Angebotslücken bei PV-Anlagen: Sind Blitzschutz & Co. wirklich inklusive?

Sie halten das erste Angebot für Ihre Photovoltaikanlage in den Händen – ein wichtiger Schritt in Richtung Unabhängigkeit und niedrigerer Stromkosten. Die zentralen Komponenten wie Solarmodule, Wechselrichter und vielleicht sogar ein Stromspeicher sind prominent aufgeführt. Doch der Teufel steckt oft im Detail. Essenzielle Nebenarbeiten, die für die Sicherheit und Langlebigkeit Ihrer Anlage entscheidend sind, fehlen in manchen Angeboten oder sind nur vage formuliert – was später zu unerwarteten Kosten und Risiken führen kann.

Warum die „versteckten“ Details den Unterschied machen

Ein transparentes und vollständiges Angebot ist das Fundament einer erfolgreichen Installation. Die Erfahrung aus hunderten von Projekten zeigt, dass gerade die unscheinbaren Posten wie Blitzschutz, Potentialausgleich und eine professionelle Dacheinführung über die Qualität und Sicherheit der gesamten Anlage entscheiden. Fehlen diese Punkte, vergleichen Sie möglicherweise Äpfel mit Birnen – ein vordergründig günstiges Angebot kann sich durch teure Nachforderungen schnell als Kostenfalle entpuppen.

Studien und Auswertungen von Branchenverbänden deuten darauf hin, dass in fast einem Drittel der ersten Angebote für private PV-Anlagen wichtige, sicherheitsrelevante Nebenarbeiten nicht explizit aufgeführt werden. Die Folge sind Verunsicherung und im schlimmsten Fall Mängel bei der Installation.

Der Blitzschutz: Mehr als nur ein Draht vom Dach

Bei diesem Thema herrscht oft Verwirrung. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen dem äußeren und dem inneren Blitzschutz.

  • Äußerer Blitzschutz: Der äußere Blitzschutz, die klassische Blitzableiteranlage, leitet einen direkten Blitzeinschlag sicher in die Erde ab. Für private Wohnhäuser ist sie nicht generell vorgeschrieben, es sei denn, es ist bereits ein Blitzableiter vorhanden.
  • Innerer Blitzschutz (Überspannungsschutz): Er schützt Ihre elektrischen Geräte – vom Wechselrichter bis zum Fernseher – vor Schäden durch Überspannungen, die auch bei Blitzeinschlägen in der Nachbarschaft entstehen können. Ein Überspannungsschutz auf der Gleichstrom- (DC) und Wechselstromseite (AC) ist heute Standard und für die Sicherheit Ihrer Anlage unerlässlich.

Praxisbeispiel: Ihr Haus verfügt bereits über einen Blitzableiter. In diesem Fall muss die PV-Anlage fachgerecht in dieses Schutzsystem integriert werden. Dafür ist ein sogenannter Trennungsabstand einzuhalten – was oft zusätzliche Montagekomponenten erfordert. Ist dieser Punkt im Angebot nicht enthalten, müssen Sie mit erheblichen Zusatzkosten für die Anpassung durch eine Blitzschutz-Fachkraft rechnen.

Ein fehlender oder unzureichender Überspannungsschutz kann im Schadensfall nicht nur den Wechselrichter zerstören, sondern auch die Garantieansprüche gefährden.

Der Potentialausgleich: Unsichtbare Sicherheit für Ihre Anlage

Alle metallischen, leitfähigen Teile Ihrer Photovoltaikanlage – also die Modulrahmen und das Montagesystem – müssen miteinander verbunden und an die Haupterdungsschiene Ihres Hauses angeschlossen werden. Diesen Vorgang nennt man Potentialausgleich. Er stellt sicher, dass im Falle eines elektrischen Defekts keine gefährliche Berührungsspannung entstehen kann.

Diese Maßnahme ist keine Option, sondern eine zwingende Sicherheitsvorschrift nach den geltenden VDE-Normen. Ein seriöser Installateur wird diesen Punkt immer als festen Bestandteil der Montage umsetzen. Dennoch lohnt sich ein prüfender Blick, ob er auch im Angebot explizit erwähnt wird.

Praxisbeispiel: Stellen Sie sich vor, durch eine beschädigte Kabelisolierung liegt Spannung am Montagesystem an. Ohne einen funktionierenden Potentialausgleich könnte eine Person, die das Gestell berührt, einen lebensgefährlichen Stromschlag bekommen. Der Potentialausgleich leitet diese Fehlerströme sicher ab und sorgt für das Auslösen der Sicherung.

Die Dacheinführung: Das kritische Nadelöhr zur Dichtheit

Die Solarkabel müssen vom Dach ins Innere des Hauses geführt werden, um den Wechselrichter zu erreichen. Diese Durchführung durch die Dachhaut ist ein extrem kritischer Punkt. Eine unsachgemäße Abdichtung kann über Jahre unbemerkt zu Feuchtigkeitsschäden im Dachstuhl, Schimmelbildung und einer Beeinträchtigung der Dämmung führen.

Es gibt verschiedene professionelle Lösungen wie spezielle Solar-Dachdurchführungsziegel oder Klebemanschetten, die eine dauerhaft dichte Verbindung mit der Dacheindeckung und der darunterliegenden Dichtungsbahn sicherstellen.

