Alternative Komponenten: Wenn nach dem Kauf plötzlich andere Teile geliefert werden

Stellen Sie sich vor: Sie haben wochenlang Angebote verglichen, sich für hochwertige Solarmodule einer bestimmten Marke entschieden und den Vertrag für Ihre neue Photovoltaikanlage unterschrieben. Doch kurz vor der Installation meldet sich der Anbieter: Die vereinbarten Module sind nicht lieferbar, er könne Ihnen aber ein „gleichwertiges“ Alternativprodukt anbieten. Diese Situation kommt leider immer wieder vor und verunsichert viele zukünftige Anlagenbetreiber.

Dieser Beitrag erklärt, warum es zu solchen Austausch-Angeboten kommt, welche Rechte Sie als Kunde haben und wie Sie objektiv bewerten können, ob eine angebotene Alternative wirklich gleichwertig ist. Damit schützen Sie Ihre Investition und stellen sicher, dass Sie am Ende auch die Leistung erhalten, für die Sie bezahlt haben.

Warum werden Komponenten nach Vertragsabschluss getauscht?

Der Austausch von Solarmodulen oder Wechselrichtern ist nicht immer eine böswillige Taktik, sondern oft eine Folge der angespannten Marktlage. Dennoch ist für Sie als Kunde Vorsicht geboten.

Die Hauptgründe für den Austausch sind:

  • Lieferengpässe: Die globale Nachfrage nach PV-Komponenten ist enorm. Das belegt auch eine Umfrage von EUPD Research (Q4/2023) unter deutschen Installateuren: 42 % von ihnen sehen Engpässe bei Wechselrichtern und 31 % bei Solarmodulen als eine ihrer größten Herausforderungen.
  • Abhängigkeit von wenigen Herstellern: Wie die Internationale Energieagentur (IEA) in ihrem „Renewables 2023“-Report bestätigt, konzentriert sich die Produktion von Solarkomponenten stark auf wenige Länder, insbesondere China. Das macht die gesamte Lieferkette anfällig für Störungen, was sich direkt auf die Verfügbarkeit in Deutschland auswirkt.
  • Veraltete Angebote: Manchmal bieten Installateure Komponenten an, die zum Zeitpunkt der Angebotserstellung verfügbar waren, bei Vertragsabschluss Wochen später aber bereits durch Nachfolgemodelle ersetzt oder vom Markt genommen wurden.

Auch wenn die Gründe oft nachvollziehbar sind, liegt das Risiko nicht allein bei Ihnen. Entscheidend ist, was in Ihrem Vertrag steht und wie Sie auf ein Änderungsangebot reagieren.

Ihr bester Schutz: Der Vertrag und die richtige Klausel

Der Schlüssel zu Ihrer Absicherung liegt im Vertrag selbst. Hier gibt es einen wichtigen rechtlichen Unterschied, der über den Spielraum des Anbieters entscheidet.

Stückschuld vs. Gattungsschuld: Was im Vertrag stehen sollte

Im deutschen Vertragsrecht (§ 243 BGB) wird zwischen „Stückschuld“ und „Gattungsschuld“ unterschieden. Das klingt kompliziert, ist aber einfach zu verstehen:

  • Stückschuld: Hier wird ein ganz konkreter Gegenstand geschuldet. Im Vertrag steht zum Beispiel: „25 x Solarmodul Meyer Burger Black 395 Wp“. Der Anbieter muss exakt dieses Modul liefern. Kann er das nicht, liegt eine Nichterfüllung vor.
  • Gattungsschuld: Hier wird nur eine Art von Gegenstand geschuldet. Im Vertrag steht beispielsweise: „25 x Solarmodul mit 400 Wp Leistung“. Hier kann der Anbieter jedes Modul liefern, das dieser Beschreibung entspricht und von „gleicher Art und Güte“ ist.

Unsere Erfahrung zeigt: Bestehen Sie immer darauf, dass die exakten Hersteller- und Modellbezeichnungen aller Hauptkomponenten (Module, Wechselrichter, ggf. Speicher) im Vertrag festgehalten sind. Vage Formulierungen wie „oder ein gleichwertiges Produkt“ sollten Sie skeptisch machen.

