriften, insbesondere der DGUV Vorschrift 38 „Bauarbeiten“. Diese Regelungen dienen dem Schutz der Monteure und gewährleisten, dass alle Arbeiten unter kontrollierten Bedingungen stattfinden.
Die zentrale Regel besagt, dass ab einer Absturzhöhe von 2 Metern zwingend Maßnahmen zur Absturzsicherung erforderlich sind. Bei den meisten Einfamilienhäusern ist diese Höhe bereits an der Dachtraufe erreicht. Ein professioneller Fachbetrieb plant die Sicherheitsvorkehrungen daher als festen Bestandteil des Projekts ein und betrachtet sie nicht als optionale Zusatzleistung.
Gesetzliche Grundlagen: Die Hierarchie der Schutzmaßnahmen
Das Arbeitsschutzgesetz schreibt eine klare Rangfolge der Schutzmaßnahmen vor – das sogenannte TOP-Prinzip: Technische vor Organisatorischen vor Persönlichen Schutzmaßnahmen.
- Technische Maßnahmen (Absturzsicherungen): Die sicherste Lösung ist, einen Absturz von vornherein technisch unmöglich zu machen. Dazu zählen Seitenschutzvorrichtungen wie Gerüste oder Dachschutzwände. Sie bilden eine physische Barriere und sind deshalb immer die erste Wahl.
- Organisatorische Maßnahmen: Darunter fallen beispielsweise die Abgrenzung von Gefahrenbereichen oder die Erstellung spezieller Arbeitsanweisungen.
- Persönliche Maßnahmen (Auffangeinrichtungen): Die Nutzung von Persönlicher Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA), also Anseilschutz, ist die letzte Option, wenn technische Lösungen nicht umsetzbar sind.
Die Erfahrung zeigt, dass für die vollflächige Montage von Solarmodulen auf geneigten Dächern ein Fassadengerüst die mit Abstand sicherste und effizienteste Lösung ist.
Das Gerüst: Die erste Wahl für sichere Dacharbeiten
Ein fachgerecht aufgebautes Gerüst schützt nicht nur die Monteure vor Stürzen, sondern erleichtert auch die Arbeit erheblich. Material lässt sich sicher auf die Arbeitsebene heben und Werkzeug ablegen, was die Qualität und Geschwindigkeit der Montage steigert.
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Ab 1.299,00 €Anforderungen an ein vorschriftsmäßiges Gerüst
Nicht jedes Gerüst ist für die PV-Montage geeignet. Die Vorschriften stellen hier klare Anforderungen, um einen sicheren Arbeitsplatz zu gewährleisten:
- Vollständiger Seitenschutz: Das Gerüst muss einen dreiteiligen Seitenschutz aufweisen, bestehend aus Geländerholm (ca. 1 Meter Höhe), Zwischenholm (auf halber Höhe) und einem Bordbrett am Boden, das das Herabfallen von Werkzeug verhindert.
- Ausreichende Breite: Die Gerüstfläche, auf der gearbeitet wird, muss mindestens 60 cm breit sein.
- Geringer Abstand zum Dach: Der horizontale Abstand zwischen der Dachkante und dem Gerüstbelag darf maximal 30 cm betragen, um ein Durchrutschen zu verhindern.
- Korrekte Höhe: Das Gerüst muss so hoch aufgebaut sein, dass die Monteure alle Bereiche des Daches sicher erreichen können, ohne sich überstrecken zu müssen.
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Typisches Praxisbeispiel: Installation auf einem Einfamilienhaus
Stellen Sie sich ein typisches Einfamilienhaus mit einem Satteldach und einer Traufhöhe von 5 Metern vor. Bei der Montage einer 10-kWp-Anlage müssen die Installateure die gesamte Dachfläche sicher begehen können. Dafür wird ein vorschriftsmäßiges Gerüst entlang der gesamten Traufseite aufgebaut. Es bietet den Monteuren eine sichere Standfläche und verhindert zuverlässig einen Absturz. Das gesamte Material, von den Modulen bis zu den Dachhaken, lässt sich so effizient und sicher nach oben transportieren.
Alternativen zum Gerüst: Wann sind andere Lösungen sinnvoll?
Obwohl ein Gerüst oft die beste Lösung ist, gibt es Situationen, in denen alternative oder ergänzende Sicherungsmaßnahmen zum Einsatz kommen.
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8.599,00 €Dachschutzwände als flexible Option
Dachschutzwände sind spezielle Gitter, die direkt an der Dachtraufe montiert werden und als Seitenschutz dienen. Sie sind eine praktikable Alternative, wenn beispielsweise nur ein kleiner Teil des Daches bearbeitet wird oder der Untergrund den Aufbau eines kompletten Gerüsts nicht zulässt. Eine sorgfältige Planung und fachgerechte Ausführung sind hierbei entscheidend.
Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA)
Manchmal sieht man Monteure, die nur mit einem Gurt und Seil auf dem Dach arbeiten. Diese Form der Sicherung ist, wie bereits erwähnt, die letzte Wahl und an hohe Hürden geknüpft. Die Nutzung von PSAgA erfordert:
- Nachweisliche Qualifikation: Die Monteure müssen speziell für den Umgang mit Anseilschutz geschult sein.
