Photovoltaik bei Ost-West-Dach: Warum die ideale Anlagengröße anders ist

Lange Zeit galt das perfekt nach Süden ausgerichtete Dach als das Nonplusultra für eine Photovoltaikanlage. Doch die Realität in den meisten Haushalten sieht anders aus: Der höchste Stromverbrauch findet morgens und abends statt – genau dann, wenn eine Südanlage bereits schläft oder noch nicht aktiv ist. Genau hier spielt ein Ost-West-Dach seine Stärke aus. Es ist der unerkannte Champion für alle, die ihren eigenen Solarstrom maximal selbst nutzen möchten.

Der Mythos Südausrichtung: Warum der Blick nach Osten und Westen lohnt

Der Fokus auf die Südausrichtung stammt aus einer Zeit, in der das Hauptziel die Maximierung der Stromeinspeisung ins öffentliche Netz war. Dafür war der höchste Jahresertrag entscheidend, den eine Südanlage mit ihrem steilen Produktionsgipfel zur Mittagszeit liefert. Heute haben sich die Prioritäten verschoben: Im Mittelpunkt steht die Maximierung des Eigenverbrauchs.

Der Grund dafür ist ebenso einfach wie wirtschaftlich überzeugend. Laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) liegen die Gestehungskosten für Strom aus einer kleinen Dachanlage bei nur 6 bis 11 Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh). Im Vergleich dazu zahlen Sie für Strom aus dem Netz oft 30 bis 40 ct/kWh. Jede Kilowattstunde, die Sie selbst erzeugen und direkt verbrauchen, spart Ihnen also bares Geld. Es geht nicht mehr nur darum, wie viel Strom Sie erzeugen, sondern wann Sie ihn erzeugen.

Die Erzeugungskurve: Der entscheidende Unterschied zwischen Süd- und Ost-West-Dächern

Um zu verstehen, warum ein Ost-West-Dach für den Eigenverbrauch oft die bessere Wahl ist, lohnt sich ein Blick auf den Tagesverlauf der Stromproduktion.

  • Südausrichtung: Die Anlage produziert den meisten Strom in den Mittagsstunden. Das Ergebnis ist eine hohe, aber schmale Produktionskurve. In vielen Haushalten ist der Strombedarf zu dieser Zeit am geringsten, da die Bewohner bei der Arbeit oder in der Schule sind.
  • Ost-West-Ausrichtung: Hier teilt sich die Produktion auf: Die Ostseite beginnt früh am Morgen mit der Stromerzeugung, sobald die Sonne aufgeht. Zur Mittagszeit lässt ihre Leistung nach, während die Westseite ihre Arbeit aufnimmt und bis in die Abendstunden Strom liefert. Das Ergebnis ist eine breitere, flachere Produktionskurve – wie eine Glocke mit zwei „Schultern“.

Obwohl der Gesamtertrag eines Ost-West-Daches laut der Verbraucherzentrale mit 85 bis 95 Prozent leicht unter dem eines optimalen Süddaches liegen kann, ist der erzeugte Strom wesentlich wertvoller, weil er dann zur Verfügung steht, wenn er gebraucht wird.

![Diagram comparing the production curve of a south-facing roof vs. an east-west roof over a day. The south roof has a high midday peak, while the east-west roof has a broader, flatter curve with morning and afternoon peaks.](IMAGE 1)

Eigenverbrauch maximieren: Wie Ihr Dach zu Ihrem Lebensstil passt

Ein durchschnittlicher deutscher Haushalt verbraucht laut ISE-Studien rund 3.500 kWh Strom pro Jahr. Der typische Verbrauchsverlauf sieht so aus: ein erster Peak am Morgen (Kaffeemaschine, Licht, Föhn), eine Flaute am Mittag und ein hoher, langer Peak am Abend (Kochen, Fernsehen, Beleuchtung, Laden von Geräten).

