VDE-Vorschriften für PV-Anlagen im Altbau: Was Sie über Ihre Elektroinstallation wissen müssen

Die Entscheidung für eine Photovoltaikanlage ist gefallen, die Module sind ausgewählt und die Vorfreude auf den eigenen Solarstrom wächst. Doch bei der ersten Begehung mit dem Elektriker fällt der Blick auf den alten Zählerschrank im Keller – und plötzlich stehen Begriffe wie „SLS-Schalter“, „Überspannungsschutz“ und „VDE-Norm“ im Raum. Gerade in Bestandsgebäuden wird die Hauselektrik oft zum entscheidenden, aber oft vernachlässigten Faktor für eine erfolgreiche Installation.
Hier erfahren Sie, welche Anforderungen die VDE-Vorschriften an die Elektroinstallation im Altbau stellen, warum ein moderner Zählerschrank meist unumgänglich ist und wie Sie Ihre Immobilie sicher und zukunftsfähig für die Solarenergie machen.
Was sind VDE-Vorschriften und warum sind sie entscheidend?
Der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e. V. (VDE) gibt die in Deutschland anerkannten Regeln der Technik für Elektroinstallationen heraus. Diese Normen sind zwar kein Gesetz, bilden aber die technische Grundlage für die Arbeit jedes zertifizierten Elektrikers. Sie dienen vor allem einem Ziel: der Sicherheit von Personen und Anlagen.
Für Sie als Betreiber einer Photovoltaikanlage sind diese Vorschriften aus drei Gründen relevant:
- Sicherheit: Eine PV-Anlage speist erhebliche Energiemengen in Ihr Hausnetz ein. Eine veraltete Elektrik, die für eine solche Belastung nicht ausgelegt ist, birgt erhebliche Brand- und Unfallrisiken.
- Versicherungsschutz: Im Schadensfall prüfen Versicherungen genau, ob die Installation den geltenden Normen entsprach. Abweichungen können den Verlust des Versicherungsschutzes zur Folge haben.
- Haftung des Installateurs: Kein verantwortungsbewusster Fachbetrieb wird eine Anlage an eine marode oder nicht normgerechte Hauselektrik anschließen, da er dafür in der Haftung stünde.
Das Herzstück: Anforderungen an den Zählerschrank im Altbau
Der Zählerschrank ist die Schaltzentrale Ihrer Hauselektrik. Hier laufen die Stromleitungen vom Netzbetreiber, aus Ihrer PV-Anlage und zu den Verbrauchern im Haus zusammen. Bei der Installation einer neuen Photovoltaikanlage muss dieser Schrank den aktuellen Anforderungen der VDE-Anwendungsregel VDE-AR-N 4100 entsprechen. Für die meisten Altbauten ist damit eine Modernisierung unumgänglich.
Anforderung 1: Der SLS-Schalter (Selektiver Hauptleitungsschutzschalter)
In älteren Häusern findet man oft noch schwarze Hauptsicherungen (NH-Sicherungen), die nur von Fachpersonal gewechselt werden dürfen. Die aktuelle Norm fordert stattdessen einen SLS-Schalter – einen Hauptschalter, den auch Sie als Laie bedienen können, um das gesamte Haus spannungsfrei zu schalten.
In der Praxis bedeutet das: Bei PV-Anlagen mit einer Leistung von mehr als 4,4 Kilovoltampere (kVA) ist ein SLS-Schalter zwingend vorgeschrieben. Eine typische Photovoltaikanlage für ein Einfamilienhaus mit 8 bis 12 kWp Leistung überschreitet diesen Wert deutlich. Die Nachrüstung eines SLS-Schalters in einem alten Zählerschrank ist technisch meist nicht möglich oder zulässig, weshalb ein kompletter Austausch notwendig wird.
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Ab 1.299,00 €Anforderung 2: Der Überspannungsschutz (SPD)
Ein Blitzeinschlag in der Nähe oder eine Überspannung im öffentlichen Stromnetz kann empfindliche Elektronik wie den Wechselrichter Ihrer PV-Anlage, aber auch Fernseher oder Computer zerstören. Seit 2018 ist daher ein Überspannungsschutz (Surge Protective Device, SPD) für Neuanlagen und bei wesentlichen Änderungen an der Elektroinstallation Pflicht. Die Installation einer PV-Anlage gilt als eine solche wesentliche Änderung. Diese Schutzeinrichtung wird direkt im Zählerschrank verbaut und leitet gefährliche Spannungsspitzen sicher zur Erde ab.
Anforderung 3: Moderner Aufbau und ausreichend Platz
Heutige Zählerschränke sind standardisiert und in verschiedene Bereiche aufgeteilt. Vorgeschrieben sind unter anderem:
- APZ (Abschlusspunkt Zählerplatz): Ein versiegelter Bereich für die Technik des Netzbetreibers.
- RFZ (Raum für Zusatzanwendungen): Platz für zukünftige Geräte wie Smart-Meter-Gateways oder Steuerungsmodule.
Alte, oft zu kleine Zählerschränke aus Blech oder sogar Holz erfüllen diese Anforderungen nicht, da sie weder den nötigen Platz noch die erforderliche Sicherheit bieten.
Ein typisches Szenario ist ein Haus aus den 1970er-Jahren: Der vorhandene kleine Zählerschrank bietet keinen Platz für die zusätzlichen Sicherungen der PV-Anlage, den Überspannungsschutz und den SLS-Schalter. Hier ist der Austausch gegen einen neuen, normgerechten Schrank die einzig sichere und zulässige Lösung.
