Netzanschluss in abgelegenen Gebieten: Besonderheiten für PV-Anlagen

Netzanschluss in abgelegenen Gebieten: Besonderheiten für PV-Anlagen

Die Vorstellung ist verlockend: ein Haus in idyllischer, ländlicher Lage, umgeben von Natur und versorgt mit sauberem Strom vom eigenen Dach. Doch gerade in abgelegenen Gebieten, am sprichwörtlichen „Ende des Stromnetzes“, bringt der Anschluss einer Photovoltaikanlage technische Besonderheiten mit sich.

Was viele nicht wissen: Ein schwacher Netzanschluss kann die Leistung Ihrer neuen PV-Anlage an sonnigen Tagen ausbremsen. Dieser Ratgeber erklärt die Hintergründe und zeigt, welche Lösungen es für Eigentümer in ländlichen Lagen gibt.

Das Stromnetz in ländlichen Regionen: Eine besondere Ausgangslage

Öffentliche Stromnetze wurden historisch dafür konzipiert, Strom von zentralen Großkraftwerken zu den Verbrauchern zu transportieren – also nur in eine Richtung. Die Infrastruktur in ländlichen Gebieten besteht oft aus langen Leitungen, die nur wenige Haushalte versorgen. Man spricht hier von einem schwachen Netzanschlusspunkt oder dem Ende des Netzes.

Mit dem Aufkommen der dezentralen Energieerzeugung durch PV-Anlagen hat sich die Situation grundlegend geändert. Nun wird Strom nicht nur verbraucht, sondern an unzähligen Punkten auch ins Netz eingespeist. Für diese umgekehrte Flussrichtung sind ältere Netze oft nicht ausgelegt.

Das lässt sich mit einem langen, dünnen Gartenschlauch vergleichen: Der Wasserdruck am Ende ist deutlich geringer. Versucht man nun, am Ende Wasser in den Schlauch zurückzudrücken, stößt man auf erheblichen Widerstand.

Netzanschluss in abgelegenen Gebieten

Die Herausforderung der Spannungshaltung: Wenn die Sonne zu stark scheint

Das Kernproblem bei der Einspeisung von Solarstrom in ein schwaches Netz liegt in der sogenannten Spannungsanhebung. Physikalisch bedingt führt jede Einspeisung von elektrischer Leistung zu einem leichten Anstieg der Netzspannung am Anschlusspunkt. In einem starken, städtischen Netz fällt dieser Anstieg kaum ins Gewicht. An einem langen, ländlichen Leitungsstrang kann dieser Effekt jedoch kritische Werte erreichen.

Die Norm (VDE-AR-N 4105) schreibt vor, dass die Spannung am Netzanschlusspunkt durch die PV-Anlage um nicht mehr als 3 % ansteigen darf. Wird dieser Grenzwert überschritten, muss sich der Wechselrichter aus Sicherheitsgründen sofort vom Netz trennen, um das öffentliche Netz und die angeschlossenen Geräte zu schützen.

Das Ergebnis ist paradox: An einem strahlenden Sonnentag, wenn Ihre Anlage die meiste Energie produzieren könnte, schaltet sie sich womöglich ab, weil das Netz den Strom nicht aufnehmen kann. Sie verlieren wertvolle Erträge, obwohl die Sonne scheint.

Ein typisches Szenario: Sie bewohnen einen Hof am Ende einer mehrere Kilometer langen Stromleitung. An einem sonnigen Sonntagmittag produziert Ihre neue 15-kWp-Anlage auf dem Scheunendach Strom im Überfluss. Ihre Nachbarn sind jedoch ausgeflogen und verbrauchen kaum Energie. Der von Ihnen eingespeiste Strom kann nicht abtransportiert werden, die Spannung im lokalen Netzabschnitt steigt und Ihr Wechselrichter schaltet ab.

Lösungen für den Netzanschluss am schwachen Netz

Wenn der Netzbetreiber feststellt, dass Ihr Anschlusspunkt für die geplante Anlagengröße zu schwach ist, bedeutet das nicht das Ende Ihres Solarprojekts. Es gibt mehrere bewährte Lösungsansätze.

Begrenzung der Einspeiseleistung (Wirkleistungsreduktion)

Die häufigste und einfachste Lösung ist die Drosselung der Einspeisung. Dabei wird der Wechselrichter so konfiguriert, dass er nie mehr als eine vom Netzbetreiber festgelegte Leistung ins Netz einspeist. Statt der vollen Leistung von beispielsweise 10 kWp dürfen dann vielleicht nur 6 kWp eingespeist werden. Der restliche Strom, der nicht im Haus verbraucht wird, geht verloren. Die 70-Prozent-Regelung bei Photovoltaik ist ein bekanntes Beispiel für eine solche Abregelung, auch wenn die Hintergründe heute andere sind. Diese Methode ist zwar kostengünstig, aber unbefriedigend, da Sie bewusst auf Erträge verzichten.

Netzverstärkung durch den Netzbetreiber

Die theoretisch beste Lösung ist der Ausbau des öffentlichen Netzes, zum Beispiel durch die Verlegung dickerer Kabel oder den Bau einer neuen Trafostation. In der Praxis ist dies jedoch oft ein langwieriger und kostspieliger Prozess. Zwar ist der Netzbetreiber für die Netzstabilität verantwortlich, die Kosten für den Ausbau können jedoch unter Umständen auf den Anlagenbetreiber umgelegt werden. Hier geht es schnell um fünf- bis sechsstellige Beträge, was für einen einzelnen Haushalt meist unwirtschaftlich ist.

