Das Schlichtungsverfahren: Wenn der Solarteur nicht liefert, was er versprochen hat

Die Photovoltaikanlage ist auf dem Dach, die ersten Sonnenstrahlen werden in Strom umgewandelt – doch die Freude wird getrübt. Vielleicht entspricht die Leistung nicht den Prognosen, einzelne Module fallen aus oder bei der Montage wurden Ziegel beschädigt. Sie haben den Handwerksbetrieb kontaktiert, doch die Reaktion fällt ausweichend aus oder bleibt ganz aus. In solchen Momenten fühlen sich viele Hausbesitzer hilflos und denken an den teuren und langwierigen Weg zum Anwalt. Es gibt jedoch eine effektive, schnelle und kostengünstige Alternative: das Schlichtungsverfahren bei der zuständigen Handwerkskammer.
Was ist eine Schlichtung und warum ist sie oft der bessere Weg?
Ein Schlichtungsverfahren ist eine außergerichtliche Methode zur Beilegung von Streitigkeiten. Anstatt vor einem Richter zu streiten, vermittelt eine neutrale, fachkundige Person – der Schlichter – zwischen Ihnen und dem Handwerksbetrieb. Das Ziel ist nicht, einen Schuldigen zu finden und ein Urteil zu fällen, sondern eine für beide Seiten annehmbare, faire Lösung zu erarbeiten.
Stellen Sie sich das Ganze wie eine moderierte Verhandlung an einem runden Tisch vor. Im Gegensatz zu einem Gerichtsverfahren, das oft monate- oder sogar jahrelang dauert und hohe Kosten verursacht, ist eine Schlichtung auf eine zügige und pragmatische Einigung ausgelegt. Sie bewahrt zudem die Geschäftsbeziehung, was besonders wichtig sein kann, wenn es um zukünftige Wartungsarbeiten an Ihrer Anlage geht.
Typische Konflikte bei Photovoltaikanlagen: Wann ist eine Schlichtung sinnvoll?
Streitigkeiten mit einem Solarteur entstehen meist nicht aus böser Absicht, sondern durch Missverständnisse, Kommunikationsprobleme oder unerwartete technische Schwierigkeiten. Die Erfahrung zeigt, dass sich die Konflikte häufig um vier Kernbereiche drehen:
- Sachmängel bei der Montage: Dazu zählen undichte Stellen am Dach nach der Installation, lose verlegte Kabel, falsch montierte Komponenten oder Kratzer an den Modulen.
- Leistungsprobleme: Die Anlage erzeugt deutlich weniger Strom als vom Solarteur prognostiziert. Hier ist oft unklar, ob die Ursache eine fehlerhafte Planung, defekte Bauteile oder einfach nur ungünstige Wetterbedingungen sind.
- Verzögerungen bei der Fertigstellung: Der vereinbarte Termin für die Inbetriebnahme wird nicht eingehalten, was zu finanziellen Einbußen führen kann, beispielsweise durch entgangene Einspeisevergütung.
- Unstimmigkeiten bei der Abrechnung: Die Endrechnung ist höher als das ursprüngliche Angebot oder enthält Posten, die nicht vereinbart waren.
Ein typisches Alltagsszenario: Ihre 10-kWp-Anlage sollte laut Berechnung jährlich etwa 9.500 kWh Strom erzeugen. Nach dem ersten Jahr zeigt der Zähler jedoch nur 7.800 kWh an. Der Installateur verweist auf einen sonnenarmen Sommer, Sie vermuten jedoch, dass die Verschattung durch einen Baum falsch eingeschätzt wurde. Anstatt direkt zu klagen, können Sie im Schlichtungsverfahren einen neutralen Gutachter hinzuziehen, der die Ursache objektiv klärt.
Der Ablauf eines Schlichtungsverfahrens – Schritt für Schritt erklärt
Das Verfahren ist bewusst unbürokratisch gehalten, damit es auch für Laien verständlich und zugänglich ist. Grundvoraussetzung ist, dass der Handwerksbetrieb Mitglied in der Handwerkskammer ist – was auf seriöse Solarteure in der Regel zutrifft.
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Ab 2.099,00 €1. Der Antrag bei der Handwerkskammer
Als Erstes stellen Sie einen formlosen schriftlichen Antrag bei der für den Betrieb zuständigen Handwerkskammer. Darin schildern Sie den Sachverhalt, beschreiben den Mangel oder das Problem und formulieren, welche Lösung Sie anstreben (z. B. Nachbesserung, Minderung des Preises). Wichtig ist, dass Sie nachweisen können, dass Sie bereits versucht haben, das Problem direkt mit dem Betrieb zu klären.
2. Die Stellungnahme der Gegenseite
Die Handwerkskammer leitet Ihren Antrag an den Solarteur weiter und bittet ihn um eine schriftliche Stellungnahme innerhalb einer gesetzten Frist.
