PV-Anlage auf dem Reihenhaus: Welche Abstandsregeln gelten?

Die Installation einer Photovoltaikanlage auf einem Reihenhaus oder einer Doppelhaushälfte ist eine hervorragende Möglichkeit, Stromkosten zu senken und unabhängiger zu werden. Doch gerade bei so dichter Bebauung gibt es besondere baurechtliche Vorschriften, die oft übersehen werden. Diese Abstandsregeln sind für die Sicherheit und eine reibungslose Planung entscheidend.

Warum gibt es spezielle Abstandsregeln für Reihenhäuser?

Der Hauptgrund für die strengeren Vorgaben bei Reihenhäusern und Doppelhaushälften ist der Brandschutz. Da die Gebäude Wand an Wand stehen, soll im Brandfall verhindert werden, dass das Feuer über das Dach auf das Nachbargebäude übergreift – ein sogenannter Brandüberschlag.

Die Trennwand zwischen zwei Reihenhaus- oder Doppelhaushälften ist in der Regel als Brandwand ausgeführt. Sie soll einem Feuer für eine bestimmte Zeit standhalten. Photovoltaikmodule, die zu nah an dieser Brandwand montiert sind, könnten diese Schutzfunktion im Ernstfall untergraben, da die brennbaren Materialien einiger Module das Feuer weiterleiten könnten. Um dieses Risiko zu minimieren, hat der Gesetzgeber klare Mindestabstände definiert.

Die entscheidende Rechtsgrundlage: Die Muster-Bauordnung (MBO)

Die grundlegenden Anforderungen sind in der Muster-Bauordnung (MBO) festgelegt, an der sich die Bauordnungen der einzelnen Bundesländer orientieren. Für Photovoltaikanlagen auf Reihenhäusern ist § 32 (5) MBO besonders relevant.

Diese Regelung schreibt vor:

  • Einen Abstand von 1,25 Metern von Photovoltaikmodulen zur Brandwand des Nachbargebäudes.

Dieser erhebliche Abstand kann die nutzbare Dachfläche drastisch reduzieren. Eine wichtige Ausnahme erlaubt es jedoch, die Dachfläche besser auszunutzen:

  • Der Abstand darf auf 0,5 Meter verringert werden, wenn die Außenseiten der Module aus nicht brennbarem Material bestehen. Dies trifft in der Regel auf sogenannte Glas-Glas-Module zu.

Was bedeutet das für die Planung Ihrer Photovoltaikanlage?

Die Wahl der Solarmodule hat direkte Auswirkungen auf die maximal mögliche Anlagengröße und damit auf Ihren Stromertrag.

Ein konkretes Praxisbeispiel:
Stellen Sie sich ein typisches Reihenmittelhaus mit einer Dachbreite von 6 Metern vor.

  1. Planung mit Standardmodulen (1,25 m Abstand): Sie müssen zu beiden Nachbarn jeweils 1,25 m Abstand einhalten. Das sind insgesamt 2,50 m, die von Ihrer Dachbreite abgezogen werden. Von den 6 Metern bleiben nur noch 3,50 Meter für die Montage von Modulen übrig.
  2. Planung mit Glas-Glas-Modulen (0,5 m Abstand): Hier müssen Sie nur 0,5 m zu jeder Seite einhalten, also insgesamt 1,0 Meter. Somit stehen Ihnen ganze 5,0 Meter der Dachbreite zur Verfügung.

In diesem Szenario gewinnen Sie durch die Wahl von Glas-Glas-Modulen also 1,5 Meter an nutzbarer Breite – genug Platz für eine ganze zusätzliche Modulreihe. Dieser Unterschied bei der verfügbaren Fläche beeinflusst die Wirtschaftlichkeit der gesamten Anlage maßgeblich. Daher ist eine genaue Berechnung der Anlagengröße entscheidend.

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Die Lösung: Glas-Glas-Module als Alternative

Wie das Beispiel zeigt, sind Glas-Glas-Module für Reihenhausbesitzer oft die bessere Wahl. Im Gegensatz zu herkömmlichen Glas-Folien-Modulen, deren Rückseite aus einer brennbaren Kunststofffolie besteht, sind bei Glas-Glas-Modulen die Solarzellen beidseitig von einer Glasscheibe umschlossen.

