NRW startet PV-Offensive: Neue Förderungen für Solarparks auf Ackerflächen
Nordrhein-Westfalen (NRW) hat eine umfassende Initiative zur Beschleunigung des Ausbaus erneuerbarer Energien gestartet. Mit neuen Förderprogrammen für Freiflächen-Photovoltaik (PV) will die Landesregierung die installierte PV-Leistung bis 2030 signifikant steigern. Ziel ist es, die Gesamtleistung um 18 Gigawatt (GW) zu erhöhen und den Anteil erneuerbarer Energien an der Bruttostromerzeugung auf 50 % anzuheben. Diese Maßnahmen sind ein zentraler Baustein der landesweiten Strategie zur Erreichung der Klimaziele.
Neue Fördermaßnahmen für Freiflächen Photovoltaik in NRW
In einer gemeinsamen Pressekonferenz stellten Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) und Landwirtschaftsminister Karl-Josef Laumann (CDU) drei neue Fördermaßnahmen vor. Diese zielen insbesondere darauf ab, die Errichtung von Solarparks auf landwirtschaftlichen Flächen attraktiver und planbarer zu machen. „Mit den neuen Richtlinien und Vereinbarungen erhalten Landwirte und Betreiber mehr Planungssicherheit“, betonte Laumann. Er hob hervor, dass die Nutzung von Freiflächen-Photovoltaik den Ausbau der erneuerbaren Energien entscheidend voranbringen werde.
Die Kernpunkte der neuen Förderungen sind:
- Änderung der Agrarstrukturrichtlinie: Landwirte, die Flächen für Freiflächen-Photovoltaik verpachten, erhalten eine einmalige Förderung von 500 Euro pro Hektar. Dies soll den Anreiz erhöhen, bisher landwirtschaftlich genutzte Flächen für die Energiegewinnung zur Verfügung zu stellen.
- Ausgleich für Flächenverlust: Betriebe, die durch die Verpachtung landwirtschaftliche Nutzfläche verlieren, werden zusätzlich mit 1.500 Euro pro Hektar unterstützt. Diese Zahlung soll wirtschaftliche Nachteile kompensieren.
- Förderung für Agri-Photovoltaik: Das Agrarinvestitionsförderprogramm wird um einen Zuschuss für eine zweite Zaunanlage erweitert. Diese Maßnahme fördert die sogenannte Agri-PV, bei der eine Fläche gleichzeitig landwirtschaftlich und zur Stromerzeugung genutzt wird. Der zweite Zaun ermöglicht beispielsweise die Beweidung durch Tiere oder den Anbau von Sonderkulturen unter den aufgeständerten Solarmodulen und trägt so zur Minderung von Flächenkonkurrenz bei.
Anpassungen im Landesentwicklungsplan für schnellere Genehmigungen von PV-Anlagen
Parallel zu den finanziellen Anreizen kündigte Ministerin Neubaur Anpassungen im Landesentwicklungsplan (LEP) an. Der LEP ist das zentrale Steuerungsinstrument für die räumliche Entwicklung des Bundeslandes. „Die Landesregierung arbeitet derzeit an einer Anpassung des Landesentwicklungsplans, um die Flächenvorgaben für die Freiflächen-Photovoltaik im Außenbereich zu flexibilisieren“, so Neubaur.
Diese rechtlichen Anpassungen sollen Genehmigungsverfahren vereinfachen und beschleunigen, die bisher oft eine Hürde für den schnellen Ausbau darstellten. Ziel ist es, den Ausbau der Photovoltaik in Einklang mit den übergeordneten Zielen des Klimaschutzes und der Versorgungssicherheit zu bringen. Neubaur betonte, dass neben klassischen Freiflächen auch Potenziale entlang von Verkehrswegen wie Autobahnen und Bahntrassen stärker in den Fokus rücken sollen.
Flächenziele für Photovoltaik NRW 2030 und der Beitrag von Bürgern
Die Landesregierung hat ambitionierte und klar definierte Ziele formuliert. Bis zum Jahr 2030 sollen 2 % der Landesfläche für die Windenergie und 1,3 % für die Photovoltaik ausgewiesen werden. Innerhalb des Photovoltaik-Ziels sind mindestens 0,3 % explizit für Freiflächenanlagen vorgesehen. Dies ergänzt die bereits laufenden Bemühungen, den Ausbau der Windkraft mit dem Ziel von 1.000 neuen Anlagen bis 2030 voranzutreiben.
Aktuell sind in NRW etwa 900 Freiflächen-Photovoltaikanlagen mit einer installierten Leistung von 1,67 GW in Betrieb, die jährlich circa 1,7 Terawattstunden (TWh) Strom erzeugen. Bis 2030 soll allein die Leistung der Freiflächenanlagen auf 5,7 GW anwachsen und damit mindestens 5,7 TWh Strom pro Jahr liefern.
Während diese großflächigen Projekte eine tragende Säule der Energiewende sind, betonen Experten, dass die ambitionierten Gesamtziele nur durch das Engagement aller Sektoren erreicht werden können. Auch private Haushalte spielen eine entscheidende Rolle. Für Hausbesitzer wird die Installation kompletter PV-Anlagen mit Speicher und Montagesets zunehmend zu einer wirtschaftlich sinnvollen Investition in die eigene Energieunabhängigkeit. Gleichzeitig ermöglichen vereinfachte Regelungen für Mieter und Wohnungseigentümer die Teilhabe an der Energiewende, beispielsweise durch Balkonkraftwerke ohne Speicher oder leistungsfähigere Balkonkraftwerke mit Speicher.
Mit dieser kombinierten Strategie aus der Förderung von Großanlagen und der Mobilisierung privater Initiativen positioniert sich Nordrhein-Westfalen als wichtiger Akteur auf dem Weg zu einer nachhaltigen und dezentralen Energieversorgung in Deutschland.







