Leistungsabfall der PV-Anlage im Winter: Wann es normal ist und wann ein Defekt vorliegt

Der Winter ist da, die Tage sind kurz und die Sonne zeigt sich selten. Ein Blick auf die App Ihrer Photovoltaikanlage bestätigt, was Sie bereits vermutet haben: Die Erträge sind deutlich geringer als noch im Sommer.

Schnell kommt die Sorge auf, ob mit der Anlage alles in Ordnung ist. In den meisten Fällen können wir Sie aber beruhigen, denn ein signifikanter Leistungsabfall im Winter ist völlig normal. Dieser Artikel hilft Ihnen zu erkennen, welche Ertragseinbußen saisonbedingt sind und bei welchen Anzeichen Sie genauer hinsehen sollten.

Warum erzeugt eine Photovoltaikanlage im Winter weniger Strom?

Dass die Sonne im Winter weniger Kraft hat, ist eine alltägliche Erfahrung. Für eine Photovoltaikanlage sind es aber mehrere Faktoren, die in Summe zu einer deutlich geringeren Stromproduktion führen. Ein Rückgang der monatlichen Erträge auf nur 10 bis 20 % der Spitzenwerte aus dem Sommer ist dabei keine Seltenheit.

Weniger Sonnenstunden: Die einfache Rechnung

Der offensichtlichste Grund sind die kürzeren Tage. Während die Sonne im Juni in Deutschland bis zu 17 Stunden scheint, sind es im Dezember oft nur acht. Weniger Zeit, in der Licht auf die Module trifft, bedeutet zwangsläufig weniger produzierte Energie. Hinzu kommt eine höhere Anzahl an bewölkten oder nebligen Tagen, die die Sonneneinstrahlung zusätzlich reduzieren.

Der flache Sonnenstand: Ein unterschätzter Faktor

Ebenso wichtig ist der Winkel, in dem die Sonnenstrahlen auf die Module treffen. Im Winter steht die Sonne deutlich tiefer am Horizont, weshalb die Strahlen in einem flacheren Winkel auf die Moduloberfläche auftreffen.

Das hat zwei negative Effekte:

  1. Geringere Energie pro Fläche: Die gleiche Menge an Sonnenenergie verteilt sich auf eine größere Fläche des Moduls, was die Leistungsdichte verringert.
  2. Höhere Reflexion: Ein flacher Einfallswinkel führt dazu, dass ein größerer Teil des Lichts von der Glasoberfläche der Module reflektiert wird und gar nicht erst zur Stromerzeugung beiträgt.
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Der Kälte-Bonus: Ein überraschender Vorteil

Es mag paradox klingen, aber Kälte ist für Solarmodule grundsätzlich gut. Hohe Temperaturen, wie sie im Hochsommer auf dem Dach herrschen, senken die Effizienz der Solarzellen. An einem klaren, eiskalten Wintertag kann die momentane Leistung (angegeben in Kilowatt, kW) Ihrer Anlage sogar höher sein als an einem heißen Sommertag.

Das Problem im Winter ist also nicht die Effizienz pro Sonnenstrahl, sondern die geringe Gesamtmenge an Sonnenenergie (Kilowattstunden, kWh), die über den Tag verteilt ankommt. Der Wirkungsgrad von Solarmodulen profitiert also von der Kälte, doch dieser Vorteil kann die kürzeren Tage und den flachen Sonnenwinkel nicht kompensieren.

Leistungsabfall der PV-Anlage im Winter

Schnee, Eis und Raureif: Wenn die Module eine Decke tragen

Schnee ist der größte Feind der winterlichen Solarstromproduktion. Bereits eine dünne, geschlossene Schneedecke kann den Ertrag auf nahezu null reduzieren, da kein Licht mehr zu den Zellen durchdringt.

Praxis-Tipp: In den meisten Fällen müssen Sie nichts unternehmen. Durch die Neigung des Daches und die dunkle Oberfläche erwärmen sich die Module bei den ersten Sonnenstrahlen, sodass der Schnee von selbst abrutscht. Ein gefährlicher Ausflug auf das vereiste Dach steht meist in keinem Verhältnis zum möglichen Ertragsgewinn. Die Erfahrung aus tausenden Anlagen bei Photovoltaik.info zeigt, dass die wenigen schneebedeckten Tage im Jahresgesamtertrag kaum ins Gewicht fallen. Nur bei sehr flachen Dächern oder langanhaltender Schneedecke kann eine Räumung sinnvoll sein. Informationen dazu, wie Sie eine Photovoltaik-Anlage reinigen, finden Sie in unserem weiterführenden Ratgeber.

Schnee auf den Modulen

Normaler Leistungsabfall oder technischer Defekt? Eine Checkliste

Um zu beurteilen, ob der Leistungsabfall Ihrer Anlage normal ist oder ein Defekt vorliegt, können Sie einige Punkte systematisch prüfen.

