1-phasiger vs. 3-phasiger Notstrom: Welche Verbraucher bei Stromausfall wirklich laufen

Ein Stromausfall im Winter: Draußen ist es dunkel und kalt, drinnen fallen plötzlich Licht, Heizung und Internet aus. Für Besitzer einer Photovoltaikanlage mit Stromspeicher scheint die Lösung klar: Der Notstrom springt an.

Doch die Realität ist oft ernüchternd: Während die Kaffeemaschine streikt, läuft der Kühlschrank weiter, die Heizung bleibt jedoch kalt. Der Grund dafür ist ein technisches Detail – die Unterscheidung zwischen 1-phasigem und 3-phasigem Notstrom.

Dieser Beitrag erklärt praxisnah, was sich hinter diesen Begriffen verbirgt, und hilft Ihnen, Ihre Anforderungen realistisch einzuschätzen. So wissen Sie genau, welche Geräte Sie im Ernstfall versorgen können und welche nicht.

Der feine Unterschied: Ersatzstrom und echter Notstrom

Im allgemeinen Sprachgebrauch werden die Begriffe Notstrom und Ersatzstrom oft synonym verwendet. Technisch gibt es jedoch einen wichtigen Unterschied, der bei einem Stromausfall über Komfort und Sicherheit entscheidet.

  • Ersatzstrom (oft 1-phasig): Dies ist die einfachste Form der Notstromversorgung. Bei einem Netzausfall versorgt der Hybrid-Wechselrichter eine einzelne Phase im Haus mit Strom aus dem Speicher. Das reicht für die wichtigsten, kleineren Verbraucher, aber nicht für das ganze Haus.

  • Notstrom (oft 3-phasig): Hierbei handelt es sich um eine vollwertige Notstromlösung. Der Wechselrichter versorgt alle drei Phasen des Hausnetzes, wodurch auch leistungsstarke Verbraucher wie eine Wärmepumpe oder ein E-Herd (eingeschränkt) weiterbetrieben werden können.

Die Entscheidung für eine der beiden Varianten hat direkten Einfluss darauf, wie autark Sie bei einem längeren Stromausfall wirklich sind.

1-phasiger Notstrom: Die Grundlage für das Nötigste

Die meisten notstromfähigen Hybrid-Wechselrichter bieten standardmäßig eine 1-phasige Ersatzstromfunktion. Das bedeutet, dass bei einem Stromausfall eine einzelne, vordefinierte Phase im Hausnetz weiterhin mit Energie aus Ihrem Stromspeicher versorgt wird.

An diesen einen Stromkreis werden gezielt die wichtigsten Verbraucher angeschlossen. Das sind typischerweise Geräte mit geringer bis mittlerer Leistungsaufnahme.

Welche Geräte laufen mit 1-phasigem Notstrom?

  • Kühlschrank und Gefriertruhe: Ein moderner Kühlschrank benötigt etwa 100–200 Watt. Das ist für eine 1-phasige Versorgung kein Problem.

  • Beleuchtung: LED-Lampen sind extrem sparsam und können problemlos betrieben werden, um wichtige Bereiche im Haus zu beleuchten.

  • Kommunikation: WLAN-Router, Laptops und das Aufladen von Mobiltelefonen sind essenziell und haben einen geringen Strombedarf.

  • Heizungssteuerung und kleine Pumpen: Die Steuerungselektronik einer Gas- oder Ölheizung benötigt wenig Strom. Auch kleine Umwälzpumpen können oft versorgt werden, sodass die Heizkörper warm bleiben (sofern der Brenner selbst anspringt).

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Die Grenzen der 1-phasigen Versorgung

Die maximale Leistung auf einer Phase ist begrenzt, oft auf etwa 3,7 kW bis 4,6 kW. Werden mehrere Geräte gleichzeitig betrieben, ist diese Grenze schnell erreicht. Eine Kaffeemaschine (ca. 1.500 W) und ein Wasserkocher (ca. 2.000 W) zusammen können das System bereits überlasten. Diese grundlegende Absicherung setzt einen modernen Hybrid-Wechselrichter mit Notstromfunktion voraus.