Praxisbeispiel: Ein Anlagenbesitzer bemerkt drei Jahre nach der Installation feuchte Flecken an der Decke des Dachgeschosses. Die Ursache: Der Installateur hatte die Kabel lediglich durch ein gebohrtes Loch geführt und dieses notdürftig mit Silikon abgedichtet. Die Sanierung des Wasserschadens war am Ende teurer als die Ersparnis durch das vermeintlich günstige Angebot.

Achten Sie darauf, dass im Angebot genau spezifiziert ist, wie die Dacheinführung erfolgt und dass eine langfristige Dichtheitsgarantie Teil der Leistung ist.

Ihre Checkliste: So prüfen Sie PV-Angebote auf Vollständigkeit

Nutzen Sie diese Checkliste, um Angebote gezielt zu vergleichen und bei Unklarheiten die richtigen Fragen zu stellen. Ein seriöser Anbieter wird Ihnen diese Punkte transparent beantworten können.

Blitz- und Überspannungsschutz

  • Ist ein Überspannungsschutz (mindestens Typ 2) für die DC-Seite (zwischen Modulen und Wechselrichter) und die AC-Seite (zwischen Wechselrichter und Hausnetz) explizit aufgeführt und im Preis enthalten?
  • Falls ein äußerer Blitzschutz am Gebäude vorhanden ist: Ist die fachgerechte Einbindung der PV-Anlage in das Blitzschutzsystem im Angebot berücksichtigt?
  • Wird die Notwendigkeit eines äußeren Blitzschutzes geprüft und werden Sie dazu beraten?

Potentialausgleich

  • Wird der Potentialausgleich (Erdung) des Montagesystems und der Modulrahmen explizit erwähnt?
  • Ist der Anschluss an die Haupterdungsschiene (HES) des Gebäudes Teil der Elektroinstallation?

Dacheinführung und Kabelverlegung

  • Ist die Art der Dacheinführung (z. B. spezieller Dachziegel, Klebemanschette) klar benannt?
  • Wird eine dauerhafte und fachgerechte Abdichtung der Dacheinführung garantiert?
  • Umfasst das Angebot die komplette Kabelverlegung von den Modulen bis zum Zählerschrank, inklusive aller notwendigen Wanddurchbrüche und deren Versiegelung?

Weitere oft übersehene Posten

  • Gerüst: Ist das notwendige Gerüst im Festpreis enthalten oder wird es separat nach Aufwand berechnet?
  • Anmeldungen: Werden die Anmeldung beim Netzbetreiber und die Registrierung im Marktstammdatenregister vom Anbieter übernommen und sind diese Leistungen inklusive?
  • Zählerschrankumbau: Falls notwendig, sind die Kosten für die Anpassung oder den Austausch des Zählerschranks klar ausgewiesen? Das ist ein häufiger und oft erheblicher Zusatzkostenpunkt bei der Planung Ihrer PV-Anlage.
  • Entsorgung und Reinigung: Ist die Entsorgung des Verpackungsmaterials und die Endreinigung der Baustelle im Preis inbegriffen?

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Muss jede PV-Anlage einen externen Blitzableiter haben?

Nein, eine externe Blitzschutzanlage ist für private Einfamilienhäuser in den meisten Bundesländern nicht gesetzlich vorgeschrieben, solange nicht besondere Umstände (z. B. exponierte Lage, Reetdach) vorliegen. Ein interner Überspannungsschutz gilt jedoch als Mindeststandard für eine fachgerechte Installation und schützt Ihre Investition.

Was passiert, wenn diese Nebenarbeiten nicht korrekt ausgeführt werden?

Die Folgen reichen von direkten Sicherheitsrisiken (Stromschlag, Brandgefahr) über teure Folgeschäden (Wasserschaden am Dach) bis hin zum Verlust von Garantieansprüchen oder sogar des Versicherungsschutzes im Schadensfall.

Warum sind diese Punkte nicht immer im ersten Angebot enthalten?

Einige Anbieter versuchen, den anfänglichen Angebotspreis so niedrig wie möglich zu halten, um im Wettbewerb attraktiver zu wirken. Die Kosten für notwendige Nebenarbeiten werden dann später als „unvorhergesehene Zusatzleistungen“ nachberechnet. Ein transparentes Angebot listet von Anfang an alle notwendigen Leistungen auf, auch wenn der Gesamtpreis dadurch zunächst höher erscheint.

Fazit: Ein vollständiges Angebot ist ein sicheres Angebot

Die Entscheidung für eine Photovoltaikanlage ist eine langfristige Investition in Ihre Energiezukunft. Lassen Sie sich nicht von einem auf den ersten Blick günstigen Preis blenden. Ein qualitativ hochwertiges Angebot zeichnet sich durch Vollständigkeit und Transparenz aus. Indem Sie auf die hier genannten Details achten und gezielt nachfragen, stellen Sie sicher, dass Ihre Anlage nicht nur effizient, sondern vor allem sicher und langlebig ist.

Sie schützen damit nicht nur Ihr Zuhause und Ihre Investition, sondern sorgen auch für einen reibungslosen Ablauf des Projekts ohne unerwartete finanzielle Überraschungen.

Im Shop von Photovoltaik.info finden Sie Komplettsets, die auf typische Anlagengrößen abgestimmt sind und bei denen alle notwendigen Sicherheitskomponenten bereits berücksichtigt werden.

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OLEKSANDR PUSHKAR
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