- Feste Anschlagpunkte: Es müssen geprüfte und fest im Dachstuhl verankerte Anschlagpunkte vorhanden sein.
- Ein Rettungskonzept: Der Betrieb muss einen detaillierten Plan vorlegen, wie ein im Seil hängender Monteur innerhalb kürzester Zeit gerettet werden kann.
Aufgrund dieser Komplexität ist die PSAgA für die flächige PV-Montage meist unpraktikabel und weniger sicher als ein Gerüst.
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Die Rolle des Bauherrn: Ihre Verantwortung bei der PV-Installation
Als Auftraggeber (Bauherr) tragen Sie eine Mitverantwortung für die Sicherheit auf Ihrer Baustelle. Zwar delegieren Sie die Ausführung an einen Fachbetrieb, doch bei dessen Auswahl haben Sie eine Sorgfaltspflicht. Vergewissern Sie sich, dass der von Ihnen beauftragte Installateur die notwendige Qualifikation besitzt und ein schlüssiges Sicherheitskonzept vorweisen kann.
Ein Indiz für Professionalität ist, wenn der Anbieter das Thema Sicherheit von sich aus anspricht und die Kosten für ein Gerüst transparent im Angebot ausweist. Fragen Sie aktiv nach, wie die Absturzsicherung geplant ist. Wenn ein Anbieter vorschlägt, auf das Gerüst zu verzichten, um Kosten zu sparen, ist das ein deutliches Warnsignal. Seriöse Fachbetriebe gehen bei der Sicherheit keine Kompromisse ein – achten Sie auf solche Details, um [seriöse PV-Anbieter erkennen: Checkliste für Ihre Sicherheit | Photovoltaik.info].
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Sicherheit bei der PV-Montage
Muss für jede PV-Montage ein Gerüst gestellt werden?
In der Regel ja. Sobald die Absturzhöhe mehr als 2 Meter beträgt, was bei fast allen Dächern der Fall ist, sind Absturzsicherungen vorgeschrieben. Ein Gerüst ist hierbei die gängigste und sicherste Methode. Ausnahmen gelten nur für sehr flache Dächer oder Arbeiten mit ausreichend Abstand zur Dachkante (mehr als 2 Meter).
Wer ist für die Sicherheit auf der Baustelle verantwortlich?
Die unmittelbare Verantwortung für die Umsetzung der Sicherheitsmaßnahmen liegt beim ausführenden Unternehmen. Als Bauherr haben Sie jedoch die Pflicht, einen geeigneten und qualifizierten Betrieb auszuwählen, der nachweislich sicher arbeitet.
Wie erkenne ich, ob ein Installationsbetrieb sicher arbeitet?
Ein seriöser Betrieb spricht das Thema Sicherheit proaktiv an, führt ein Gerüst im Angebot auf und begründet dessen Notwendigkeit. Achten Sie auch darauf, dass die Monteure vor Ort die passende Schutzausrüstung (Helm, Sicherheitsschuhe) tragen und die Baustelle einen aufgeräumten, organisierten Eindruck macht.
Was kostet ein Gerüst für eine PV-Anlage?
Die Kosten für ein Gerüst werden meist pro Quadratmeter Gerüstfläche und Standwoche berechnet. Als Faustregel können Sie für ein typisches Einfamilienhaus mit 8 bis 15 Euro pro Quadratmeter Gerüstfläche rechnen. Diese Investition ist ein unverzichtbarer Teil der Gesamtkosten für eine sichere und professionelle [Photovoltaik installieren: Kosten, Dauer und Ablauf im Überblick | Photovoltaik.info].
Kann ich die PV-Anlage selbst installieren, um Gerüstkosten zu sparen?
Davon ist dringend abzuraten. Neben der offensichtlichen Absturzgefahr erfordert die Installation elektrotechnisches Fachwissen. Fehler können nicht nur zu Bränden oder Stromschlägen führen, sondern auch zum Erlöschen von Garantie- und Versicherungsansprüchen.
Fazit: Sicherheit ist kein Kompromiss, sondern ein Qualitätsmerkmal
Die Investition in die Arbeitssicherheit bei der PV-Montage ist mehr als nur die Einhaltung von Vorschriften – sie ist ein klares Zeichen für die Professionalität und Sorgfalt Ihres Installationspartners. Ein Betrieb, der beim Gerüst spart, spart wahrscheinlich auch an anderer Stelle. Ein fachgerechtes Gerüst schützt nicht nur Leben und Gesundheit der Monteure, sondern sichert auch die Qualität und den reibungslosen Ablauf Ihres Projekts. Achten Sie bei der Wahl Ihres Anbieters daher bewusst auf ein lückenloses Sicherheitskonzept – für eine Anlage, die nicht nur saubere Energie liefert, sondern auch sauber und sicher installiert wurde.
Weitere praxisnahe Informationen zur Auswahl der richtigen Komponenten und zur Planung Ihrer Anlage finden Sie direkt auf Photovoltaik.info.



