Das Berliner Start-up Solarize hat ein Abrechnungssystem für dezentrale Energie entwickelt, das die Umsetzung von Mieterstromprojekten, die Nutzung von E-Auto-Ladestationen und die Abrechnung von Wärmekosten in Gebäuden erheblich vereinfacht. Die Lösung gewinnt vor dem Hintergrund neuer gesetzlicher Regelungen an Bedeutung.
Solarize Berlin: Abrechnungssystem für die dezentrale Energiewende
Das Berliner Technologieunternehmen Solarize hat ein innovatives Abrechnungssystem entwickelt, das die Verwaltung und Abrechnung von lokal erzeugter Energie digitalisiert. Die Software zielt auf die wachsende Komplexität bei Mieterstromprojekten, der Ladeinfrastruktur für Elektromobilität und der verbrauchsgenauen Wärmekostenabrechnung ab.
Die Relevanz solcher Systeme wird durch politische Rahmenbedingungen wie die in Berlin seit 2023 geltende Solarpflicht für Neubauten und wesentliche Dachumbauten verstärkt. Diese gesetzliche Vorgabe fördert den Ausbau von Photovoltaikanlagen auf Mehrfamilienhäusern und schafft damit die Grundlage für Modelle zur lokalen Energieversorgung.
Die Softwarelösung von Solarize wurde bereits bei namhaften Kunden wie der Stadtwerke-Kooperation Thüga und dem Wohnungsunternehmen Deutsche Wohnen implementiert. Sie ermöglicht die automatisierte Abrechnung von Energie- und Wärmekosten, die neben der Miete anfallen.
Die Abrechnung von dezentral erzeugter Energie stellt für Immobilienverwalter und Eigentümer eine erhebliche Herausforderung dar. Insbesondere das im Mai 2024 mit dem Solarpaket I eingeführte Modell der „Gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung“ (GGV) erfordert eine präzise und transparente Erfassung und Verteilung des vor Ort erzeugten Solarstroms. Zwar vereinfacht die GGV den Verkauf von Solarstrom an Mieter, indem der Anlagenbetreiber nicht mehr die vollen Pflichten eines Energieversorgers tragen muss, doch die Abrechnung muss weiterhin nachvollziehbar und gesetzeskonform sein. Solarize setzt hier an und nutzt die Blockchain-Technologie, um Transaktionen sicher, transparent und manipulationssicher zu verwalten.
Solarize Partnerschaft: Thüga und EnBW für digitale Energieabrechnung
Um die Digitalisierung in der Wohnungswirtschaft voranzutreiben, hat Solarize eine strategische Partnerschaft mit der Thüga und dem Energiekonzern EnBW geschlossen. Die Kooperation soll die Verbreitung digitaler Abrechnungslösungen für komplexe Energiekonzepte in Gebäuden beschleunigen.
Die Technologie von Solarize bündelt verschiedene Datenquellen wie Strom-, Wärme- und Wasserzähler sowie Ladesäulen in einem Gebäude. Auf dieser Basis wird eine einheitliche und automatisierte Abrechnung für Mieterstrom, Ladevorgänge und Nebenkosten erstellt. Die Zusammenarbeit mit etablierten Energieversorgern soll die Skalierung der Technologie im deutschen Markt unterstützen.
Solarize Technologie: Anwendungsmöglichkeiten für dezentrale Energie
Das Abrechnungssystem von Solarize bewährt sich insbesondere bei Mieterstromprojekten, die unter das Modell der Gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung fallen. Hierbei wird der auf dem Dach erzeugte Solarstrom direkt an die Bewohner des Hauses verkauft. Die korrekte Abrechnung ist komplex, da der Verbrauch von günstigem Solarstrom vom Dach von dem teureren Bezug aus dem öffentlichen Netz unterschieden werden muss.
Diese Aufgabe wird durch intelligente Messsysteme, sogenannte Smart Meter, gelöst. Sie erfassen den Energieverbrauch viertelstundengenau. Die Software von Solarize verarbeitet diese Daten und erstellt transparente Rechnungen, die alle gesetzlichen Anforderungen erfüllen. Dies reduziert den Verwaltungsaufwand für Immobilieneigentümer erheblich und schafft Vertrauen bei den Mietern. Während Hausbesitzer von der Direktvermarktung ihres Solarstroms profitieren, können Mieter von günstigeren Strompreisen profitieren.
Die Prinzipien der Eigenversorgung und intelligenten Steuerung sind nicht nur für große Wohnanlagen relevant. Auch Eigentümer von Einfamilienhäusern setzen zunehmend auf PV-Anlagen mit Speicher und Montagesets, um ihre Unabhängigkeit vom Stromnetz zu erhöhen. Selbst Mieter können durch Balkonkraftwerke ohne Speicher oder Balkonkraftwerke mit Speicher aktiv an der Energiewende teilhaben.
Zukunftsperspektiven für Abrechnungssysteme dezentraler Energie
Die Lösung von Solarize verdeutlicht, dass die Digitalisierung ein entscheidender Faktor für den Erfolg der dezentralen Energiewende ist. Die strategischen Partnerschaften unterstreichen, dass die Energiebranche das Potenzial solcher Technologien zur Bewältigung der zunehmenden Komplexität erkannt hat. Die Blockchain-Technologie bietet dabei eine robuste Basis für eine sichere und nachvollziehbare Abrechnung.
Allerdings steht der flächendeckenden Umsetzung solcher Modelle in Deutschland der noch schleppende Ausbau von Smart Metern entgegen. Verbände warnen vor einem „Digitalstau“, der die ambitionierten Ziele der Energiewende ausbremsen könnte. Der Erfolg von innovativen Lösungen wie der von Solarize hängt maßgeblich davon ab, dass die digitale Infrastruktur zügig modernisiert wird.
Indem Systeme wie das von Solarize die Abrechnung von dezentral erzeugter Energie vereinfachen, leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Wirtschaftlichkeit und Akzeptanz von erneuerbaren Energien direkt vor Ort und helfen, den CO2-Ausstoß im Gebäudesektor zu senken.