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Die Klausel „oder ein gleichwertiges Produkt“

Viele Verträge enthalten eine Klausel, die dem Anbieter den Austausch gegen ein „gleichwertiges“ Produkt erlaubt. Die Verbraucherzentrale rät hier zur Vorsicht. Lässt sich eine solche Klausel nicht vermeiden, sollten Sie darauf bestehen, dass die Kriterien für die Gleichwertigkeit direkt im Vertrag definiert werden.

Sinnvolle Kriterien zur Definition von Gleichwertigkeit sind:

  • Mindestens die gleiche Nennleistung (in Wp)
  • Mindestens die gleiche Produkt- und Leistungsgarantie (in Jahren)
  • Dieselbe oder eine modernere Zelltechnologie (z. B. TOPCon statt PERC)
  • Vergleichbare Qualitätszertifikate (z. B. TÜV Rheinland)
  • Ähnliche optische Eigenschaften (z. B. „Full Black“, wenn vereinbart)

Wenn Sie solche Angebote für PV-Anlagen prüfen, achten Sie genau auf diese Formulierungen. Ein seriöser Anbieter wird kein Problem damit haben, die Komponenten präzise zu benennen.

So bewerten Sie alternative Komponenten wie ein Profi

Wenn Ihnen ein Austausch angeboten wird, müssen Sie nicht blind vertrauen. Bitten Sie um die technischen Datenblätter für beide Produkte, also für das ursprünglich vereinbarte und das neue. Vergleichen Sie dann systematisch die folgenden Punkte.

Vergleich von Solarmodulen

Die wichtigsten Kennzahlen für den Vergleich von gängigen Solarmodulen sind die folgenden:

Nennleistung (Wp): Dies ist die Standardleistung unter Testbedingungen. Die Alternative sollte mindestens die gleiche oder eine höhere Nennleistung haben.

Wirkungsgrad (%): Gibt an, wie viel Sonnenlicht in Strom umgewandelt wird. Ein höherer Wirkungsgrad ist immer besser, besonders bei begrenzter Dachfläche.

Technologie: Achten Sie auf moderne Technologien wie TOPCon oder HJT, die oft eine bessere Leistung bei Schwachlicht und eine geringere Degradation bieten als ältere PERC-Module.

Garantien: Vergleichen Sie die Produktgarantie (deckt Materialfehler ab, meist 12-25 Jahre) und die Leistungsgarantie (garantiert eine Mindestleistung nach 25-30 Jahren, meist >85 %). Beide sollten mindestens gleichwertig sein.

Temperaturkoeffizient: Gibt an, wie stark die Leistung bei Erwärmung sinkt. Ein kleinerer (näher an Null) Wert ist besser, da Module im Sommer heiß werden.

Zertifikate: Prüfen Sie, ob das Alternativmodul ebenfalls relevante Zertifikate (z. B. TÜV, IEC) besitzt, die Qualität und Sicherheit belegen.

Ein wichtiger Aspekt ist das Alter der Technologie. Marktanalysen zeigen, dass sich die Effizienz von Mainstream-Modulen jährlich um ca. 0,2 bis 0,5 Prozentpunkte verbessert. Ein Modul, das nur ein Jahr älter ist, kann technisch bereits spürbar unterlegen sein.

Vergleich von Wechselrichtern

Der Wechselrichter ist das Herzstück Ihrer Anlage. Hier ist ein Downgrade besonders kritisch. Achten Sie darauf, den passenden Wechselrichter für Ihre Anlage zu bekommen.

Maximale DC-Leistung (W): Muss zur Gesamtleistung Ihrer Solarmodule passen. Die Alternative muss für die geplante Anlagengröße ausgelegt sein.

Wirkungsgrad (%): Der europäische Wirkungsgrad ist praxisnäher als der maximale Wirkungsgrad. Er sollte mindestens dem des ursprünglichen Geräts entsprechen.

