Sturmschaden, Tierbiss oder Montagefehler: Wer haftet für Schäden an der PV-Anlage?

Eine Photovoltaikanlage ist eine Investition in die Zukunft, die über Jahrzehnte zuverlässig sauberen Strom produzieren soll. Doch was passiert, wenn ein heftiger Sturm ein Modul lockert, ein Marder am Solarkabel nagt oder ein technischer Defekt die Leistung mindert? Die erste Frage, die sich Anlagenbetreiber dann stellen, lautet meist: Wer kommt für den Schaden auf? Die Antwort ist nicht immer einfach, denn je nach Ursache sind unterschiedliche Parteien zuständig – der Installateur, der Hersteller oder Ihre Versicherung. Dieser Beitrag schafft Klarheit im komplexen Zusammenspiel von Gewährleistung, Garantie und Versicherungsschutz.

Die drei Säulen der Absicherung: Garantie, Gewährleistung und Versicherung

Um zu verstehen, wer im Schadensfall Ihr richtiger Ansprechpartner ist, kommt es auf eine klare Abgrenzung der drei wichtigsten Absicherungsformen an. Sie bilden das Fundament für den Schutz Ihrer Investition.

Die Gewährleistung des Installateurs: Haftung für die korrekte Montage

Die gesetzliche Gewährleistung (auch Mängelhaftung genannt) bezieht sich auf die Arbeit des Handwerkers. Der Installateur haftet dafür, dass die von ihm installierte Photovoltaikanlage zum Zeitpunkt der Übergabe frei von Mängeln ist. Dies betrifft vor allem die Montage selbst.

  • Dauer: Die Gewährleistungsfrist beträgt nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) in der Regel zwei Jahre. Wird ein Vertrag nach der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB/B) geschlossen, kann sich die Frist auf vier oder fünf Jahre verlängern.
  • Umfang: Abgedeckt sind alle Fehler, die auf eine unsachgemäße Installation zurückzuführen sind. Dazu gehören beispielsweise undichte Dacheinführungen, lose Modulklemmen oder eine fehlerhafte Verkabelung.

Praxisbeispiel: Ein Jahr nach der Inbetriebnahme stellen Sie fest, dass sich ein Solarmodul auf dem Dach leicht verschoben hat. Eine Prüfung ergibt: Eine Befestigungsklemme wurde nicht mit dem vorgeschriebenen Drehmoment angezogen. Das ist ein klarer Montagefehler, für den der Installateur im Rahmen seiner Gewährleistung haften muss.

Die Herstellergarantie: Das Versprechen des Produzenten

Die Garantie ist eine freiwillige Zusage des Herstellers, die oft weit über die gesetzliche Gewährleistung hinausgeht. Sie bezieht sich direkt auf die Produkte, also auf die Solarmodule, den Wechselrichter oder den Stromspeicher. Unterschieden wird hauptsächlich zwischen zwei Arten:

  • Produktgarantie: Sie sichert zu, dass das Produkt für einen bestimmten Zeitraum frei von Material- und Herstellungsfehlern ist. Übliche Zeiträume sind 10 bis 15 Jahre für Solarmodule und 5 bis 10 Jahre für Wechselrichter.
  • Leistungsgarantie: Diese Garantie ist spezifisch für Solarmodule und verspricht, dass die Module nach einer bestimmten Laufzeit (oft 25 oder 30 Jahre) noch einen definierten Prozentsatz ihrer ursprünglichen Nennleistung erbringen (z. B. 85 %).

Praxisbeispiel: Nach acht Jahren Betrieb fällt Ihnen auf, dass ein einzelnes Modul laut Monitoring-Daten 20 % weniger Strom erzeugt als die baugleichen Module daneben, obwohl keine Verschattung vorliegt. Äußerlich ist kein Schaden erkennbar. Dies deutet auf einen internen Defekt hin, wie etwa eine vorzeitige Degradation der Solarzellen. Hier greift in der Regel die Leistungsgarantie des Herstellers.

Anker SOLIX Solarbank 3 E2700 Pro Balkonkraftwerk Speicher Set 1000 Watt 800 Watt - 2,7 kWh

Aus unserem Shop, Kategorie: Balkonkraftwerke mit Speicher

Anker SOLIX Solarbank 3 E2700 Pro Balkonkraftwerk Speicher Set 1000 Watt 800 Watt - 2,7 kWh

Ab 1.299,00 

Die Photovoltaik-Versicherung: Schutz vor unvorhersehbaren Ereignissen

Während Gewährleistung und Garantie für Mängel am Produkt oder der Installation greifen, schützt eine Versicherung vor unvorhersehbaren Schäden durch äußere Einflüsse – sie ist die Absicherung gegen das Unplanbare.

