AC-seitige Installation: Der richtige Schutz für Ihre PV-Anlage

Eine Photovoltaikanlage ist eine Investition in die Zukunft
Eine Photovoltaikanlage ist eine Investition in die Zukunft, die auf dem Dach sichtbar saubere Energie erzeugt. Doch über die eigentliche Sicherheit und Zuverlässigkeit des Systems wird oft an einem unscheinbaren Ort entschieden: im Sicherungskasten. Die korrekte Auswahl von Leitungsschutzschaltern und Fehlerstrom-Schutzschaltern ist kein Detail am Rande, sondern das Fundament für einen langlebigen und sicheren Betrieb. Wir erklären, worauf es bei der AC-seitigen Absicherung ankommt und warum ein Standard-Schutzschalter bei PV-Anlagen ein Sicherheitsrisiko darstellen kann.
Der Leitungsschutzschalter (LS-Schalter): Die Lebensversicherung für Ihre Kabel
Stellen Sie sich den Leitungsschutzschalter, oft auch Sicherungsautomat genannt, als wachsamen Aufpasser für Ihre Stromleitungen vor. Er schützt die Verbindung vom Wechselrichter zum Stromnetz vor Überlastung und Kurzschlüssen. Fließt zu viel Strom – sei es durch einen Defekt oder eine zu hohe Last –, erhitzt sich das Kabel. Im schlimmsten Fall kann dies einen Brand auslösen. Der LS-Schalter erkennt diese Gefahr und unterbricht den Stromkreis blitzschnell, lange bevor ein Schaden entsteht.
Wie wird der LS-Schalter richtig dimensioniert?
Die Dimensionierung des LS-Schalters folgt einer klaren Logik und hängt von zwei Faktoren ab: dem maximalen Ausgangsstrom des Wechselrichters und dem Querschnitt des verwendeten Kabels.
Die Faustregel lautet: Der Nennstrom des LS-Schalters muss etwas höher sein als der maximale AC-Strom, den der Wechselrichter liefern kann, aber gleichzeitig niedrig genug, um das verwendete Kabel sicher zu schützen.
Ein typisches Praxisbeispiel:
Ein einphasiger Wechselrichter für eine 5-kWp-Anlage liefert einen maximalen Ausgangsstrom von etwa 21,7 Ampere (5.000 Watt / 230 Volt). Hier wäre ein LS-Schalter mit 25 Ampere (A) die richtige Wahl, vorausgesetzt, das installierte Kabel ist für diese Stromstärke ausgelegt. Für die meisten Hausinstallationen kommen LS-Schalter mit der Auslösecharakteristik „B“ (z. B. B16 oder B25) zum Einsatz, die für Standardanwendungen wie PV-Anlagen ideal sind.
Die Erfahrung zeigt, dass bei modernen Einfamilienhäusern oft dreiphasige Wechselrichter mit 10 kW oder mehr Leistung installiert werden. Hier wird für jede der drei Phasen ein eigener LS-Schalter benötigt, zum Beispiel dreimal ein B16-Automat für einen 11-kW-Wechselrichter.
Der FI-Schutzschalter (RCD): Ihr persönlicher Schutzengel
Während der LS-Schalter die Technik absichert, schützt der Fehlerstrom-Schutzschalter (Residual Current Device, RCD) den Menschen. Er ist Ihr direkter Lebensretter bei Stromunfällen.
Ein RCD überwacht kontinuierlich, ob der Strom, der in ein Gerät hineinfließt, genau dem Strom entspricht, der wieder herausfließt. Entsteht eine Differenz – etwa weil eine Person ein defektes Gerät berührt und Strom durch den Körper zur Erde abfließt –, erkennt der RCD diesen Fehlerstrom und schaltet die Stromzufuhr in Millisekunden ab.
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Ab 1.299,00 €Warum ein Standard-FI (Typ A) bei PV-Anlagen nicht immer ausreicht
In nahezu jeder Hausinstallation ist heute ein FI-Schutzschalter vom Typ A verbaut. Dieser reagiert zuverlässig auf Wechsel- und pulsierende Gleichfehlerströme, wie sie bei den meisten Haushaltsgeräten auftreten können. Ein Wechselrichter ist jedoch ein komplexes elektronisches Bauteil. Im Fehlerfall kann er sogenannte glatte Gleichfehlerströme erzeugen.
Genau hier liegt das Problem: Ein Standard-FI vom Typ A kann diese glatten Gleichfehlerströme nicht erkennen. Schlimmer noch: Er kann durch sie „erblinden“. Das bedeutet, dass er im Ernstfall nicht nur den Fehlerstrom aus dem Wechselrichter ignoriert, sondern auch seine Schutzfunktion für alle anderen angeschlossenen Stromkreise verlieren kann. Ein defekter Föhn im Bad würde dann nicht mehr zur Auslösung führen – ein untragbares Sicherheitsrisiko.