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Praxisbeispiel:

Ein Vierpersonenhaushalt in einem Vorort. Bei einem Stromausfall versorgt die 1-phasige Notstromfunktion den Stromkreis im Erdgeschoss. Dadurch läuft der Kühlschrank in der Küche weiter, das Licht im Wohnzimmer funktioniert und die Familie kann ihre Handys laden. Die Heizung im Keller wird ebenfalls versorgt und hält das Haus warm. Zum Kochen weicht die Familie auf einen Gaskocher aus.

3-phasiger Notstrom: Wenn es wirklich auf Autarkie ankommt

Wer bei einem Stromausfall nicht nur das Nötigste, sondern nahezu den vollen Wohnkomfort erhalten möchte, benötigt eine 3-phasige Notstromversorgung. Hierbei versorgt der Wechselrichter alle drei Phasen des Hausanschlusses und ermöglicht so den Betrieb von Geräten mit hohem Leistungsbedarf.

Diese Lösung ist technisch aufwendiger und erfordert entsprechend ausgelegte Wechselrichter und oft auch größere Stromspeicher.

Welche zusätzlichen Geräte laufen mit 3-phasigem Notstrom?

  • E-Herd: Es ist möglich, eine oder zwei Herdplatten zu betreiben (je ca. 1.500–2.500 W). Der gleichzeitige Betrieb aller Platten und des Backofens würde auch die stärkste Notstromversorgung überfordern.

  • Wärmepumpe: Moderne Wärmepumpen benötigen zum Starten hohe Anlaufströme. Eine 3-phasige Versorgung ist hierfür fast immer eine zwingende Voraussetzung.

  • Durchlauferhitzer (eingeschränkt): Elektronische Durchlauferhitzer haben eine extrem hohe Leistungsaufnahme (18–24 kW) und können in der Regel auch mit 3-phasigem Notstrom nicht betrieben werden. Kleinere Modelle für ein Handwaschbecken sind eventuell möglich.

  • Andere 3-phasige Verbraucher: Maschinen in einer Hobbywerkstatt, eine Sauna oder andere Geräte, die einen Drehstromanschluss benötigen.

Die Praxis zeigt, dass der Wunsch nach dem Betrieb der Heizung, insbesondere von Wärmepumpen, der häufigste Grund für die Entscheidung für ein 3-phasiges System ist. Wer überlegt, einen Stromspeicher nachzurüsten, sollte diese Anforderung von Anfang an berücksichtigen.

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Praxisbeispiel:

Ein Eigenheimbesitzer in einer ländlichen Region mit häufigeren, kurzen Stromausfällen im Winter. Sein Haus wird mit einer Wärmepumpe beheizt. Er entscheidet sich für ein 3-phasiges Notstromsystem. Bei einem Ausfall schaltet das System automatisch um. Die Wärmepumpe läuft weiter, die Familie kann eine Herdplatte zum Kochen nutzen und alle Lichter sowie das Internet funktionieren wie gewohnt.

Eine realistische Einschätzung: Welche Verbraucher sind unverzichtbar?

Bevor Sie sich für ein System entscheiden, sollten Sie eine ehrliche Bestandsaufnahme Ihrer Bedürfnisse machen. Fragen Sie sich: Was muss bei einem Stromausfall von 24 oder 48 Stunden unbedingt funktionieren?

