Das Sachverständigengutachten bei PV-Mängeln: Wann Sie es brauchen und wer die Kosten trägt

Ihre Photovoltaikanlage läuft, doch die Erträge bleiben hinter den Prognosen zurück. Während der Installateur versichert, alles sei in Ordnung, und auf das Wetter verweist, beschleicht Sie das Gefühl, dass ein technischer Mangel vorliegt. Solche Situationen sind für Anlagenbetreiber nicht nur frustrierend, sondern können auch zu langwierigen Auseinandersetzungen führen. Wenn eine Einigung unmöglich erscheint, schafft ein unabhängiges Sachverständigengutachten Klarheit und dient als fundierte Grundlage für alle weiteren Schritte.
Wann ist ein Gutachten für Ihre PV-Anlage sinnvoll?
Ein Gutachten ist nicht bei jeder kleinen Unstimmigkeit erforderlich. In bestimmten Fällen ist es jedoch ein unverzichtbares Instrument, um Ihre Interessen zu wahren – vor allem, wenn eine objektive und rechtssichere Klärung notwendig wird.
Typische Anwendungsfälle für ein PV-Gutachten sind:
- Unerklärliche Mindererträge: Ihre Anlage produziert signifikant weniger Strom als vom Installateur prognostiziert, selbst unter Berücksichtigung von Wetterdaten. Als Faustregel gilt: Liegt der Ertrag dauerhaft mehr als 10 % unter der Prognose, sollte die Ursache geklärt werden.
- Sichtbare Installationsmängel: Sie entdecken lose Kabel, undichte Stellen am Dach nach der Montage, falsch montierte Modulklemmen oder andere unsachgemäß ausgeführte Arbeiten.
- Sicherheitsbedenken: Es besteht der Verdacht auf eine erhöhte Brandgefahr durch fehlerhafte Verkabelung oder mangelhafte Komponenten.
- Streitigkeiten mit dem Installateur oder Hersteller: Der verantwortliche Betrieb bestreitet die Existenz eines Mangels oder lehnt eine Nachbesserung im Rahmen der Gewährleistung ab.
- Schadensfälle: Nach einem Sturm, Hagel oder Blitzeinschlag benötigen Sie eine fundierte Bewertung des Schadens für die Versicherung.
Ein konkretes Szenario aus der Praxis: Ein Eigenheimbesitzer betreibt eine 10-kWp-Anlage, die laut Planung jährlich etwa 9.500 kWh Strom erzeugen sollte. Im ersten vollen Betriebsjahr werden jedoch nur 7.800 kWh erzielt. Der Installateur argumentiert mit einem sonnenarmen Jahr. Ein Gutachter stellt jedoch durch eine Kennlinienmessung fest, dass ein ganzer Strang von Modulen aufgrund eines defekten Steckers nicht die volle Leistung erbringt. Ein Mangel, der ohne das Gutachten unentdeckt geblieben wäre.
Die Rolle des Sachverständigen: Mehr als nur ein Prüfer
Ein Sachverständiger für Photovoltaikanlagen ist ein neutraler und hochqualifizierter Experte. Seine Aufgabe ist es nicht, einer Partei Recht zu geben, sondern den technischen Sachverhalt objektiv zu analysieren und zu dokumentieren.
Seine Hauptaufgaben umfassen:
- Mängelfeststellung: Er prüft die Anlage vor Ort auf sichtbare und verdeckte Mängel. Dazu nutzt er spezielle Messgeräte wie Wärmebildkameras zur Erkennung von Hotspots oder Kennlinienanalysatoren zur Leistungsüberprüfung einzelner Module.
- Ursachenforschung: Er ermittelt die genaue Ursache des Problems. Liegt es an fehlerhaften Komponenten, einer unsachgemäßen Installation oder an externen Faktoren wie Verschattung?
- Dokumentation: Alle Befunde werden in einem schriftlichen Gutachten detailliert und nachvollziehbar festgehalten. Darin werden der Soll-Zustand, der Ist-Zustand, die festgestellten Mängel und deren Ursachen beschrieben.
- Lösungsvorschläge: Der Gutachter schlägt konkrete Maßnahmen zur Mängelbehebung vor und schätzt die dafür anfallenden Kosten.
Das Gutachten dient somit als fundierte Argumentationsgrundlage gegenüber dem Installateur. Wurde es von einem öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen erstellt, ist es zudem vor Gericht als Beweismittel verwertbar.
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Ab 1.299,00 €Der Ablauf: Was passiert, wenn Sie einen Gutachter beauftragen?
Der Prozess von der Beauftragung bis zum fertigen Gutachten folgt klaren Schritten, um eine systematische und lückenlose Prüfung zu gewährleisten.
Schritt 1: Auftragsklärung
Zunächst definieren Sie gemeinsam mit dem Sachverständigen den genauen Untersuchungsauftrag: Geht es um einen allgemeinen Minderertrag oder einen spezifischen, sichtbaren Mangel? Eine klare Fragestellung ist die Basis für ein zielgerichtetes Gutachten.
Schritt 2: Ortstermin und Prüfung
Der Gutachter inspiziert bei einem Ortstermin die gesamte Anlage – von den Solarmodulen auf dem Dach über die Verkabelung bis hin zum Wechselrichter und der Unterkonstruktion. Mit spezieller Messtechnik prüft er die Leistung Ihrer Photovoltaikanlage und vergleicht sie mit den Herstellerangaben und prognostizierten Werten.
Schritt 3: Analyse und Auswertung
Zurück im Büro wertet der Sachverständige die gesammelten Daten aus: Er analysiert Messprotokolle, gleicht die Ergebnisse mit den Planungsunterlagen ab und zieht technische Normen sowie anerkannte Regeln der Technik heran.
