Überspannungsschutz auf der AC-Seite: Was der Elektriker für Ihre PV-Anlage installiert

Wussten Sie, dass ein Blitzeinschlag in bis zu sechs Kilometern Entfernung ausreichen kann, um empfindliche Elektronik in Ihrem Haus zu beschädigen? Viele Hausbesitzer denken bei Blitzschutz nur an einen direkten Treffer.
Die wahre Gefahr für eine Photovoltaikanlage und die angeschlossenen Geräte geht jedoch oft von Überspannungen aus, die über das Stromnetz ins Haus gelangen. Genau hier setzt der AC-seitige Überspannungsschutz an: eine unscheinbare, aber entscheidende Komponente, die Ihr Elektriker im Zählerschrank installiert.
Wir erklären, warum dieser Schutz unverzichtbar ist und welche Technik dahintersteckt.
Inhaltsverzeichnis
Warum ist ein Überspannungsschutz auf der AC-Seite unverzichtbar?
Die „AC-Seite“ bezeichnet den Teil Ihrer elektrischen Anlage, der mit dem Wechselstromnetz (AC = Alternating Current) verbunden ist. Das umfasst den Weg vom Wechselrichter über den Zählerschrank bis hin zu jeder Steckdose in Ihrem Haus. Eine Überspannung auf dieser Seite gefährdet also nicht nur den teuren Wechselrichter, sondern auch alle anderen Elektrogeräte in Ihrem Haushalt.
Seit der Einführung der Anwendungsregel VDE-AR-N 4100 im Jahr 2018 ist ein Überspannungsschutz für neu errichtete Photovoltaikanlagen verbindlich vorgeschrieben. Diese Maßnahme dient nicht nur dem Schutz Ihrer Investition, sondern ist auch eine Voraussetzung für den Versicherungsschutz.
Viele Versicherer fordern die Einhaltung der Normen DIN VDE 0100-443 und -534. Ohne einen nachweislich installierten Schutz kann der Versicherer im Schadensfall die Leistung verweigern. Eine umfassende Photovoltaik-Versicherung deckt zwar viele Risiken ab, setzt aber eine fachgerechte Installation voraus.
Praxisbeispiel: Stellen Sie sich einen Sommersturm vor. Ein Blitz schlägt in eine nahegelegene Überlandleitung ein. Die dabei entstehende Energiewelle breitet sich über das Stromnetz aus und erreicht Ihr Haus. Ohne AC-Schutz kann diese Überspannung den Wechselrichter Ihrer PV-Anlage zerstören und sich weiter im Hausnetz ausbreiten. Die Folge: Fernseher, Computer und sogar die Heizungssteuerung können irreparabel beschädigt werden.
Die verschiedenen Arten des Überspannungsschutzes (SPD)

Die zentrale Komponente ist der sogenannte Überspannungsschutzableiter, kurz SPD (Surge Protective Device). Stellen Sie sich seine Funktion wie ein extrem schnelles Sicherheitsventil vor: Normalerweise ist er passiv, doch bei einer plötzlichen Spannungsspitze öffnet er für den Bruchteil einer Sekunde einen Weg zur Erde und leitet die schädliche Energie ab, bevor sie Ihre Geräte erreicht.
SPD Typ 1: Der Grobschutz (Kombiableiter)
Einen SPD des Typs 1 benötigen Sie, wenn Ihr Gebäude über eine äußere Blitzschutzanlage (einen Blitzableiter auf dem Dach) verfügt. Er wird auch als Blitzstromableiter bezeichnet und ist für die gewaltigen Energiemengen eines direkten Blitzeinschlags ausgelegt. In der Praxis kommen dafür meist sogenannte Kombiableiter (Typ 1+2) zum Einsatz, die sowohl den Grob- als auch den Mittelschutz abdecken.
Anwendungssituation: Ein landwirtschaftlicher Betrieb mit einer großen Scheune, auf deren Dach eine PV-Anlage installiert ist, hat vorschriftsmäßig einen äußeren Blitzschutz. Hier muss der Elektriker zwingend einen Kombiableiter vom Typ 1+2 installieren, um die Anlage und das Gebäude bei einem direkten Einschlag zu schützen.
SPD Typ 2: Der Mittelschutz
Für die allermeisten Einfamilienhäuser ohne äußere Blitzschutzanlage ist der SPD Typ 2 die richtige und vorgeschriebene Wahl. Er schützt wirksam vor indirekten Blitzeinschlägen in der Umgebung und vor Überspannungen, die durch Schalthandlungen im öffentlichen Stromnetz entstehen können.
