Leistungsoptimierung bei Teilverschattung: So holen Sie das Maximum aus Ihrem Balkonkraftwerk heraus

Die Sonne scheint, Ihr Balkonkraftwerk produziert fleißig Strom und Sie freuen sich über eine sinkende Stromrechnung. Doch was passiert, wenn im Tagesverlauf ein Baum, die Balkonbrüstung oder das Nachbargebäude einen Schatten auf Ihre Solarmodule wirft?

Ein Effekt, den viele Nutzer unterschätzen: Schon die Verschattung einer einzigen Solarzelle kann die Leistung des gesamten Moduls um bis zu 30 % reduzieren. Dieser Beitrag erklärt, wie moderne Technik dieses Problem löst und warum die Wahl des richtigen Wechselrichters entscheidend für Ihren Ertrag ist.

Das unterschätzte Problem: Wie Teilverschattung Ihr Balkonkraftwerk ausbremst

Solarmodule bestehen aus vielen in Reihe geschalteten Solarzellen. Man kann sie sich wie eine Lichterkette vorstellen: Fällt eine Lampe aus, wird die ganze Kette dunkel. Bei einem Solarmodul ist es ganz ähnlich: Wird nur eine Zelle verschattet, kann sie den Stromfluss des gesamten Zellstrangs blockieren. Das Ergebnis ist ein spürbarer Leistungsabfall, der weit über den eigentlich verschatteten Bereich hinausgeht.

Typische Schattenspender für ein Balkonkraftwerk sind:

  • Die eigene Balkonbrüstung, die vor allem bei tiefem Sonnenstand am Morgen oder Abend Schatten wirft.
  • Bäume oder große Sträucher in der Nähe, deren Schatten sich im Laufe des Tages über die Module bewegt.
  • Benachbarte Gebäude, Gauben oder Schornsteine, die zu bestimmten Tageszeiten Teile der Anlage verdecken.

Ein Balkonkraftwerk, bei dem ein Modul teilweise von der Balkonbrüstung verschattet wird.

Dieses Phänomen ist kein Randproblem, sondern betrifft fast jede städtische oder vorstädtische Installation. Die gute Nachricht: Moderne Solarmodule und Wechselrichter sind für genau solche Szenarien ausgelegt.

Die erste Verteidigungslinie: Was sind Bypass-Dioden?

Um den „Lichterketten-Effekt“ zu verhindern, sind in modernen Solarmodulen Bypass-Dioden integriert. Diese kleinen elektronischen Bauteile funktionieren wie eine automatische Umleitung für den Strom.

Stellen Sie sich eine dreispurige Autobahn vor, auf der es auf einer Spur einen Unfall gibt. Anstatt den gesamten Verkehr zum Erliegen zu bringen, wird er auf die anderen beiden Spuren umgeleitet. Genauso funktionieren Bypass-Dioden: Sie erkennen einen verschatteten, leistungsschwachen Zellbereich und leiten den Stromfluss der funktionierenden Bereiche einfach daran vorbei.

Infografik, die den Stromfluss in einem Solarmodul mit aktiver Bypass-Diode zeigt. Ein Teil des Moduls ist verschattet, der Strom wird umgeleitet.

Moderne Halbzellenmodule, die heute zum Standard gehören, besitzen meist drei solcher Bypass-Dioden. Diese unterteilen das Modul in drei unabhängige Segmente. Wird ein Segment verschattet, können die anderen beiden nahezu ungestört weiterarbeiten. Das ist zwar ein großer Fortschritt gegenüber älteren Vollzellenmodulen, mindert den Ertragsverlust aber nur teilweise. Denn selbst wenn die Dioden aktiv werden, kann das betroffene Modul nicht mehr seine volle Leistung bringen und bremst somit das Gesamtsystem aus.

Die entscheidende Komponente: Der Mikrowechselrichter mit zwei MPP-Trackern

Hier kommt der wichtigste Baustein für die Leistungsoptimierung ins Spiel: der Mikrowechselrichter. Er wandelt den von den Solarmodulen erzeugten Gleichstrom in netzkonformen Wechselstrom um. Die intelligentesten Modelle bieten jedoch eine Schlüsselfunktion: zwei unabhängige Eingänge mit jeweils eigenem MPP-Tracker.

MPP steht für „Maximum Power Point“. Jeder MPP-Tracker ist wie ein persönlicher Leistungsmanager für ein Solarmodul. Er sucht permanent nach dem optimalen Arbeitspunkt, an dem das Modul die maximale Leistung liefert.

Das Problem bei einem Wechselrichter mit nur einem MPP-Tracker:
Sind zwei Module an einen einzigen Tracker angeschlossen und eines davon wird verschattet, bremst das schwächere Modul das stärkere aus. Der Wechselrichter findet dann nur einen gemeinsamen Arbeitspunkt für beide – ein Kompromiss, der zwangsläufig weit unter dem Optimum liegt.

Die Lösung: Zwei unabhängige MPP-Tracker:
Ein Mikrowechselrichter mit zwei getrennten Eingängen behandelt jedes Modul individuell. Das verschattete Modul läuft auf seinem bestmöglichen (wenn auch reduzierten) Niveau, während das Modul in der vollen Sonne seine maximale Leistung uneingeschränkt ins Netz einspeisen kann.