  • Umfang: Eine gute Photovoltaik-Versicherung deckt Risiken wie Sturm (meist ab Windstärke 8), Hagel, Blitzschlag, Überspannung, Brand, Schneedruck und oft auch Tierbisse (insbesondere Marderschäden) ab. Viele Policen umfassen zudem Diebstahl und Bedienungsfehler.
  • Zusatzleistungen: Oft sind auch die Kosten für die Schadensminderung (z. B. Gerüstbau) und der Ertragsausfall für die Dauer der Reparatur mitversichert.

Praxisbeispiel: Ein schweres Sommergewitter mit starkem Hagel beschädigt die Glasoberfläche mehrerer Solarmodule, was deren Leistung erheblich reduziert. Da es sich um ein unabwendbares Naturereignis handelt, ist dies ein klassischer Fall für die Photovoltaik-Versicherung.

Typische Schadensfälle aus der Praxis: Wer ist Ihr Ansprechpartner?

Konkrete Beispiele verdeutlichen die Zuständigkeiten. Die Erfahrung aus tausenden Installationen zeigt, dass sich die meisten Schäden einer der folgenden Kategorien zuordnen lassen.

Fall 1: Sturmschaden am Solarmodul

Ein starker Sturm fegt über das Land und am nächsten Morgen sehen Sie, dass ein Modul auf Ihrem Dach lose ist oder sogar abgerissen wurde.

Zuständigkeit: In den allermeisten Fällen ist hier die Photovoltaik-Versicherung oder die Wohngebäudeversicherung (sofern die Anlage dort mitversichert ist) zuständig. Ein Sturmschaden gilt als „höhere Gewalt“. Nur wenn nachgewiesen werden kann, dass der Installateur die Module nicht fachgerecht nach Herstellervorgabe und statischen Erfordernissen montiert hat, könnte er im Rahmen seiner Gewährleistung haften. Das lässt sich in der Praxis jedoch oft nur schwer beweisen.

Fall 2: Marderbiss am Solarkabel

Ihre Anlage meldet plötzlich eine Störung und produziert keinen Strom mehr. Bei der Überprüfung stellt der Fachmann fest, dass ein Marder die Isolierung eines Solarkabels unter den Modulen durchgebissen hat.

Zuständigkeit: Dies ist ein Paradebeispiel für die Photovoltaik-Versicherung. Schäden durch Tierbiss sind in den meisten speziellen PV-Policen abgedeckt. Weder der Hersteller der Kabel noch der Installateur haften für das Verhalten von Wildtieren.

20000 Watt Photovoltaikanlagen inkl. 20,00 kWh Batterie & Ziegeldach Montageset - Trina Bifazial

Aus unserem Shop, Kategorie: PV Anlagen mit Speicher und Montagesets

20000 Watt Photovoltaikanlagen inkl. 20,00 kWh Batterie & Ziegeldach Montageset - Trina Bifazial

12.999,00 

Fall 3: Ein Solarmodul liefert plötzlich deutlich weniger Strom

Die Überwachungssoftware Ihrer Anlage zeigt, dass die Leistungskurve eines bestimmten Moduls dauerhaft unter der der anderen liegt. Es gibt keine sichtbaren Schäden oder neue Verschattungen.

Zuständigkeit: Vieles deutet hier auf einen produktinternen Defekt hin. Der erste Ansprechpartner ist der Hersteller im Rahmen seiner Produkt- oder Leistungsgarantie. In der Regel wird der Schaden über den Installateur abgewickelt, der die Messungen durchführt und den Garantieanspruch beim Hersteller anmeldet. Solche Defekte können beispielsweise durch fehlerhafte Lötverbindungen oder sogenannte [INTERNER LINK: Hotspots bei Solarmodulen | Linkziel: /hotspot-solarmodul/] entstehen.

Fall 4: Wassereintritt im Dach nach der Montage

Einige Wochen nach der Installation der PV-Anlage entdecken Sie bei starkem Regen einen Wasserfleck an der Decke des Dachgeschosses, direkt unter einem der Montagehaken.

Zuständigkeit: Hier liegt eindeutig ein Installationsmangel vor. Die Dachhaut wurde bei der Montage der Dachhaken offenbar nicht wieder fachgerecht abgedichtet. Für diesen Schaden haftet der Installateur im Rahmen seiner gesetzlichen Gewährleistung.