Die Erfahrung zeigt, dass für private Wohngebäude fast immer ein SPD Typ 2 im Zählerschrank nachgerüstet wird, um die geltenden Normen zu erfüllen und einen lückenlosen Schutz zu gewährleisten. Er ist die Standardlösung zum Schutz des Wechselrichters und der Haustechnik.
Die Installation: Was passiert im Zählerschrank?
Der Einbau des AC-Überspannungsschutzes muss von einem qualifizierten Elektriker vorgenommen werden. Die Komponente wird direkt im Zählerschrank oder in einem kleinen Zusatzgehäuse daneben montiert.
Sie wird so nah wie möglich am Einspeisepunkt des Hauses platziert – also dort, wo die Verbindung zum öffentlichen Netz besteht. Nur so kann sie die gesamte dahinterliegende Hausinstallation wirksam schützen.
Die reinen Materialkosten für ein solches Schutzgerät liegen typischerweise zwischen 150 und 300 Euro. Zusammen mit dem fachgerechten Einbau durch einen Elektriker sollten Sie mit Gesamtkosten von etwa 300 bis 600 Euro rechnen. Diese Summe ist eine kleine Investition im Vergleich zum potenziellen Schaden an einem Wechselrichter, der mehrere tausend Euro kosten kann.
Eine fachgerechte Installation, wie sie die Partnerbetriebe von Photovoltaik.info gewährleisten, ist für die Wirksamkeit des Schutzes und die Einhaltung aller Normen entscheidend.
Was ist mit der DC-Seite der Anlage?
Ein vollständiges Schutzkonzept umfasst beide Seiten der Photovoltaikanlage. Während die AC-Seite das Hausnetz schützt, sichert der DC-Überspannungsschutz die Gleichstromseite (DC = Direct Current) – also die Verbindung zwischen den Solarmodulen auf dem Dach und dem Wechselrichter. Dieser Schutz ist meist direkt im Wechselrichter integriert oder wird in dessen Nähe in einem separaten Gehäuse installiert. Erst das Zusammenspiel von AC- und DC-Schutz bietet Ihrer Anlage einen lückenlosen Schutzwall gegen Überspannungen.
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9.999,00 €Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum AC-Überspannungsschutz
Ist ein AC-Überspannungsschutz wirklich Pflicht?
Ja, für alle neuen PV-Anlagen, die seit 2018 an das Niederspannungsnetz angeschlossen werden, ist ein AC-seitiger Überspannungsschutz gemäß der Norm VDE-AR-N 4100 zwingend vorgeschrieben.
Mein Haus hat keine Blitzschutzanlage. Brauche ich trotzdem einen Schutz?
Unbedingt. Ein SPD vom Typ 2 ist gerade für Gebäude ohne äußeren Blitzschutz essenziell. Er schützt vor den weitaus häufigeren indirekten Blitzeinschlägen in der Umgebung und vor Spannungsspitzen aus dem öffentlichen Netz.
Was kostet der Einbau eines AC-Überspannungsschutzes?
Die reinen Materialkosten für ein SPD-Modul liegen bei etwa 150 bis 300 Euro. Inklusive der Installation durch einen Fachelektriker liegen die Gesamtkosten erfahrungsgemäß zwischen 300 und 600 Euro.
Schützt das Gerät auch meine anderen Elektrogeräte im Haus?
Ja, das ist einer der größten Vorteile. Da der AC-Schutz am zentralen Einspeisepunkt des Hauses installiert wird, schützt er die gesamte elektrische Installation im Haus – also auch Ihren Computer, Fernseher, die Waschmaschine und die Heizungsanlage.
Kann ich den Überspannungsschutz selbst einbauen?
Nein. Die Installation erfordert Arbeiten am Zählerschrank und an der Hauptverteilung des Hauses. Diese Arbeiten dürfen aus Sicherheits- und Versicherungsgründen ausschließlich von einer zertifizierten Elektrofachkraft durchgeführt werden.
Fazit: Eine kleine Investition für große Sicherheit
Der AC-seitige Überspannungsschutz ist weit mehr als nur eine technische Vorschrift. Er ist eine unverzichtbare Sicherheitskomponente, die Ihre teure Photovoltaikanlage, den Wechselrichter und sämtliche Elektrogeräte in Ihrem Haushalt vor unvorhersehbaren Schäden bewahrt.
Die vergleichsweise geringen Kosten für die Installation stehen in keinem Verhältnis zu den möglichen finanziellen Verlusten und dem Ärger im Schadensfall. Er sichert nicht nur Ihre Investition und Ihren Versicherungsschutz, sondern gewährleistet auch den reibungslosen Betrieb Ihrer gesamten Haustechnik.
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