Schleichender Leistungsverlust (Degradation): Wie Sie die normale Alterung von einem echten Defekt unterscheiden

Schleichender Leistungsverlust (Degradation): Wie Sie normale Alterung von einem echten Defekt unterscheiden

Ihre Photovoltaik-Anlage läuft seit einigen Jahren zuverlässig auf dem Dach und produziert sauberen Strom. Doch in letzter Zeit beschleicht Sie das Gefühl, dass der Ertrag nicht mehr ganz so hoch ist wie am Anfang. Ist das nur Einbildung, liegt es am Wetter oder ist vielleicht etwas kaputt?

Diese Unsicherheit kennen viele Anlagenbetreiber. Die gute Nachricht: Ein leichter Leistungsabfall über die Jahre ist völlig normal. Dieser Prozess nennt sich Degradation – die natürliche, altersbedingte Ermüdung der Solarmodule.

Wichtig ist jedoch, diesen schleichenden Verschleiß von einem echten Defekt zu unterscheiden, der schnelles Handeln erfordert. Dieser Beitrag erklärt die Unterschiede und zeigt, worauf Sie bei Ihren Daten achten sollten. So gewinnen Sie mehr Sicherheit im Umgang mit der Leistung Ihrer Anlage.

Was ist Degradation? Der natürliche Alterungsprozess von Solarmodulen

Stellen Sie sich Solarmodule wie einen Hochleistungssportler vor, dessen Spitzenleistung auch bei bester Pflege über die Jahre langsam nachlässt. Diese allmähliche Verringerung des Wirkungsgrads nennt man Degradation – ein physikalisch bedingter Prozess, der bei allen Solarmodulen auftritt.

Die Hauptursachen für diese natürliche Alterung sind Umwelteinflüsse:

  • UV-Strahlung: Die ständige Sonneneinstrahlung zermürbt langsam die Materialien im Modul.
  • Temperaturschwankungen: Der Wechsel zwischen heißen Sommertagen und kalten Winternächten belastet die Zellverbindungen.
  • Lichtinduzierte Degradation (LID): Ein Effekt, der hauptsächlich in den ersten Betriebsstunden auftritt und die Leistung geringfügig, aber dauerhaft reduziert.

Als Faustregel gilt, dass moderne, hochwertige Solarmodule pro Jahr etwa 0,3 % bis 0,5 % ihrer ursprünglichen Leistung verlieren. Die Hersteller sichern dies durch Leistungsgarantien ab, wobei eine garantierte Leistung von mindestens 80 % bis 87 % nach 25 Jahren üblich ist. Die exakte [Link 2: Anchor „Leistung von Solarmodulen“, URL „/solarmodule-leistung“] hängt zwar von vielen Faktoren ab, doch dieser Korridor bietet eine verlässliche Orientierung.

Normaler Verschleiß vs. echter Defekt: Wo liegt der Unterschied?

Der entscheidende Unterschied zwischen Degradation und einem Defekt liegt in der Geschwindigkeit und im Ausmaß des Leistungsverlusts.

  • Degradation ist ein langsamer, linearer und vorhersehbarer Prozess, der in der Regel alle Module einer Anlage mehr oder weniger gleichmäßig betrifft. Der Ertrag sinkt dabei über Jahre hinweg nur minimal.
  • Ein Defekt hingegen führt meist zu einem plötzlichen, deutlichen und oft unregelmäßigen Leistungsabfall, von dem häufig nur ein einzelnes Modul, ein Strang oder der Wechselrichter betroffen ist.

