Photovoltaikanlage bei mehreren Dachflächen: So planen Sie richtig

Viele Hausbesitzer glauben, ihr Dach sei für eine Photovoltaikanlage ungeeignet, weil es verwinkelt ist, eine Gaube hat oder in verschiedene Himmelsrichtungen zeigt. Doch diese Sorge ist heute meist unbegründet. Dank moderner Technik lassen sich auch komplexe Dachlandschaften effizient zur Stromerzeugung nutzen. Wir zeigen Ihnen, wie Sie das Potenzial Ihrer Dachflächen richtig einschätzen und die einzelnen Bereiche zu einer optimalen Anlage kombinieren.

Warum ein komplexes Dach heute kein Hindernis mehr ist

Der Mythos des perfekten Süddachs hält sich hartnäckig, doch Technik und Realität haben sich weiterentwickelt. Früher wurden alle Solarmodule wie bei einer Lichterkette in Reihe geschaltet. Fiel ein Modul durch Schatten oder eine ungünstige Ausrichtung leistungsmäßig ab, zog es die gesamte Kette mit nach unten.

Dieses Problem ist heute gelöst: Moderne Wechselrichter und Komponenten ermöglichen es, unterschiedliche Dachflächen wie separate kleine Kraftwerke zu betreiben und zu einer Gesamtanlage zusammenzufassen. Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme belegt sogar, dass Ost-West-Anlagen über den Tag verteilt eine gleichmäßigere Stromproduktion liefern als reine Südanlagen. Das Ergebnis ist ein höherer Eigenverbrauch, da der Strom genau dann erzeugt wird, wenn er im Haushalt typischerweise benötigt wird – morgens und am späten Nachmittag.

Die richtige Anlagengröße ermitteln: Eine schrittweise Anleitung

Um die richtige Anlagengröße für ein komplexes Dach zu finden, wird nicht das Dach als Ganzes betrachtet, sondern jede Teilfläche für sich. Die Gesamtleistung ergibt sich aus der Summe dieser einzelnen Potenziale.

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Schritt 1: Das Potenzial jeder Teilfläche analysieren

Nehmen Sie sich den Bauplan Ihres Hauses zur Hand oder nutzen Sie eine Satellitenansicht, um alle nutzbaren Dachflächen zu identifizieren. Achten Sie bei jeder einzelnen Fläche auf drei entscheidende Faktoren:

  1. Verfügbare Fläche: Messen Sie die Länge und Breite der unverschatteten Fläche. Ziehen Sie Platz für Schornsteine, Dachfenster oder Lüftungsrohre ab. Ein Standard-Solarmodul benötigt etwa 1,8 m². So bietet eine typische Garagendachfläche von 15 m² Platz für rund 8 Module.
  2. Ausrichtung (Himmelsrichtung): Bestimmen Sie die Ausrichtung jeder Fläche. Süd, Süd-Ost und Süd-West sind ideal, aber auch reine Ost- und Westdächer sind sehr rentabel. Selbst nach Norden ausgerichtete Flächen können bei geringer Dachneigung sinnvoll belegt werden.
  3. Dachneigung: Die optimale Neigung liegt in Deutschland bei etwa 30 bis 35 Grad. Abweichungen zwischen 10 und 50 Grad führen jedoch nur zu geringen Ertragseinbußen von 5 bis 10 %.

Praxisbeispiel: Ein Einfamilienhaus mit klassischem Satteldach hat oft eine Ost- und eine Westseite mit jeweils 30 m² nutzbarer Fläche. Beide eignen sich hervorragend für die Belegung mit PV-Modulen.

Schritt 2: Den möglichen Energieertrag pro Fläche abschätzen

Die Leistung einer Photovoltaikanlage wird in Kilowatt-Peak (kWp) angegeben. Als Faustregel gilt: Für 1 kWp Leistung benötigen Sie etwa 5–6 m² Dachfläche. Pro installiertem kWp können Sie in Deutschland mit einem jährlichen Stromertrag von 900 bis 1.100 Kilowattstunden (kWh) rechnen, abhängig von der regionalen Sonneneinstrahlung und Ausrichtung.

Beispielrechnung für eine Dachhälfte:

  • Fläche: 30 m²
  • Mögliche Leistung: 30 m² / 5,5 m²/kWp ≈ 5,45 kWp
  • Jährlicher Ertrag: 5,45 kWp * 1.000 kWh/kWp ≈ 5.450 kWh

Wenn Sie beide Dachhälften (Ost und West) belegen, verdoppelt sich der potenzielle Ertrag auf rund 10.900 kWh pro Jahr. Ein kostenloser Photovoltaik-Rechner hilft Ihnen, diese Werte für Ihre genaue Adresse zu präzisieren.

Schritt 3: Die Gesamtgröße am Verbrauch ausrichten

Die technisch maximal mögliche Anlagengröße ist nicht immer die wirtschaftlich sinnvollste. Orientieren Sie sich daher an Ihrem Jahresstromverbrauch.