Die Vorteile im Überblick:

  • Maximale Dachflächennutzung: Durch den reduzierten Abstand von 0,5 m können mehr Module installiert werden.
  • Erhöhte Sicherheit: Die nicht brennbare Glasrückseite erfüllt die strengeren Brandschutzanforderungen.
  • Langlebigkeit: Glas-Glas-Module gelten als robuster und witterungsbeständiger, was sich oft in längeren Herstellergarantien widerspiegelt.

Viele Besitzer von Reihenhäusern entscheiden sich deshalb für Glas-Glas-Module, um das Potenzial ihrer Dachfläche voll auszuschöpfen und gleichzeitig alle baurechtlichen Vorgaben zu erfüllen.

Achtung: Landesbauordnungen und kommunale Vorschriften

Die Muster-Bauordnung (MBO) ist, wie der Name schon sagt, ein Muster. Die einzelnen Bundesländer setzen diese in ihren eigenen Landesbauordnungen (LBO) um und können dabei Abweichungen festlegen.

So hat beispielsweise Nordrhein-Westfalen die Abstandsregeln bereits gelockert und erlaubt unter bestimmten Voraussetzungen einen Abstand von nur 0,5 Metern auch für herkömmliche Module. In anderen Bundesländern gilt jedoch weiterhin die strikte 1,25-Meter-Regel.

Unser Rat: Informieren Sie sich vor der endgültigen Planung immer bei Ihrem zuständigen Bauamt über die lokal geltenden Vorschriften. Ein qualifizierter Fachbetrieb wird diesen Punkt ebenfalls berücksichtigen. Informationen zu den spezifischen Genehmigungsverfahren finden Sie auch in unserem Ratgeber zur Genehmigung von PV-Anlagen.

Häufige Fragen zu Abstandsregeln bei Reihenhäusern (FAQ)

Gelten die Regeln auch für Doppelhaushälften?
Ja, die gemeinsame Wand zwischen zwei Doppelhaushälften wird baurechtlich ebenfalls als Brandwand behandelt. Daher gelten hier die gleichen Abstandsregeln wie für Reihenhäuser.

Was ist mit dem Abstand zum Dachfirst oder zur Traufe?
Neben dem seitlichen Abstand zur Brandwand kann es weitere Abstandsregeln geben, zum Beispiel zum Dachfirst oder zur Regenrinne (Traufe). Diese sind jedoch meist weniger einschränkend als der Abstand zum Nachbargebäude. Die kritischste Vorgabe für Reihenhäuser bleibt der seitliche Abstand.

Wer prüft die Einhaltung dieser Abstände?
In erster Linie ist der Installateur für die fachgerechte und vorschriftskonforme Montage verantwortlich. Als Bauherr tragen Sie jedoch die Letztverantwortung. Das örtliche Bauamt kann die Einhaltung der Vorschriften überprüfen, insbesondere wenn eine Baugenehmigung erforderlich ist.

Sind Glas-Glas-Module teurer?
Ja, die Anschaffungskosten für Glas-Glas-Module sind in der Regel etwas höher als für Glas-Folien-Module. Dieser Mehrpreis amortisiert sich bei Reihenhäusern jedoch oft schnell, da Sie durch die größere Modulfläche einen deutlich höheren Stromertrag erzielen. Es ist eine Investition in mehr Leistung und Sicherheit.

Was passiert, wenn ich die Abstände nicht einhalte?
Ein Verstoß gegen die Bauordnung kann schwerwiegende Folgen haben. Im schlimmsten Fall kann die Baubehörde den Rückbau der Anlage anordnen. Zudem riskieren Sie im Brandfall den Versicherungsschutz, wenn die Installation nicht vorschriftsgemäß war.

Fazit: Gute Planung ist entscheidend

Die besonderen Abstandsregeln für Photovoltaikanlagen auf Reihenhäusern und Doppelhaushälften sind kein Hindernis, sondern ein wichtiger Planungsfaktor. Wenn Sie von vornherein die richtigen Module – in der Regel also Glas-Glas-Module – auswählen und die lokalen Vorschriften beachten, nutzen Sie Ihre Dachfläche optimal und betreiben eine sichere, ertragreiche Anlage. Eine sorgfältige Planung schützt Sie vor teuren Fehlern und sorgt dafür, dass Sie lange Freude an Ihrem eigenen Solarstrom haben.

Weitere praxisnahe Informationen zur Auswahl der richtigen Komponenten finden Sie direkt auf Photovoltaik.info. Im Shop von Photovoltaik.info finden Sie zudem Komplettsets, die auf typische Anlagengrößen abgestimmt sind, inklusive hochwertiger Glas-Glas-Module.

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OLEKSANDR PUSHKAR
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