Diagramm, das den linearen Leistungsabfall (Degradation) im Vergleich zu einem plötzlichen Defekt zeigt

Typische Beispiele für Defekte sind:

  • Glasbruch durch Hagel
  • Defekte Bypass-Dioden
  • Lose Steckverbindungen oder beschädigte Kabel
  • Ein Ausfall des Wechselrichters

Eine besondere Form, die zwischen Degradation und Defekt steht, ist die potentialinduzierte Degradation (PID). Laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme kann dieser Effekt durch hohe Spannungen im System ausgelöst werden und zu Leistungsverlusten von bis zu 30 % führen. Das Tückische: PID ist ein schleichender Prozess, der aber weit über die normale Alterung hinausgeht. Die gute Nachricht: Bei modernen, zertifizierten Modulen ist PID kaum noch ein Thema, und der Prozess ist unter bestimmten Umständen sogar umkehrbar.

Anzeichen für eine übermäßige Alterung: Wann sollten Sie genauer hinsehen?

Um einen problematischen Leistungsabfall zu erkennen, stehen Ihnen zwei Wege offen: die visuelle Prüfung und die Analyse Ihrer Anlagendaten.

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Die visuelle Prüfung vor Ort

Ein regelmäßiger Blick auf Ihre Module kann erste Hinweise liefern. Achten Sie auf sichtbare Veränderungen, auch wenn diese nicht immer direkt mit einem Leistungsverlust einhergehen müssen:

  • Verfärbungen (Browning): Gelbliche oder bräunliche Verfärbungen der Einbettungsfolie.
  • Delamination: Einzelne Schichten des Moduls lösen sich voneinander, was zu Blasenbildung führt.
  • „Schneckenspuren“: Feine, dunkle Linien auf den Zellen, die durch Mikrorisse entstehen können.
  • Hotspots: Sichtbare Schmauchspuren oder dunkle Flecken, die auf eine lokale Überhitzung hindeuten.

Nahaufnahme eines leicht verwitterten Solarmoduls, das Alterungsspuren zeigt

Die Analyse der Ertragsdaten

Die zuverlässigste Methode ist jedoch die laufende Überwachung Ihrer Anlagendaten. Ihr Wechselrichter oder ein separates Monitoring-System zeichnet kontinuierlich auf, wie viel Strom Ihre Anlage produziert.

Screenshot einer Monitoring-App, die eine Leistungskurve über einen Monat anzeigt

Worauf Sie dabei achten sollten:

  • Jahresvergleich: Vergleichen Sie den Ertrag eines Monats (z. B. Mai 2024) mit dem des Vorjahresmonats (Mai 2023). Dabei müssen Sie die Wetterbedingungen berücksichtigen: War der Monat deutlich sonnenärmer, ist ein geringerer Ertrag normal. Fällt der Ertrag bei vergleichbarem Wetter jedoch um mehr als 2-3 % ab, ist das ein Warnsignal.
  • Performance Ratio (PR): Diese Kennzahl beschreibt die Qualität Ihrer Anlage über das Verhältnis zwischen dem tatsächlichen und dem theoretisch möglichen Ertrag. Ein guter Wert liegt über 90 %. Sinkt der PR-Wert über mehrere Monate oder Jahre kontinuierlich, ist das ein klares Indiz für einen überdurchschnittlichen Leistungsverlust.

Praxisbeispiel: Eine 10-kWp-Anlage in Süddeutschland erzeugt rund 10.000 kWh pro Jahr. Eine normale Degradation von 0,4 % bedeutet einen Minderertrag von 40 kWh im zweiten Jahr. Stellt der Besitzer nun aber fest, dass die Anlage plötzlich 500 kWh weniger erzeugt als im Vorjahr mit ähnlichem Wetter, liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit ein technisches Problem und keine normale Alterung vor.

Was tun bei Verdacht auf einen Leistungsabfall?