  • Typischer 4-Personen-Haushalt: ca. 4.500 kWh pro Jahr
  • Haushalt mit Wärmepumpe: ca. 7.000–9.000 kWh pro Jahr
  • Haushalt mit E-Auto: plus ca. 2.000 kWh pro 10.000 km Fahrleistung

In der Praxis bewährt es sich, die Anlage so zu dimensionieren, dass sie den eigenen Jahresverbrauch rechnerisch deckt. Eine 5-kWp-Anlage (ca. 28 m² Fläche) erzeugt beispielsweise rund 5.000 kWh und passt gut zu einem durchschnittlichen Haushalt. Bei einem komplexen Dach können diese 28 m² einfach auf eine Ost- und eine Westfläche aufgeteilt werden (z. B. je 14 m²).

Die richtige Technologie für verwinkelte Dächer

Damit die unterschiedlichen Erträge der Teilflächen die Gesamtleistung nicht schmälern, ist die Wahl des richtigen Wechselrichters entscheidend.

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String-Wechselrichter mit mehreren MPP-Trackern

Sie sind die gängigste und kosteneffizienteste Lösung. Ein MPP-Tracker (Maximum Power Point Tracker) funktioniert wie ein separater Eingang am Wechselrichter. Jede einheitlich ausgerichtete Dachfläche wird an einen eigenen MPP-Tracker angeschlossen. So kann die Ostseite morgens ihre volle Leistung bringen, ohne von der noch unbeschienenen Westseite ausgebremst zu werden. Moderne Wechselrichter verfügen oft über zwei oder mehr MPP-Tracker und sind damit ideal für Ost-West-Dächer oder Dächer mit Gauben.

Modulwechselrichter (Mikrowechselrichter)

Bei sehr komplexen Dächern mit vielen kleinen Flächen oder starker Teilverschattung durch Bäume oder Nachbargebäude sind Mikrowechselrichter eine hervorragende Alternative. Bei dieser Technik erhält jedes Solarmodul einen eigenen, kleinen Wechselrichter. Fällt ein Modul aus oder liegt im Schatten, beeinflusst das die anderen nicht. Diese Technologie ist zwar etwas teurer, maximiert aber den Ertrag unter schwierigen Bedingungen.

Leistungsoptimierer

Als Hybridlösung kombinieren Leistungsoptimierer die Vorteile beider Systeme. Sie werden wie Mikrowechselrichter an jedem Modul installiert, wandeln den Gleichstrom aber nicht direkt in Wechselstrom um. Stattdessen optimieren sie die Leistung jedes einzelnen Moduls, bevor der Strom zu einem zentralen String-Wechselrichter fließt. Leistungsoptimierer sind eine gute Wahl, wenn nur einzelne Module einer ansonsten einheitlichen Fläche von Verschattung betroffen sind.

Häufige Fragen (FAQ) zur Planung auf komplexen Dächern

Lohnt sich eine PV-Anlage auch ohne perfekte Südausrichtung?

Ja, absolut. Ost-West-Anlagen sind für den Eigenverbrauch oft sogar vorteilhafter, da sie den Strom liefern, wenn er im Haushalt am meisten gebraucht wird: morgens beim Frühstück und abends beim Kochen. Die geringen Ertragseinbußen gegenüber einer reinen Südausrichtung werden durch den höheren Eigenverbrauch meist mehr als ausgeglichen.

Was passiert bei Verschattung durch eine Gaube oder einen Baum?

Temporäre Verschattung ist dank moderner Technik heute kein Problem mehr. Leistungsoptimierer oder Mikrowechselrichter stellen sicher, dass nur die direkt betroffenen Module ihre Leistung reduzieren, während der Rest der Anlage ungestört weiterproduziert.

Kann ich später noch weitere Dachflächen (z. B. das Garagendach) hinzufügen?

Ja, das ist möglich. Planen Sie eine solche Erweiterung bereits bei der Erstinstallation ein, sollte der Wechselrichter entsprechend größer dimensioniert werden. Aber auch eine spätere Nachrüstung mit einem zusätzlichen Wechselrichter ist problemlos möglich.

Beeinflusst eine schlecht ausgerichtete Fläche die Leistung der anderen?

Nein. Solange jede Dachfläche oder jeder „String“ an einem eigenen MPP-Tracker des Wechselrichters angeschlossen ist, arbeiten alle Bereiche unabhängig voneinander und erbringen ihre jeweils maximal mögliche Leistung.

Fazit: Nahezu jedes Dach hat heute Potenzial

Die Planung einer Photovoltaikanlage auf einem komplexen Dach ist längst kein Hexenwerk mehr. Indem Sie jede Teilfläche separat analysieren und die möglichen Leistungen addieren, erhalten Sie ein klares Bild des Gesamtpotenzials. Moderne Wechselrichter mit mehreren MPP-Trackern, Modulwechselrichter oder Leistungsoptimierer sorgen dafür, dass unterschiedliche Ausrichtungen und Neigungen effizient zusammenspielen.

Lassen Sie sich also nicht von einem verwinkelten Dach entmutigen. Die Chancen stehen gut, dass auch Sie einen erheblichen Teil Ihres Strombedarfs mit sauberer Sonnenenergie decken können. Wenn Sie Ihre individuelle Situation genauer einschätzen möchten, finden Sie im Shop von Photovoltaik.info passende Komplettsets sowie alle notwendigen Einzelkomponenten.

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OLEKSANDR PUSHKAR
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