Hier spielt das Ost-West-Dach seine Stärken aus:

  • Morgens: Die Ostseite Ihrer Anlage deckt bereits den Strombedarf beim Frühstück und dem Start in den Tag.
  • Abends: Die Westseite produziert verlässlich Strom, während Sie kochen, und versorgt Ihre Geräte bis zum Sonnenuntergang.

Die Stromproduktion passt sich also viel besser an den tatsächlichen Verbrauch an. Während eine Anlage ohne Speicher laut der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW) im Schnitt nur einen [Eigenverbrauch](INTERNAL LINK 1: „Eigenverbrauch optimieren“) von etwa 30 % erreicht, kann eine gut geplante Ost-West-Anlage diesen Wert schon von sich aus steigern, da Erzeugung und Verbrauch hier besser übereinstimmen.

![Infographic showing a typical household’s electricity consumption curve (morning peak, midday lull, evening peak) overlaid with the east-west PV production curve, highlighting the high overlap.](IMAGE 3)

Anker SOLIX Solarbank 3 E2700 Pro Balkonkraftwerk Speicher Set 2000 Watt 800 Watt - 5,4 kWh

Aus unserem Shop, Kategorie: Balkonkraftwerke mit Speicher

Anker SOLIX Solarbank 3 E2700 Pro Balkonkraftwerk Speicher Set 2000 Watt 800 Watt - 5,4 kWh

Ab 2.099,00 

Die richtige Anlagengröße: Warum „mehr“ bei Ost-West oft besser ist

Um die Vorteile der Ost-West-Ausrichtung voll auszuschöpfen, ist ein anderer Blick auf die Anlagengröße nötig. Da die Sonneneinstrahlung auf die einzelnen Dachflächen (Ost und West) nie im optimalen Winkel erfolgt und sich die Spitzenleistung aufteilt, ist die Momentanleistung pro Modul geringer als bei einer Südanlage zur Mittagszeit.

Das bedeutet: Damit morgens und abends genügend Leistung zur Verfügung steht, um Verbrauchsspitzen (z. B. den Herd mit 2–3 kW) zu decken, benötigt eine Ost-West-Anlage oft eine höhere installierte Gesamtleistung (kWp).

Ein Praxisbeispiel:
Stellen Sie sich vor, Ihr Haushalt benötigt um 18 Uhr rund 2,5 kW Leistung. Eine 6-kWp-Südanlage produziert zu dieser Zeit kaum noch Strom. Eine 9-kWp-Ost-West-Anlage hingegen kann auf ihrer Westseite noch problemlos 2,5 kW oder mehr erzeugen und diesen Bedarf direkt decken.

Die Erfahrung aus zahlreichen Kundenprojekten auf Photovoltaik.info zeigt, dass sich Hausbesitzer mit Ost-West-Dächern häufig für Anlagen entscheiden, die 20 bis 40 % größer dimensioniert sind als vergleichbare Anlagen für Süddächer. Das Ziel ist nicht, die Einspeisevergütung zu maximieren, sondern die Autarkie im Tagesverlauf zu sichern. Es geht darum, die Dachfläche maximal auszunutzen, um die flachere Leistungskurve zu kompensieren.

![Photo of a modern house with solar panels on both the east and west sides of the roof, clearly visible.](IMAGE 2)

Was ist mit dem Überschuss? Die Rolle des Stromspeichers

Selbst bei einer optimalen Ausrichtung für den Eigenverbrauch wird eine Ost-West-Anlage an sonnigen Tagen zur Mittagszeit mehr Strom produzieren, als Sie verbrauchen können. Dieser überschüssige Strom wird ins Netz eingespeist und vergütet.