Wenn Ihre Daten oder eine Sichtprüfung auf ein Problem hindeuten, gehen Sie am besten systematisch vor:

  1. Einfache Ursachen ausschließen: Ist die Anlage stark verschmutzt durch Staub, Pollen oder Laub? Manchmal kann eine professionelle Reinigung die volle Leistung wiederherstellen.
  2. Daten genau analysieren: Prüfen Sie, ob der Leistungsabfall alle Module betrifft oder nur einen bestimmten Strang. Ein Problem mit einem einzelnen Strang deutet oft auf einen lokalen Defekt hin (z. B. Kabelproblem, Moduldefekt).
  3. Fachmann konsultieren: Wenn Sie die Ursache nicht selbst finden können, ist es Zeit für einen Experten. Ein Solarteur kann mit speziellen Messgeräten wie einer Wärmebildkamera (Thermografie) oder einer Elektrolumineszenz-Kamera Hotspots und Zellbrüche aufspüren, die mit bloßem Auge unsichtbar sind. Eine regelmäßige [Link 1: Anchor „Wartung Ihrer PV-Anlage“, URL „/photovoltaik-wartung“] hilft, solche Probleme frühzeitig zu erkennen.

Die Erfahrung aus der Praxis zeigt, dass viele unerklärliche Leistungsverluste auf defekte Steckverbindungen oder Probleme am Wechselrichter zurückzuführen sind. Beides kann ein Fachmann oft schnell identifizieren und beheben.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie hoch ist die normale Degradation pro Jahr?
Bei aktuellen Qualitätsmodulen liegt die jährliche Degradation typischerweise zwischen 0,3 % und 0,5 %. Nach 25 Jahren sollte das Modul also noch mindestens 80 % seiner ursprünglichen Nennleistung erbringen.

Beeinflusst die Degradation die Garantie?
Ja. Hersteller geben eine Leistungsgarantie, die genau diesen Alterungsprozess abdeckt. Fällt die Leistung eines Moduls innerhalb des Garantiezeitraums unter den garantierten Schwellenwert (z. B. 87 % nach 25 Jahren), handelt es sich um einen Garantiefall.

Kann ich die Degradation aufhalten?
Nein, der grundlegende physikalische Prozess lässt sich nicht stoppen. Sie können ihn jedoch minimieren, indem Sie von Anfang an auf hochwertige, zertifizierte Module von renommierten Herstellern setzen. Diese verwenden langlebigere Materialien und sind besser gegen Effekte wie PID geschützt.

Ist meine zehn Jahre alte Anlage technisch überholt?
Technisch gesehen sind neue Module effizienter und oft robuster. Eine gut geplante und installierte ältere [Link 3: Anchor „Photovoltaik-Anlage“, URL „/photovoltaik-anlage“] kann jedoch jahrzehntelang zuverlässig Strom produzieren. Eine regelmäßige Überprüfung stellt sicher, dass sie weiterhin nahe an ihrem Optimum arbeitet.

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Fazit: Wachsamkeit zahlt sich aus

Ein leichter, schleichender Leistungsverlust Ihrer Photovoltaik-Anlage ist kein Grund zur Sorge, sondern ein normaler Teil des Produktlebenszyklus. Entscheidend ist nur, diesen Prozess zu verstehen und ihn von einem ernsthaften Defekt unterscheiden zu können.

Ein modernes Monitoring-System ist dabei Ihr wichtigstes Werkzeug. Es ermöglicht Ihnen, die Gesundheit Ihrer Anlage im Blick zu behalten und bei Unregelmäßigkeiten rechtzeitig zu reagieren. Mit dem Wissen über Degradation und den richtigen Werkzeugen zur Überwachung werden Sie vom passiven Nutzer zum aktiven Manager Ihrer eigenen Energieerzeugung – und sichern so langfristig Ihre Erträge.

Weitere praxisnahe Informationen zur Auswahl der richtigen Komponenten finden Sie direkt auf Photovoltaik.info.

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Patrick Thoma
Patrick Thoma

Patrick Thoma ist Gründer von Mehrklicks.de und JVGLABS.com.
Er entwickelt Systeme für KI-Sichtbarkeit und semantische Architektur – mit Fokus auf Marken, die in ChatGPT, Perplexity und Google SGE sichtbar bleiben wollen.

Mehr über ihn und die Arbeit:
Über Patrick Thoma | Mehrklicks – KI-Sichtbarkeit | Unsere Leistungen