Weitere typische Mängel in der Hauselektrik von Altbauten
Neben dem Zählerschrank gibt es weitere Aspekte der Elektroinstallation, die bei der Planung einer PV-Anlage geprüft werden müssen.
Veraltete Verkabelung und fehlender Schutzleiter
Besonders in Gebäuden, die vor 1973 errichtet wurden, ist oft eine sogenannte „klassische Nullung“ vorhanden. Hierbei gibt es nur zwei Adern (Phase und Neutralleiter), während ein separater grün-gelber Schutzleiter fehlt. An eine solche Installation darf aus Sicherheitsgründen keine moderne PV-Anlage angeschlossen werden, weshalb die Modernisierung der betroffenen Stromkreise unumgänglich ist.
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6.999,00 €Unzureichender Leitungsquerschnitt
Das Kabel, das den Wechselrichter (meist im Keller oder auf dem Dachboden) mit dem Zählerschrank verbindet, muss für die Leistung der PV-Anlage ausreichend dimensioniert sein. Als Faustregel gilt: Für eine 10-kWp-Anlage wird oft ein Kupferkabel mit einem Querschnitt von 5×6 mm² oder, bei längeren Wegen, sogar 5×10 mm² benötigt. Ein zu dünnes Kabel überhitzt und stellt eine erhebliche Brandgefahr dar.
Kostenfaktor Modernisierung: Damit müssen Sie rechnen
Die notwendige Modernisierung der Hauselektrik wirkt sich auf die Photovoltaik Kosten des Gesamtprojekts aus. Es ist wichtig, diese Ausgaben von Anfang an einzuplanen.
- Austausch des Zählerschranks: Für den kompletten Austausch eines alten Zählerschranks gegen ein modernes Modell inklusive aller Komponenten (SLS-Schalter, Überspannungsschutz, neue Sicherungen) sollten Sie in einem Einfamilienhaus mit Kosten zwischen 1.800 und 3.000 Euro rechnen.
- Weitere Anpassungen: Müssen zusätzlich Leitungen erneuert oder verstärkt werden, können weitere Kosten anfallen.
Auch wenn diese Investition zunächst abschreckt, ist sie eine nachhaltige Aufwertung Ihrer Immobilie. Sie erhalten damit nicht nur eine PV-Anlage, sondern eine rundum sichere und zukunftsfähige Elektroinstallation, die zugleich den Wert Ihres Hauses steigert. Ein qualifizierter Elektriker für PV-Anlagen wird Sie dazu im Vorfeld transparent beraten.
FAQ – Häufige Fragen zur Elektrik im Altbau
Muss ich bei einer PV-Anlage immer den Zählerschrank tauschen?
In den allermeisten Altbauten: Ja. Wenn der vorhandene Schrank keinen SLS-Schalter, keinen Platz für einen Überspannungsschutz und keine normgerechte Aufteilung (APZ/RFZ) besitzt, ist ein Austausch unumgänglich. Dies ist bei über 90 % der Installationen in Gebäuden, die vor dem Jahr 2000 gebaut wurden, der Fall.
Wer stellt fest, ob meine Elektrik ausreicht?
Die Prüfung und Bewertung Ihrer Hauselektrik ist Aufgabe des zertifizierten Elektro-Fachbetriebs, der die Photovoltaikanlage installiert. Er führt vor der Installation eine Bestandsaufnahme durch und legt fest, welche Modernisierungsmaßnahmen notwendig sind.
Kann ich die Modernisierung des Zählerschranks selbst durchführen?
Nein, auf keinen Fall. Arbeiten am Zählerschrank und an der Hauselektrik dürfen ausschließlich von eingetragenen Elektroinstallateuren durchgeführt werden. Nur sie dürfen die Anlage anschließend beim Netzbetreiber anmelden.
Erhöht ein neuer Zählerschrank den Wert meines Hauses?
Ja. Eine moderne und sichere Elektroinstallation ist ein wesentliches Qualitätsmerkmal einer Immobilie. Sie beseitigen damit einen potenziellen Sanierungsstau und schaffen die technische Grundlage für zukünftige Anwendungen wie Wallboxen für E-Autos oder Wärmepumpen.
Fazit: Sicherheit und Zukunftssicherheit als Priorität
Die Installation einer Photovoltaikanlage ist mehr als nur die Montage von Modulen auf dem Dach – sie ist ein tiefgreifender Eingriff in die Elektroinstallation Ihres Hauses. Die Einhaltung der VDE-Vorschriften ist dabei keine bürokratische Hürde, sondern die Grundlage für einen sicheren und langlebigen Betrieb Ihrer Anlage.
Die Modernisierung des Zählerschranks ist in Bestandsgebäuden oft ein notwendiger Schritt, der die Sicherheit Ihrer Familie gewährleistet und Ihre Immobilie für die Energiewende fit macht. Die damit verbundenen Kosten sind eine wichtige Investition in die Zukunft und den Wert Ihres Zuhauses. Ein transparenter Überblick über alle Anforderungen an den Zählerschrank für eine PV-Anlage hilft Ihnen dabei, das Projekt von Anfang an richtig zu planen.
Weitere praxisnahe Informationen zur Auswahl der richtigen Komponenten und zur Planung Ihrer Anlage finden Sie direkt auf Photovoltaik.info.