Die Lösung: Der allstromsensitive FI-Schutzschalter (Typ B)
Um diese Sicherheitslücke zu schließen, wurden allstromsensitive FI-Schutzschalter vom Typ B entwickelt. Sie erkennen neben den herkömmlichen Fehlerströmen auch die kritischen glatten Gleichfehlerströme und bieten somit einen lückenlosen Schutz für Installationen mit Photovoltaikanlagen.
Wann ist ein Typ B FI-Schalter Pflicht?
Ob Sie den teureren Typ B FI-Schalter benötigen, hängt vom verwendeten Wechselrichter ab. Die entscheidende Regel lautet: Die Installationsanleitung des Herstellers ist bindend.
Viele moderne Wechselrichter verfügen über eine integrierte Überwachungseinheit (RCMU – Residual Current Monitoring Unit), die Gleichfehlerströme erkennt und das Gerät im Fehlerfall sicher abschaltet. Ist eine solche Einheit nach den relevanten Normen (z. B. IEC 62109-2) zertifiziert, reicht in der Regel ein kostengünstigerer FI-Schalter vom Typ A aus.
Fehlt diese integrierte Schutzfunktion, ist die Installation eines externen FI-Schalters vom Typ B zwingend erforderlich. Ein FI-Schutzschalter vom Typ B kostet in der Anschaffung zwischen 200 und 400 Euro, während ein Typ A bereits für unter 50 Euro erhältlich ist. Diese Mehrausgabe ist eine unverzichtbare Investition in Ihre Sicherheit. Wir legen Wert darauf, diese sicherheitsrelevanten Details transparent zu erklären, damit Sie eine fundierte Entscheidung treffen können.
Zusammenfassung: Die Checkliste für Ihre AC-seitige Sicherheit
Um den Überblick zu behalten, können Sie sich an dieser einfachen Checkliste orientieren:
- Leitungsschutzschalter (LS): Die Stärke des Schalters muss zum maximalen Ausgangsstrom des Wechselrichters und zum verlegten Kabel passen.
- Fehlerstrom-Schutzschalter (RCD): Werfen Sie immer einen Blick in die Installationsanleitung des Wechselrichter-Herstellers.
- Keine integrierte RCMU? Ein FI-Schutzschalter vom Typ B ist für Ihre Sicherheit unerlässlich.
- Zertifizierte RCMU vorhanden? Ein FI-Schutzschalter vom Typ A ist in den meisten Fällen ausreichend.
- Im Zweifelsfall: Die fachgerechte Installation durch einen qualifizierten Elektriker ist der Schlüssel zu einem sicheren und normgerechten Betrieb.
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12.999,00 €Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Kann ich einen LS- und FI-Schalter selbst installieren?
Nein, auf keinen Fall. Arbeiten an der Elektroinstallation und insbesondere am Sicherungskasten dürfen aus Sicherheits- und Versicherungsgründen ausschließlich von qualifizierten Elektrofachkräften durchgeführt werden.
Was ist ein FI/LS-Schalter (RCBO)?
Ein FI/LS-Schalter, auch RCBO genannt, ist ein Kombinationsgerät. Er vereint die Funktionen eines Leitungsschutzschalters und eines Fehlerstrom-Schutzschalters in einem einzigen Bauteil. Das spart Platz im Verteilerkasten und wird oft bei Nachrüstungen oder in beengten Verhältnissen eingesetzt.
Mein Elektriker sagt, ein Typ A reicht immer. Was soll ich tun?
Fragen Sie Ihren Elektriker freundlich, ob er die Installationsanleitung des Wechselrichter-Herstellers geprüft hat. Die Vorgaben des Herstellers sind hier maßgeblich und haben Vorrang vor allgemeinen Annahmen. Weisen Sie ihn auf das Risiko der „Erblindung“ eines Typ-A-Schalters durch glatte Gleichfehlerströme hin.
Gilt das auch für Balkonkraftwerke?
Nein, für Balkonkraftwerke gelten andere Regeln. Diese werden in eine vorhandene und bereits abgesicherte Steckdose eingesteckt. Die Wechselrichter von Balkonkraftwerken verfügen über einen integrierten Netz- und Anlagenschutz (NA-Schutz), der das Gerät bei Störungen im Stromnetz sofort sicher abschaltet. Eine separate Installation im Sicherungskasten ist hier nicht erforderlich.
Die sorgfältige Planung der Schutzkomponenten ist entscheidend für eine sichere und effiziente Photovoltaikanlage. Sie gewährleistet, dass Sie über Jahrzehnte hinweg nicht nur umweltfreundlichen, sondern auch sicheren Strom von Ihrem eigenen Dach beziehen.
Weitere praxisnahe Informationen zur Auswahl der richtigen Komponenten für Ihre Anlage finden Sie bei uns auf Photovoltaik.info.