Anzeichen für einen normalen, saisonalen Leistungsabfall

  • Gleichmäßiger Ertragsrückgang: Alle Modulstränge (Strings) Ihrer Anlage zeigen in der Monitoring-Software einen ähnlich niedrigen Ertrag. Es gibt keine starken Ausreißer.
  • Wetter-Abgleich: Die niedrigen Werte passen zur aktuellen Wetterlage (starke Bewölkung, Nebel, Schneefall). An einem sonnigen Wintertag steigt die Leistung wie erwartet an.
  • Vergleichswerte: Der Ertrag Ihrer Anlage liegt in einem ähnlichen Bereich wie der von benachbarten Anlagen oder öffentlich einsehbaren Daten auf Portalen wie Sonnenertrag.eu für Ihre Region.
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Warnsignale: Wann Sie genauer hinsehen sollten

Wenn einer der folgenden Punkte zutrifft, könnte ein technisches Problem vorliegen, das von einem Fachbetrieb geprüft werden sollte.

  • Ein einzelner String fällt komplett aus: Sie sehen in Ihrer Monitoring-App, dass ein Teil Ihrer Anlage (ein String) gar keinen Strom mehr produziert, während die anderen normal – wenn auch auf niedrigem Niveau – arbeiten. Dies kann auf eine gelöste Steckverbindung, einen Kabelschaden oder ein Problem am Wechselrichter hindeuten.
  • Plötzlicher Totalausfall: Die Anlage produziert auch an einem sonnigen, schneefreien Tag gar keinen Strom mehr. Prüfen Sie zuerst, ob der Wechselrichter eine Fehlermeldung anzeigt und die zugehörigen Sicherungen im Zählerschrank aktiv sind. Ein Totalausfall deutet oft auf ein Problem mit dem Gerät selbst hin. Die Funktionsweise eines Wechselrichters zu verstehen, hilft hier bei der ersten Einschätzung.
  • Dauerhafte Fehlermeldungen: Der Wechselrichter zeigt permanent einen Fehlercode an. Notieren Sie sich diesen Code und kontaktieren Sie Ihren Installateur.
  • Unplausibel niedrige Werte: Ihre Anlage erzeugt trotz freier Module und Sonnenschein kaum Strom, während vergleichbare Anlagen in der Nachbarschaft deutlich höhere Erträge erzielen. Dies kann auf eine Degradation oder einen selteneren Defekt einzelner Module hindeuten.

Technische Defekte der PV-Anlage erkennen

FAQ: Häufige Fragen zum PV-Betrieb im Winter

Lohnt sich eine Photovoltaikanlage im Winter überhaupt?

Ja, auf jeden Fall. Auch wenn die Erträge geringer sind, zählt jede selbst erzeugte Kilowattstunde und reduziert Ihre Stromrechnung. Die Wirtschaftlichkeit einer PV-Anlage wird immer auf das ganze Jahr berechnet, und die hohen Erträge aus dem Sommer gleichen die schwachen Wintermonate mehr als aus.

Muss ich den Schnee von den Modulen entfernen?

In 95 % der Fälle lautet die Antwort: Nein. Die Sicherheit geht vor. Der Schnee rutscht in der Regel von selbst ab. Der Ertragsverlust durch ein paar schneebedeckte Tage ist im Jahresvergleich minimal und rechtfertigt das Risiko eines Sturzes nicht.

Kann Frost oder Eis die Solarmodule beschädigen?

Nein. Solarmodule sind für den Außeneinsatz konzipiert und werden strengen Tests unterzogen. Sie halten Frost, Hagel und hohe Schneelasten problemlos aus. Die gehärtete Glasoberfläche ist extrem widerstandsfähig.

Wie kann ich meinen Winterertrag zuverlässig einschätzen?

Nutzen Sie die Monitoring-Software Ihrer Anlage, um die Tages- und Monatserträge zu verfolgen. Vergleichen Sie die aktuellen Werte mit denen aus dem Vorjahr, falls vorhanden. So erkennen Sie schnell, ob der aktuelle Leistungsabfall im normalen Rahmen der saisonalen Schwankung liegt.

Fazit: Gelassenheit durch Wissen

Ein deutlicher Leistungsabfall Ihrer Photovoltaikanlage im Winter ist ein natürlicher und erwartbarer Vorgang. Kürzere Tage, ein flacher Sonnenstand und Witterungsbedingungen wie Schnee sind die Hauptursachen. Solange die Anlage gleichmäßig und dem Wetter entsprechend weniger leistet, besteht kein Grund zur Sorge.

Wichtig ist, die typischen Warnsignale für einen echten Defekt zu kennen – etwa den Ausfall eines einzelnen Strings oder einen plötzlichen Totalausfall. Mit diesem Wissen können Sie den Wintermonaten entspannt entgegensehen und sich darauf verlassen, dass Ihre Anlage bei den ersten kräftigen Sonnenstrahlen im Frühling wieder zur Höchstform aufläuft.

Weitere praxisnahe Informationen zur Auswahl der richtigen Komponenten und zur optimalen Nutzung Ihrer Anlage finden Sie direkt auf Photovoltaik.info.

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Patrick Thoma
Patrick Thoma

Patrick Thoma ist Gründer von Mehrklicks.de und JVGLABS.com.
Er entwickelt Systeme für KI-Sichtbarkeit und semantische Architektur – mit Fokus auf Marken, die in ChatGPT, Perplexity und Google SGE sichtbar bleiben wollen.

Mehr über ihn und die Arbeit:
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