3. Der Schlichtungstermin
In einem gemeinsamen Termin, der von einem neutralen Schlichter (oft ein Jurist) geleitet wird, erhalten beide Seiten die Möglichkeit, ihre Sicht der Dinge darzulegen. Der Schlichter sorgt für eine sachliche Atmosphäre, stellt klärende Fragen und versucht, die Interessen beider Parteien herauszuarbeiten. Je nach Fall wird zu diesem Termin auch ein technischer Sachverständiger hinzugezogen.
4. Der Schlichtungsvorschlag
Auf Grundlage der Fakten und der Aussagen beider Seiten unterbreitet der Schlichter einen schriftlichen Einigungsvorschlag. Dieser Vorschlag ist eine Empfehlung, wie der Konflikt fair gelöst werden kann.
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Anschließend haben beide Parteien Zeit, den Vorschlag zu prüfen. Stimmen Sie und der Handwerker dem Vorschlag zu, wird er zu einem rechtsverbindlichen Vertrag, einem sogenannten Vergleich. Damit ist der Fall abgeschlossen. Lehnt eine Seite den Vorschlag ab, ist das Schlichtungsverfahren gescheitert. Der Weg zu einem ordentlichen Gericht steht Ihnen aber weiterhin offen.
Kosten und Dauer: Ein realistischer Blick auf das Verfahren
Einer der größten Vorteile der Schlichtung sind die überschaubaren Kosten. Während ein Gerichtsverfahren schnell mehrere Tausend Euro für Anwälte, Gericht und Gutachter verschlingt, ist die Schlichtung deutlich günstiger.
- Verfahrensgebühren: Viele Handwerkskammern führen das Verfahren für ihre Mitglieder und deren Kunden kostenlos durch. Andere erheben eine geringe Verwaltungsgebühr, die oft im Bereich von 100 bis 300 Euro liegt.
- Gutachterkosten: Wird ein unabhängiger Sachverständiger zur Klärung technischer Fragen benötigt, fallen dessen Kosten an. Diese liegen typischerweise zwischen 500 und 1.500 Euro und werden meist zwischen den Parteien aufgeteilt.
Auch bei der Dauer ist die Schlichtung klar im Vorteil. Die Erfahrung zeigt, dass viele Verfahren innerhalb von zwei bis vier Monaten abgeschlossen werden können.
Vorbeugen ist besser als schlichten: Der richtige Partner von Anfang an
Der beste Weg, einen Konflikt zu vermeiden, ist die sorgfältige Auswahl des Installationsbetriebs. Der Kauf einer hochwertigen Photovoltaikanlage ist eine weitreichende Entscheidung. Nehmen Sie sich daher ausreichend Zeit, einen qualifizierten Solarteur zu finden, der über nachweisbare Erfahrung, gute Referenzen und alle notwendigen Zertifizierungen verfügt. Eine transparente Kommunikation und ein detailliertes, verständliches Angebot sind erste Anzeichen für einen seriösen Partner. Die Informationsplattform Photovoltaik.info bietet dazu umfassende Leitfäden und Checklisten.
Häufig gestellte Fragen zum Schlichtungsverfahren (FAQ)
Muss ich für eine Schlichtung einen Anwalt beauftragen?
Nein, in der Regel ist das nicht notwendig. Das Verfahren ist so konzipiert, dass Sie Ihre Interessen selbst vertreten können. Das spart zusätzliche Kosten.
Ist der Schlichtungsvorschlag ein rechtliches Urteil?
Nein, es ist kein Urteil, sondern ein Vermittlungsvorschlag. Er wird erst dann rechtlich bindend, wenn beide Parteien ihm schriftlich zustimmen.
Was passiert, wenn der Handwerker die Teilnahme an der Schlichtung verweigert?
Die Teilnahme ist für den Handwerker freiwillig. Eine Weigerung zeigt jedoch mangelnde Kooperationsbereitschaft und kann in einem späteren Gerichtsverfahren negativ bewertet werden.
Kann ich eine Schlichtung auch bei anderen Handwerkerleistungen nutzen?
Ja, das Schlichtungsverfahren der Handwerkskammern steht für alle handwerklichen Dienstleistungen zur Verfügung, nicht nur für Photovoltaikanlagen.
Fazit: Eine faire Chance für beide Seiten
Wenn bei der Installation oder dem Betrieb Ihrer Photovoltaikanlage Probleme auftreten, müssen Sie nicht sofort den Rechtsweg einschlagen. Das Schlichtungsverfahren ist eine intelligente, ressourcenschonende und deeskalierende Alternative. Es bietet Ihnen die Möglichkeit, Ihre berechtigten Ansprüche durchzusetzen, ohne sich einem langwierigen und kostspieligen Gerichtsstreit auszusetzen. Es ist ein Instrument, das den Dialog fördert und faire Lösungen ermöglicht – ein Gewinn für Verbraucher und seriöse Handwerksbetriebe gleichermaßen.
Weitere praxisnahe Informationen zur Auswahl der richtigen Komponenten und zur Planung Ihrer Anlage finden Sie direkt auf Photovoltaik.info. Im Shop von Photovoltaik.info finden Sie zudem Komplettsets, die auf typische Anlagengrößen und Qualitätsstandards abgestimmt sind, um von Anfang an auf der sicheren Seite zu sein.



