PV-Anlage ohne Verbrauchsdaten planen: So geht es richtig

Sie bauen ein neues Haus oder sind gerade erst umgezogen? Herzlichen Glückwunsch! In dieser spannenden Phase steht auch die Entscheidung für eine Photovoltaikanlage an. Doch gerade hier stehen viele Bauherren und neue Eigentümer vor einer Herausforderung: Ohne historische Stromrechnungen fehlt die wichtigste Planungsgrundlage – der bisherige Jahresstromverbrauch. Dieser Beitrag zeigt Ihnen, wie Sie auch ohne diese Daten eine passgenaue PV-Anlage für Ihr Zuhause konzipieren.
Warum der Stromverbrauch die wichtigste Planungsgröße ist
Normalerweise ist die letzte Jahresstromabrechnung der Ausgangspunkt für jede PV-Planung. Sie zeigt schwarz auf weiß, wie viel Energie ein Haushalt in 12 Monaten verbraucht hat. Anhand dieses Wertes lassen sich die Anlagengröße (in Kilowattpeak, kWp) und die Kapazität eines möglichen Stromspeichers optimal bestimmen. Das Ziel dabei ist, einen möglichst hohen Anteil des eigenen Strombedarfs mit Solarstrom zu decken (Eigenverbrauchsanteil) und so die Unabhängigkeit vom öffentlichen Netz zu steigern (Autarkiegrad).
Doch auch wenn diese Datenbasis fehlt, ist das kein Hindernis. Bewährte Schätzverfahren helfen Ihnen, Ihren zukünftigen Bedarf sehr genau zu ermitteln.
Methode 1: Schätzung anhand der Haushaltsgröße
Die einfachste und zugleich sehr zuverlässige Methode zur Ermittlung des Grundverbrauchs ist die Anzahl der im Haushalt lebenden Personen. Hierfür gibt es eine etablierte Faustregel, die den Basisbedarf für Kochen, Licht, Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräte abdeckt.
Faustregel für den Stromverbrauch:
- 1 Person: ca. 1.500 kWh / Jahr
- Jede weitere Person: + 500 kWh / Jahr
Daraus ergibt sich folgende Orientierung für typische Haushaltsgrößen:
Haushaltsgröße – Geschätzter Jahresverbrauch (Grundbedarf)
2 Personen – 2.000 kWh
3 Personen – 2.500 kWh
4 Personen – 3.000 kWh
5 Personen – 3.500 kWh
Praxisbeispiel: Eine vierköpfige Familie plant ihr neues Einfamilienhaus. Ihr geschätzter Grundbedarf liegt bei etwa 3.000 kWh pro Jahr. Dies ist jedoch nur der erste Schritt, denn die größten Verbraucher sind hier noch nicht berücksichtigt.
Methode 2: Zukünftige Großverbraucher einplanen
Der moderne Haushalt hat oft mehr zu bieten als Kühlschrank und Fernseher. Insbesondere bei Neubauten werden energieintensive Technologien von Anfang an mitgedacht. Daher sollten Sie diese unbedingt zu Ihrem Grundbedarf addieren.
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Wärmepumpe
Die Wärmepumpe ist im Neubau der Standard für umweltfreundliches Heizen und die Warmwasserbereitung. Sie ist aber auch ein erheblicher Stromverbraucher.
- Schätzwert: Rechnen Sie mit einem zusätzlichen Verbrauch von 3.000 bis 5.000 kWh pro Jahr für eine moderne Luft-Wasser-Wärmepumpe in einem durchschnittlichen Einfamilienhaus (ca. 150 m²). Der genaue Wert hängt stark von der Dämmung des Hauses und dem individuellen Heizverhalten ab.
Elektroauto
Da die Elektromobilität auf dem Vormarsch ist, sollten Sie auch die Anschaffung eines E-Autos einplanen. Die dafür benötigte Energie kann Ihre PV-Anlage idealerweise gleich mitproduzieren.
- Schätzwert: Für eine jährliche Fahrleistung von 12.000 km können Sie von einem zusätzlichen Strombedarf von 2.000 bis 2.500 kWh pro Jahr ausgehen. Erfahrungsgemäß laden die meisten Nutzer ihr Fahrzeug bequem über Nacht an der hauseigenen Wallbox.