Wer seine Unabhängigkeit weiter steigern möchte, kann diesen Überschuss mit einem [Stromspeicher](INTERNAL LINK 2: „Photovoltaik Speicher“) für die Nacht sichern. Die Kombination aus einer großzügig dimensionierten Ost-West-Anlage und einem Speicher ermöglicht es, den Eigenverbrauchsanteil laut HTW Berlin auf 60 bis 80 % zu steigern. Der Speicher wird durch die breite Produktionskurve gleichmäßiger über den Tag geladen als bei einer Südanlage mit ihrer scharfen Mittagsspitze.

FAQ: Häufige Fragen zur Anlagengröße bei Ost-West-Ausrichtung

Lohnt sich ein Ost-West-Dach überhaupt im Vergleich zu einem Süddach?

Ja, absolut. Für das Ziel des maximalen Eigenverbrauchs ist es oft sogar die bessere Wahl. Der finanzielle Vorteil entsteht nicht durch die Einspeisung, sondern durch die Vermeidung von teurem Netzstrom am Morgen und Abend.

12000 Watt Photovoltaikanlagen inkl. 15,00 kWh Batterie & Ziegeldach Montageset - Trina Bifazial

Aus unserem Shop, Kategorie: PV Anlagen mit Speicher und Montagesets

12000 Watt Photovoltaikanlagen inkl. 15,00 kWh Batterie & Ziegeldach Montageset - Trina Bifazial

8.599,00 

Muss ich immer beide Dachseiten belegen?

Um den vollen Vorteil der verlängerten Stromproduktion von morgens bis abends zu nutzen, ist die Belegung beider Seiten ideal. Wenn Ihr Verbrauch jedoch eindeutig auf den Nachmittag und Abend konzentriert ist, kann auch eine reine West-Anlage sehr sinnvoll sein.

Wie groß sollte meine Anlage nun konkret sein?

Eine Faustregel ist, die verfügbare Dachfläche so gut wie möglich zu nutzen. Da die Gestehungskosten pro kWp bei größeren Anlagen sinken, ist „so groß wie möglich“ oft die wirtschaftlichste Variante. Orientieren Sie sich an Ihrem Jahresstromverbrauch als untere Grenze für den Jahresertrag Ihrer Anlage. Um Ihre individuelle [Anlagengröße berechnen](INTERNAL LINK 3: „kWp-Rechner“) zu können, sollten Sie Ihren Verbrauch und die Dachfläche genau analysieren.

Was passiert bei Verschattung?

Verschattung durch Bäume, Schornsteine oder Nachbargebäude reduziert den Ertrag jeder Anlage. Bei einer Ost-West-Anlage hat das aber den Vorteil, dass oft nur eine Seite betroffen ist, während die andere ungestört weiter produziert. Moderne Leistungsoptimierer an den Modulen stellen sicher, dass ein verschattetes Modul nicht die Leistung des gesamten Strangs beeinträchtigt.

Fazit: Das Ost-West-Dach als unerkannter Champion

Die Wahl der richtigen Anlagengröße und -ausrichtung sollte sich nicht an überholten Maximen, sondern an Ihrem persönlichen Lebensstil und Stromverbrauch orientieren. Das Ost-West-Dach ist die ideale Lösung für den modernen Haushalt, der morgens und abends den meisten Strom benötigt.

Um dies zu erreichen, sind solche Anlagen oft größer dimensioniert als klassische Südanlagen. Sie kompensieren die geringere Spitzenleistung durch mehr Fläche und liefern so über einen viel längeren Zeitraum wertvollen Strom für den Eigenverbrauch. Damit wandelt sich das vermeintliche Manko der Ausrichtung in einen entscheidenden Vorteil für Ihre Stromrechnung und Ihre Unabhängigkeit.


Weitere praxisnahe Informationen zur Auswahl der richtigen Komponenten finden Sie direkt auf Photovoltaik.info.

Im Shop von Photovoltaik.info finden Sie Komplettsets, die auf typische Anlagengrößen und Dachtypen abgestimmt sind.

Ratgeber teilen
OLEKSANDR PUSHKAR
OLEKSANDR PUSHKAR