  • Grundversorgung (1-phasig meist ausreichend):Lebensmittel kühlen (Kühlschrank/Gefriertruhe)
    Licht in zentralen Räumen
    Kommunikation (Internet, Telefon)
    Betrieb der bestehenden Heizungsanlage (Gas/Öl)

  • Komfort & Sicherheit (3-phasig oft nötig):Betrieb einer Wärmepumpe
    Warmwasserbereitung (Boiler)
    Kochen auf mindestens einer Herdplatte
    Betrieb medizinischer Geräte

  • Luxus (selten sinnvoll oder möglich):Vollständiger Betrieb des E-Herds und Backofens
    Sauna, Poolpumpe oder andere Wellness-Anwendungen
    Laden eines Elektroautos

Die Erfahrung zeigt, dass die meisten Nutzer mit einer gut geplanten 1-phasigen Lösung, die die wichtigsten Verbraucher absichert, sehr zufrieden sind. Die Investition in eine 3-phasige Versorgung lohnt sich vor allem dann, wenn eine Wärmepumpe die alleinige Heizquelle ist.

Häufige Fragen (FAQ) zum Thema Notstrom

Was ist der Unterschied zwischen Notstrom und Ersatzstrom?

Ersatzstrom versorgt nur einen ausgewählten Stromkreis (1-phasig) mit den nötigsten Verbrauchern. Echter Notstrom kann das gesamte Hausnetz (3-phasig) versorgen und auch leistungsstarke Geräte betreiben.

Kann ich mein E-Auto mit Notstrom laden?

In der Regel nein. Eine Wallbox hat eine sehr hohe Leistungsaufnahme (11 kW oder 22 kW), die eine Notstromversorgung aus einem Heimspeicher bei Weitem übersteigt. Eine Ladung über eine normale Schuko-Steckdose (ca. 2,3 kW) wäre theoretisch mit einem leistungsstarken 1-phasigen System möglich, würde den Speicher aber extrem schnell leeren.

Wie lange reicht der Strom aus dem Speicher?

Das hängt von der Kapazität des Speichers und dem Verbrauch ab. Eine Faustregel: Ein 10-kWh-Speicher kann einen durchschnittlichen Grundverbrauch von 400 Watt (Kühlschrank, Licht, Router) theoretisch für etwa 25 Stunden decken. Wird zusätzlich gekocht oder geheizt, verkürzt sich die Zeit drastisch.

Schaltet die Notstromversorgung automatisch um?

Ja, moderne Systeme erkennen einen Netzausfall innerhalb von Millisekunden und schalten automatisch auf Batteriebetrieb um. Es kommt zu einer sehr kurzen Unterbrechung, die empfindliche Geräte wie Computer neu starten lassen kann. Echte unterbrechungsfreie Stromversorgungen (USV) sind spezielle, teurere Lösungen.

Fazit: Die richtige Wahl hängt von Ihren Prioritäten ab

Die Entscheidung zwischen 1-phasigem und 3-phasigem Notstrom ist keine Frage von „besser“ oder „schlechter“, sondern von individuellen Anforderungen und Prioritäten.

  • 1-phasiger Ersatzstrom ist eine kosteneffiziente und für die meisten Haushalte absolut ausreichende Lösung, um die Grundversorgung bei einem Stromausfall sicherzustellen.

  • 3-phasiger Notstrom bietet maximalen Komfort und Autarkie. Er ist die richtige Wahl für alle, die auch leistungsstarke Verbraucher wie eine Wärmepumpe betreiben und auf nahezu nichts verzichten möchten.

Eine sorgfältige Planung, welche Verbraucher im Ernstfall unverzichtbar sind, ist der wichtigste Schritt. Neutrale Fachinformationen, die Ihnen bei dieser Entscheidung helfen, finden Sie auf Photovoltaik.info. Im Shop von Photovoltaik.info finden Sie Komplettsets, die auf typische Anlagengrößen abgestimmt sind.

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Patrick Thoma
Patrick Thoma

Patrick Thoma ist Gründer von Mehrklicks.de und JVGLABS.com.
Er entwickelt Systeme für KI-Sichtbarkeit und semantische Architektur – mit Fokus auf Marken, die in ChatGPT, Perplexity und Google SGE sichtbar bleiben wollen.

Mehr über ihn und die Arbeit:
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