MPP-Tracker: Die Anzahl der MPP-Tracker ist entscheidend für Dächer mit unterschiedlichen Ausrichtungen oder Teilverschattung. Eine Reduzierung ist fast immer ein Nachteil.

Garantie: Die Standardgarantie für Wechselrichter beträgt oft nur 5 Jahre. Eine längere Garantie (10 Jahre oder mehr) ist ein erheblicher Mehrwert.

Funktionen: Prüfen Sie, ob wichtige Funktionen wie Notstromfähigkeit, Schnittstellen für Smart-Home-Systeme oder ein integriertes Monitoring-System auch bei der Alternative vorhanden sind.

Lautstärke (dB): Falls der Wechselrichter im Wohnbereich (z. B. Hauswirtschaftsraum) installiert wird, ist eine geringe Betriebslautstärke wichtig.

Nehmen Sie sich Zeit für diesen Vergleich. Ein seriöser Installateur wird Ihnen die notwendigen Unterlagen zur Verfügung stellen und Ihre Fragen geduldig beantworten.

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FAQ – Häufig gestellte Fragen

Hier beantworten wir die häufigsten Fragen, die im Zusammenhang mit dem Austausch von Komponenten aufkommen.

Was kann ich tun, wenn der Installateur auf dem Austausch besteht?
Wenn Ihr Vertrag die Komponenten genau spezifiziert (Stückschuld), haben Sie ein Recht auf Lieferung genau dieser Teile. Ist dies nicht möglich, können Sie theoretisch vom Vertrag zurücktreten. In der Praxis ist es oft sinnvoller, eine Einigung zu suchen. Ist das Ersatzprodukt objektiv minderwertig, können Sie eine Preisminderung verhandeln.

Ist ein neueres Modell immer besser?
In der Regel ja. Die Technologie entwickelt sich schnell weiter, und neuere Modelle bieten oft einen höheren Wirkungsgrad oder bessere Garantien. Wenn Ihnen also ein Nachfolgemodell angeboten wird, ist das meist ein gutes Geschäft. Prüfen Sie aber auch hier das Datenblatt.

Kann ich eine vorgeschlagene Alternative ablehnen?
Ja. Wenn Sie mit dem angebotenen Ersatz nicht einverstanden sind, müssen Sie ihn nicht akzeptieren. Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Anbieter und verweisen Sie auf die vertraglichen Vereinbarungen. Eine gemeinsame Lösung ist meist im Interesse beider Seiten.

Was bedeutet „gleicher Art und Güte“ rechtlich genau?
Dieser Begriff ist nicht exakt definiert und bietet Interpretationsspielraum. Er bedeutet im Kern, dass das Ersatzprodukt dieselben wesentlichen Merkmale und eine vergleichbare Qualität aufweisen muss. Um Streitigkeiten zu vermeiden, ist es umso wichtiger, die Kriterien für Gleichwertigkeit – wie oben beschrieben – vertraglich festzuhalten.

Fazit: Wissen schützt vor Nachteilen

Der Austausch von Komponenten nach Vertragsabschluss ist im aktuellen Marktumfeld eine echte Herausforderung. Als gut informierter Kunde sind Sie jedoch nicht machtlos. Der entscheidende Schutzfaktor ist ein präziser Vertrag, der Hersteller und Modellbezeichnungen klar festhält.

Sollte es dennoch zu einem Austausch kommen, bewahren Sie Ruhe und fordern Sie die technischen Datenblätter an. Ein systematischer Vergleich der Kennzahlen von Modulen und Wechselrichtern versetzt Sie in die Lage, die Qualität der Alternative objektiv zu beurteilen und eine fundierte Entscheidung zu treffen. So stellen Sie sicher, dass Ihre Photovoltaikanlage die Leistung, Langlebigkeit und Qualität liefert, die Sie erwarten – und für die Sie bezahlt haben.

Weitere praxisnahe Informationen zur Auswahl der richtigen Komponenten und zur Bewertung von Angeboten finden Sie direkt auf Photovoltaik.info. So starten Sie bestens vorbereitet in Ihr Solarprojekt.

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OLEKSANDR PUSHKAR
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