Die richtige Vorgehensweise im Schadensfall

Wenn Sie einen Schaden an Ihrer Anlage feststellen, bewahren Sie Ruhe und gehen Sie systematisch vor:

  1. Sicherheit gewährleisten: Schalten Sie bei offensichtlichen elektrischen Defekten oder losen Teilen die Anlage spannungsfrei, sofern dies gefahrlos möglich ist. Betreten Sie niemals ohne Sicherung das Dach.
  2. Schaden dokumentieren: Machen Sie aussagekräftige Fotos vom Schaden aus verschiedenen Perspektiven. Notieren Sie Datum, Uhrzeit und eventuelle Wetterbedingungen.
  3. Ursache einschätzen: Ordnen Sie den Schaden einer der oben genannten Kategorien zu. War es ein Unwetter, ein technischer Ausfall oder ein vermuteter Montagefehler? Um den Fehler besser einordnen zu können, hilft es, die grundlegende [INTERNER LINK: Funktionsweise einer Photovoltaikanlage | Linkziel: /photovoltaikanlage-funktionsweise/] zu verstehen.
  4. Ansprechpartner kontaktieren:
    • Bei Montagemängeln: Kontaktieren Sie Ihren Installateur.
    • Bei Schäden durch äußere Einflüsse: Melden Sie den Schaden Ihrer Versicherung.
    • Bei Leistungsabfall eines Bauteils: Kontaktieren Sie Ihren Installateur, der den Garantieprozess mit dem Hersteller einleitet.

FAQ – Häufige Fragen zur Haftung und Absicherung

Ist eine separate PV-Versicherung immer notwendig?
Viele Wohngebäudeversicherungen decken Photovoltaikanlagen bis zu einer bestimmten Leistung (z. B. 10 kWp) beitragsfrei oder gegen einen geringen Aufschlag mit ab. Eine separate PV-Versicherung bietet jedoch oft einen umfassenderen Schutz, der beispielsweise auch Ertragsausfall, Bedienungsfehler oder Schäden an der Verkabelung abdeckt. Ein Vergleich der Konditionen ist ratsam.

Was ist der Unterschied zwischen Produkt- und Leistungsgarantie?
Die Produktgarantie sichert die materielle Fehlerfreiheit des Solarmoduls selbst zu (z. B. Rahmen, Glas, Anschlussdose) für einen Zeitraum von typischerweise 10–15 Jahren. Die Leistungsgarantie bezieht sich hingegen auf die Stromerzeugung und garantiert, dass das Modul nach 25 oder 30 Jahren noch einen bestimmten Prozentsatz seiner Anfangsleistung erbringt.

Wie lange haftet mein Installateur?
Die gesetzliche Gewährleistung für die Montagearbeiten beträgt in der Regel zwei Jahre. Nur wenn vertraglich die VOB/B vereinbart wurde, verlängert sie sich auf vier oder fünf Jahre. Unabhängig davon kann der Installateur natürlich eine eigene, freiwillige Garantie auf seine Arbeit geben.

Deckt die Garantie auch die Kosten für den Austausch des defekten Teils?
Das ist ein wichtiger Punkt und hängt von den Garantiebedingungen des Herstellers ab. Manche Hersteller ersetzen nur das defekte Bauteil (z. B. ein einzelnes Solarmodul). Die Kosten für die Demontage des alten Teils und die Montage des neuen (Arbeitszeit, Gerüst etc.) sind nicht immer abgedeckt. Viele Anlagenbetreiber bevorzugen daher Produkte von Herstellern, deren Garantiebedingungen auch diese Nebenkosten abdecken.

Fazit: Gute Planung und Absicherung zahlen sich aus

Die Verantwortung für einen Schaden an Ihrer Photovoltaikanlage ist klar verteilt. Während der Installateur für die handwerklich einwandfreie Montage geradesteht, garantiert der Hersteller die Qualität seiner Produkte über Jahre hinweg. Für alle unvorhersehbaren Ereignisse von Sturm bis Tierbiss bietet eine gute Versicherung den nötigen Schutz.

Eine sorgfältige Auswahl der Komponenten und des Installationsbetriebs legt den Grundstein für einen langfristig störungsfreien Betrieb. So stellen Sie sicher, dass Ihre Anlage nicht nur die Umwelt, sondern auch Ihren Geldbeutel schont.


Weitere praxisnahe Informationen zur Auswahl der richtigen Komponenten finden Sie direkt auf Photovoltaik.info.

Im Shop von Photovoltaik.info finden Sie Komplettsets, die auf typische Anlagengrößen abgestimmt sind.

Ratgeber teilen
OLEKSANDR PUSHKAR
OLEKSANDR PUSHKAR