Weitere mögliche Verbraucher
Denken Sie auch an weitere geplante Anschaffungen, die den Stromverbrauch erhöhen:
- Klimaanlage/Klimageräte: ca. 500 – 1.000 kWh pro Jahr (je nach Nutzung)
- Sauna oder Poolpumpe: ca. 500 – 1.500 kWh pro Jahr
Beispielrechnung: Den Gesamtbedarf ermitteln
Führen wir das Beispiel der vierköpfigen Familie fort. Sie plant nicht nur den Einzug, sondern auch eine zukunftssichere Energieversorgung.
- Grundbedarf (4 Personen): 3.000 kWh
- Wärmepumpe (geplant): + 4.000 kWh
- Elektroauto (geplant): + 2.500 kWh
Geschätzter Gesamtverbrauch pro Jahr = 9.500 kWh
Dieser Wert dient nun als solide Grundlage für die weitere Planung.
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9.999,00 €Vom Verbrauch zur Anlagengröße: Die richtige Dimensionierung
Mit dem geschätzten Jahresverbrauch können Sie nun die passende Größe Ihrer Photovoltaikanlage bestimmen. In Deutschland gilt eine einfache und praxisnahe Faustregel:
Pro 1.000 kWh Jahresverbrauch wird etwa 1 kWp Anlagenleistung benötigt.
Für unsere Beispielfamilie mit einem Bedarf von 9.500 kWh bedeutet das:
- Empfohlene Anlagengröße: ca. 9,5 kWp
Die Erfahrung zeigt, dass es oft sinnvoll ist, die Anlage etwas größer zu planen, wenn die Dachfläche es zulässt. Die Kosten pro kWp sinken bei größeren Anlagen, und Sie sind für zukünftige Verbraucher wie ein zweites E-Auto besser gerüstet. Da die korrekte Dimensionierung der Schlüssel zu einer wirtschaftlichen Anlage ist, entscheiden sich viele Kunden für eine maximale Belegung der verfügbaren und geeigneten Dachfläche.
FAQ: Häufige Fragen zur PV-Planung ohne Verbrauchsdaten
Was passiert, wenn meine Schätzung ungenau war?
Eine leichte Abweichung ist unproblematisch. Grundsätzlich gilt: Eine etwas zu groß geplante Anlage ist wirtschaftlich sinnvoller als eine zu kleine. Überschüssiger Strom wird ins Netz eingespeist und vergütet, während eine zu kleine Anlage den Eigenbedarf nicht optimal decken kann und Sie teuren Strom aus dem Netz zukaufen müssen.
Sollte ich direkt einen Stromspeicher einplanen?
Ein Stromspeicher erhöht den Eigenverbrauch und die Autarkie, da Sie den tagsüber erzeugten Solarstrom auch abends und nachts nutzen können. Besonders bei einem hohen Strombedarf durch Wärmepumpe und E-Auto ist ein Speicher oft schon von Beginn an sinnvoll, kann aber auch später nachgerüstet werden.
Ich wohne zur Miete, kann ich trotzdem etwas tun?
Ja, für Mieter und Wohnungseigentümer gibt es eine hervorragende Alternative: das Balkonkraftwerk. Diese Mini-PV-Anlagen für Balkon oder Terrasse decken einen Teil des Grundverbrauchs und senken die Stromrechnung spürbar, ohne dass eine große Dachinstallation nötig ist.
Welche Rolle spielt mein Dach?
Die maximale Anlagengröße wird letztlich durch die verfügbare, unverschattete Dachfläche sowie deren Ausrichtung und Neigung bestimmt. Ein Süddach ist ideal, aber auch Ost-West-Dächer eignen sich sehr gut, um den Stromertrag über den Tag zu verteilen.
Fazit: Planungssicherheit auch ohne Stromrechnung
Die Planung einer Photovoltaikanlage ohne historische Verbrauchsdaten ist einfacher, als es zunächst scheint. Eine systematische Schätzung anhand der Haushaltsgröße und geplanter Großverbraucher wie Wärmepumpe und E-Auto gibt Ihnen eine verlässliche Grundlage für die Dimensionierung. Planen Sie lieber etwas großzügiger, um für die Zukunft bestens gerüstet zu sein.
Weitere praxisnahe Informationen zur Auswahl der richtigen Komponenten und zur detaillierten Planung finden Sie direkt hier auf Photovoltaik.info. Im Shop von Photovoltaik.info finden Sie zudem Komplettsets, die auf typische Anlagengrößen und Anwendungsszenarien abgestimmt sind.