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9.999,00 €Schritt 4: Erstellung des Gutachtens
Zuletzt verfasst der Experte das schriftliche Gutachten, das logisch aufgebaut, für Laien verständlich formuliert ist und alle wichtigen Fakten, Messwerte sowie eine fotografische Dokumentation enthält.
Die Kostenfrage: Wer zahlt das Gutachten?
Eine der wichtigsten Fragen für Betreiber ist die nach den Kosten. Grundsätzlich gilt: Wer den Gutachter beauftragt, muss ihn zunächst auch bezahlen.
Die Kosten für ein Gutachten an einer typischen Einfamilienhaus-Anlage liegen je nach Umfang und Komplexität zwischen 800 und 2.500 Euro. Dieser Preisrahmen dient als verlässliche Orientierung.
Die entscheidende Frage ist jedoch, ob Sie diese Kosten später erstattet bekommen. Hier gibt es klare Regelungen:
- Fall 1: Das Gutachten bestätigt einen Mangel.
Stellt der Gutachter einen Mangel fest, den der Installationsbetrieb zu verantworten hat, können Sie die Kosten für das Gutachten als Teil des Schadensersatzes vom Verursacher zurückfordern. Die Beauftragung war in diesem Fall notwendig, um den Mangel nachzuweisen. - Fall 2: Das Gutachten findet keinen Mangel.
Stellt sich heraus, dass die Anlage einwandfrei funktioniert und die Mindererträge andere Ursachen haben (z. B. extreme Wetterlagen, unvorhergesehene neue Verschattung), bleiben Sie als Auftraggeber auf den Kosten sitzen. - Fall 3: Einigung oder Gerichtsverfahren.
Im Falle eines Gerichtsverfahrens entscheidet der Richter, wer die Kosten trägt – in der Regel ist das die unterlegene Partei. Oft kommt es aber gar nicht so weit: Viele Fälle lassen sich bereits außergerichtlich klären, sobald ein neutrales Gutachten vorliegt.
Unabhängig von einem konkreten Streitfall ist die regelmäßige Überwachung Ihrer Anlage ohnehin eine Ihrer zentralen Pflichten als Betreiber, um die Wirtschaftlichkeit langfristig zu sichern.
Wie finden Sie den richtigen Sachverständigen?
Die Wahl des richtigen Experten ist entscheidend für die Qualität und Anerkennung des Gutachtens. Achten Sie auf folgende Kriterien:
- Spezialisierung: Der Gutachter sollte nachweislich auf Photovoltaik spezialisiert sein.
- Zertifizierung: Suchen Sie nach öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen (bestellt durch IHK oder Handwerkskammer) oder zertifizierten Gutachtern (z. B. vom TÜV).
- Unabhängigkeit: Der Experte darf in keiner geschäftlichen Beziehung zum Installationsbetrieb oder Hersteller stehen.
- Transparenz: Holen Sie vorab ein klares Angebot ein, das den Leistungsumfang und die Kosten detailliert auflistet.
Informationsplattformen wie Photovoltaik.info bieten eine gute erste Orientierung. Offizielle Verzeichnisse qualifizierter Sachverständiger führen zudem die Industrie- und Handelskammern oder Handwerkskammern.
Häufige Fragen zum Sachverständigengutachten
Wie lange dauert die Erstellung eines Gutachtens?
Nach dem Ortstermin dauert es in der Regel zwei bis vier Wochen, bis das schriftliche Gutachten vorliegt. Bei sehr komplexen Fällen kann es auch länger dauern.
Ist ein Gutachten immer gerichtsverwertbar?
Ein Gutachten von einem öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen hat vor Gericht einen hohen Stellenwert und wird als neutrales Beweismittel anerkannt. Ein sogenanntes Privatgutachten dient zwar primär der außergerichtlichen Klärung, kann im Prozess aber ebenfalls als qualifizierter Parteivortrag eingebracht werden.
Kann ich ein Gutachten auch bei älteren Anlagen beauftragen?
Ja, absolut. Insbesondere wenn nach einigen Jahren die Leistung unerwartet stark abfällt (Degradation), kann ein Gutachten klären, ob dies im normalen Rahmen liegt oder ein Produktmangel vorliegt. Bevor Sie ein Gutachten in Erwägung ziehen, sollten Sie jedoch einfache Ursachen ausschließen. Eine fachgerechte Reinigung der Solaranlage kann hier oft schon Abhilfe schaffen.
Was ist der Unterschied zwischen einem Gutachten und einer einfachen Anlagenprüfung?
Eine Anlagenprüfung (oder ein E-Check) dient der regelmäßigen Wartung und Funktionskontrolle. Sie ist weniger umfangreich und dokumentiert primär den allgemeinen Zustand. Ein Sachverständigengutachten geht viel tiefer: Es ist eine umfassende Analyse, die zur Klärung eines konkreten Streitfalls dient und Mängel rechtssicher festhält.
Fazit: Ein Gutachten schafft Klarheit und Rechtssicherheit
Ein Sachverständigengutachten ist eine Investition, die sich bei ernsthaften Mängeln an Ihrer PV-Anlage schnell bezahlt macht. Es ersetzt Vermutungen durch Fakten und gibt Ihnen eine solide Grundlage, um Ihre Ansprüche auf Nachbesserung oder Schadensersatz durchzusetzen. Auch wenn die anfänglichen Kosten abschrecken mögen, ist es oft der einzige Weg, um einen langwierigen und nervenaufreibenden Streit mit dem Installateur zu einem fairen Abschluss zu bringen.
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