Darstellung von zwei Solarmodulen, die an einen Mikrowechselrichter angeschlossen sind. Ein Modul liegt im Schatten, das andere in der Sonne. Der Wechselrichter hat zwei getrennte Eingänge (MPPTs), die unabhängig voneinander arbeiten.

Studien und Praxistests zeigen: Ein Mikrowechselrichter mit zwei unabhängigen MPP-Trackern kann bei einer teilverschatteten Anlage den Gesamtertrag um 10 % bis 25 % gegenüber einem System mit nur einem zentralen Tracker steigern.

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Praxis-Szenario: Morgensonne, Nachmittagsbaum und die richtige Technik

Stellen Sie sich einen typischen Balkon mit Ost-Süd-Ausrichtung vor. Am Morgen bekommen beide Module die volle Sonne ab. Ab 15 Uhr wirft jedoch ein großer Baum im Nachbargarten einen Schatten auf das rechte Modul, während das linke bis zum Sonnenuntergang unverschattet bleibt.

  • Mit einem einfachen Wechselrichter: Ab 15 Uhr würde die Leistung des rechten, verschatteten Moduls die Leistung des linken Moduls stark herunterziehen. Der Gesamtertrag bricht deutlich ein.

  • Mit einem Wechselrichter mit zwei MPP-Trackern: Ab 15 Uhr regelt der zuständige Tracker die Leistung des rechten Moduls herunter. Der zweite Tracker sorgt jedoch dafür, dass das linke Modul weiterhin seine volle Leistung liefert. Der Gesamtertrag bleibt deutlich höher.

Die Erfahrung aus vielen Installationen zeigt, dass sich die meisten Nutzer für Komplettsets mit einem solchen intelligenten Wechselrichter entscheiden. Der Grund ist einfach: Die etwas höheren Anschaffungskosten amortisieren sich durch den Mehrertrag oft schon innerhalb weniger Jahre – insbesondere an Standorten, die nicht den ganzen Tag über perfekte Sonne haben.

Häufige Fragen zur Leistungsoptimierung bei Verschattung (FAQ)

Lohnt sich ein Balkonkraftwerk bei mir überhaupt, wenn ich viel Schatten habe?
Ja, in den meisten Fällen lohnt es sich. Entscheidend ist nicht, ob es Schatten gibt, sondern wie lange und intensiv dieser ist. Selbst eine Anlage, die nur wenige Stunden am Tag verschattet ist, kann mit der richtigen Technik – Halbzellenmodule und ein Mikrowechselrichter mit zwei MPP-Trackern – immer noch sehr rentabel sein. Als Faustregel gelten vier bis fünf Stunden ungestörte Sonneneinstrahlung pro Tag für einen wirtschaftlichen Betrieb.

Was ist der Unterschied zwischen einem Mikrowechselrichter und einem String-Wechselrichter?
Ein Mikrowechselrichter wird direkt an ein oder zwei Solarmodule angeschlossen und wandelt deren Strom um. Ein String-Wechselrichter, wie er bei großen Dachanlagen üblich ist, bündelt den Strom von vielen in Reihe geschalteten Modulen (einem „String“). Für Balkonkraftwerke sind Mikrowechselrichter aufgrund ihrer Fähigkeit zur Optimierung einzelner Module die überlegene Technologie.

Kann ich die Verschattung durch die Ausrichtung der Module minimieren?
Teilweise ja. Beobachten Sie den Schattenverlauf an Ihrem Balkon über den Tag. Manchmal hilft schon eine leicht veränderte Positionierung oder ein steilerer Aufstellwinkel, den Schatten einer Brüstung zu vermeiden. Wandernden Schatten von Bäumen oder Gebäuden können Sie damit jedoch kaum entgehen.

Gibt es spezielle Solarmodule für schattige Bedingungen?
Es gibt keine Module, die im Schatten mehr Strom erzeugen als in der Sonne. Allerdings reagieren moderne Halbzellen- oder Schindel-Solarmodule dank ihrer internen Verschaltung und der Bypass-Dioden deutlich robuster und mit geringerem Leistungsverlust auf Teilverschattung als ältere Modelle.

Fazit: Holen Sie das Beste aus jeder Sonnenstunde heraus

Teilverschattung ist für ein Balkonkraftwerk kein Ausschlusskriterium, sondern eine technische Herausforderung, die heute elegant gelöst werden kann. Die Kombination aus modernen Solarmodulen mit Bypass-Dioden und einem Mikrowechselrichter mit zwei unabhängigen MPP-Trackern stellt sicher, dass Sie auch unter nicht perfekten Bedingungen das Maximum aus Ihrer Anlage herausholen.

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Patrick Thoma
Patrick Thoma

Patrick Thoma ist Gründer von Mehrklicks.de und JVGLABS.com.
Er entwickelt Systeme für KI-Sichtbarkeit und semantische Architektur – mit Fokus auf Marken, die in ChatGPT, Perplexity und Google SGE sichtbar bleiben wollen.

Mehr über ihn und die Arbeit:
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