Optimierung des Eigenverbrauchs

Die intelligenteste und für Sie als Eigentümer vorteilhafteste Lösung liegt in der Maximierung Ihres Eigenverbrauchs. Der Grundgedanke ist einfach: Verbrauchen Sie so viel Solarstrom wie möglich selbst, bevor er ins Netz gelangt. Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde entlastet das Netz und erspart Ihnen gleichzeitig den teuren Zukauf von Strom.

Möglichkeiten zur Eigenverbrauchsoptimierung sind:

  • Intelligentes Lastmanagement: Schalten Sie große Verbraucher wie Waschmaschine, Trockner oder Spülmaschine gezielt dann ein, wenn die Sonne scheint.


  • Elektroauto laden: Nutzen Sie den überschüssigen Solarstrom, um Ihr E-Auto zu laden.


  • Warmwasserbereitung: Ein Heizstab im Wasserspeicher kann überschüssige Energie in Wärme umwandeln.


  • Stromspeicher: Ein Stromspeicher für Photovoltaik ist hier die effektivste Lösung. Er speichert den mittags erzeugten Überschuss und stellt ihn abends und nachts zur Verfügung. Dadurch wird die Einspeisespitze gekappt und die Netzbelastung deutlich reduziert.


Gerade bei einem schwachen Netzanschluss entscheiden sich daher viele Eigentümer für einen ausreichend dimensionierten Stromspeicher, da er das Problem der Spannungsanhebung am effektivsten löst und gleichzeitig die Autarkie massiv erhöht.

Optimierung des Eigenverbrauchs

Die radikale Alternative: Das Inselsystem

In extremen Fällen, etwa bei sehr abgelegenen Ferienhäusern, Berghütten oder landwirtschaftlichen Betrieben ohne stabilen oder gar ohne vorhandenen Netzanschluss, kann ein komplettes Inselsystem die beste Wahl sein. Eine solche Anlage ist vollständig vom öffentlichen Netz entkoppelt und stellt so die autarke Stromversorgung des Gebäudes sicher.

Ein Inselsystem erfordert eine besonders sorgfältige Planung, da es die gesamte Stromversorgung allein sicherstellen muss. Es besteht typischerweise aus einer größeren PV-Anlage, einem leistungsfähigen Inselwechselrichter und einer großen Batterie. Oft wird es für sonnenarme Winterperioden mit einem Notstromaggregat (z. B. einem Dieselgenerator) kombiniert. Mehr über die Funktionsweise und die Komponenten erfahren Sie in unserem Ratgeber zum Thema Inselsystem Photovoltaik.

FAQ – Häufige Fragen zum Netzanschluss in Randlagen

Wer stellt fest, ob mein Netzanschluss zu schwach ist?
Diese Prüfung obliegt Ihrem örtlichen Netzbetreiber. Im Rahmen der Netzanfrage für Ihre geplante PV-Anlage führt der Betreiber eine Netzverträglichkeitsprüfung durch und teilt Ihnen das Ergebnis sowie eventuelle Auflagen mit.

Erhalte ich trotzdem eine Einspeisevergütung, wenn meine Anlage gedrosselt wird?
Ja. Sie erhalten die gesetzliche Einspeisevergütung für jede Kilowattstunde, die Sie tatsächlich ins Netz einspeisen. Wenn Ihre Anlage jedoch häufig abregelt, fällt Ihr Ertrag aus der Einspeisung entsprechend geringer aus.

Ist ein schwacher Netzanschluss ein K.-o.-Kriterium für eine PV-Anlage?
Nein, in den meisten Fällen nicht. Es erfordert lediglich eine intelligentere Planung. Durch die Kombination von Eigenverbrauchsoptimierung und einem Stromspeicher lässt sich das Problem in der Regel gut lösen und die Wirtschaftlichkeit der Anlage sicherstellen.

Mit welchen Kosten muss ich bei einer Netzverstärkung rechnen?
Die Kosten sind sehr unterschiedlich und hängen von der Entfernung zum nächsten starken Netzpunkt sowie dem erforderlichen Aufwand ab. Sie können von wenigen Tausend Euro bis hin zu über 50.000 Euro reichen. Eine genaue Auskunft kann Ihnen nur der Netzbetreiber nach einer technischen Prüfung geben.

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Fazit: Gute Planung ist der Schlüssel zum Erfolg

Eine Photovoltaikanlage in einer abgelegenen Lage ist kein Widerspruch, sondern eine Chance für mehr Unabhängigkeit. Die Herausforderung eines schwachen Netzanschlusses ist real, lässt sich aber mit der richtigen Strategie meistern. Anstatt auf teure Netzverstärkungsmaßnahmen zu hoffen, liegt der Schlüssel meist in der intelligenten Nutzung des eigenen Solarstroms.

Indem Sie Ihren Eigenverbrauch mithilfe eines Stromspeichers und intelligenten Managements maximieren, lösen Sie nicht nur das technische Problem der Spannungsanhebung, sondern steigern zugleich Ihre Autarkie und senken Ihre Stromkosten am effektivsten. Eine sorgfältige Planung ist hier der Schlüssel zum langfristigen Erfolg Ihres Projekts.

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